Modellbasierte Bauplanung

Was ist BIM (Building Information Modeling)?

Building Information Modeling

Building Information Modeling ist eine Arbeitsmethode im Bauwesen, bei der ein Bauwerk als dreidimensionales Modell mit hinterlegten Bauteileigenschaften entsteht und alle Beteiligten über Planung, Ausführung und Betrieb hinweg auf denselben Datenbestand zugreifen.

Wer heute an einem größeren Bauvorhaben mitplant, liefert nicht mehr nur Pläne ab, sondern ein Modell, aus dem Mengen, Termine und später der Gebäudebetrieb gezogen werden.

KI-generiertDieses Bild wurde mit KI erzeugt · Yves Hoppe / KI / cmt
Steht für
Building Information Modeling
Typisch bei
Öffentlichen Bauvorhaben und Großprojekten
Austauschformat
IFC, herstellerneutral
Verwechselt mit
3D-Modell ohne Bauteildaten

Bauteile, die etwas über sich wissen

Der Unterschied zur klassischen Planung liegt nicht in der dritten Dimension, sondern in den Daten. Eine Wand im Modell ist kein Paar paralleler Linien, sondern ein Objekt mit Schichtaufbau, Material, Brandverhalten und Hersteller. Aus diesen Eigenschaften ziehst du Mengen, Kosten und Nachweise, ohne sie ein zweites Mal irgendwo einzutippen.

Grundrisse, Schnitte, Ansichten und Bauteillisten sind in dieser Logik keine eigenständigen Dokumente mehr, sondern Auswertungen desselben Modells. Wird ein Fenster verschoben, ändert sich das überall gleichzeitig, auch im Fensterverzeichnis. Der Abgleich von Hand, aus dem in Plansätzen die meisten Widersprüche entstehen, entfällt.

Wie ausführlich ein Bauteil beschrieben sein muss, hängt von der Phase ab. Das Projekt legt dafür den Informationsbedarf fest, oft als Level of Detail und Level of Information bezeichnet. Darin steht, wann ein Fenster nur ein Loch in der Wand sein darf und ab wann Beschlag und Wärmedurchgang hinterlegt sein müssen.

Fachmodelle, Koordination, Austausch

Architektur, Tragwerk und Gebäudetechnik modellieren jeweils für sich. Zusammengeführt wird in einem Koordinationsmodell, in dem eine Kollisionsprüfung nach Überschneidungen sucht: Lüftungskanal durch Unterzug, Steigleitung im Treppenauge. Diese Konflikte im Modell zu klären kostet Stunden, sie auf der Baustelle zu klären kostet Wochen.

Damit das über Programmgrenzen hinweg funktioniert, gibt es IFC als offenes Austauschformat und BCF als Format für die Kommentare und Aufgaben dazu. Ein Modell wandert als IFC zum Prüfbüro, die Anmerkungen kommen als BCF zurück und landen im Ursprungsprogramm an der richtigen Stelle.

Die Begriffe für das Zusammenspiel sind in der Normenreihe ISO 19650 beschrieben. Praktisch wichtiger als die Norm ist der Abwicklungsplan des Projekts: Er legt fest, wer welches Modell liefert, in welchem Takt zusammengeführt wird und welche Benennungsregeln gelten.

Woran es in der Praxis hakt

Der häufigste Fehler ist, BIM als Softwarekauf zu behandeln. Ohne Vereinbarung darüber, wie modelliert wird, entstehen Modelle, die für sich schön aussehen und sich nicht auswerten lassen, weil jedes Büro Bauteile anders benennt und andere Parameter füllt.

Der zweite Fehler betrifft die Erwartung an die Mengen. Ein Modell liefert nur die Mengen, für die es detailliert wurde. Wer im Entwurf Wände ohne Schichten modelliert, bekommt daraus keine belastbare Massenermittlung, egal wie gut die Auswertungsfunktion ist.

Und drittens braucht gemeinsames Arbeiten am Zentralmodell Disziplin: Bearbeitungsbereiche, geregeltes Freigeben, verlässliche Synchronisationszeiten. Wo das schleift, arbeiten am Ende doch wieder alle in ihrer eigenen Kopie.

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Nicht verwechseln

BIM und was oft damit gleichgesetzt wird

BIM gegen CAD

CAD bezeichnet das Werkzeug, mit dem gezeichnet und modelliert wird. BIM ist eine Methode der Zusammenarbeit, die ein solches Werkzeug voraussetzt, aber zusätzlich Regeln für Daten, Rollen und Übergaben mitbringt.

BIM gegen 3D-Modell

Ein reines Geometriemodell zeigt, wie ein Gebäude aussieht, und eignet sich für Visualisierungen. Erst hinterlegte Eigenschaften machen daraus ein Modell, aus dem sich Mengen, Kosten und Nachweise ableiten lassen.

BIM gegen Digitaler Zwilling

Der digitale Zwilling geht über die Planung hinaus und wird im Betrieb laufend mit Messwerten aus dem Gebäude gespeist, etwa aus der Gebäudeleittechnik. Das BIM-Modell liefert dafür die Grundlage, bleibt selbst aber ein Planungs- und Dokumentationsstand.

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In der Praxis

Die Software steht meistens, die Absprachen fehlen

Der erste Koordinationstermin liefert oft mehrere hundert Kollisionen, und die meisten davon sind belanglos: eine Leitung, die durch eine abgehängte Decke läuft, ist kein Konflikt, sondern der Normalfall. Ohne Prüfregeln, die solche Fälle herausfiltern, verbringt das Team den halben Termin mit Wegklicken und übersieht dabei den Träger, der tatsächlich im Weg steht.

Der zweite Punkt ist der Detaillierungsgrad. Wenn nicht festgelegt ist, welche Information wann im Modell stehen muss, modelliert die Haustechnik millimetergenau, während die Architektur noch mit Platzhaltern arbeitet. Am Ende bekommt der Betrieb ein Modell mit hübscher Geometrie, in dem weder Hersteller noch Wartungsintervalle hinterlegt sind, also genau die Daten fehlen, für die der Aufwand betrieben wurde.

Und auf der Baustelle wird umgeplant. Wenn diese Änderungen nur auf Papier landen, ist das Modell nach der Fertigstellung ein Wunschbild und kein Bestand. Wer bis in den Betrieb davon profitieren will, braucht jemanden, der dafür zuständig ist, dass Ausführungsstände zurück ins Modell wandern.

BIM lernen

Wie Fachmodelle zusammengeführt und Kollisionen vor dem ersten Spatenstich gefunden werden, arbeiten die Trainings für Planungs- und Architekturbüros am laufenden Projekt durch.

Häufige Fragen

Ist Revit dasselbe wie BIM?
Nein. Revit ist ein Programm, mit dem sich nach der BIM-Methode arbeiten lässt, genau wie Archicad oder Allplan. Wer ein solches Programm nur zum Zeichnen benutzt und keine Daten pflegt, arbeitet trotzdem nicht nach BIM.
Lohnt sich BIM für ein kleines Büro?
Das hängt weniger an der Bürogröße als am Auftraggeber. Bei öffentlichen Infrastrukturprojekten und größeren Bauherren wird die Methode inzwischen regelmäßig verlangt. Wer vorher anfängt, kann mit einer sauberen Bauteilbibliothek und einer Mengenauswertung starten und muss nicht das ganze Büro auf einmal umstellen.
Was ist IFC?
IFC ist ein offenes, herstellerneutrales Datenformat für Gebäudemodelle, gepflegt von buildingSMART. Es erlaubt den Austausch zwischen unterschiedlichen Programmen, überträgt dabei aber ein festgelegtes Set an Objekten und Eigenschaften und nicht die volle Bearbeitungslogik der Ursprungssoftware.
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