Transparenz in der Lieferkette

Was ist eine SBOM?

Software Bill of Materials

Eine SBOM ist eine maschinenlesbare Stückliste einer Software. Sie führt alle enthaltenen Bestandteile auf, also eigene Module und fremde Bibliotheken samt Version, Herkunft und Lizenz, damit jederzeit nachvollziehbar bleibt, woraus ein ausgeliefertes Produkt tatsächlich besteht.

Wird eine Schwachstelle in einer weit verbreiteten Bibliothek bekannt, entscheidet die Stückliste darüber, ob du die Frage nach der Betroffenheit in Minuten oder in Tagen beantwortest.

KI-generiertDieses Bild wurde mit KI erzeugt · Yves Hoppe / KI / cmt
Gängige Formate
SPDX und CycloneDX
Entsteht
Im Build, je ausgeliefertem Stand
Enthält
Bestandteile mit Version, Herkunft und Lizenz
Ergänzt durch
VEX zur Betroffenheit

Was in der Liste steht

Ein Eintrag nennt mindestens Name, Version, Lieferant und einen eindeutigen Bezeichner, meist eine Package-URL oder eine CPE. Dazu kommen die Lizenzangabe, die Prüfsumme des Artefakts und die Beziehung zu anderen Komponenten, also welche Bibliothek welche weitere nachzieht. Genau diese Beziehungen machen den Unterschied, denn Sicherheitslücken sitzen selten in der Abhängigkeit, die jemand bewusst ausgewählt hat.

Als Austauschformate haben sich SPDX und CycloneDX durchgesetzt. Beide sind maschinenlesbar, beide werden von den üblichen Scannern gelesen, und für den Anfang ist die Wahl weniger wichtig als die Frage, ob die Liste automatisch entsteht.

Erzeugt wird im Build, nicht danach

Eine SBOM, die jemand am Ende eines Projekts von Hand zusammenstellt, ist am Tag der Auslieferung veraltet. Brauchbar wird sie, wenn die Build-Pipeline sie für jedes Artefakt miterzeugt, mit derselben Versionsnummer ablegt und archiviert. Nur dann lässt sich später sagen, was in genau der Version steckte, die beim Kunden läuft.

Container verschieben die Grenze: Neben den Anwendungsabhängigkeiten gehören die Pakete des Basis-Image dazu. Wer nur den Paketmanager der Anwendung ausliest, übersieht die halbe Angriffsfläche.

Der eigentliche Nutzen: Schwachstellenmanagement

Wenn eine Lücke in einer weit verbreiteten Bibliothek bekannt wird, entscheidet die Antwortzeit. Mit gepflegten Stücklisten ist die Frage, welche Produkte und Versionen betroffen sind, eine Abfrage über den Bestand. Ohne sie beginnt eine Suche über Repositories, Build-Skripte und Erinnerungsvermögen.

Damit daraus keine Dauerflut wird, gehört ein zweites Dokument dazu: Mit einem VEX-Statement erklärst du je Schwachstelle, ob dein Produkt überhaupt betroffen ist, etwa weil der verwundbare Codepfad nie aufgerufen wird. Sonst meldet der Scanner Treffer, die niemand einordnen kann.

Regulatorischer Hintergrund

Der Cyber Resilience Act verpflichtet Hersteller von Produkten mit digitalen Elementen dazu, die enthaltenen Komponenten zu erfassen, Schwachstellen zu behandeln und Sicherheitsupdates über einen festgelegten Zeitraum bereitzustellen. Die Stückliste ist dabei kein Selbstzweck, sondern die Grundlage, auf der diese Pflichten überhaupt erfüllbar sind. Die Anforderungen greifen gestaffelt: Die Meldepflichten für aktiv ausgenutzte Schwachstellen gelten ab dem 11. September 2026, der volle Pflichtenkatalog ab dem 11. Dezember 2027.

Auch ohne eigene Herstellerrolle wird das Thema relevant, weil Einkauf und Ausschreibungen zunehmend eine Stückliste verlangen. Wer sie liefern kann, ohne dass ein Projekt dafür aufgesetzt wird, hat den Vorteil auf der Angebotsseite.

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Nicht verwechseln

SBOM und was oft damit gleichgesetzt wird

SBOM gegen VEX

Die SBOM sagt, was drin ist. Ein VEX-Statement sagt, ob eine bekannte Schwachstelle in diesem Produkt ausnutzbar ist. Erst zusammen ergeben beide eine belastbare Aussage.

SBOM gegen Lock-Datei

Dateien wie package-lock.json oder poetry.lock fixieren Versionen für den Build. Sie sind kein Austauschformat, enthalten keine Lieferanten- und Lizenzangaben und decken nur ein Ökosystem ab.

SBOM gegen Lizenzscan

Ein Lizenzscan beantwortet nur die rechtliche Frage. Die SBOM ist der gemeinsame Datenbestand, aus dem Lizenzprüfung und Schwachstellenmanagement gleichermaßen arbeiten.

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In der Praxis

Nützlich wird die Liste erst mit einer Stelle, die sie abfragt

Viele Häuser erzeugen inzwischen eine SBOM, weil ein Kunde sie im Vertrag verlangt, legen sie ab und schauen nie wieder hinein. Der Nutzen entsteht erst, wenn die Listen aller ausgelieferten Stände durchsuchbar an einer Stelle liegen. Dann ist die Frage, welche Installation beim Kunden eine betroffene Bibliothek enthält, eine Abfrage und keine Rundmail an die Entwicklung.

Wichtig ist der Zeitpunkt der Erzeugung. Eine Liste, die jemand nachträglich aus der Dokumentation zusammenschreibt, übersieht die Abhängigkeiten der Abhängigkeiten, und genau dort sitzen die meisten Funde. Erzeugt wird sie deshalb aus dem Build heraus, für jedes Artefakt, und sie wird zusammen mit dem Artefakt versioniert abgelegt. Ohne diese Zuordnung weißt du zwar, was in der aktuellen Entwicklung steckt, aber nicht, was beim Kunden läuft.

Und die Liste allein erzeugt Lärm. Sobald du sie gegen eine Schwachstellendatenbank hältst, meldet jedes größere Projekt eine lange Reihe von Treffern, von denen viele im eigenen Einsatz gar nicht erreichbar sind. Dafür gibt es VEX, eine ergänzende Aussage des Herstellers, ob eine bekannte Schwachstelle das Produkt tatsächlich betrifft. Ohne diese Einordnung erstickt das Team in Meldungen, die es nicht bewerten kann.

SBOM lernen

Wie eine Stückliste im Build entsteht und danach im Schwachstellenmanagement weiterlebt, behandeln die Trainings zu sicherer Softwareauslieferung an einer echten Pipeline.

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Häufige Fragen

SPDX oder CycloneDX, was soll ich nehmen?
Richte dich danach, was deine Kunden und deine Werkzeuge lesen. CycloneDX ist im Schwachstellenumfeld stark verbreitet, SPDX im Lizenz- und Compliance-Umfeld. Die meisten Generatoren geben beides aus, deshalb ist das selten eine Grundsatzentscheidung.
Reicht es, die SBOM einmal pro Release zu erzeugen?
Pro ausgeliefertem Artefakt, nicht pro Release im Kalender. Sobald ein Hotfix eine Bibliothek austauscht, gilt die alte Liste nicht mehr. Deshalb gehört die Erzeugung in die Pipeline und das Ergebnis ins Archiv, nicht in ein Wiki.
Muss ich meine SBOM veröffentlichen?
Nicht zwingend. Viele Hersteller geben sie nur auf Anfrage oder über ein Kundenportal heraus, weil die Liste auch Rückschlüsse auf die eigene Architektur zulässt. Entscheidend ist, dass sie existiert und aktuell ist.

Passt thematisch dazu

Verpflichtend wird so eine Stückliste vor allem durch europäisches Recht, deshalb lohnt ein Blick auf die Pflichten aus dem Cyber Resilience Act samt Fristen .

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