Zugriff bewusst regeln

KI-Crawler aussperren, ohne sich zu schaden

Welche Kennung Trainingsmaterial sammelt, welche für Antworten liest und welche Zeile in der robots.txt am Ende gar nichts bewirkt.

KI-generiertDieses Bild wurde mit KI erzeugt · Yves Hoppe / KI / cmt
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Worum es geht

Eine Zeile, die mehr abschaltet als gemeint war

Der Auslöser ist meistens eine Meldung über KI und Urheberrecht. Danach landet ein pauschales Verbot in der robots.txt, oft an einem Freitagnachmittag und ohne Notiz. Gemeint war: unsere Texte nicht ins Training. Bewirkt hat es: keine Nennung mehr in Antworten, weil dieselbe Sperre auch die Abrufdienste trifft.

Der Rückgang zeigt sich mit Wochen Verzögerung und sieht in der Webanalyse aus wie ein allgemeiner Trend. Wer die Änderung nicht dokumentiert hat, sucht die Ursache dann bei Inhalten, Technik oder Wettbewerb und findet sie nicht.

Der umgekehrte Fehler ist genauso häufig: Es steht ein Verbot in der Sternchen-Gruppe, weiter unten aber eine eigene Gruppe für genau die Kennung, die man treffen wollte. Sie befolgt ihre eigene Gruppe und ignoriert das Verbot vollständig.

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Schritt für Schritt

Schritt für Schritt

  1. 1

    Bestand aufnehmen

    Ruf deine robots.txt im Browser auf und schreib jede Gruppe mit ihren Regeln untereinander. Markiere Kennungen, deren Zweck du nicht sicher benennen kannst.

    Geschafft, wenn: eine Liste, in der zu jeder Gruppe der Zweck steht

  2. 2

    Zwecke zuordnen

    Ordne jede Kennung einem der drei Zwecke zu, also Trainingsmaterial, Antwortindex oder Abruf im Nutzerauftrag. Arbeite dabei mit der Dokumentation der Anbieter und nicht mit Listen aus Blogbeiträgen.

    Geschafft, wenn: keine Kennung ohne zugeordneten Zweck

  3. 3

    Entscheidung schriftlich treffen

    Leg je Zweck fest, was gelten soll, und halte in einem Satz fest, warum. Marketing, IT und Rechtsabteilung sollten diesen Satz kennen, bevor die Datei angefasst wird.

    Geschafft, wenn: ein Beschluss, der drei Monate später noch nachvollziehbar ist

  4. 4

    Regeln sauber schreiben

    Gib jeder Kennung ihre eigene Gruppe und wiederhole darin alle Verbote, die auch aus der Sternchen-Gruppe gelten sollen. Verlass dich nicht darauf, dass Regeln sich addieren, denn das tun sie nicht.

    Geschafft, wenn: jede Gruppe steht für sich und ist vollständig

  5. 5

    Wirkung prüfen

    Ruf die Datei nach dem Ausrollen unter der öffentlichen Adresse ab, nicht nur im Entwicklungssystem, und beobachte im Log über zwei Wochen, welche Kennungen weiterhin Seiten holen.

    Geschafft, wenn: die Zugriffe im Log passen zu deiner Entscheidung

  6. 6

    Änderung dokumentieren

    Trage Datum, Änderung und Begründung ins Änderungsprotokoll ein und lege eine Erinnerung für die nächste Prüfung in einem halben Jahr an.

    Geschafft, wenn: ein Eintrag, den auch jemand ohne Vorgeschichte versteht

Drei Zwecke, zwei Sonderfälle

  1. 01 Sammeln fürs Training: Material für künftige Modellstände, ohne Verweis auf dich.
  2. 02 Aufbau eines Antwortindex: daraus entstehen Antworten mit Quellenangabe.
  3. 03 Abruf im Nutzerauftrag: eine einzelne Seite wird für eine konkrete Frage geholt.
  4. 04 Ein Name für eine Nutzungserlaubnis ist kein Crawler und hält keinen Zugriff auf.
  5. 05 Ein pauschales Verbot trifft alle diese Fälle gleichzeitig.
Was du mitnimmst

Was du danach sicher entscheidest

Am Ende steht eine robots.txt, die zu einer schriftlichen Entscheidung passt, und die Fähigkeit, im Log nachzuweisen, dass sie wirkt.

Kennungen zuordnen

Du weißt zu jedem Namen in deiner Datei, ob er Trainingsmaterial sammelt, einen Antwortindex füllt oder im Nutzerauftrag abruft.

Gruppenlogik beherrschen

Du schreibst Gruppen, die für sich vollständig sind, weil eine Kennung nur ihre genaueste Gruppe befolgt und alle anderen ignoriert.

Nebenwirkungen abschätzen

Du kannst vor der Änderung benennen, welche Sichtbarkeit ein pauschales Verbot kostet, und legst das der Entscheidung bei.

Grenzen kennen

Du weißt, dass die Datei eine Bitte ist, nicht rückwirkend gilt und je Host und Protokoll geprüft werden muss.

Wirkung nachweisen

Du filterst das Serverlog nach Kennungen und siehst innerhalb von zwei Wochen, ob deine Regeln befolgt werden.

Änderungen belegen

Du hinterlässt zu jeder Änderung Datum und Begründung, sodass ein Rückgang Monate später zuordenbar bleibt.

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Drei Zwecke, die man auseinanderhalten muss

Der erste Zweck ist das Sammeln von Trainingsmaterial. Der zweite ist der Aufbau eines eigenen Suchindex, aus dem heraus ein Assistent Antworten zusammensetzt und dabei Quellen verlinkt. Der dritte ist der Abruf im Nutzerauftrag: Jemand fügt eine Adresse in einen Chat ein oder stellt eine Frage, und das System holt genau diese eine Seite. Die großen Anbieter verwenden dafür getrennte Kennungen, damit du je Zweck entscheiden kannst.

Praktisch heißt das: Wer nur das Training ausschließen will, sperrt die Sammelkennung und lässt die Such- und Abrufkennungen zu. Wer alles sperrt, verschwindet auch aus den Antworten, in denen er sonst als Quelle verlinkt worden wäre. Diese Entscheidung gehört nicht in die IT allein, sondern zusammen mit Marketing und Rechtsabteilung getroffen.

Ein Sonderfall ist Google-Extended. Das ist kein Crawler, der Seiten holt, sondern ein Name, den du in der robots.txt ansprechen kannst, um die Verwendung deiner Inhalte für bestimmte KI-Produkte zu regeln. Gecrawlt wird weiter vom normalen Googlebot, und die Antwortkästen in der Suche hängen an dieser Indexierung. Wer dort weniger Text zeigen will, arbeitet mit den Snippet-Angaben und nicht mit Google-Extended.

Wie die Gruppen in der robots.txt wirklich gelesen werden

Eine Kennung befolgt genau eine Gruppe, nämlich die mit der genauesten Übereinstimmung ihres Namens, und ignoriert alle anderen vollständig. Eine Gruppe für User-agent: * mit einem Verbot nützt also nichts, wenn weiter unten eine eigene Gruppe für dieselbe Kennung steht, die das Verbot nicht wiederholt. Das ist der häufigste Fehler in gewachsenen Dateien.

Namen werden dabei ohne Rücksicht auf Groß- und Kleinschreibung verglichen, aber nicht als Wortteil: Eine Gruppe für GPTBot gilt nicht für ChatGPT-User, obwohl beide zum selben Anbieter gehören. Jede Kennung, die du regeln willst, braucht ihre eigene Zeile.

Und schließlich: Die robots.txt ist eine Bitte, keine Sperre. Wer sie ignoriert, wird davon nicht aufgehalten. Das ist kein Argument dagegen, sie zu pflegen, wohl aber eines dafür, heikle Inhalte nicht mit ihr zu schützen.

Was ein pauschales Verbot kostet

Sichtbar wird der Verlust erst mit Verzögerung. Seiten, die aus einem Antwortindex fallen, verschwinden nicht sofort, sondern beim nächsten Durchlauf, und die Verweise aus Chatoberflächen versiegen langsam. In der Webanalyse sieht das aus wie ein allgemeiner Rückgang und nicht wie die Folge einer Zeile in einer Textdatei.

Deshalb gehört jede Änderung an dieser Datei ins Änderungsprotokoll, mit Datum und Begründung. Wenn drei Monate später jemand nach der Ursache sucht, ist das die einzige Spur, die weiterhilft.

Was die robots.txt nicht leistet

Sie verhindert das Crawlen, nicht die Aufnahme einer Adresse in einen Index: Eine gesperrte Seite kann weiter als bloße Adresse auftauchen, wenn andere auf sie verlinken. Sie schützt auch nicht rückwirkend, denn was einmal gesammelt wurde, holt kein Eintrag zurück. Und sie gilt je Host und Protokoll, eine Datei auf der Hauptdomain regelt nichts für eine Subdomain.

Dazu passende Kurse

Welche Kennung wofür steht und wie du das nachhältst, üben die Weiterbildungen zur Steuerung von Bots und Crawlern .

Was du gewinnst, wenn du die Abrufdienste bewusst zulässt, gehört zu den Formate für Redaktion und Reichweite .

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Häufige Fragen

Sperre ich mit Google-Extended die Antwortkästen in der Google-Suche aus?
Nein. Google-Extended regelt die Verwendung deiner Inhalte für bestimmte KI-Produkte, nicht das Crawlen durch den Googlebot, und die Antwortkästen in der Suche greifen auf denselben Suchindex zu wie die normalen Ergebnisse. Wenn du dort weniger Text zeigen willst, arbeitest du mit den Snippet-Angaben.
Reicht User-agent: * mit Disallow: /, um alle KI-Kennungen auszusperren?
Nur für Kennungen, die keine eigene Gruppe in deiner Datei haben. Sobald weiter unten eine eigene Gruppe steht, gilt für sie ausschließlich diese Gruppe. Und wer sich nicht an die Datei hält, wird ohnehin nur durch eine serverseitige Sperre aufgehalten.
Wirkt eine Sperre rückwirkend?
Nein. Sie regelt künftige Zugriffe. Was bereits gesammelt wurde, wird durch einen neuen Eintrag nicht entfernt.
Brauche ich für jede Subdomain eine eigene Datei?
Ja. Die robots.txt gilt je Host und Protokoll. Eine Subdomain braucht eine eigene Datei, die der Hauptdomain gilt dort nicht.
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Wer die Kennungen und ihre Zwecke einmal sortiert hat, führt die Diskussion zwischen Recht, Marketing und IT mit Argumenten statt mit Bauchgefühl.