Vom Versuch zum Dienst

Was nach dem Training kommt, entscheidet über den Nutzen

Ein Modell mit guter Trefferquote im Versuch ist wertlos, solange niemand es aktualisieren, messen und im Zweifel innerhalb von Minuten zurücknehmen kann.

KI-generiertDieses Bild wurde mit KI erzeugt · Yves Hoppe / KI / cmt
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Worum es geht

Der Prototyp funktioniert, und genau deshalb unterschätzen alle den Rest

Ein Modell entsteht in einer Umgebung, in der Daten aufbereitet vorliegen, die Bibliotheksversionen zufällig zusammenpassen und ein Mensch die Ergebnisse ansieht. Im Betrieb fehlt jede dieser drei Bedingungen. Die Daten kommen aus dem Tagesgeschäft, die Umgebung ist eine andere, und niemand schaut auf einzelne Ergebnisse.

Der häufigste stille Ausfall entsteht nicht im Modell, sondern davor. Ein Vorsystem ändert ein Feld, füllt es plötzlich anders oder liefert eine Kategorie mehr, und das Modell rechnet weiter, nur eben schlechter. Es gibt keinen Fehler, keinen Alarm und keinen Absturz, sondern schleichend sinkende Qualität, die erst auffällt, wenn sich jemand über die Ergebnisse wundert.

Was das kostet, hängt an der Verwendung. Wo Vorhersagen in Entscheidungen einfließen, hat das Haus wochenlang auf einer schlechter gewordenen Grundlage entschieden und kann hinterher nicht mehr rekonstruieren, welche Modellversion welches Ergebnis erzeugt hat. Genau diese Rekonstruierbarkeit ist der Kern der Rolle.

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Wer entscheidet was

Wer entscheidet was zwischen Datenwissenschaft und Betrieb

Diese Rolle sitzt zwischen zwei Bereichen, die unterschiedlich arbeiten und selten dieselbe Sprache sprechen. Die Übersicht ordnet die Themen zu, an denen sich das regelmäßig entzündet.

Ob ein Modell produktiv geht

Wer entscheidet
Die Fachseite, die für die Entscheidungen aus den Ergebnissen geradesteht
Wer setzt um
MLOps gemeinsam mit dem Betrieb, entlang der vereinbarten Freigabekriterien
Stolperfalle
Freigegeben wird nach der Trefferquote im Versuch, ohne dass jemand den Vergleich mit der bisherigen einfachen Regel gerechnet hat.

Qualität der Eingangsdaten

Wer entscheidet
Die Stelle, der die Quelldaten fachlich gehören
Wer setzt um
Datenhaltung und MLOps, die Prüfungen und Meldewege einrichten
Stolperfalle
Ein Vorsystem ändert ein Feld ohne Ankündigung, und die Verschlechterung fällt erst Wochen später auf.

Zeitpunkt für ein neues Training

Wer entscheidet
Vorher festgelegte Schwellen, nicht das Gefühl einzelner Beteiligter
Wer setzt um
Die Trainingsstrecke, die auf Abruf oder nach Zeitplan läuft
Stolperfalle
Neu trainiert wird nach Beschwerden, und weil dabei auch die Daten anders sind, weiß niemand, was die Verbesserung bewirkt hat.

Bewertung der Ergebnisqualität

Wer entscheidet
Die Fachseite anhand von Beispielen aus dem echten Betrieb
Wer setzt um
MLOps, die Stichproben zieht und die Bewertung vergleichbar hält
Stolperfalle
Gemessen wird nur die technische Verfügbarkeit, und die inhaltliche Qualität taucht in keiner Kennzahl auf.

Kosten für Rechenleistung

Wer entscheidet
Wer das Budget des Anwendungsfalls trägt
Wer setzt um
MLOps über Zuordnung, Grenzen und das Abschalten ungenutzter Umgebungen
Stolperfalle
Ein Versuchsaufbau mit Grafikkarten läuft nach dem Projekt weiter, weil niemand ihn als seinen erkennt.

Sechs Stationen vom Versuch zum überwachten Dienst

  1. 01 Der Trainingslauf ist wiederholbar und dokumentiert seine Eingaben.
  2. 02 Das Modell liegt versioniert in einer Ablage statt auf einem Rechner.
  3. 03 Ein fester Prüfsatz entscheidet über die Freigabe.
  4. 04 Die Auslieferung erfolgt zuerst für einen kleinen Anteil.
  5. 05 Eingangsdaten und Ergebnisse werden laufend gemessen.
  6. 06 Die vorherige Version bleibt für die Rücknahme bereit.
Was du mitnimmst

Was du mitnimmst

Du bekommst die Bausteine, mit denen aus einem Versuch ein wartbarer Dienst wird, und die Messpunkte, an denen du eine schleichende Verschlechterung erkennst, bevor es die Fachseite tut.

Alles versionieren, nicht nur den Code

Du hältst Datenstand, Trainingscode, Parameter und Modellstand zusammen fest, damit ein Ergebnis später reproduzierbar bleibt.

Die Datenstrecke überwachen

Du prüfst eingehende Daten auf Struktur, Wertebereiche und Verteilung, weil die meisten Verschlechterungen vor dem Modell entstehen.

Ein Prüfset als Türsteher

Du lässt keine neue Modellversion in Produktion, die gegen den festen Prüfsatz schlechter abschneidet als die laufende.

Vorsichtig ausrollen

Du schaltest eine neue Version zuerst für einen kleinen Anteil frei oder lässt sie im Schattenbetrieb mitlaufen, bevor sie den Verkehr übernimmt.

Den Weg zurück offenhalten

Du behältst die vorherige Modellversion betriebsbereit, damit eine Rücknahme eine Umschaltung ist und kein neues Training.

Kosten sichtbar machen

Du erfasst Rechenzeit, Speicher und Abfragekosten je Anwendungsfall, weil Modellbetrieb sonst als unerklärter Posten in der Rechnung landet.

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Was die Rolle vom ML-Engineer und vom DevOps Engineer trennt

Der Machine Learning Engineer wählt Verfahren, baut Merkmale und trainiert, und sein Ergebnis ist ein Modell mit belegter Güte. MLOps beginnt an dem Punkt, an dem dieses Modell dauerhaft laufen soll: Verpackung, Auslieferung, Messung, Aktualisierung, Rücknahme. Der DevOps Engineer macht das Gleiche für Anwendungen, kennt aber die Besonderheiten nicht, an denen Modelle scheitern.

Diese Besonderheiten sind der eigentliche Inhalt der Rolle. Eine Anwendung ist nach dem Ausrollen fertig, ein Modell beginnt zu altern, weil sich die Wirklichkeit unter ihm verändert. Eine Anwendung hat ein richtiges Verhalten, ein Modell nur ein besseres oder schlechteres. Und der Zustand eines Modells hängt an Daten, die selbst versioniert werden müssen, sonst ist ein Ergebnis später nicht mehr erklärbar.

Bei Sprachmodellen verschiebt sich der Schwerpunkt noch einmal. Trainiert wird selten, betrieben dafür umso mehr: Kapazität, Antwortzeiten, Zwischenspeicher für wiederkehrende Anfragen, Kosten je Anfrage und die Bewertung von Ausgaben, die bei gleicher Eingabe nicht gleich ausfallen. Die Werkzeuge unterscheiden sich, die Aufgabe bleibt dieselbe.

Der Teil, an dem die meisten Vorhaben hängen bleiben

Nicht am Modell, sondern an der Strecke davor. Ein Modell braucht dieselben Merkmale im Betrieb wie im Training, in derselben Berechnung und mit derselben Bedeutung. Wo diese Berechnung im Training in einem Notebook steht und im Betrieb in einem anderen Programm nachgebaut wird, entstehen Abweichungen, die niemand sucht, weil beide Seiten für sich plausibel aussehen.

Der zweite Stolperstein ist die Bewertung im laufenden Betrieb. Die technische Überwachung sagt, ob der Dienst antwortet, nicht ob er richtig antwortet. Dafür brauchst du entweder eine spätere Rückmeldung aus dem Geschäftsprozess, etwa ob die vorhergesagte Ausschussteilmenge tatsächlich Ausschuss war, oder eine regelmäßige Stichprobe mit menschlicher Bewertung. Beides muss eingeplant sein, sonst findet es nicht statt.

Der dritte Punkt betrifft die Nachweise. Wer KI-Systeme betreibt, muss zunehmend belegen können, welche Version wann welche Ergebnisse geliefert hat und wie mit auffälligen Fällen umgegangen wurde. Diese Protokollierung im Betrieb aufzusetzen ist deutlich billiger, als sie später zu rekonstruieren.

Der Weg hinein und woran du wächst

Es gibt zwei Herkünfte. Aus dem Betrieb oder der Automatisierung kommend beherrschst du Auslieferung, Container und Überwachung und musst verstehen, was ein Modell ist, warum es altert und was eine Trefferquote aussagt. Aus der Datenwissenschaft kommend kennst du die Modelle und musst lernen, wie Software gebaut, versioniert und betrieben wird. Der zweite Weg ist der längere, weil Betriebswissen sich schlecht im Alleingang aneignen lässt.

Der Unterschied zwischen zwei Leuten mit gleicher Berufsdauer zeigt sich am Umgang mit Fehlern ohne Fehlermeldung. Wer nur auf Ausfälle reagiert, betreut einen Dienst, der irgendwann leise falsch liegt. Wer Verteilungen, Eingangsdaten und Stichproben im Blick hat, bemerkt die Verschlechterung, während sie entsteht.

Weiter geht es in Richtung Plattformarbeit für KI-Anwendungen, in die Architektur solcher Systeme, in die Absicherung von Modellen und Datenzugriffen oder in die Verantwortung für einen ganzen Anwendungsbereich. In vielen Häusern wächst die Rolle außerdem in die Zuarbeit für Nachweispflichten hinein, weil dort die technischen Belege entstehen.

Wohin die Rolle im Unternehmen gehört

In der Praxis gibt es drei Verankerungen. In der IT, dann ist die Rolle nah am Betrieb und weit weg von der Fachlichkeit. Im Datenbereich, dann ist es umgekehrt. Oder im Fachbereich selbst, was bei einzelnen Anwendungsfällen schnell ist und spätestens beim dritten Modell an Grenzen stößt, weil dort niemand Bereitschaft und Aktualisierung leisten kann.

Für die eigene Entscheidung ist das im Bewerbungsgespräch die nützlichste Frage: Wo hängt die Stelle, wer trägt die Bereitschaft, und wie viele Modelle laufen bereits produktiv. Bei null produktiven Modellen ist die Rolle in Wahrheit ein Aufbauauftrag, und das ist etwas anderes als Betrieb.

Dazu passende Kurse

Den Übergang vom Versuch in den Betrieb üben Kurse, in denen du ein Modell aus dem Notebook in einen laufenden Dienst überführst .

Weil Modelle nicht im luftleeren Raum laufen, gehören Trainings, in denen der Unterbau für KI-Anwendungen entsteht dazu.

Was verdient man

Warum es zu dieser Rolle keine amtliche Zahl gibt

Für diese Rolle gibt es keine amtliche Zahl, weil die Klassifikation der Berufe aus dem Jahr 2010 stammt und weder KI-Betrieb noch die Kombination aus Datenarbeit und Systembetrieb als eigene Gattung kennt. Eine Zuordnung zu einer bestehenden Zelle wäre unsere Entscheidung und keine Messung, deshalb steht hier keine. Die im Netz kursierenden Angaben zu diesem Titel stammen aus Stellenanzeigen und Selbstauskünften, deren Grundgesamtheit niemand kennt, und derselbe Titel steht dort für sehr verschiedene Zuschnitte. Was den Verdienst hier tatsächlich treibt, ist die Vorerfahrung: Betriebs- und Automatisierungswissen wird anders bewertet als Modellwissen, und wer beides belegen kann, verhandelt aus einer anderen Lage.

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Häufige Fragen

Was ist der Unterschied zwischen MLOps Engineer und Machine Learning Engineer?
Der Machine Learning Engineer baut und trainiert das Modell, MLOps bringt es in einen dauerhaften Betrieb und hält es dort messbar. In kleinen Teams macht eine Person beides, in größeren trennt es sich, sobald mehrere Modelle gleichzeitig laufen und jemand für Aktualisierung, Überwachung und Rücknahme geradestehen muss.
Brauche ich tiefe Mathematikkenntnisse?
Für diese Rolle nicht in der Tiefe, die das Entwickeln neuer Verfahren verlangt. Du solltest verstehen, was eine Kennzahl wie Genauigkeit oder Trefferquote aussagt, warum sie bei unausgewogenen Daten täuscht und wie ein Vergleich gegen eine einfache Regel aufgebaut wird. Der Schwerpunkt liegt auf Software, Betrieb und Messung.
Wie oft muss ein Modell neu trainiert werden?
Das hängt davon ab, wie schnell sich die Wirklichkeit unter dem Modell verändert. Statt eines festen Rhythmus ist eine Schwelle sinnvoll: Wenn die gemessene Qualität oder die Verteilung der Eingangsdaten einen vereinbarten Wert verlässt, wird trainiert. Ein fester Zeitplan ist die einfachere, aber teurere Variante.
Gehört das Betreiben von Sprachmodellen auch dazu?
In vielen Häusern ja, und dort verschiebt sich die Arbeit vom Training zum Bereitstellen: Kapazität, Antwortzeiten, Zwischenspeicher, Kosten je Anfrage und die Bewertung schwankender Ausgaben. Ob ein Modell selbst betrieben oder über eine Schnittstelle genutzt wird, ändert die Aufgaben weniger, als es zunächst wirkt.

Passt thematisch dazu

Die fachliche Seite dieser Übergabe ist im KI-Bereich beschrieben, dort steht, was zwischen einem trainierten Modell und einem belastbaren Betrieb liegt .

Für die schleichende Verschlechterung nach dem Produktivgang lohnt der Blick darauf, wie sich eine nachlassende Trefferquote im laufenden Betrieb bemerkbar macht .

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