RHEL 9 auf RHEL 10: So planst du dein Upgrade
In-Place mit Leapp funktioniert bei sauber gepflegten Systemen zuverlässig. Bei stark angepassten Hosts mit Fremdrepos und alten Python-Abhängigkeiten ist der Neuaufbau der schnellere Weg. Entscheide das pro Host, nicht pauschal für die ganze Landschaft.
Warum das Upgrade mehr Planung braucht als ein dnf update
Ein In-Place-Upgrade auf ein neues Major-Release ist kein Paket-Update, sondern ein Eingriff in Kernel, Bootloader, RPM-Datenbank, SELinux-Policy und sämtliche Konfigurationsdateien gleichzeitig. Red Hat unterstützt den Weg von RHEL 9 nach RHEL 10 offiziell über Leapp, aber nur aus einem aktuellen Minor-Release heraus und nur für Systeme, die bestimmte Voraussetzungen erfüllen. Wer den Sprung von RHEL 8 direkt auf RHEL 10 versucht, läuft ins Leere, denn dieser Pfad existiert nicht und muss über RHEL 9 als Zwischenstation gehen.
RHEL 10 bringt zudem harte Schnitte mit. Die CPU-Baseline liegt bei x86-64-v3, ältere Server ohne AVX2 fallen damit komplett aus dem Raster. Die alten iptables-Werkzeuge sind verschwunden, nftables ist der einzige verbleibende Weg. Der X.org-Server ist entfallen, dnf5 ersetzt den bisherigen Paketmanager, und eine Reihe von Kryptostandards wie SHA-1-Signaturen ist nur noch mit ausdrücklicher Ausnahme nutzbar. Jede dieser Änderungen kann eine Anwendung treffen, die seit Jahren unauffällig läuft.
Schiefgehen tut es an denselben Stellen: Der Preupgrade-Report wird nur überflogen, statt jeden Inhibitor einzeln abzuarbeiten. Eigene und Drittanbieter-Repositories sind nicht auf RHEL 10 gemappt, sodass mitten im Transaktionslauf Pakete fehlen. Kernel-Module von Storage- oder Backup-Herstellern haben noch keine passende Version. Und es gibt kein definiertes Rückfallszenario, weil niemand vorher geklärt hat, ob der Snapshot der virtuellen Maschine oder ein LVM-Snapshot im laufenden Betrieb überhaupt konsistent zurückspielbar wäre.
Sechs Etappen des In-Place-Upgrades
- 01 Inventar und Minor-Stand
- 02 leapp preupgrade auswerten
- 03 Inhibitoren und Repos beheben
- 04 Testlauf am Klon
- 05 leapp upgrade und Reboot
- 06 Nacharbeit und Abnahme
Der Weg von RHEL 9 nach RHEL 10 in klaren Schritten
Ein Upgrade, das sauber durchläuft, entsteht vor dem eigentlichen Upgrade-Lauf. Der folgende Ablauf hat sich in gewachsenen Umgebungen bewährt und ist auch der rote Faden unseres Seminars RHEL 10: Upgrade Training.
Ausgangsstand herstellen
Bring das System zunächst auf den aktuellen RHEL-9-Minor-Stand, starte es neu und prüfe, ob es danach ohne Handarbeit wieder hochkommt. Ein System, das schon vor dem Upgrade nur mit Nachhelfen bootet, wird den Leapp-Lauf nicht überstehen.
Preupgrade-Report ernst nehmen
leapp preupgrade schreibt einen Bericht nach /var/log/leapp/leapp-report.txt und als JSON. Arbeite ihn nach Risikostufen ab: Inhibitoren blockieren das Upgrade hart, High-Risk-Meldungen brauchen eine bewusste Entscheidung, und erst wenn beides geklärt ist, ist der Lauf realistisch.
Repositories und Dritt-Software klären
Eigene Spiegel, Satellite-Content-Views, EPEL und Herstellerpakete brauchen ein sauberes Mapping auf ihre RHEL-10-Pendants. Für kmod-basierte Treiber, Agenten und Backup-Clients gilt: erst die Freigabe des Herstellers für RHEL 10 einholen, dann terminieren.
Bekannte Grenzfälle prüfen
Verschlüsselte Root-Dateisysteme mit LUKS, Boot über SAN mit Multipath, iSCSI-Root, Software-RAID und ungewöhnliche Bootloader-Konstellationen gelten weiterhin als heikel. Solche Systeme prüfst du gezielt am Klon, statt auf ein glattes Ergebnis zu hoffen.
Testlauf und Rollback-Fenster
Zieh einen Klon der Maschine, spiel das Upgrade dort komplett durch und dokumentiere jeden manuellen Eingriff. Für die Produktion definierst du vorher, wie du zurückkommst, in der Regel über einen konsistenten Snapshot bei heruntergefahrenem System oder ein Restore aus dem Backup.
Nacharbeit nach dem Reboot
Nach dem Upgrade folgen SELinux-Relabel und Kontrolle der Denials, Abgleich der .rpmnew- und .rpmsave-Dateien, Umstellung verbliebener iptables-Regeln auf nftables sowie eine Prüfung von systemd-Units, Crypto-Policies und Monitoring-Checks.
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Häufige Fragen zu Upgrade auf RHEL 10
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Frag uns direktKann ich direkt von RHEL 8 auf RHEL 10 upgraden?
Was ist der Unterschied zwischen leapp preupgrade und leapp upgrade?
Läuft meine Hardware überhaupt noch unter RHEL 10?
Wie komme ich zurück, wenn das Upgrade schiefgeht?
In-Place-Upgrade oder lieber neu installieren?
Zuletzt geprüft am 26. Juli 2026.
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