Virtualisierung & Proxmox

VMware-Alternativen: So findest du die Plattform, die zu deiner IT passt

Für klassische VM-Landschaften ist Proxmox VE heute der pragmatischste Ausweg aus der Broadcom-Preispolitik. Wer SAP fährt oder harte Herstellerzertifizierungen braucht, landet bei RHEL mit KVM. Alles andere entscheidet sich an Storage, Backup und dem vorhandenen Know-how im Team.

Zwei Administratoren planen im Serverraum eine Migration
Seit 1997 am Markt Präsenz & Live-Online 4,9 aus 503 Google-Bewertungen Auch Inhouse für dein Team
Worum es geht

Warum die Plattformfrage gerade jetzt auf dem Tisch liegt

Der Auslöser ist selten technisch. In den meisten Häusern kommt der Anstoß aus dem Einkauf, weil das nächste Renewal ein anderes Bündel, eine andere Mindestmenge oder eine andere Metrik mitbringt als der alte Vertrag. Danach fängt die IT an zu rechnen, und zwar nicht nur mit Lizenzkosten, sondern mit Migrationsaufwand, Betriebsrisiko und dem Wissen, das im Team vorhanden ist. Genau in dieser Reihenfolge sollte die Entscheidung auch fallen.

Technisch geht es um mehr als einen Hypervisor-Tausch. vSphere ist bei den meisten der Ankerpunkt für Storage-Anbindung, Netzwerksegmentierung, Backup, Monitoring und Automatisierung. Wer nur den Hypervisor ersetzt, verschiebt das Problem in die Werkzeugkette: Das Backup-Produkt muss den neuen Stack unterstützen, die vCenter-API in den Skripten fällt weg, und Snapshot- sowie HA-Verhalten funktionieren anders als gewohnt. Bei Proxmox VE etwa hängt Hochverfügbarkeit an Corosync-Quorum und Shared Storage, bei KubeVirt liegen Live-Migration und Storage-Verhalten in den Händen von CSI-Treibern und StorageClasses.

Die typischen Fehler sind gut dokumentiert. Ein Proof of Concept auf drei Testmaschinen ohne echte Last, ohne Backup-Restore und ohne Ausfalltest sagt fast nichts über den Produktivbetrieb aus. Ebenso häufig wird der Schulungsaufwand unterschätzt: Ein Team, das zehn Jahre lang vCenter bedient hat, braucht Zeit für Ceph, für Cluster-Quorum oder für kubectl, und diese Zeit gehört in den Projektplan. Und es lohnt sich, die ehrliche Nullvariante mitzurechnen, nämlich bei VMware zu bleiben und den Vertrag neu zu verhandeln. Manchmal ist das die günstigste Option, gemessen an den Gesamtkosten über drei Jahre.

Miniatur-Szene: ein physischer Server links, virtuelle Maschinen als schwebende Würfel rechts, dazwischen eine Brücke

Sechs Kriterien für die Plattformentscheidung

  1. 01 Workload-Profil: reine VMs oder VMs plus Container
  2. 02 Storage: SAN, lokal mit ZFS oder verteilt mit Ceph
  3. 03 Betriebsmodell: Herstellersupport oder Eigenbetrieb
  4. 04 Skills im Team und realistische Einarbeitungszeit
  5. 05 Werkzeugkette: Backup, Monitoring, Automatisierung
  6. 06 Gesamtkosten über drei Jahre inklusive Migration
Was du mitnimmst

Die Kandidaten und wofür sie taugen

Es gibt keine Plattform, die für alle passt. Sinnvoll ist die Zuordnung entlang deiner Workloads, deines Storage-Konzepts und der Frage, welches Know-how du aufbauen willst. So ordnen wir die Optionen ein.

Proxmox VE

Die naheliegendste Wahl, wenn du klassische VMs weiterbetreiben willst und Open Source ohne Lizenzbindung bevorzugst. KVM und LXC unter einer Weboberfläche, Cluster über Corosync, wahlweise ZFS lokal oder Ceph als verteilter Storage, integriertes Backup über den Proxmox Backup Server. Der ESXi-Import-Assistent holt VMs direkt vom laufenden vSphere. Rechne mit echtem Lernaufwand bei Ceph und bei der Quorum-Planung, denn dort entstehen die meisten Betriebsprobleme.

KubeVirt und OpenShift Virtualization

Interessant, wenn Kubernetes bei dir ohnehin schon Plattform ist und VMs und Container in derselben Control Plane laufen sollen. VMs werden zu Custom Resources, Netzwerk kommt über CNI und Multus, Storage über CSI. Der Preis dafür ist ein deutlich größerer Konzeptsprung: Dein Team braucht Kubernetes-Kompetenz, bevor es Virtualisierung darauf betreibt. Ohne bestehende Cluster-Erfahrung ist das kein Ein-Jahres-Projekt.

Nutanix AHV

Der kommerzielle Weg mit dem geringsten Bruch im Betriebsmodell. Hyperkonvergent, Hypervisor und Storage aus einer Hand, Verwaltung über Prism, definierter Herstellersupport. Du tauschst Lizenzkosten nicht gegen null, sondern gegen einen anderen Vertrag, bekommst dafür aber ein fertiges Betriebskonzept statt Eigenbau.

XCP-ng und Hyper-V

XCP-ng ist der Xen-basierte Weg mit Xen Orchestra als Verwaltung und passt gut zu überschaubaren Umgebungen mit klarem VM-Fokus. Hyper-V lohnt die Prüfung vor allem dort, wo Windows Server samt Lizenzen und Active Directory ohnehin das Rückgrat bilden und Failover Clustering bereits beherrscht wird.

Der Weg dorthin

Belastbar wird die Entscheidung erst mit einer Inventur: Anzahl und Größe der VMs, Storage-Protokolle, VLAN- und Firewall-Abhängigkeiten, Snapshot- und Backup-Ketten, alles was per vCenter-API automatisiert ist, und Appliances von Drittherstellern samt deren Support-Matrix. Danach folgen ein Pilot mit echter Last, ein getesteter Restore und erst dann der Cutover in Wellen.

Qualifizierung als Teil des Projekts

Bei cmt findest du zu jedem dieser Wege den passenden Kurs, vom Proxmox Grundkurs über den Proxmox Aufbaukurs mit Cluster, Ceph und High Availability bis zum Seminar Migration von VMware zu Proxmox. Für den Kubernetes-Pfad gibt es die KubeVirt Schulung sowie DO180 und DO280 für OpenShift. Alle Kurse laufen wahlweise Live-Online oder in Präsenz.

Gut zu wissen

Häufige Fragen zu VMware-Alternativen

Noch etwas offen? Wir sind ohne Warteschleife für dich da.

Frag uns direkt
Ist Proxmox VE ein vollwertiger vSphere-Ersatz?
Für klassische VM-Landschaften ja, wenn du Cluster, Storage und Backup sauber planst. Proxmox VE bringt Live-Migration, Hochverfügbarkeit über Corosync-Quorum, Ceph als verteilten Storage und mit dem Proxmox Backup Server eine eigene Sicherungslösung mit. Was du im direkten Vergleich nicht bekommst, sind Funktionen wie DRS-artiges automatisches Lastausgleichen im gleichen Reifegrad sowie das über Jahre gewachsene Ökosystem an zertifizierten Drittprodukten. Prüfe deshalb vor der Entscheidung die Support-Matrix deiner Backup- und Monitoring-Werkzeuge.
Wann lohnt sich KubeVirt statt eines klassischen Hypervisors?
KubeVirt lohnt sich, wenn du Kubernetes bereits produktiv betreibst und deine Anwendungen ohnehin in Richtung Container wandern. Dann laufen VMs und Container unter derselben Control Plane, mit einheitlichem RBAC, GitOps und Monitoring. Wenn du dagegen heute ausschließlich VMs betreibst und niemand im Team Cluster-Erfahrung hat, baust du dir mit KubeVirt zwei Lernkurven gleichzeitig auf. In dem Fall ist ein klassischer Hypervisor der ruhigere Weg.
Wie lange dauert eine Migration von VMware weg?
Das hängt fast vollständig von der Anzahl der VMs, den Storage-Abhängigkeiten und den Wartungsfenstern ab, nicht vom Werkzeug. Der eigentliche VM-Transfer über den ESXi-Import-Assistenten oder über OVF ist der schnellste Teil. Zeit fressen die Inventur, der Umbau von Netzwerk und Storage, die Umstellung des Backups, das Entfernen der VMware Tools zugunsten der neuen Gasttreiber und das Nachziehen aller Skripte, die bisher gegen die vCenter-API liefen. Plane in Wellen mit klar definierten Rückwegen statt eines Stichtags für alles.
Kann ich meine bestehenden VMs einfach übernehmen?
In der Regel ja, denn die virtuelle Hardware wird beim Import umgestellt und das Gastsystem bleibt bestehen. Achte auf drei Punkte: Bei Linux-Gästen müssen die Initramfs die neuen virtio-Treiber enthalten, bei Windows-Gästen brauchst du die virtio-Treiber vor dem Umzug, und Geräte, die an eine bestimmte Hardware oder an einen Dongle gebunden sind, brauchen eine eigene Lösung. Auch Lizenzen von Drittherstellern, die an Hardware-Merkmale gekoppelt sind, solltest du vorher prüfen.
Was, wenn wir bei VMware bleiben wollen?
Das ist eine legitime Entscheidung, besonders bei tiefer Integration in NSX, vSAN oder zertifizierte Fachanwendungen. Wichtig ist, dass die Entscheidung auf einer gerechneten Grundlage steht: Stelle die Verlängerungskosten den vollständigen Migrationskosten inklusive Personalaufwand und Risiko gegenüber. Selbst wenn du bleibst, lohnt sich der Aufbau von Know-how zu einer zweiten Plattform, weil er deine Verhandlungsposition und deine Handlungsfähigkeit verbessert.

Zuletzt geprüft am 26. Juli 2026.

Das sagen Teilnehmer

Echte Stimmen aus unseren IT-Kursen

Die Schulung war genau das richtige, um mein Verständnis zu erweitern. Vielen Dank an den Trainer!
Rückmeldung aus dem Kurs „Linux Grundkurs (LPI01)“
Trainer gut und verständlich. Unterlagen nur zum lesen (keine Kopierfunktion). Wissenstransfer erfolgreich.
Rückmeldung aus dem Kurs „SUSE Linux Enterprise 15 High Availability Deployment – HAE311v15“
Persönlich für dich da

Deine Ansprechpartner

Du bist dir nicht sicher, welcher Kurs oder welches Level zu dir passt? Wir beraten dich persönlich und kostenlos.

Yves Hoppe

Yves Hoppe

Weiterbildung & Beratung

Hilft dir, aus dem Linux-Programm den passenden Kurs oder Lernpfad zu finden.

Norbert Jansen

Norbert Jansen

Beratung & Inhouse

Plant mit dir Inhouse-Trainings, die exakt auf eure Systemlandschaft und Distributionen zugeschnitten sind.

Nächster Schritt

Plattform gewählt, jetzt das Team dahinter aufbauen

Wenn du weißt, wohin die Reise geht, bringen wir dein Team auf den Stand. Zu Proxmox VE bieten wir Grund- und Aufbaukurs sowie ein eigenes Seminar zur Migration von VMware zu Proxmox, für den Kubernetes-Weg die KubeVirt Schulung und die OpenShift-Kurse DO180 und DO280. Bist du bei der Auswahl noch unentschieden, sprich uns an: Wir schauen uns deine Ausgangslage gemeinsam an und sagen dir ehrlich, welcher Weg zu deinem Team passt.