Fehlertypen bei Sprachmodellen

Was ist eine Halluzination bei Sprachmodellen?

Hallucination

Als Halluzination bezeichnet man eine Modellantwort, die sprachlich sicher und plausibel wirkt, inhaltlich aber falsch oder frei erfunden ist, etwa eine erfundene Paragrafenangabe, eine nicht existierende Quelle oder eine Funktion, die es in der Software nie gab.

Die gefährlichsten Fehler eines Sprachmodells sind die, die gut aussehen: die erfundene Paragrafenangabe mitten in einem ansonsten korrekten Text.

KI-generiertDieses Bild wurde mit KI erzeugt · Yves Hoppe / KI / cmt
Erkennbar an
Selbstsicherem Ton bei falschem Inhalt
Häufig bei
Zahlen, Zitaten, Paragrafen, Produktfunktionen
Hilft dagegen
Belege aus eigenen Quellen und Stichproben
Verwechselt mit
Veralteten Trainingsdaten

Warum ein Modell erfindet

Ein Sprachmodell sagt das jeweils wahrscheinlichste nächste Textstück voraus. Es gleicht seine Antwort mit keiner Datenbank ab und hat keinen Mechanismus, der zwischen gelernter Tatsache und gut klingender Fortsetzung unterscheidet. Wo die Trainingsdaten eine Lücke lassen, füllt das Modell sie mit dem Muster, das an dieser Stelle üblich ist.

Genau deshalb sehen Halluzinationen so echt aus. Eine Quellenangabe hat ein bekanntes Format: Nachname, Titel, Jahr, Zeitschrift. Das Modell erzeugt dieses Format fehlerfrei, auch wenn es die Arbeit dahinter nie gegeben hat. Sicheres Auftreten ist eine Eigenschaft der Sprache und kein Hinweis auf Wissen. Genau daran stolpern die meisten.

Wo es im Arbeitsalltag teuer wird

Kritisch sind alle Stellen, an denen eine Zahl oder ein Verweis später jemand anderes übernimmt: Paragrafen und Fristen in einem Schreiben, Beträge in einer Zusammenfassung, Literaturangaben in einem Bericht, Funktionsaufrufe in Programmcode, die es in der Bibliothek gar nicht gibt.

Besonders unangenehm ist die Mischform: Neun Angaben stimmen, die zehnte nicht. Wer den Text nur überfliegt, findet keinen Anhaltspunkt zum Misstrauen, weil ringsum alles korrekt ist. Deshalb ist die Frage nicht, ob du Antworten prüfst, sondern welche Stellen du gezielt prüfst.

Was tatsächlich hilft

Am wirksamsten ist es, dem Modell die Grundlage mitzugeben, statt aus dem Gedächtnis antworten zu lassen. Wenn die Antwort aus einem beigefügten Dokument stammen muss und jede Aussage mit einer Fundstelle daraus belegt wird, schrumpft der Raum für Erfindungen deutlich. Verlange dabei wörtliche Zitate, keine Zusammenfassung: Ein Zitat kannst du im Dokument suchen, eine Paraphrase nicht.

Zweitens hilft es, den Ausweg zu erlauben. Formuliere die Aufgabe so, dass eine leere Antwort zulässig ist, etwa mit dem Hinweis, dass das Modell im Zweifel schreiben soll, dass die Unterlage dazu nichts hergibt. Ohne diese Erlaubnis wird es irgendetwas liefern, weil eine Antwort die wahrscheinlichere Fortsetzung ist als ein Eingeständnis.

Drittens bleiben zwei Handgriffe unersetzlich: Links und Quellenangaben tatsächlich aufrufen, und alles, was rechtlich oder finanziell bindet, von einem Menschen gegenzeichnen lassen.

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Nicht verwechseln

Halluzination und was oft damit gleichgesetzt wird

Halluzination gegen Veraltete Information

Antworten können falsch sein, weil das Trainingsmaterial einen bestimmten Stand hat und seither Gesetze oder Produkte sich geändert haben. Das ist keine Erfindung, sondern ein Aktualitätsproblem, und es lässt sich durch Zugriff auf aktuelle Quellen lösen.

Halluzination gegen Prompt Injection

Bei einer Halluzination irrt das Modell von sich aus. Bei einer Prompt Injection wird es gezielt von außen manipuliert. Die falsche Ausgabe sieht ähnlich aus, die Gegenmaßnahmen sind völlig andere.

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In der Praxis

Teuer wird es dort, wo niemand mehr nachschaut

Die klassischen Stellen sind Zahlen und Belege: eine Paragrafenangabe in einem sonst sauberen Schreiben, ein Preis in einem Angebot, ein Funktionsname in einem Codebeispiel, den es in der Bibliothek nie gab. Alles drumherum stimmt, deshalb fällt die eine falsche Angabe beim Überfliegen nicht auf.

Der eigentliche Schaden entsteht durch Gewöhnung. Wer wochenlang brauchbare Entwürfe bekommt, prüft irgendwann nur noch den Tonfall. Genau deshalb gehört die Kontrolle in den Ablauf und nicht in die Selbstdisziplin: Zahlen aus dem Quellsystem einsetzen statt aus dem Modell übernehmen, Zitate nur mit Fundstelle gelten lassen, bei Verträgen und Rechtstexten eine zweite Person darüberschauen lassen.

Was zusätzlich hilft, ist, dem Modell die Quelle mitzugeben und die Antwort ausdrücklich auf diese Quelle zu verpflichten. Die Zahl der erfundenen Angaben sinkt damit deutlich, auf null geht sie nicht, denn ein Modell kann auch einen mitgelieferten Text falsch zusammenfassen.

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Wer die Fehlerquote messen statt nur bemerken möchte, ist bei den Trainings zur Messung von Modellqualität richtig.

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Häufige Fragen

Kann man Halluzinationen ganz abstellen?
Nein. Sie folgen aus der Funktionsweise der Modelle und lassen sich nur senken, nicht ausschalten. Realistisch ist ein Aufbau, in dem Fehler auffallen, bevor sie Schaden anrichten: belegpflichtige Antworten, ein Prüfschritt und eine klare Regel, welche Ergebnisse ohne menschliche Freigabe nirgends hingehen.
Hilft es, im Prompt zu schreiben, das Modell soll nicht halluzinieren?
Kaum. Das Modell kann nicht erkennen, dass es gerade erfindet, sonst würde es aufhören. Wirksam sind stattdessen Anweisungen, die überprüfbar sind: nur aus dem beigefügten Text antworten, jede Aussage mit Zitat belegen, bei fehlender Grundlage ausdrücklich nichts liefern.
Woran erkenne ich eine erfundene Quelle?
Daran, dass du sie nicht findest. Titel und Autorenname klingen stimmig, aber die Kombination existiert nicht, oder die genannte Fundstelle führt zu einem ganz anderen Thema. Der einzige verlässliche Test ist, den Verweis aufzurufen, statt ihn plausibel zu finden.
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