Lieferform entscheiden

Agil liefern oder klassisch planen: was dein Projekt trägt

Agile Lieferung braucht einen verhandelbaren Umfang. Fehlt der, hilft kein Sprintplan, dann verschiebt sich am Ende doch wieder der Termin.

KI-generiertDieses Bild wurde mit KI erzeugt · Yves Hoppe / KI / cmt
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Worum es geht

Agil aufgesetzt und trotzdem in der alten Falle

Der häufigste Fehlstart sieht ordentlich aus: Das Team arbeitet in kurzen Zyklen, es gibt eine Aufgabenliste und regelmäßige Abstimmungen. Nur sind Termin und Umfang beide festgeschrieben. Sobald etwas Neues dazukommt, verschiebt sich der Endtermin, und das Vorgehen bekommt die Schuld für ein Problem, das aus der Vereinbarung stammt.

Der zweite Fehlstart ist die fehlende Steuerung. Es wird geliefert, aber niemand kann sagen, wie weit das Projekt insgesamt ist, weil es keine Projektproduktbeschreibung und keine Managementstufen gibt, gegen die man den Fortschritt misst. Der Lenkungsausschuss reagiert darauf mit mehr Nachfragen, das Team mit mehr Statusarbeit.

Beides kostet dieselbe Währung: Vertrauen. Wenn der erste agile Versuch im Haus schiefgeht, ist der zweite politisch teuer, unabhängig davon, wie gut er vorbereitet wäre.

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Symptom, Ursache, Lösung

Symptom, Ursache, Lösung

Symptom

Das Team arbeitet in kurzen Zyklen, trotzdem verschiebt sich bei jeder Änderung der Endtermin.

Ursache

Termin und Umfang sind beide festgeschrieben. Es gibt keine Vereinbarung darüber, was zuerst entfällt, wenn etwas dazukommt.

Lösung

Termin und Budget festschreiben, den Umfang priorisieren und im Arbeitspaket festhalten, welche Abnahmekriterien Pflicht sind und welche verhandelbar.

Symptom

Für jede kleine Änderung wartet das Team auf eine Freigabe des Lenkungsausschusses.

Ursache

Die Änderungsbefugnis liegt vollständig oben, obwohl es um Entscheidungen innerhalb einer Timebox geht.

Lösung

Eine Änderungsbefugnis mit klaren Grenzen benennen, etwa beim Projektmanager, und festlegen, ab welcher Auswirkung nach oben eskaliert wird.

Symptom

Es wird regelmäßig etwas geliefert, aber niemand kann sagen, wie weit das Projekt insgesamt ist.

Ursache

Es gibt Ergebnisse aus einzelnen Zyklen, aber keine Projektproduktbeschreibung und keine Managementstufen als Bezugsgröße.

Lösung

Produktbasiert planen: das Projektprodukt beschreiben, in Managementstufen schneiden und je Stufe berichten. Die Timeboxen liegen darunter, nicht daneben.

Symptom

Der Auftraggeber besteht auf einer vollständigen Spezifikation, bevor irgendetwas beginnt.

Ursache

Vertrag oder Abnahmepflicht verlangen einen festen Leistungsumfang. Der Umfang ist damit keine bewegliche Größe.

Lösung

Klassisch fahren und den Agilometer als sachliche Begründung nutzen. Agile Elemente höchstens innerhalb einzelner Arbeitspakete einsetzen.

Symptom

Die Anmeldung zur Practitioner-Prüfung wird zurückgewiesen.

Ursache

Es fehlt die anerkannte Vorqualifikation, oder das vorhandene Zertifikat zählt nicht mehr dafür.

Lösung

Zuerst eine Foundation-Stufe abschließen und die aktuelle Liste der anerkannten Vorqualifikationen beim Prüfungsanbieter abgleichen, bevor du den Termin festlegst.

Fünf Prüfsteine vor der Entscheidung

  1. 01 Steht der Termin fest und ist der Umfang wirklich verhandelbar?
  2. 02 Lässt sich alle paar Wochen etwas Brauchbares übergeben?
  3. 03 Sind Pflicht- und Kannkriterien der Abnahme getrennt beschrieben?
  4. 04 Darf jemand unterhalb des Lenkungsausschusses Änderungen entscheiden?
  5. 05 Erlaubt der Vertrag mit der Lieferseite überhaupt einen beweglichen Umfang?
Was du mitnimmst

Was du danach unterscheiden kannst

Es geht nicht um eine Glaubensfrage, sondern um vier prüfbare Bedingungen, die entweder vorliegen oder eben nicht.

Umfeld ehrlich bewerten

Du kannst mit dem Agilometer belegen, ob agile Lieferung in deinem Projekt überhaupt tragfähig ist, statt darüber zu diskutieren.

Fest und flexibel vereinbaren

Du weißt, dass Termin und Budget festgeschrieben werden und der Umfang die bewegliche Größe ist, und wie du das im Arbeitspaket verankerst.

Abnahmekriterien priorisieren

Du kannst zwischen Pflichtkriterien und verhandelbaren Kriterien trennen, damit Qualität nicht die Größe ist, die beim Termindruck nachgibt.

Steuerung behalten

Du erkennst, welche Teile von PRINCE2 unverändert bleiben, damit der Lenkungsausschuss weiter entscheiden kann, ohne das Team auszubremsen.

Grenzfälle erkennen

Du benennst die Projekttypen, bei denen der klassische Weg die bessere Wahl bleibt, und kannst das begründen.

Zertifizierungsweg planen

Du weißt, welche Stufe ohne Vorbedingung offensteht und wofür du eine anerkannte Vorqualifikation brauchst.

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Der Agilometer beantwortet die Vorfrage

PRINCE2 Agile stellt der Entscheidung ein Bewertungsinstrument voran, den Agilometer. Er bewertet nicht das Team, sondern das Umfeld: Wie flexibel ist der Lieferumfang, lässt sich in kurzen Abständen etwas Brauchbares übergeben, wie leicht kommen Fachbereich und Lieferseite miteinander ins Gespräch, und wie weit ist agile Arbeitsweise im Haus akzeptiert.

Das Ergebnis ist kein Ja oder Nein, sondern eine Liste mit Schwachstellen. Wenn der Wert bei der Zusammenarbeit niedrig ausfällt, ist das kein Ausschlusskriterium, sondern der Hinweis, dass du dort etwas ändern musst, bevor die erste Timebox startet. Genau dafür ist das Instrument gedacht, und deshalb gehört seine Anwendung an den Anfang und nicht in die Rückschau.

Fest und flexibel ist das eigentliche Werkzeug

Der Kern von PRINCE2 Agile ist eine Vereinbarung darüber, was festgeschrieben wird und was beweglich bleibt. Zeit und Kosten werden festgeschrieben, beweglich ist in erster Linie der Umfang. Statt den Termin zu verschieben, entscheidest du, was in dieser Lieferung noch mitkommt und was in die nächste rutscht. Die Leistungsgrößen dahinter hat PRINCE2 Agile inzwischen an PRINCE2 7 angeglichen: Neben Zeit, Kosten, Qualität, Umfang, Risiko und Nutzen steht jetzt auch die Nachhaltigkeit.

Damit das funktioniert, muss der Umfang vorher priorisiert sein. Üblich ist MoSCoW mit vier Stufen: Must have, Should have, Could have und Won't have this time, also Pflicht, Soll, Kann und bewusst nicht in dieser Lieferung. Wichtig ist die Konsequenz daraus: Die Pflichtkriterien sind nicht verhandelbar, alles andere ist es. Wer alles zur Pflicht erklärt, hat die Vereinbarung ausgehebelt und liefert wieder klassisch, nur mit anderen Wörtern.

Was am PRINCE2-Ablauf unverändert bleibt

Die sieben Prozesse bleiben, der Lenkungsausschuss bleibt, Managementstufen und Toleranzen bleiben, und das Ausnahmeprinzip bleibt auch. Agile Lieferung setzt an einer klar umrissenen Stelle an, nämlich beim Steuern der Produktlieferung. Dort enthält ein Arbeitspaket dann mehrere Timeboxen statt einer Terminliste.

Für den Lenkungsausschuss ändert sich damit weniger, als er befürchtet. Er entscheidet weiterhin an Phasengrenzen und bei Ausnahmen, nicht bei jeder Änderung innerhalb einer Timebox. Genau diese Trennung solltest du früh aussprechen, sonst wandert die Freigabe für Kleinigkeiten nach oben und das Team wartet.

Wann der klassische Weg die bessere Wahl bleibt

Wenn der Leistungsumfang vertraglich fixiert ist und ein externer Lieferant genau darauf kalkuliert hat, ist der Umfang keine bewegliche Größe mehr. Dann gewinnst du mit agiler Lieferung nichts, du verlagerst nur die Diskussion in Nachträge.

Ähnlich liegt der Fall bei Vorhaben mit einer einzigen Übergabe am Ende, etwa wenn eine Anlage erst im zusammengebauten Zustand nutzbar ist, oder wenn eine Abnahme durch eine Behörde eine vollständige Spezifikation vor Beginn verlangt. Auch lange Beschaffungszeiten für Hardware sprechen für klassische Planung, weil sich Reihenfolge und Zeitpunkte nicht kurzfristig umstellen lassen.

In solchen Projekten kannst du trotzdem einzelne Elemente übernehmen, etwa kurze Abstimmungszyklen innerhalb eines Arbeitspakets oder frühe Teilabnahmen. Das ist etwas anderes, als das Projekt insgesamt agil zu nennen.

Was die Zertifizierungsstufen voraussetzen

Die Foundation-Stufe von PRINCE2 Agile steht ohne Vorbedingung offen. Für die Practitioner-Stufe verlangt PeopleCert eine anerkannte Vorqualifikation, dazu zählen üblicherweise Zertifikate aus der PRINCE2-Familie sowie bestimmte Nachweise anderer Anbieter. Achte dabei auf die Fassung: PRINCE2 Agile gibt es inzwischen in einer zweiten, an PRINCE2 7 angeglichenen Fassung. Die Prüfungen der ersten Fassung laufen aus, Gutscheine gibt es nur noch bis zum 30. Juni 2026, Prüfungstermine einschließlich Wiederholungen bis zum 31. Dezember 2026.

Wenn du beides brauchst, lohnt der Blick auf Kompaktvarianten, in denen Foundation und Practitioner unmittelbar aufeinander folgen. Der Vorteil liegt weniger im Zeitgewinn als darin, dass der Stoff aus der ersten Stufe noch präsent ist, wenn das Szenario der zweiten Stufe darauf aufbaut.

Dazu passende Kurse

Wer das Zusammenspiel von Rahmen und Lieferung an einem durchgehenden Beispiel durchspielen will, findet die passenden Stufen hier: Agile Projektmanagement-Kurse ansehen .

Wenn du noch schwankst, ob Projektarbeit oder Service-Management dein Schwerpunkt wird, hilft dir die Übersicht der Methodenzertifizierungen bei der Einordnung.

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PRINCE2® 7 Kompaktkurs (Foundation & Practitioner)
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Alles in allem bin ich sehr zufrieden, da der Trainer sich viel Mühe gegeben hat und alles sehr gut erklären konnte.
ITIL® 4 Foundation (English)

Häufige Fragen

Brauche ich PRINCE2 Foundation, bevor ich PRINCE2 Agile lerne?
Für die Agile Foundation nicht, die steht ohne Vorbedingung offen. Für die Practitioner-Stufe verlangt PeopleCert eine anerkannte Vorqualifikation. Sinnvoll ist der klassische Einstieg trotzdem, weil PRINCE2 Agile den Rahmen aus PRINCE2 voraussetzt und nur die Lieferseite verändert.
Ersetzt PRINCE2 Agile Scrum?
Nein. Scrum oder Kanban bleiben das, womit innerhalb der Arbeitspakete geliefert wird. PRINCE2 Agile beschreibt, wie diese Lieferung mit Lenkungsausschuss, Managementstufen und Berichtswesen zusammengeht. Die beiden Ebenen konkurrieren nicht, sie greifen ineinander.
Unser Termin steht fest und der Umfang auch. Was jetzt?
Dann rettet dich kein Vorgehensmodell. Der ehrliche Schritt ist, eine der beiden Größen zu öffnen: entweder den Umfang priorisieren und Kannkriterien als solche benennen, oder den Termin verschieben. Agile Lieferung ohne beweglichen Umfang benennt den alten Plan nur um.
Können wir mitten im Projekt umstellen?
An einer Phasengrenze ja, mitten in einer Stufe selten sinnvoll. Der Wechsel betrifft nicht nur das Team, sondern auch die Vereinbarung mit dem Lenkungsausschuss über Toleranzen und Berichte. Diese Vereinbarung ändert man am sinnvollsten dort, wo sie ohnehin neu getroffen wird.
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Yves Hoppe

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Erst die Bedingungen prüfen, dann die Stufe wählen

Wenn die Bedingungen für agile Lieferung stimmen, führt der Weg über die Agile-Stufen, und wer den Rahmen noch nicht kennt, beginnt beim klassischen Foundation-Kurs.