Zertifizierungen

RHCSA Prüfung EX200: So läuft sie ab und so bereitest du dich vor

Die EX200 ist eine reine Praxisprüfung an einem laufenden RHEL-System, bewertet wird ausschließlich das Ergebnis nach einem Neustart. Auswendiglernen bringt dich hier nicht durch. Was zählt, ist eine eigene Maschine, an der du die Aufgaben wirklich geübt hast.

5 Kapitel mit allen Befehlen
IT-Fachkraft bereitet sich mit Laptop und Notizen auf eine Zertifizierungsprüfung vor
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Worum es geht

Warum die EX200 anders funktioniert als jede Zertifizierung, die du bisher kennst

Wer von LPIC-1 oder CompTIA Linux+ kommt, ist Fragenkataloge gewohnt: Du liest eine Frage, kreuzt an, fertig. Die RHCSA dreht das um. Du bekommst eine Prüfungsumgebung mit Red Hat Enterprise Linux, eine Liste von Aufgaben und ungefähr drei Stunden Zeit. Bewertet wird ausschließlich der Zustand des Systems am Ende, nicht dein Lösungsweg. Ob du einen Dienst über systemctl, über eine Unit-Datei oder über eine Ansible-Rolle konfiguriert hast, ist der Bewertung egal, solange er nach einem Neustart sauber hochkommt.

Genau daran scheitern erfahrene Admins häufiger als Einsteiger. Sie kennen die Konzepte, arbeiten im Alltag aber mit ihrer eigenen Distribution, ihren eigenen Skripten und viel Nachschlagen im Netz. In der Prüfung gibt es kein Internet, keine eigenen Notizen und keine vorbereitete Toolbox. Erlaubt ist, was auf dem System liegt, also man pages, /usr/share/doc und die Hilfe der Werkzeuge selbst. Wer nie geübt hat, eine Antwort in man 5 fstab oder man semanage-fcontext zu finden, verliert dort sehr viel Zeit.

Der zweite typische Fehler ist die Persistenz. Aufgaben werden nach einem Reboot geprüft, und ein per mount eingehängtes Dateisystem, eine nur zur Laufzeit gesetzte firewalld-Regel oder ein SELinux-Kontext, der mit chcon statt mit semanage fcontext gesetzt wurde, überlebt diesen Neustart nicht. Dazu kommt der aktuelle Anlass: Viele Unternehmen konsolidieren nach dem CentOS-Aus auf RHEL, Rocky oder AlmaLinux und brauchen plötzlich nachweislich qualifizierte Leute für Systeme, die vorher nebenher liefen.

Miniatur-Szene: Prüfungstisch mit versiegeltem Zertifikat, Stempel, Handbüchern und einer Medaille
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Von der Vorbereitung zur bestandenen EX200

  1. 01 Vorkenntnisse einordnen
  2. 02 Kursweg wählen: RH124 plus RH134 oder RH199
  3. 03 Laborumgebung mit RHEL-VMs aufbauen
  4. 04 Aufgaben lösen und nach Reboot prüfen
  5. 05 Zeitdruck unter Prüfungsbedingungen üben
  6. 06 EX200 ablegen, danach RHCE mit EX294
Was du mitnimmst

Der Weg zur RHCSA, sortiert nach deinem Ausgangspunkt

Red Hat bietet zwei offizielle Wege auf die EX200, und die Wahl zwischen ihnen entscheidet mehr über deinen Erfolg als jedes Lernbuch. Wir bilden beide Wege ab und beraten dich vorher ehrlich, welcher zu deiner Erfahrung passt.

Der lange Weg mit RH124 und RH134

RH124 Red Hat System Administration I führt dich an die Kommandozeile, Dateisystemrechte, Benutzerverwaltung und die Grundlagen von systemd heran. RH134 Red Hat System Administration II baut darauf auf und deckt Storage mit LVM, Scheduling, Container mit Podman, Netzwerkkonfiguration und SELinux ab. Dieser Weg ist der richtige, wenn du Linux erst seit kurzem administrierst oder aus der Windows-Welt kommst.

Der Rapid Track RH199

RH199 Red Hat Certified System Administrator Rapid Track Course fasst die Inhalte von RH124 und RH134 in einem deutlich schnelleren Kurs zusammen. Er richtet sich an Admins, die bereits mit Linux oder UNIX arbeiten und die Zertifizierung als Nachweis brauchen, nicht als Einstieg. Wenn du dich in einer Shell zu Hause fühlst, aber RHEL-Spezifika wie SELinux und firewalld nur oberflächlich kennst, ist das der passende Kurs.

Die Aufgabengebiete gezielt abdecken

Die Prüfungsziele der EX200 kreisen um wiederkehrende Themen: Benutzer und Gruppen, Rechte inklusive ACLs, LVM und Dateisysteme samt Einträgen in /etc/fstab, systemd-Units und Boot-Verhalten inklusive Reset des root-Passworts über die Kernel-Kommandozeile, Netzwerk über nmcli, Paketverwaltung mit dnf, Container mit Podman, SELinux-Kontexte und Booleans sowie firewalld-Zonen und -Services.

Konsequent auf Persistenz üben

Baue dir eine Übungsumgebung mit zwei oder drei VMs auf und mache es dir zur Regel, nach jeder gelösten Aufgabe neu zu starten und das Ergebnis erneut zu prüfen. Nutze semanage fcontext plus restorecon statt chcon, firewall-cmd mit --permanent plus --reload und systemctl enable --now statt eines reinen start.

Mit den Bordmitteln arbeiten lernen

Übe bewusst ohne Suchmaschine. Trainiere man -k, die Beispielabschnitte am Ende der man pages und die Vorlagen unter /usr/share/doc. Wer weiß, wo die Beispiel-Unit oder die Beispielkonfiguration auf dem System liegt, spart in der Prüfung Minuten, die am Ende fehlen.

Der Blick über die RHCSA hinaus

Die RHCSA ist Voraussetzung für den RHCE. Der führt heute über die Automatisierung mit Ansible, abgebildet im Kurs RH294 Red Hat Enterprise Linux Automation with Ansible und der Prüfung EX294. Wenn in deinem Umfeld ohnehin ein Upgrade ansteht, ist außerdem unser RHEL 10 Upgrade Training ein sinnvoller Anschluss.

Tutorial

Dein Übungslabor und die Aufgaben, die wirklich zählen

Die folgenden Kapitel bauen dir eine Umgebung, in der du beliebig oft scheitern darfst, und geben dir die Übungsblöcke dazu. Die Reihenfolge ist bewusst gewählt: erst das Labor mit Rücksetzpunkten, dann der Neustart-Reflex, dann die Dokumentation auf dem System, dann die Übungen nach Themengebiet und zuletzt der Durchlauf unter Zeitdruck.

01

Ein Labor, das du in Sekunden zurücksetzen kannst

Ohne Rücksetzpunkt übst du jede Aufgabe genau einmal, danach ist das System verbaut. Mit Snapshots übst du sie zehnmal, und darin liegt der ganze Unterschied zwischen gelesen und gekonnt.

Übungsmaschine mit libvirt aufsetzen
sudo dnf install -y libvirt virt-install virt-manager
sudo systemctl enable --now libvirtd

# Prüfungsnahe Ausstattung: Systemplatte plus zwei leere Platten
sudo virt-install \
  --name rhcsa-server \
  --memory 2048 --vcpus 2 \
  --disk size=20 --disk size=5 --disk size=5 \
  --location /var/lib/libvirt/images/rhel-9.iso \
  --os-variant rhel9.0 \
  --network default \
  --graphics none --extra-args 'console=ttyS0'

# Sauberen Ausgangszustand sichern
sudo virsh snapshot-create-as rhcsa-server sauber 'frisch installiert'

# Nach jeder Übung zurück auf Anfang
sudo virsh snapshot-revert rhcsa-server sauber

Die zwei leeren Platten sind kein Zierrat. Partitionen, LVM, Swap und dauerhafte Einhängepunkte lassen sich nur an echten Blockgeräten üben, und du brauchst sie in jedem Durchlauf wieder leer.

02

Der Reflex, der die meisten Punkte rettet

Bewertet wird das System nach einem Neustart. Eine Aufgabe, die nur bis zum nächsten Start funktioniert, zählt nicht, egal wie richtig der Befehl war. Diese Tabelle ist die Liste der Fälle, in denen genau das passiert.

Gemacht und nach dem Neustart trotzdem weg

Was du getan hastWas fehltWomit du es prüfst
mount /dev/vdb1 /datenEintrag in /etc/fstab mit UUIDfindmnt /daten
firewall-cmd --add-service=http--permanent und danach --reloadfirewall-cmd --list-all
systemctl start httpdsystemctl enablesystemctl is-enabled httpd
setsebool httpd_can_network_connect onder Schalter -Pgetsebool httpd_can_network_connect
chcon -t httpd_sys_content_t /websemanage fcontext plus restoreconrestorecon -Rv /web, dann ls -Zd /web
ip addr add auf der Schnittstellenmcli con mod und nmcli con upnmcli con show --active
swapon /dev/vdb2Eintrag in /etc/fstabswapon --show
Der Ablauf am Ende jeder Übung
sudo systemctl daemon-reload
sudo mount -a               # muss fehlerfrei durchlaufen
sudo findmnt --verify --verbose
sudo reboot

# Nach dem Neustart, in einem Rutsch
systemctl --failed
swapon --show
firewall-cmd --list-all
getenforce

findmnt --verify prüft die fstab, ohne etwas einzuhängen, und meldet auch Einträge, die zwar syntaktisch stimmen, deren Gerät aber fehlt. Das ist die Prüfung, die dir den Notfallmodus erspart.

03

Ohne Internet arbeiten: die Dokumentation auf dem System

Du hast die installierte Dokumentation zur Verfügung, sonst nichts. Wer sie erst während der Prüfung entdeckt, verliert Zeit an Stellen, an denen es keine zu verlieren gibt.

Wo die Beispiele liegen
# Volltextsuche über alle Handbuchseiten
sudo mandb
man -k nfs
man -K 'semanage fcontext'

# Beispielkonfigurationen kommen mit dem Paket
rpm -qd httpd | head
ls /usr/share/doc/httpd/

# Units als Vorlage lesen statt abtippen
systemctl cat sshd.service

# Die Beispiele am Ende der Handbuchseite sind oft die ganze Lösung
man semanage-fcontext | tail -40

man -K durchsucht den Volltext aller Handbuchseiten und nicht nur die Kurzbeschreibungen. Damit findest du eine Option, deren Namen du nicht mehr weißt, ohne zu raten. Vor dem ersten Einsatz einmal mandb laufen lassen.

SELinux-Verweigerungen selbst auflösen
sudo dnf install -y setroubleshoot-server policycoreutils-python-utils

# Was wurde verweigert?
sudo ausearch -m AVC -ts recent
sudo sealert -a /var/log/audit/audit.log    # nennt den passenden Befehl mit

# Der dauerhafte Weg, nicht chcon
sudo semanage fcontext -a -t httpd_sys_content_t '/web(/.*)?'
sudo restorecon -Rv /web

sealert liefert dir zu jeder Verweigerung einen Vorschlag im Klartext. Übernimm daraus die Lösung mit semanage, nicht die mit einem selbst gebauten Modul. Ein Modul ist in der Prüfung fast nie gemeint und lässt sich schlechter begründen.

04

Übungsblöcke nach Themengebiet

Nimm dir einen Block, setz den Snapshot zurück, arbeite ihn ohne Nachschlagen ab und prüfe am Ende mit einem Neustart. Fünfzehn bis zwanzig Minuten pro Block reichen aus.

Speicher und Dateisysteme

  • Auf der zweiten Platte eine Partition anlegen, als Physical Volume aufnehmen, Volume Group und Logical Volume erstellen, mit XFS formatieren und über die UUID dauerhaft einhängen.
  • Dasselbe Logical Volume anschließend im laufenden Betrieb vergrößern, das Dateisystem eingeschlossen.
  • Eine zweite Swap-Partition anlegen und dauerhaft aktivieren.
  • Ein Verzeichnis so mit ACLs versehen, dass eine bestimmte Gruppe schreiben darf und neue Dateien die Rechte erben.

Konten, Zugriff und Zeitsteuerung

  • Ein Konto mit vorgegebener UID, Sekundärgruppe und ablaufendem Passwort anlegen.
  • Einer Gruppe über eine Datei in /etc/sudoers.d/ gezielte Rechte geben und das Ergebnis mit visudo -c prüfen.
  • Denselben Auftrag einmal über crontab -e und einmal über einen systemd-Timer einrichten.
  • Das Root-Passwort über rd.break im Bootmenü zurücksetzen.

Container, Dienste und Netz

  • Ein Image aus einer Registry ziehen, den Container rootless starten und ihn als Benutzerdienst so einrichten, dass er einen Neustart übersteht.
  • Adresse, Gateway, DNS und Hostnamen ausschließlich über nmcli und hostnamectl setzen.
  • Ein NFS-Verzeichnis von der zweiten Maschine über autofs einbinden.
  • Ein Tuning-Profil setzen und die Zeitsynchronisation auf einen bestimmten Server umstellen.
Root-Passwort zurücksetzen, der Ablauf
# Im GRUB-Menü 'e' drücken, an die Zeile mit 'linux' anhängen:
#   rd.break
# danach Strg+X

mount -o remount,rw /sysroot
chroot /sysroot
passwd
touch /.autorelabel
exit
exit

Übe das mindestens dreimal, bis du es ohne Nachdenken kannst. Es ist die einzige Aufgabe, bei der ein Fehler dich vom eigenen System aussperrt, und genau deshalb taucht sie so gern auf.

05

Der Durchlauf unter Prüfungsbedingungen

So simulierst du ehrlich

  • Snapshot zurücksetzen, Browser schließen, Notizen weglegenJedes Nachschlagen im Netz während der Übung verfälscht das Ergebnis. Du übst nicht die Lösung, sondern das Finden der Lösung mit den Mitteln, die auf dem System liegen.
  • Alle Aufgaben zuerst lesen, dann sortierenManche Aufgaben bauen aufeinander auf, andere schließen sich gegenseitig aus. Wer stur von oben nach unten arbeitet, richtet sich gelegentlich selbst die Umgebung so ein, dass eine spätere Aufgabe nicht mehr lösbar ist.
  • Nach jeder Aufgabe sofort gegenprüfenEin systemctl is-enabled kostet fünf Sekunden. Die Prüfung ans Ende zu schieben kostet dich die Aufgaben, für die die Zeit dann fehlt.
  • Rechtzeitig vor Schluss einmal neu startenDanach gehst du jede Aufgabe kurz gegen. Das ist der Punkt, an dem die meisten vermeidbaren Fehler auffallen, und du hast noch Zeit, sie zu beheben.
  • Fehlerprotokoll führenSchreib nach jedem Durchlauf auf, was nicht saß. Nach drei Durchläufen hast du eine sehr kurze Liste, und genau die ist dein Lernplan für die verbleibende Zeit.
Standortbestimmung

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Gut zu wissen

Häufige Fragen zu RHCSA-Prüfung EX200

Noch etwas offen? Wir sind ohne Warteschleife für dich da.

Frag uns direkt
Wie läuft die RHCSA Prüfung EX200 konkret ab?
Du arbeitest an einem vorbereiteten Red Hat Enterprise Linux System und löst dort eine Reihe praktischer Aufgaben, für die rund drei Stunden vorgesehen sind. Es gibt keine Fragen zum Ankreuzen und keine Freitextantworten, bewertet wird allein der Zustand des Systems nach der Prüfung. Die Aufgaben werden nach einem Neustart geprüft, deine Konfiguration muss also dauerhaft eingerichtet sein.
Darf ich in der EX200 Dokumentation benutzen?
Du darfst alles nutzen, was auf dem Prüfungssystem selbst vorhanden ist, also man pages, info-Seiten und die Dateien unter /usr/share/doc. Ein Internetzugang, eigene Notizen oder mitgebrachte Skripte sind nicht erlaubt. Deshalb gehört das Nachschlagen in der lokalen Dokumentation fest in die Vorbereitung.
Soll ich RH124 und RH134 belegen oder reicht RH199?
RH199 ist der Rapid Track und setzt voraus, dass du bereits mit Linux oder UNIX arbeitest und dich auf der Kommandozeile sicher bewegst. Wenn du aus der Windows-Administration kommst oder Linux erst seit wenigen Monaten betreust, ist die Kombination aus RH124 und RH134 der belastbarere Weg, weil dort mehr Zeit für Grundlagen und Übungen bleibt. Wir schauen uns deinen Hintergrund vorab gemeinsam an.
Was ist der Unterschied zwischen RHCSA und RHCE?
Die RHCSA mit der Prüfung EX200 weist die Administration eines einzelnen Systems nach, von Benutzern und Storage über systemd bis zu SELinux und firewalld. Die RHCE mit der Prüfung EX294 setzt eine gültige RHCSA voraus und prüft die Automatisierung mehrerer Systeme mit Ansible, also Playbooks, Rollen, Variablen und Vault. In der Reihenfolge kommt die RHCSA also immer zuerst.
Kann ich mich auf einem RHEL-Klon wie Rocky oder AlmaLinux vorbereiten?
Für den überwiegenden Teil der Prüfungsziele funktioniert das gut, weil die Klone binärkompatibel zu Red Hat Enterprise Linux sind und dieselben Werkzeuge mitbringen. Unterschiede findest du vor allem bei der Registrierung über Red Hat Subscription Management und bei den Repository-Namen. Wenn du die Möglichkeit hast, übe die letzten Runden auf echtem RHEL, zum Beispiel über die kostenlose Developer-Subscription.

Zuletzt geprüft am 26. Juli 2026.

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