App oder Ablauf

Power Apps oder Power Automate: die Entscheidung in einer Frage

Sobald jemand während des Vorgangs etwas eingeben oder nachschlagen muss, brauchst du eine Oberfläche, sonst genügt ein Ablauf hinter einem Ereignis.

KI-generiertDieses Bild wurde mit KI erzeugt · Yves Hoppe / KI / cmt
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Worum es geht

Die falsche Wahl fällt erst im dritten Monat auf

Am Anfang steht meistens ein Satz wie: Wir bräuchten da mal etwas Digitales. Was danach entsteht, hängt oft davon ab, welches Werkzeug jemand im Team schon einmal geöffnet hat, und nicht davon, wie der Vorgang tatsächlich läuft. Eine Erfassungsmaske ist schnell gebaut und sieht nach Fortschritt aus, während der eigentliche Aufwand woanders liegt, nämlich in allem, was nach der Eingabe passiert.

Der Preis für die falsche Richtung fällt zeitversetzt an. Eine App, die Daten noch einmal erfasst, die es längst im Ticketsystem oder im Postfach gibt, erzeugt zwei Stände, die nach ein paar Monaten auseinanderlaufen. Ein Ablauf, den man dagegen mit Eingabeschritten vollstopft, wird zu einer Kette aus Formularen, die niemand mehr überblickt und die bei jeder Änderung an einer anderen Stelle reißt.

Dazu kommt der Betrieb. Apps und Abläufe gehören der Person, die sie angelegt hat, und arbeiten über deren Verbindungen. Wer bei der Werkzeugwahl nur an das erste Ergebnis denkt, hat später eine Lösung im Haus, auf die sich eine Abteilung stützt und die trotzdem niemand ändern darf.

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Der direkte Vergleich

Der direkte Vergleich

Power Apps

eine Oberfläche für Menschen, die erfassen, nachschlagen oder korrigieren

Power Automate

ein Ablauf, der nach einem Ereignis ohne Zutun weiterarbeitet

Beides zusammen

die App nimmt auf, der Ablauf verarbeitet und benachrichtigt

Wie gut passt es, wenn jemand mitten im Vorgang etwas auswählen muss?

Power Apps

Genau dafür ist eine App da, mit Auswahllisten, Prüfungen und einer Ansicht, die zum Arbeitsplatz passt.

Power Automate

Ein Ablauf kann eine Frage stellen und auf die Antwort warten, eine echte Bedienoberfläche entsteht daraus aber nicht.

Beides zusammen

Die Eingabe bleibt in der App, alles danach übernimmt der Ablauf.

Was passiert, wenn nachts um zwei niemand am Platz ist?

Power Apps

Ohne Bedienung passiert nichts, eine App wartet auf jemanden.

Power Automate

Der Ablauf startet über ein Ereignis oder einen Zeitplan und läuft unabhängig davon, wer gerade angemeldet ist.

Beides zusammen

Der verarbeitende Teil arbeitet weiter, auch wenn die Erfassung nur tagsüber stattfindet.

Wie schnell steht eine erste Fassung, mit der man arbeiten kann?

Power Apps

Ein einfacher Bildschirm entsteht an einem Tag, die eigentliche Zeit kosten Layout, Prüfungen und Berechtigungen.

Power Automate

Ein Ablauf mit Auslöser, Genehmigung und Ablage steht oft in wenigen Stunden und lässt sich sofort ausprobieren.

Beides zusammen

Zwei Bauteile bedeuten zwei Tests, eine Schnittstelle dazwischen und doppelt so viele Stellen, an denen etwas hakt.

Wie verhält es sich, wenn die Datenmenge auf Zehntausende Zeilen wächst?

Power Apps

Solange Filter und Sortierung an die Datenquelle delegiert werden, geht es gut. Sonst verarbeitet die App nur die ersten Datensätze und liefert unvollständige Treffer.

Power Automate

Der Ablauf arbeitet meist je Vorgang, die Gesamtmenge stört ihn selten. Aufpassen musst du bei Schleifen über große Ergebnislisten.

Beides zusammen

Die Verarbeitung wächst mit, der Teil der App, in dem nachgeschlagen wird, bleibt der Engpass.

Woran merkt ihr, dass etwas nicht mehr funktioniert?

Power Apps

Eine kaputte App fällt sofort auf, weil jemand davorsitzt und sich meldet.

Power Automate

Abläufe scheitern leise. Ohne eigenen Zweig für den Fehlerfall erfährt es nur der Besitzer per Mail.

Beides zusammen

Die Bedienseite meldet sich von selbst, die Verarbeitung dahinter braucht trotzdem eine eigene Überwachung.

Was passt wann

Wenn die Daten schon in einer Liste, einem Formular oder im Postfach entstehen
bau nur den Ablauf und lass die Oberfläche ganz weg.
Wenn Menschen unterwegs erfassen, nachschlagen oder Fotos anhängen
fang mit einer Canvas App an und halte die Verarbeitung bewusst außerhalb.
Wenn viele verknüpfte Datensätze, Rollen und eine nachvollziehbare Historie im Spiel sind
plan von Anfang an mit Dataverse und einer modellgesteuerten App.

Sechs Fragen vor der Werkzeugwahl

  1. 01 Entsteht die Information ohnehin schon in einem System, das ihr habt?
  2. 02 Muss ein Mensch während des Vorgangs etwas eingeben oder auswählen?
  3. 03 Startet der Vorgang durch ein Ereignis oder zu einer festen Uhrzeit?
  4. 04 Hängt am Ergebnis eine Freigabe, die nachvollziehbar bleiben muss?
  5. 05 Wächst die Datenmenge über die nächsten Jahre in die Zehntausende?
  6. 06 Wer betreibt die Lösung weiter, wenn die Person, die sie gebaut hat, nicht mehr da ist?
Was du mitnimmst

Was du danach sicher entscheidest

Am Ende geht es nicht um Werkzeugkunde, sondern um die Fähigkeit, einen Vorgang so zu zerlegen, dass jeder Teil dort landet, wo er hingehört. Genau das lässt sich an den eigenen Abläufen üben.

Den Schnitt finden

Du zerlegst einen Vorgang in Bedienung und Verarbeitung und erkennst, an welcher Stelle ein Mensch wirklich gebraucht wird. Alles andere wandert in den Ablauf.

Canvas oder modellgesteuert

Du entscheidest anhand von Datenmodell, Rollen und Zahl der Bildschirme, welche Bauweise passt, statt sie aus Gewohnheit zu wählen.

Delegierung im Blick

Du liest die Warnungen im Formeleditor und weißt, welche Filter die Datenquelle selbst übernimmt. Damit liefert die Suche auch bei zwanzigtausend Datensätzen vollständige Treffer.

Auslöser bewusst wählen

Du unterscheidest zwischen einem Ereignis, einem Zeitplan und einem manuellen Start und erkennst, wann ein regelmäßiger Abgleich stabiler läuft als ein Auslöser an einer wackeligen Quelle.

Fehler sichtbar machen

Du baust in jeden Ablauf, der etwas Wichtiges tut, einen Zweig für den Fehlerfall ein und meldest ihn dorthin, wo mehr als eine Person mitliest.

Besitz und Umgebung klären

Du legst fest, wem die Lösung gehört, in welcher Umgebung sie läuft und welche Konnektoren erlaubt sind, bevor der erste Bildschirm entsteht.

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Die Frage, die die Entscheidung meistens klärt

Geh den Ablauf durch, den du digitalisieren willst, und schau, ob an irgendeiner Stelle ein Mensch etwas eingeben, auswählen oder nachschlagen muss. Wenn ja, brauchst du eine Oberfläche, und die liefert Power Apps. Wenn nicht, wenn der Ablauf also durch ein Ereignis in Gang kommt, etwa durch eine eingehende Mail, einen neuen Eintrag in einer SharePoint-Liste oder einen bestimmten Zeitpunkt, dann ist es ein Fall für Power Automate.

Der häufigste Fehlgriff geht Richtung App. Ein Team baut eine Erfassungsmaske, obwohl die Daten längst woanders entstehen, im Ticketsystem, in einer Liste, im Postfach. Dann pflegt jemand dieselbe Information zweimal, und nach drei Monaten stimmt keine der beiden Seiten mehr. Prüf deshalb zuerst, ob die Information ohnehin schon irgendwo anfällt.

Wofür Power Apps gebaut ist

Power Apps kennt zwei Bauweisen. Bei einer Canvas App ziehst du Steuerelemente auf eine leere Fläche und legst das Verhalten mit Power Fx fest, einer Formelsprache, deren Ausdrücke stark an Excel erinnern. Bei einer modellgesteuerten App beschreibst du zuerst das Datenmodell in Dataverse, und Listen, Formulare und Ansichten entstehen daraus.

Canvas passt, wenn wenige Bildschirme reichen und die Bedienung feststeht, etwa eine Erfassung auf dem Smartphone im Lager. Modellgesteuert lohnt sich, sobald viele verknüpfte Datensätze, Rollen und Berechtigungen im Spiel sind. Als Ablage nutzen kleine Lösungen gern eine SharePoint-Liste, was trägt, solange die Menge überschaubar bleibt.

Die klassische Stolperfalle heißt Delegierung. Power Apps reicht nur bestimmte Filter- und Sortierbefehle an die Datenquelle weiter, alles andere holt die App zeilenweise ab und verarbeitet dabei nur die ersten paar Hundert Datensätze. Im Test mit fünfzig Einträgen fällt das nicht auf, im Betrieb mit zwanzigtausend liefert die Suche plötzlich unvollständige Ergebnisse. Der Editor markiert solche Formeln mit einer Warnung, die du nicht wegklicken solltest.

Wofür Power Automate gebaut ist

Ein Ablauf besteht immer aus einem Auslöser und den Aktionen danach. Als Auslöser kommen ein Ereignis in einem verbundenen System, ein Zeitplan oder ein manueller Start infrage, im Editor heißen die Varianten "automatisiert", "geplant" und "sofort". Für ältere Programme ohne Schnittstelle gibt es zusätzlich Desktop-Flows, die Eingaben auf dem Bildschirm nachbilden.

Am häufigsten geben in Unternehmen die Genehmigungen den Ausschlag. Power Automate schickt eine Anfrage an eine Person oder eine Gruppe, sammelt die Antwort in Teams oder im Postfach ein und verzweigt danach je nach Ergebnis. Wer Freigaben bisher per Mail und Sammelordner organisiert hat, spart an dieser Stelle am schnellsten Zeit und bekommt nebenbei einen nachvollziehbaren Stand.

Abläufe scheitern leise. Wenn ein Schritt ins Leere läuft, weil jemand eine Spalte umbenannt hat, bekommt der Besitzer eine Mail, sonst niemand. Zu jedem Ablauf, der etwas Wichtiges tut, gehört deshalb eine bewusste Fehlerbehandlung: ein Zweig für den Fehlerfall, der eine Nachricht in einen Teams-Kanal schreibt, den mehr als eine Person liest.

Wenn beides zusammengehört

Viele echte Lösungen bestehen aus beidem. Die App nimmt den Antrag auf und prüft die Eingaben, der Ablauf übernimmt danach alles, was ohne Zutun laufen soll: Datei ablegen, Genehmigung einholen, Zweitsystem beliefern, Antragsteller informieren. Power Apps kann einen Ablauf direkt starten und dessen Antwort wieder in der App anzeigen.

Für den Schnitt zwischen beiden hilft eine Faustregel: Was mit der Bedienung zu tun hat, bleibt in der App, was mit der Verarbeitung zu tun hat, gehört in den Ablauf. Dann funktioniert die Verarbeitung auch dann noch, wenn ein Vorgang später einmal per Mail oder aus einem anderen System hereinkommt statt über die Maske.

Wer die Lösung danach betreibt

Apps und Abläufe gehören der Person, die sie angelegt hat. Verlässt sie das Unternehmen und wird das Konto deaktiviert, steht der Ablauf still, meist mitten in einem Vorgang, auf den sich inzwischen eine ganze Abteilung stützt. Trag deshalb von Anfang an einen zweiten Besitzer ein, besser noch eine Gruppe, und halte fest, wer bei Störungen angesprochen wird.

Für die Organisation lohnt sich früh die Entscheidung, wo überhaupt gebaut werden darf. Über Umgebungen im Power Platform Admin Center trennst du Erproben von Produktivem, und über Richtlinien zur Datenverlustvermeidung legst du fest, welche Konnektoren miteinander kombiniert werden dürfen. Ohne diese beiden Festlegungen entsteht innerhalb eines Jahres ein Bestand, den niemand mehr überblickt.

Dazu passende Kurse

Welches Werkzeug eine Aufgabe wirklich trägt, wird an gebauten Beispielen am schnellsten klar, und genau daran arbeiten wir: Alle Kurse zur Power Platform .

Weil beide Werkzeuge auf SharePoint, Teams und Outlook aufsetzen, lohnt sich vorher ein sicherer Umgang mit diesem Unterbau, und dafür gibt es Kurse rund um Microsoft 365 .

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Häufige Fragen

Geht es auch ganz ohne App?
Sehr oft ja, und das ist meistens die günstigere Lösung. Wenn die Daten in einem Formular, einer Liste oder einer Mail entstehen, reicht Power Automate vollständig aus. Eine App lohnt sich erst, wenn jemand während der Arbeit etwas nachschlagen, korrigieren oder gezielt auswählen muss.
Brauche ich für Power Apps zwingend Dataverse?
Nein. Canvas Apps arbeiten auch mit SharePoint-Listen, Excel-Dateien in OneDrive oder einer SQL-Datenbank. Dataverse wird interessant, sobald du Beziehungen zwischen Tabellen, Rechte je Datensatz oder eine nachvollziehbare Änderungshistorie brauchst. Modellgesteuerte Apps setzen Dataverse voraus.
Reicht unsere bestehende Lizenz für den Anfang?
Die im Alltag oft gebrauchten Verbindungen zu SharePoint, Outlook und Teams stehen mit Microsoft 365 bereit. Andere Konnektoren, etwa zu SQL Server oder zu Dataverse, führt Microsoft als Premium und rechnet sie gesondert ab. Kläre das vor dem Bau, weil ein späterer Wechsel der Datenquelle den größten Teil einer App betrifft.
Wer darf im Unternehmen überhaupt bauen?
Das legt die IT über Umgebungen und Richtlinien fest, nicht das Werkzeug. In der Standardumgebung eines Mandanten darf zunächst jede Person mit passender Lizenz etwas anlegen. Wer das nicht will, richtet eigene Umgebungen für Projekte ein und schränkt die verfügbaren Konnektoren in der Standardumgebung ein.
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Yves Hoppe

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Norbert Jansen

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Der Schnitt zwischen App und Ablauf lässt sich üben

Wer einen eigenen Vorgang einmal unter Anleitung zerlegt und beide Werkzeuge daran ausprobiert hat, trifft die nächste Entscheidung ohne langes Abwägen, und dafür gibt es bei cmt die passenden Kurse zur Power Platform.