Tests als Software

Automatisierte Tests sind Code mit Wartungspflicht

Eine Testreihe ist nur so viel wert wie das Vertrauen in sie. Sobald rote Läufe zur Gewohnheit werden, hat die Automatisierung ihren Zweck verloren.

KI-generiertDieses Bild wurde mit KI erzeugt · Yves Hoppe / KI / cmt
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Worum es geht

Die meisten Testreihen sterben nicht an Technik, sondern an Zuständigkeit

Der übliche Verlauf ist immer derselbe. Jemand baut mit Begeisterung eine Reihe automatisierter Tests, sie laufen ein halbes Jahr, dann ändert sich die Oberfläche, dreißig Tests werden rot, niemand hat Zeit, und der Lauf wird zunächst ignoriert und später abgeschaltet. Die Arbeit ist damit nicht nur verloren, sie hat das Vertrauen ins Automatisieren im Team beschädigt.

Die Ursache liegt fast nie im Werkzeug, sondern darin, dass die Testreihe einer Person gehört statt dem Team, dass niemand festgelegt hat, was ein roter Lauf für die Auslieferung bedeutet, und dass die Auswahl der Testfälle nie an einem Risiko ausgerichtet wurde, sondern an dem, was sich leicht automatisieren ließ.

Dazu kommt die falsche Ebene. Wer alles über die Oberfläche prüft, baut Tests, die langsam sind, bei jeder Gestaltungsänderung brechen und gelegentlich ohne erkennbaren Grund fehlschlagen. Genau diese sprunghaft fehlschlagenden Tests sind der Anfang vom Ende, weil das Team sich angewöhnt, den Lauf einfach zu wiederholen.

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Wer entscheidet was

Wer entscheidet, und wer setzt um

Automatisierung berührt Testmanagement, Entwicklung und Betrieb gleichzeitig. Diese fünf Zeilen legen fest, wer wofür geradesteht, und decken die üblichen Streitfälle ab.

Was überhaupt automatisiert wird

Wer entscheidet
Testmanagement und Team gemeinsam, entlang von Risiko und Wiederholhäufigkeit
Wer setzt um
Die Testautomatisierung baut die ausgewählten Fälle und meldet zurück, was unverhältnismäßig teuer wird
Stolperfalle
Als Ziel wird alles automatisieren ausgegeben. Danach entsteht eine Reihe, deren Pflege mehr Zeit kostet als der manuelle Test, den sie ersetzen sollte.

Testdaten und Umgebungen

Wer entscheidet
Der Betrieb stellt bereit, der Datenschutz entscheidet über die Herkunft der Daten
Wer setzt um
Die Testautomatisierung setzt vor jedem Lauf einen bekannten Ausgangszustand her
Stolperfalle
Alle teilen sich eine Umgebung. Dann scheitern Tests an Änderungen anderer, und niemand kann mehr unterscheiden, ob ein roter Lauf einen Fehler oder eine Kollision anzeigt.

Umgang mit einem roten Lauf

Wer entscheidet
Die Verantwortung für die Auslieferung, also Produktverantwortung oder Release-Verantwortung
Wer setzt um
Das Entwicklungsteam behebt oder begründet, die Automatisierung liefert die Auswertung dazu
Stolperfalle
Rot wird zur Normallage. Ab dem Punkt, an dem ein roter Lauf nichts mehr auslöst, ist die gesamte Reihe wertlos, egal wie viele Tests darin stehen.

Pflege der Testreihe

Wer entscheidet
Die Teamleitung, weil es um dauerhaft eingeplante Zeit geht
Wer setzt um
Das ganze Team, mit der Testautomatisierung als Ansprechpartner für das Rahmenwerk
Stolperfalle
Die Reihe hängt an einer Person. Deren Urlaub blockiert dann Auslieferungen, und nach einem Wechsel traut sich niemand mehr an den Aufbau heran.

Auswahl der Werkzeuge

Wer entscheidet
Die Testautomatisierung zusammen mit der Entwicklung, weil die Anwendung prüfbar sein muss
Wer setzt um
Die Teams, die damit arbeiten und Tests ergänzen sollen
Stolperfalle
Ein Werkzeug wird nach einer Vorführung gewählt, ohne die eigene Anwendung anzusehen. Fehlen stabile Kennzeichen in der Oberfläche oder eine ansprechbare Schnittstelle, hilft kein Werkzeug der Welt.

Fünf Gründe, warum Testreihen abgeschaltet werden

  1. 01 Alles wurde über die Oberfläche geprüft und ist entsprechend langsam.
  2. 02 Tests schlagen sprunghaft fehl, und Wiederholen wird zur Gewohnheit.
  3. 03 Die Reihe gehört einer Person und nicht dem Team.
  4. 04 Testdaten wandern, jeder Lauf startet aus einem anderen Zustand.
  5. 05 Niemand hat festgelegt, was ein roter Lauf für die Auslieferung heißt.
Was du mitnimmst

Was diese Rolle verantwortet

Die Aufgabe ist weniger das Schreiben einzelner Tests als der Aufbau von etwas, das ein Team dauerhaft benutzen kann, ohne dass eine Person daneben stehen muss.

Die Ebene bestimmen

Du entscheidest je Prüfung, ob sie auf der Ebene einzelner Funktionen, an der Schnittstelle oder über die Oberfläche gehört, und begründest die Verteilung mit Laufzeit und Wartungsaufwand.

Ein Rahmenwerk bauen, das andere benutzen

Du schaffst Bausteine, mit denen auch Kolleginnen und Kollegen ohne tiefe Kenntnis einen Test ergänzen können, statt jeden Testfall selbst zu schreiben.

Testdaten und Umgebungen sichern

Du sorgst dafür, dass jeder Lauf von einem bekannten Zustand ausgeht, und verhinderst, dass zwei Läufe sich über gemeinsame Daten gegenseitig zerschießen.

Sprunghafte Fehlschläge beseitigen

Du gehst den Ursachen nach, statt Läufe zu wiederholen, und kennst die üblichen Verdächtigen: feste Wartezeiten, Abhängigkeiten zwischen Testfällen, gemeinsam benutzte Daten.

In die Auslieferungsstrecke einbinden

Du bindest die Tests so ein, dass sie bei jeder Änderung laufen, dass das Ergebnis sichtbar ist und dass eine feste Regel gilt, was bei einem roten Lauf passiert.

Nutzen belegen

Du kannst zeigen, welche Fehler die Automatisierung gefunden hat und wie lange ein Durchlauf dauert, denn beides entscheidet darüber, ob die Reihe weiter gepflegt werden darf.

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Was den Alltag ausmacht, und was Leute falsch erwarten

Erwartet wird Testen. Tatsächlich verbringst du den Tag überwiegend mit Entwicklungsarbeit: Code schreiben, Code lesen, Anmerkungen einarbeiten, Abhängigkeiten aktualisieren, Laufzeiten verkürzen, Fehlerursachen in der eigenen Testreihe suchen. Wer aus dem manuellen Test kommt, unterschätzt regelmäßig, wie sehr diese Rolle eine Entwicklungsrolle ist.

Der zweite große Anteil ist die Diagnose fremder Fehler. Ein roter Lauf sagt zunächst nur, dass etwas nicht wie erwartet war. Ob die Anwendung falsch ist, der Test falsch, die Umgebung kaputt oder die Testdaten geändert wurden, musst du in wenigen Minuten unterscheiden können, sonst blockiert die Auslieferung.

Unterschätzt wird die politische Seite. Du lieferst regelmäßig Nachrichten, die niemand hören will, und zwar kurz vor einem Termin. Wer die Auswertung sachlich aufbereitet und die Entscheidung über das Weitergehen bewusst anderen überlässt, bleibt handlungsfähig. Wer sie selbst treffen will, gerät zwischen die Fronten.

Die Abgrenzung zum manuellen Testen

Beide Rollen brauchen dieselbe Grundlage, nämlich die Fähigkeit, aus unendlich vielen Möglichkeiten eine begründete Auswahl zu treffen. Danach trennen sie sich deutlich. Der manuelle Test arbeitet erkundend, prüft neue Funktionen, findet das Unerwartete und beurteilt, ob ein Ergebnis fachlich richtig ist. Die Automatisierung sichert das Bekannte gegen Rückschritte ab.

Daraus folgt, was sich nicht automatisieren lässt: die Frage, ob eine Anzeige verständlich ist, ob ein Ablauf für einen Menschen zumutbar bleibt, ob ein neuer Bereich Fehler enthält, an die vorher niemand gedacht hat. Wer glaubt, Automatisierung mache manuelles Testen überflüssig, hat den Zweck beider Tätigkeiten verwechselt.

Für den Einstieg in diese Rolle heißt das: Aus dem manuellen Test kommend fehlt dir die Entwicklungsseite, also eine Sprache, Versionsverwaltung, Code-Review und der Umgang mit einer Auslieferungsstrecke. Aus der Entwicklung kommend fehlt dir die Testmethodik, also Auswahlverfahren, Risikobewertung und ein Blick, der nicht nur den erwarteten Weg prüft. Beide Lücken sind schließbar, aber man sollte wissen, welche man hat.

Woran sich zwei Leute mit gleicher Berufsdauer unterscheiden

Der erste Unterschied ist die Behandlung sprunghafter Fehlschläge. Die eine nimmt jeden davon als Fehler in der eigenen Testreihe und beseitigt die Ursache. Der andere baut eine Wiederholung ein, und drei Monate später glaubt niemand mehr einem roten Lauf. Es gibt in dieser Rolle keine Entscheidung, die stärker über den Wert der Arbeit bestimmt.

Der zweite ist die Laufzeit. Eine Testreihe, die zwei Stunden braucht, wird nicht bei jeder Änderung gestartet, sondern nachts, und damit verliert sie den größten Teil ihres Nutzens. Wer Tests parallelisiert, auf die passende Ebene verschiebt und unnötige Wartezeiten entfernt, verändert die Arbeitsweise des ganzen Teams.

Der dritte ist die Übergabe. Wer ein Rahmenwerk so baut, dass ein Entwickler einen Test in zwanzig Minuten ergänzt, hat eine Reihe, die mit der Anwendung wächst. Wer alles selbst schreibt, hat einen Engpass und wird zum Flaschenhals in genau dem Moment, in dem es eilig wird.

Wohin die Rolle führt

Drei Richtungen sind üblich. Die erste geht tiefer in die Entwicklung, bis zu Rollen, die Werkzeuge und Umgebungen für andere Teams bauen. Die zweite geht in die Auslieferungsstrecke und den Betrieb, weil Testautomatisierung und Auslieferung technisch dieselbe Strecke teilen. Die dritte geht in Richtung Qualitätssicherung und Testmanagement, wo Auswahl, Risiko und Abstimmung wichtiger werden als Code.

Zwei Felder wachsen daneben: Lasttests, also die Frage, wie sich eine Anwendung unter vielen gleichzeitigen Zugriffen verhält, und automatisierte Prüfungen auf Sicherheitsschwächen als Teil der Auslieferung. Beides baut auf denselben Fähigkeiten auf und ist deutlich dünner besetzt als der klassische Funktionstest.

Als Nachweis ist die Spezialisierungsstufe des ISTQB für Testautomatisierung verbreitet und wird in Ausschreibungen genannt. Zu den Zahlen weiter unten passt ein Hinweis: Der Median ist die belastbarere Größe, weil einzelne sehr hohe Verdienste den Durchschnitt anheben.

Dazu passende Kurse

Wenn du den Schritt formal belegen willst, gibt es Kurse, in denen du den anerkannten Nachweis für Testautomatisierung erwirbst .

Was verdient man

Die amtlichen Zahlen zu dieser Rolle

Die amtliche Systematik führt Testautomatisierung nicht getrennt, sondern unter Softwareentwicklung, und inhaltlich ist das richtig, weil die Tätigkeit überwiegend aus Entwicklungsarbeit besteht. Die Kehrseite: In derselben Zelle stecken alle, die keine Tests bauen, und ein Vergleich zwischen manuellem Test und Automatisierung ist daraus nicht ablesbar. Das Anforderungsniveau Spezialist beschreibt zudem den Zuschnitt der Stelle und nicht deinen Weg dorthin, wer aus dem manuellen Test kommt, landet mit dem ersten Automatisierungsjahr also nicht automatisch in dieser Zeile. Die Werte gelten für Vollzeit ohne Sonderzahlungen, Weihnachts- und Urlaubsgeld kommen noch dazu.

Amtliche Medianverdienste, April 2025

Brutto im Monat

Statistisches Bundesamt, Verdiensterhebung. Vollzeit, ohne Sonderzahlungen. Die Hälfte der Beschäftigten verdient weniger als der Median, die andere Hälfte mehr.

Softwareentwicklung Spezialist 5.986 €

KldB 43413, Durchschnitt 6.238 €, gerundet rund 72.000 € im Jahr ohne Sonderzahlungen

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  • Vollzeitbeschäftigte, Bruttomonatsverdienst ohne Sonderzahlungen. Weihnachts- und Urlaubsgeld, Prämien und Boni sind nicht enthalten, der Jahresverdienst liegt also über dem Zwölffachen.
  • Das Anforderungsniveau beschreibt den Zuschnitt der Stelle, nicht die Berufserfahrung. Fachkraft, Spezialist und Experte sagen etwas über die Komplexität der Tätigkeit aus, nicht über Dienstjahre.
  • Die Erhebung geht regional nur bis auf die Bundeslandebene. Für einzelne Städte gibt es keine amtlichen Zahlen, weil der Zufallsfehler zu groß wäre.

Quelle: Statistischer Bericht Verdienste , Statistisches Bundesamt (Destatis). Den eigenen Fall prüfst du im Entgeltatlas der Bundesagentur für Arbeit . Beachte dort: Entgelte oberhalb der Beitragsbemessungsgrenze sind der Statistik nicht bekannt, bei gut bezahlten IT-Rollen steht deshalb nur eine Untergrenze.

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Häufige Fragen

Ist Testautomatisierung eine Testrolle oder eine Entwicklungsrolle?
Vom Alltag her eine Entwicklungsrolle mit Testauftrag. Du schreibst Code, führst ihn in einer Versionsverwaltung, lässt ihn prüfen und wartest ihn über Jahre. Die Testmethodik brauchst du zusätzlich, weil sonst die Auswahl der Fälle beliebig wird. Genau diese Doppelnatur ist der Grund, warum die Rolle in vielen Häusern schlecht besetzt ist.
Welche Sprache soll ich lernen?
Am besten die, in der eure Anwendung geschrieben ist, denn dann können Entwicklerinnen und Entwickler Tests mitpflegen und du kommst leichter an die Ebenen unterhalb der Oberfläche. Verbreitet sind Python und die JavaScript-Welt, dazu Java und C# dort, wo die Anwendung selbst darin läuft. Das Prinzip zählt mehr als die Sprache.
Wie viel soll über die Oberfläche geprüft werden?
So wenig wie möglich, so viel wie nötig. Über die Oberfläche gehören die wichtigsten durchgehenden Abläufe, alles andere gehört auf die Ebene der Schnittstellen und der einzelnen Funktionen, wo Tests schneller laufen und seltener brechen. Eine Reihe, die zu einem großen Teil aus Oberflächentests besteht, wird über kurz oder lang abgeschaltet.
Übernimmt KI diese Rolle?
KI nimmt Schreibarbeit ab, etwa Vorschläge für Testfälle, Gerüste für neue Tests und Hilfe beim Auswerten von Fehlschlägen. Was bleibt, sind die Entscheidungen: welches Risiko geprüft wird, auf welcher Ebene, und was ein rotes Ergebnis für die Auslieferung bedeutet. Wer nur Tests abtippt, wird schneller ersetzbar, wer die Strecke verantwortet, nicht.

Passt thematisch dazu

Wenn die Entscheidung über das Werkzeug ansteht, hilft der direkte Vergleich, welches Werkzeug für Oberflächentests zu euch passt .

Weil jeder Lauf einen bekannten Zustand braucht, gehört dazu die Frage, wie Testdaten entstehen, die man benutzen darf .

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Eine Testreihe, der das Team wirklich glaubt

Bei cmt baust du Tests auf mehreren Ebenen, von der einzelnen Funktion über die Schnittstelle bis zum durchgehenden Ablauf, und lernst dabei, warum Läufe sprunghaft fehlschlagen.