Strategie & Migration

Open Source in Behörden einführen: dein operativer Fahrplan

Der Grundsatzbeschluss ist schnell gefasst, die Umsetzung scheitert an Fachverfahren und Schnittstellen. Wer mit einer ehrlichen Bestandsaufnahme startet und Verfahren nach Ablösbarkeit sortiert, kommt weiter als jedes Strategiepapier.

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Worum es geht

Warum Open-Source-Projekte in der Verwaltung im Betrieb hängenbleiben

Der schwierige Teil einer Open-Source-Einführung ist selten die Technik der Arbeitsplätze. Ein Ubuntu- oder Linux-Mint-Client mit LibreOffice ist in wenigen Wochen paketiert. Aufwendig sind die Ränder: Fachverfahren, die nur mit Internet Explorer, ActiveX oder einer Windows-only-Clientkomponente laufen, Signaturkarten und Kartenleser, Fachanwendungen mit proprietären Druckertreibern, Makro-lastige Excel-Vorlagen aus zwanzig Jahren Verwaltungspraxis sowie Verzeichnisdienst, Gruppenrichtlinien und Dateifreigaben, die auf Active Directory aufsetzen.

Dazu kommt die Betriebsseite. Wer Windows-Clients bisher über ein zentrales Managementsystem verteilt hat, braucht für Linux ein funktionierendes Äquivalent für Imaging, Paketquellen, Patchstände und Konfiguration, typischerweise über eigene Spiegel-Repositories, Konfigurationsmanagement mit Ansible und ein Monitoring, das den neuen Stack auch abbildet. Ohne diese Grundlagen wird der Pilot zwar bunt präsentiert, lässt sich aber nicht auf mehrere hundert Arbeitsplätze skalieren.

Der dritte und meist unterschätzte Punkt ist Personal. In vielen Häusern gibt es zwei bis drei Kolleginnen und Kollegen mit Linux-Erfahrung, aber keine Breite im Team und keine Vertretungsregelung. Typische Fehler sind deshalb: zu früh in die Fläche gehen, den Schulungsaufwand für Anwender und Administration nicht als eigene Position im Projektplan führen, den First-Level-Support nicht mitschulen und externe Dienstleister ohne internen Wissensaufbau beauftragen. Danach hängt der Betrieb an einzelnen Personen, und genau das war das Argument gegen die alte Abhängigkeit.

Miniatur-Szene: Spielbrett, auf dem eine Server-Figur von einer alten auf eine neue Plattform zieht, daneben eine Roadmap

Sechs Stufen der Open-Source-Einführung

  1. 01 Bestandsaufnahme Fachverfahren
  2. 02 Zielarchitektur und Betriebsmodell
  3. 03 Pilotbereich mit Erfolgskriterien
  4. 04 Qualifizierung und Multiplikatoren
  5. 05 Rollout in Wellen
  6. 06 Regelbetrieb und Nachschulung
Was du mitnimmst

So bringst du den Umstieg Schritt für Schritt ins Laufen

Der Weg, der sich in Verwaltungsprojekten bewährt hat, ist unspektakulär und geht in klar abgegrenzten Stufen vor. Wichtig ist, dass Technik, Beschaffung und Qualifizierung parallel laufen und nicht nacheinander.

Bestandsaufnahme der Fachverfahren

Erfasse jedes Fachverfahren mit Client-Anforderung, Hersteller-Support-Aussage zu Linux oder Browser-Betrieb, Schnittstellen und Datenaustauschformaten. Sortiere in drei Kategorien: läuft im Browser, läuft nativ oder über Remote-Anwendung, blockiert den Umstieg. Nur die dritte Kategorie ist wirklich Projektarbeit, und sie bestimmt, welche Bereiche du zuerst migrierst.

Pilotbereich nach Risiko statt nach Begeisterung wählen

Geeignet ist eine Organisationseinheit mit überschaubarem Verfahrensportfolio, klarer Führung und regelmäßigem Publikumsverkehr, damit du reale Arbeitslast siehst. Definiere vorab messbare Abbruch- und Erfolgskriterien, etwa Ticketaufkommen pro Arbeitsplatz und Woche, Zeit bis zur Wiederherstellung eines Clients und Anteil ungelöster Verfahrensfälle.

Basisinfrastruktur vor dem ersten Client

Verzeichnisdienst-Anbindung, Datei- und Druckdienste über Samba und NFS, DNS und DHCP, Paketspiegel, Zeitsynchronisation und zentrale Logs müssen stehen, bevor Nutzer produktiv arbeiten. In unseren Kursen Linux Infrastrukturdienste (INFS), Linux Netzwerk und Netzwerkdienste sowie Linux Samba und Windows Netzwerke ist genau dieser Unterbau der Inhalt.

Automatisierter Betrieb von Anfang an

Installiere keinen Client von Hand. Setze Provisionierung und Konfiguration von Beginn an über Ansible auf, versioniere die Rollen in Git und definiere den Patch- und Release-Prozess inklusive Testring. Das ist der Unterschied zwischen einem Pilotprojekt und einem Betriebsmodell, und es macht spätere Distributionswechsel beherrschbar.

Multiplikatoren im eigenen Haus aufbauen

Plane pro Fachbereich mindestens eine Person, die Anwenderfragen zu LibreOffice, Dateiformaten und dem neuen Desktop selbst beantworten kann, und im IT-Betrieb ein Team von mehreren Personen mit LPIC-1-Niveau. Anwenderseitig passen der IT-Basiskurs und der Kurs Umstieg auf Linux Mint und LibreOffice, für die Administration die Linux Komplettausbildung zur LPIC-1 Zertifizierung und der Kompaktkurs Linux Systemadministration und Shell-Scripting.

Beschaffung und Rollout mit realistischem Schulungsbudget

Führe Qualifizierung als eigene Position im Projektplan, nicht als Restposten. Bei Ausschreibungen sind offene Schnittstellen, Datenformate und der Verzicht auf clientseitige Windows-Abhängigkeiten die entscheidenden Kriterien. Nach dem Pilot rollst du bereichsweise aus, immer mit Rückfallweg und mit geschultem First-Level-Support, der die häufigsten Fälle ohne Eskalation löst.

Gut zu wissen

Häufige Fragen zu Open Source in Behörden

Noch etwas offen? Wir sind ohne Warteschleife für dich da.

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Wie lange dauert die Einführung von Open Source in einer Behörde realistisch?
Für die Bestandsaufnahme und den Aufbau der Basisinfrastruktur solltest du je nach Größe des Hauses mehrere Monate ansetzen, für den Pilotbereich mindestens zwei vollständige Quartale, damit auch Jahresabschluss, Urlaubszeiten und Vertretungsfälle einmal durchlaufen. Der Rollout erfolgt danach in Wellen, und die Gesamtdauer hängt vor allem von der Anzahl blockierender Fachverfahren ab, nicht von der Anzahl der Arbeitsplätze.
Was mache ich mit Fachverfahren, die nur unter Windows laufen?
Es gibt drei gangbare Wege: Der Hersteller stellt eine Browser- oder Linux-Variante bereit, das Verfahren wird über eine Remote-Desktop- oder Terminalserver-Lösung bereitgestellt, oder der betroffene Arbeitsplatz bleibt vorerst auf Windows und wird in einer späteren Welle migriert. Eine ehrliche Bewertung gehört in die Bestandsaufnahme, denn ein einzelnes Verfahren kann einen ganzen Fachbereich blockieren.
Welche Distribution eignet sich für Arbeitsplätze in der Verwaltung?
In der Praxis kommen vor allem Ubuntu LTS, Debian stable und Linux Mint zum Einsatz, für Serverdienste zusätzlich RHEL-Derivate und SUSE Linux Enterprise. Entscheidend ist weniger die Distribution selbst als der garantierte Supportzeitraum, die Verfügbarkeit von Sicherheitsupdates, die Paketierbarkeit deiner Fachanwendungen und die Frage, für welche Plattform du intern Know-how aufbauen kannst.
Wie viel Schulung brauchen Anwender wirklich?
Für den reinen Desktopwechsel reicht bei den meisten Beschäftigten ein bis zwei Tage, wenn sie vorher mit Windows und einem Office-Paket gearbeitet haben. Der eigentliche Aufwand liegt bei LibreOffice, insbesondere bei Vorlagen, Serienbriefen und Makros, sowie bei den Personen, die als Ansprechpartner im Fachbereich fungieren. Für den IT-Betrieb solltest du dagegen mit mehreren Wochen verteilter Qualifizierung bis LPIC-1-Niveau rechnen.
Führt cmt die Schulungen auch als Inhouse-Kurs für die Verwaltung durch?
Ja, der Großteil unserer Behördenprojekte läuft als Inhouse-Schulung in deinen Räumen oder Live-Online, mit Inhalten, die auf deine Distribution, deine Verzeichnisdienst-Anbindung und deine Fachverfahren zugeschnitten sind. Sinnvoll ist meist eine Kombination aus Anwenderkursen für die Fachbereiche und einer mehrstufigen Ausbildung für den IT-Betrieb.

Zuletzt geprüft am 26. Juli 2026.

Das sagen Teilnehmer

Echte Stimmen aus unseren IT-Kursen

Sehr intensiver Lehrgang, hat mich für meine Arbeit ein gutes Stück voran gebracht.
Rückmeldung aus dem Kurs „Monitoring mit Prometheus und Grafana - Grundkurs“
Es war eine sehr gute Lernatmosphäre und der Trainer verstand sein Thema sehr gut.
Rückmeldung aus dem Kurs „SELinux Training: Grundlagen und Administration (SEL1)“
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Yves Hoppe

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Wenn du gerade Bestandsaufnahme, Pilotbereich oder Schulungsplan festlegst, schauen wir uns deine Ausgangslage gemeinsam an und stellen daraus einen Qualifizierungspfad für Anwender, First-Level-Support und Administration zusammen. Alle Linux-Kurse von cmt sind als offene Termine, Live-Online und als Inhouse-Schulung buchbar.