Identität in der Cloud

Entra ID und Active Directory: Was der Unterschied für deine Administration bedeutet

Entra ID ist kein Active Directory in der Cloud, sondern ein anderer Dienst mit anderen Protokollen. Es gibt keine Gruppenrichtlinien, keine Organisationseinheiten mit Vererbung und keinen Domänencontroller, den du anfassen kannst. Dafür bekommst du bedingten Zugriff, zeitlich begrenzte Rollen und ein Anmeldemodell, das auch für fremde Anwendungen funktioniert. Beide Verzeichnisse laufen in den meisten Häusern jahrelang nebeneinander, und genau diese hybride Phase entscheidet über den Aufwand.

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Worum es geht

Warum die Verwechslung so hartnäckig ist

Der alte Name hat einiges dazu beigetragen. Was heute Microsoft Entra ID heißt, hieß bis 2023 Azure Active Directory, und der gemeinsame Namensbestandteil suggeriert eine Verwandtschaft, die technisch kaum besteht. Active Directory Domain Services sprechen Kerberos, LDAP und NTLM, kennen Domänen, Gesamtstrukturen, Organisationseinheiten und Gruppenrichtlinien. Entra ID spricht OAuth 2.0, OpenID Connect, SAML und SCIM, kennt einen flachen Mandanten mit Gruppen und optionalen Verwaltungseinheiten. Wer die Begriffe eins zu eins übersetzt, plant an der Wirklichkeit vorbei.

Im Alltag zeigt sich das an konkreten Stellen. Ein Gerät, das ausschließlich in Entra ID aufgenommen ist, bekommt keine Gruppenrichtlinie mehr, sondern Konfigurationsprofile aus Intune. Eine Anwendung, die Kerberos für die Anmeldung braucht, findet in Entra ID keinen Ansprechpartner und benötigt entweder Entra Domain Services oder den Anwendungsproxy. Ein Skript, das mit den Active-Directory-Cmdlets Benutzer anlegt, funktioniert gegen Entra ID nicht, sondern muss über Microsoft Graph laufen. Das sind keine Kleinigkeiten, sondern Arbeitspakete.

Dazu kommt ein Sicherheitsproblem mit langer Laufzeit. Weil Rechte in Entra ID schnell vergeben sind und nur selten wieder eingesammelt werden, wachsen Administratorrechte über Jahre unbemerkt an. In vielen Mandanten finden wir zweistellige Zahlen dauerhafter globaler Administratoren, dazu Dienstkonten mit weitreichenden Anwendungsberechtigungen, die nie überprüft wurden. Angriffe auf Cloud-Identitäten zielen genau darauf, weil ein übernommenes Konto mit hoher Rolle sämtliche Schutzmaßnahmen darunter aushebelt.

Miniatur-Szene: zwei Plattformen nebeneinander mit unterschiedlichen Cloud-Bausteinen, dazwischen eine Waage

Vom lokalen Verzeichnis zum belastbaren Cloud-Mandanten

  1. 01 Bestand auslesen: Konten, Rollen, Gäste, Dienstkonten
  2. 02 Synchronisierung festlegen und Anmeldeverfahren wählen
  3. 03 Notfallkonten anlegen und vom bedingten Zugriff ausnehmen
  4. 04 Regeln im Nur-Bericht-Modus testen, dann scharf schalten
  5. 05 Hohe Rollen auf Zeit umstellen statt dauerhaft vergeben
  6. 06 Zugriffsüberprüfungen turnusmäßig laufen lassen und Rechte entziehen
Was du mitnimmst

Die Bausteine, die du wirklich brauchst

Statt Active-Directory-Begriffe zu übersetzen, lohnt es sich, die Bausteine von Entra ID einzeln zu verstehen. Fünf davon tragen den größten Teil der täglichen Arbeit.

Mandant, Gruppen und Verwaltungseinheiten

Ein Mandant ist flach, es gibt keine Hierarchie wie bei Organisationseinheiten. Struktur entsteht über Gruppen, wahlweise mit fester oder mit regelbasierter dynamischer Mitgliedschaft. Verwaltungseinheiten grenzen ein, worauf eine Rolle wirkt, etwa alle Konten eines Standorts. Sie vererben aber keine Einstellungen, sondern begrenzen nur den Wirkungsbereich einer Rollenzuweisung.

Hybride Identität

Entra Connect Sync oder die leichtgewichtige Cloud-Synchronisierung spiegeln Konten aus dem lokalen Verzeichnis in den Mandanten. Für die Anmeldung stehen Kennworthashsynchronisierung, Passthrough-Authentifizierung und Föderation zur Wahl. Für die meisten Häuser ist die Kennworthashsynchronisierung die robusteste Variante, weil die Anmeldung auch dann funktioniert, wenn die Leitung ins eigene Rechenzentrum ausfällt.

Bedingter Zugriff

Das eigentliche Steuerungswerkzeug. Regeln verknüpfen Signale wie Benutzergruppe, Anwendung, Gerätezustand, Standort und Risiko mit einer Anforderung, etwa mehrstufiger Anmeldung oder einem konformen Gerät. Damit ersetzt bedingter Zugriff die Rolle, die im Active Directory Gruppenrichtlinien und Netzsegmente hatten. Jede Regel gehört zuerst im Nur-Bericht-Modus getestet, bevor sie scharf geschaltet wird.

Rollen auf Zeit statt Dauerrechte

Privileged Identity Management vergibt hohe Rollen nur für einen begrenzten Zeitraum, mit Begründung, Genehmigung und Protokoll. Statt fünfzehn dauerhaft globalen Administratoren gibt es dann berechtigte Konten, die die Rolle bei Bedarf aktivieren. Das reduziert die Angriffsfläche erheblich und liefert gleichzeitig den Nachweis, den Aufsicht und Wirtschaftsprüfung ohnehin verlangen.

Zugriffsüberprüfungen und Gastkonten

Zusammenarbeit mit Externen läuft über B2B-Gäste statt über Vertrauensstellungen. Gastkonten sind schnell angelegt und werden fast nie gelöscht, deshalb gehören wiederkehrende Zugriffsüberprüfungen dazu. Sie fragen Gruppenbesitzer oder Vorgesetzte turnusmäßig, ob eine Berechtigung noch gebraucht wird, und entziehen sie automatisch, wenn niemand antwortet.

Tutorial

Vom lokalen Verzeichnis zum aufgeräumten Mandanten

Entra ID ist kein Active Directory in der Cloud, sondern ein anderer Dienst mit anderen Protokollen, und den Aufwand bestimmt die hybride Phase, in der beide Verzeichnisse jahrelang nebeneinander laufen. Deshalb werden hier zuerst die Begriffe sortiert und der Bestand ausgelesen, danach die Synchronisierung festgelegt, bedingter Zugriff und Berechtigungskonzept aufgebaut und zum Schluss die Rechte klein gehalten. Für die Bestandsaufnahme genügt lesender Zugriff über das Microsoft-Graph-PowerShell-Modul.

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Schritt 1: Verstehen, was Entra ID nicht ist

Die schnellste Abkürzung zum Verständnis ist eine ehrliche Gegenüberstellung. Sie zeigt, welche gewohnten Werkzeuge ersatzlos wegfallen und wo ein anderer Dienst einspringt.

Gewohnte Begriffe und ihre tatsächliche Entsprechung

Active DirectoryEntra IDWas das im Alltag bedeutet
Domänencontroller im eigenen HausVon Microsoft betriebener DienstKein Server zum Anfassen, keine eigene Sicherung des Verzeichnisses
Organisationseinheit mit VererbungVerwaltungseinheit ohne VererbungStruktur entsteht über Gruppen, nicht über einen Baum
GruppenrichtlinieIntune-Konfigurationsprofile und RichtlinienBestehende GPOs wandern nicht mit, sie werden neu abgebildet
Kerberos, LDAP, NTLMOAuth 2.0, OpenID Connect, SAML, SCIMAltanwendungen brauchen Entra Domain Services oder den Anwendungsproxy
Gesamtstruktur mit VertrauensstellungenMandant mit B2B-GastkontenZusammenarbeit läuft über Einladungen statt über Trusts
Domänenadministrator auf DauerGlobaler Administrator, möglichst nur auf ZeitHohe Rechte werden aktiviert statt fest zugewiesen

Die wichtigste Konsequenz steckt in der letzten Zeile. Im Active Directory war ein Domänenadministrator eine dauerhafte Eigenschaft eines Kontos, in Entra ID sollte eine hohe Rolle ein Zustand auf Zeit sein. Ebenso wichtig ist die Unterscheidung zwischen Entra-Verzeichnisrollen und Azure-Rollen: Erstere steuern das Verzeichnis, also Benutzer, Gruppen und Anwendungen, Letztere steuern Ressourcen in Abonnements, also virtuelle Maschinen, Netze und Speicher. Beide sind unabhängig voneinander, und wer sie verwechselt, vergibt entweder zu viel oder wundert sich über fehlende Rechte. Wie die entsprechende Trennung bei AWS aussieht, steht in AWS IAM: Berechtigungen sauber schneiden.

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Schritt 2: Den eigenen Bestand auslesen

Vor jeder Umstellung steht die Bestandsaufnahme. Zwei Werkzeuge reichen dafür: das Microsoft-Graph-PowerShell-Modul und die Azure CLI.

Konten, Rollen und Gäste über Microsoft Graph zählen
Install-Module Microsoft.Graph -Scope CurrentUser
Connect-MgGraph -Scopes "Directory.Read.All","RoleManagement.Read.Directory","AuditLog.Read.All"

# Wie viele aktive Konten, wie viele Gäste?
(Get-MgUser -All -Filter "accountEnabled eq true").Count
(Get-MgUser -All -Filter "userType eq 'Guest'").Count

# Welche Verzeichnisrollen sind überhaupt aktiviert, und wer steckt drin?
Get-MgDirectoryRole | Select-Object DisplayName, Id

$rolle = Get-MgDirectoryRole -Filter "displayName eq 'Global Administrator'"
Get-MgDirectoryRoleMember -DirectoryRoleId $rolle.Id |
  ForEach-Object { (Get-MgUser -UserId $_.Id).UserPrincipalName }

Die Zahl der globalen Administratoren ist der erste Befund jeder Bestandsaufnahme. Microsoft empfiehlt, dauerhaft weniger als fünf Konten mit dieser Rolle zu führen. Alles darüber ist ein Auftrag, kein Zwischenstand.

Dieselbe Sicht mit der Azure CLI, plus die Ressourcenseite
az login

# Verzeichnisseite: Konten und Anwendungen
az ad user list --filter "accountEnabled eq true" --query 'length(@)'
az ad app list --all --query 'length(@)'
az ad sp list --all --query "length([?servicePrincipalType=='Application'])"

# Ressourcenseite: Azure-Rollen, ausdrücklich inklusive geerbter Zuweisungen
az role assignment list --all --include-inherited \
  --query "[?roleDefinitionName=='Owner'].{prinzipal:principalName,bereich:scope}" -o table

Die beiden Abfragen liefern absichtlich unterschiedliche Welten. Oben stehen Verzeichnisobjekte, unten Rechte auf Ressourcen. Ein Konto kann in Entra ID unauffällig sein und trotzdem Besitzer eines ganzen Abonnements sein, deshalb gehören beide Listen in jede Prüfung.

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Schritt 3: Hybride Identität sauber aufsetzen

In fast allen Häusern bleibt das lokale Verzeichnis zunächst bestehen. Entscheidend ist, welches Werkzeug synchronisiert und was dabei überhaupt in die Cloud geht.

Zustand der Synchronisierung auf dem Connect-Server prüfen
Import-Module ADSync

# Läuft der Zeitplan, und wann war der letzte Durchlauf?
Get-ADSyncScheduler

# Welche Verbindungen sind eingerichtet, lokal und in die Cloud?
Get-ADSyncConnector | Select-Object Name, Type

# Änderungen sofort übertragen statt auf den Zyklus zu warten
Start-ADSyncSyncCycle -PolicyType Delta

# Vollständiger Abgleich, nur nach Regeländerungen und außerhalb der Kernzeit
# Start-ADSyncSyncCycle -PolicyType Initial

Der Standardzyklus liegt bei 30 Minuten. Wer beim Anlegen neuer Konten ungeduldig wird, sollte den Zyklus nicht verkürzen, sondern die Bereitstellung so gestalten, dass die Wartezeit eingeplant ist. Ein vollständiger Abgleich in der Kernzeit erzeugt spürbare Last und sollte die Ausnahme bleiben.

Unabhängig vom Werkzeug gilt: Synchronisiere nur, was in der Cloud gebraucht wird. Deaktivierte Konten, Dienstkonten ohne Cloud-Bezug und historische Organisationseinheiten haben im Mandanten nichts verloren, weil sie später jede Zugriffsüberprüfung aufblähen und in Berichten für Verwirrung sorgen. Klär außerdem früh, welches Verzeichnis führend ist. Ein Zustand, in dem Konten mal lokal und mal in der Cloud angelegt werden, erzeugt Dubletten, die sich nur mit Aufwand wieder zusammenführen lassen. Wie die Netzanbindung dazu aussieht, wenn beide Welten dauerhaft nebeneinander laufen, beschreibt die Anbindung des eigenen Rechenzentrums.

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Schritt 4: Berechtigungskonzept und bedingter Zugriff

Bedingter Zugriff ist das schärfste Werkzeug im Mandanten und gleichzeitig das gefährlichste, weil eine falsch gebaute Regel innerhalb von Sekunden alle aussperrt.

Bestehende Regeln und ihren Zustand auflisten
Connect-MgGraph -Scopes "Policy.Read.All"

Get-MgIdentityConditionalAccessPolicy |
  Select-Object DisplayName, State, Id |
  Sort-Object State, DisplayName

# Welche Konten sind aus einer Regel ausgenommen?
$p = Get-MgIdentityConditionalAccessPolicy -Filter "displayName eq 'MFA fuer alle'"
$p.Conditions.Users.ExcludeUsers

Der Wert im Feld State ist der wichtigste: enabledForReportingButNotEnforced bedeutet Nur-Bericht-Modus, die Regel wird ausgewertet und protokolliert, greift aber nicht. Jede neue Regel gehört mindestens eine Woche in diesen Modus, bevor sie auf enabled gestellt wird.

Was in ein Berechtigungskonzept für Entra ID gehört

  • Getrennte Konten für administrative TätigkeitenEin Konto, das täglich Mails liest und gleichzeitig hohe Rechte trägt, macht jeden erfolgreichen Phishing-Versuch zur Mandantenübernahme.
  • Mehrstufige Anmeldung für alle Konten, nicht nur für AdministratorenAngriffe beginnen fast immer bei einem normalen Konto und arbeiten sich von dort weiter. Eine Ausnahmeliste ist genau der Weg, den Angreifer suchen.
  • Hohe Rollen nur über Privileged Identity Management auf ZeitDauerhafte Rollen werden vergeben und nie zurückgenommen. Zeitlich begrenzte Aktivierung erzwingt die Rücknahme automatisch und protokolliert jede Nutzung.
  • Anwendungsberechtigungen von Dienstprinzipalen regelmäßig prüfenEine Anwendung mit weitreichenden Graph-Rechten ist ein Konto ohne Anmeldung und ohne zweiten Faktor, taucht aber in keiner Benutzerliste auf.
  • Zugriffsüberprüfungen für Gruppen, Gäste und Rollen einrichtenOhne festen Turnus wächst der Rechtebestand nur in eine Richtung. Automatischer Entzug bei ausbleibender Antwort ist der einzige Mechanismus, der wirklich aufräumt.
  • Anmeldeprotokolle in ein zentrales System übernehmenDie Aufbewahrung im Portal ist begrenzt. Bei einem Vorfall brauchst du Daten aus mehreren Monaten, und die musst du vorher weggeschrieben haben.
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Schritt 5: Rechte dauerhaft klein halten

Ein aufgeräumter Mandant bleibt nur aufgeräumt, wenn das Aufräumen automatisiert ist. Zwei Mechanismen tragen dabei den Großteil.

Berechtigte und aktive Rollenzuweisungen unterscheiden
Connect-MgGraph -Scopes "RoleManagement.Read.Directory"

# Dauerhaft aktive Zuweisungen: das ist die kritische Liste
Get-MgRoleManagementDirectoryRoleAssignment -All |
  Select-Object PrincipalId, RoleDefinitionId, DirectoryScopeId

# Über PIM berechtigte Zuweisungen: Rolle vorhanden, aber nicht aktiv
Get-MgRoleManagementDirectoryRoleEligibilitySchedule -All |
  Select-Object PrincipalId, RoleDefinitionId, Status

Das Ziel ist eine kurze erste Liste und eine längere zweite. Wenn beide Listen fast gleich lang sind, ist Privileged Identity Management zwar eingerichtet, wird aber nicht genutzt, und der Nachweis gegenüber einer Prüfung trägt nicht.

Für die Personalplanung ist die passende Zertifizierung SC-300, Microsoft Certified: Identity and Access Administrator Associate. Sie deckt genau die Themen dieser Seite ab, also Verzeichnis, hybride Identität, bedingter Zugriff, Rollen auf Zeit und Zugriffsüberprüfungen. Wer eher aus der Administration kommt und zunächst die Breite braucht, fängt mit AZ-104 an, denn dort sind Identität und Governance ein eigener Abschnitt. Die Vorbereitung darauf beschreibt die Seite zur AZ-104-Prüfung. Rollenbasierte Microsoft-Zertifizierungen lassen sich jährlich kostenlos online verlängern, der Aufwand für die Aufrechterhaltung ist also überschaubar.

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Gut zu wissen

Häufige Fragen zu Entra ID und Active Directory

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Können wir das lokale Active Directory nach der Umstellung abschalten?
In den meisten Häusern nicht vollständig. Solange Anwendungen Kerberos oder LDAP sprechen, Dateifreigaben über Domänenmitgliedschaft geschützt sind oder Drucker und Fachverfahren an der Domäne hängen, brauchst du ein Verzeichnis, das diese Protokolle anbietet. Für einen Teil dieser Fälle gibt es Microsoft Entra Domain Services als verwaltete Domäne in Azure, das ist aber ein zusätzlicher Dienst mit eigenen Kosten und nicht in jeder Konstellation die passende Antwort. Realistisch ist ein Zielbild, in dem Arbeitsplätze und moderne Anwendungen vollständig in Entra ID liegen und ein deutlich verkleinertes lokales Verzeichnis nur noch die verbliebenen Altfälle bedient.
Was ersetzt Gruppenrichtlinien für Geräte, die nur in Entra ID sind?
Intune mit Konfigurationsprofilen und dem Einstellungskatalog. Viele Einstellungen aus bestehenden Gruppenrichtlinien lassen sich dort direkt wiederfinden, weil derselbe Katalog an Richtlinien zugrunde liegt. Eine automatische Übernahme gibt es aber nicht: Der Gruppenrichtlinien-Analysebericht in Intune zeigt zwar, welche Einstellungen unterstützt werden, die Zuweisung an Gerätegruppen musst du neu aufbauen. Nutze den Umstieg zur Bereinigung. In gewachsenen Umgebungen sind gut die Hälfte der vorhandenen Einstellungen historisch, betreffen nicht mehr vorhandene Software oder widersprechen einander.
Reicht die kostenlose Stufe von Entra ID?
Für die reine Anmeldung an Microsoft 365 ja, für ein belastbares Sicherheitskonzept nicht. Bedingter Zugriff, Zugriffsüberprüfungen, Privileged Identity Management und die risikobasierten Funktionen von Identity Protection hängen an höheren Stufen, in der Regel an Entra ID P1 oder P2, die auch in einigen Microsoft-365-Paketen enthalten sind. Rechne das früh, denn ein Konzept, das auf bedingtem Zugriff aufbaut, lässt sich ohne die passende Lizenz nicht umsetzen. Die Sicherheitsstandards von Microsoft sind eine sinnvolle Grundabsicherung, ersetzen aber keine differenzierten Regeln.
Wie viele globale Administratoren sind angemessen?
Microsoft empfiehlt dauerhaft weniger als fünf Konten mit dieser Rolle. In der Praxis kommen die meisten Organisationen mit zwei Notfallkonten und einer Handvoll berechtigter Konten aus, die die Rolle über Privileged Identity Management bei Bedarf aktivieren. Alles, was regelmäßig anfällt, lässt sich mit engeren Rollen erledigen, etwa Benutzeradministrator, Anwendungsadministrator oder Administrator für den bedingten Zugriff. Der schnellste Gewinn in einem gewachsenen Mandanten ist deshalb nicht ein neues Werkzeug, sondern eine Liste aller Konten mit hoher Rolle und die Frage, was jedes einzelne davon tatsächlich tut.
Welche Zertifizierung deckt das Thema ab?
SC-300, Microsoft Certified: Identity and Access Administrator Associate. Geprüft werden Verwaltung von Identitäten, Authentifizierung und Zugriff, Anwendungszugriff sowie Identity Governance, also Zugriffsüberprüfungen, Berechtigungsverwaltung und Rollen auf Zeit. Die Prüfungsdauer liegt laut Microsoft Learn bei 100 Minuten. Sinnvoll ist sie für alle, die den Mandanten tatsächlich betreiben. Wer die Breite von Azure braucht, beginnt eher mit AZ-104 und nimmt SC-300 danach. Wie bei allen rollenbasierten Microsoft-Zertifizierungen ist die jährliche Verlängerung online und kostenlos möglich.

Zuletzt geprüft am 26. Juli 2026.

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