Schritt 1: Verstehen, was Entra ID nicht ist
Die schnellste Abkürzung zum Verständnis ist eine ehrliche Gegenüberstellung. Sie zeigt, welche gewohnten Werkzeuge ersatzlos wegfallen und wo ein anderer Dienst einspringt.
Gewohnte Begriffe und ihre tatsächliche Entsprechung
| Active Directory | Entra ID | Was das im Alltag bedeutet |
|---|---|---|
| Domänencontroller im eigenen Haus | Von Microsoft betriebener Dienst | Kein Server zum Anfassen, keine eigene Sicherung des Verzeichnisses |
| Organisationseinheit mit Vererbung | Verwaltungseinheit ohne Vererbung | Struktur entsteht über Gruppen, nicht über einen Baum |
| Gruppenrichtlinie | Intune-Konfigurationsprofile und Richtlinien | Bestehende GPOs wandern nicht mit, sie werden neu abgebildet |
| Kerberos, LDAP, NTLM | OAuth 2.0, OpenID Connect, SAML, SCIM | Altanwendungen brauchen Entra Domain Services oder den Anwendungsproxy |
| Gesamtstruktur mit Vertrauensstellungen | Mandant mit B2B-Gastkonten | Zusammenarbeit läuft über Einladungen statt über Trusts |
| Domänenadministrator auf Dauer | Globaler Administrator, möglichst nur auf Zeit | Hohe Rechte werden aktiviert statt fest zugewiesen |
Die wichtigste Konsequenz steckt in der letzten Zeile. Im Active Directory war ein Domänenadministrator eine dauerhafte Eigenschaft eines Kontos, in Entra ID sollte eine hohe Rolle ein Zustand auf Zeit sein. Ebenso wichtig ist die Unterscheidung zwischen Entra-Verzeichnisrollen und Azure-Rollen: Erstere steuern das Verzeichnis, also Benutzer, Gruppen und Anwendungen, Letztere steuern Ressourcen in Abonnements, also virtuelle Maschinen, Netze und Speicher. Beide sind unabhängig voneinander, und wer sie verwechselt, vergibt entweder zu viel oder wundert sich über fehlende Rechte. Wie die entsprechende Trennung bei AWS aussieht, steht in AWS IAM: Berechtigungen sauber schneiden.