Schritt 1: Bandbreite und Latenz messen, nicht schätzen
Die Entscheidung zwischen VPN und Leitung hängt an drei Zahlen: Spitzenbandbreite, tolerierbare Latenz und Datenmenge je Tag. Alle drei lassen sich vorher messen, statt sie im Entwurf zu behaupten.
# Latenz und Paketverlust zum naechstgelegenen Cloud-Standort
mtr -rwzc 100 ec2.eu-central-1.amazonaws.com
# Durchsatz zwischen zwei Endpunkten pruefen
iperf3 -s # auf der Gegenseite starten
iperf3 -c 10.60.1.10 -t 30 -P 4
# Tatsaechliches Volumen am Uebergang ueber Zaehler mitschreiben
nft list ruleset | grep -B2 counter
vnstat -i eth0 -dDie Latenz nach Frankfurt liegt aus den meisten deutschen Rechenzentren im niedrigen einstelligen Millisekundenbereich, nach Amsterdam oder Dublin deutlich höher. Für synchrone Datenbankreplikation ist genau diese Zahl das Ausschlusskriterium, nicht die Bandbreite.
Wann ein VPN reicht und wann nicht
| Anforderung | Site-to-Site-VPN | ExpressRoute oder Direct Connect |
|---|---|---|
| Verwaltungszugriff, Verzeichnisdienst, Dateizugriff | Reicht aus | Überdimensioniert |
| Dauerhaft mehrere hundert MBit/s Nutzlast | Nur mit mehreren Tunneln und ECMP | Klar im Vorteil |
| Synchrone Replikation, Sprache, Video | Latenz nicht zugesichert | Erforderlich |
| Großer täglicher Datenabfluss aus der Cloud | Teuer über den Internet-Egress | Deutlich günstiger je Gigabyte |
| Vorlaufzeit bis zur Inbetriebnahme | Stunden | Wochen bis Monate |
| Vertraglich zugesicherte Verfügbarkeit | Begrenzt und abhängig vom Internetpfad | Im SLA des Anbieters geregelt |