Souveränität und Standort

Souveräne Cloud: Welche Angebote es gibt und was Souveränität wirklich bedeutet

Ein Rechenzentrum in Frankfurt macht eine Cloud nicht souverän. Entscheidend sind vier getrennte Fragen: wo die Daten liegen, wer sie betreiben darf, wem die Technologie gehört und welchem Recht der Betreiber unterliegt. Die meisten Angebote am Markt beantworten die ersten beiden überzeugend und die letzten beiden gar nicht. Wer weiß, welche Stufe er braucht, spart sich die halbe Anbieterrecherche.

5 Kapitel mit allen Befehlen
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Worum es geht

Warum Souveränität so schwer zu kaufen ist

Souveränität ist zum Verkaufsargument geworden, und der Begriff wird entsprechend gedehnt. Ein Anbieter meint damit, dass die Daten Deutschland nicht verlassen. Der nächste meint, dass Support und Betrieb ausschließlich durch Personal in der EU erfolgen. Ein dritter meint, dass er selbst einer europäischen Gesellschaft gehört. Alle drei sagen dasselbe Wort und liefern etwas völlig anderes. Wer in einer Ausschreibung nur nach einer souveränen Cloud fragt, bekommt deshalb Angebote, die sich nicht vergleichen lassen.

Dazu kommt eine juristische Ebene, die technisch nicht auflösbar ist. Unterliegt ein Anbieter oder seine Muttergesellschaft US-Recht, kann eine Herausgabeanordnung Daten betreffen, die physisch in Deutschland liegen. Der Speicherort allein löst das Problem also nicht. Umgekehrt bedeutet ein deutscher Betreiber nicht automatisch, dass die eingesetzte Technologie unabhängig wäre: Wenn die Plattform lizenziert ist, hängt ihr Fortbestand an einem Vertrag mit dem Hersteller.

Und schließlich kostet Souveränität etwas, das in den Präsentationen nicht auftaucht: Funktionsumfang. Souveräne Umgebungen starten mit einem kleineren Dienstekatalog, bekommen neue Funktionen später und decken bei weitem nicht jede Region ab. Ein Architekturentwurf, der auf einem verwalteten KI-Dienst oder einer bestimmten Datenbank aufbaut, funktioniert dort womöglich nicht. Diese Einschränkung gehört an den Anfang der Planung und nicht in die Zeile, in der die Migration bereits läuft.

Miniatur-Szene: zwei Plattformen nebeneinander mit unterschiedlichen Cloud-Bausteinen, dazwischen eine Waage

Vier Stufen, die getrennt geprüft werden müssen

  1. 01 Datenstandort: Region, Sicherungen, Protokolle, Supportdaten
  2. 02 Betriebszugriff: wer darf hinein, mit welcher Freigabe
  3. 03 Technologie: offener Quelltext oder lizenzierte Plattform
  4. 04 Rechtsraum: Gesellschaftsstruktur und Zugriff aus Drittstaaten
  5. 05 Schlüsselhoheit: wer kann Daten tatsächlich entschlüsseln
  6. 06 Preis der Souveränität: Dienstekatalog, Aktualität, Kosten
Was du mitnimmst

Souveränität in vier Stufen denken

Statt einer Ja-Nein-Frage lohnt sich die Aufteilung in vier Ebenen. Jede lässt sich einzeln fordern, prüfen und bezahlen.

Datensouveränität

Die Daten liegen in einer definierten Region und verlassen sie auch bei Sicherungen, Protokolldaten und Supportfällen nicht. Prüfbar über Regionsangaben, vertragliche Zusagen und technisch erzwungene Richtlinien. Das ist die Stufe, die fast jeder Anbieter erfüllt, und sie ist die schwächste.

Betriebssouveränität

Nur Personal mit definiertem Standort und definierter Überprüfung darf auf die Systeme zugreifen, jeder Zugriff wird protokolliert und ist freigabepflichtig. Hier trennt sich der Markt, denn ein Support-Team, das rund um die Uhr über mehrere Kontinente arbeitet, erfüllt diese Anforderung nicht.

Technologische Souveränität

Die Plattform beruht auf offenen Standards oder offenem Quelltext, sodass ein Weiterbetrieb auch ohne den ursprünglichen Anbieter möglich bleibt und Fachkräfte außerhalb des Anbieters verfügbar sind. Das ist die Stufe, die OpenStack, Kubernetes und vergleichbare Bausteine liefern und die lizenzierte Plattformen prinzipbedingt nicht erreichen können.

Rechtliche Souveränität

Der Betreiber und seine Eigentümer unterliegen ausschließlich europäischem Recht, sodass Herausgabeanordnungen aus Drittstaaten ins Leere laufen. Diese Stufe hängt allein an der Gesellschaftsstruktur und nicht an der Technik, weshalb sie sich weder nachrüsten noch durch zusätzliche Verschlüsselung ersetzen lässt. Von allen vier Stufen wird sie am seltensten vollständig erfüllt.

Erst die Stufe festlegen, dann den Anbieter suchen

Schreib je Arbeitslast auf, welche Stufe gefordert ist und woraus sich die Forderung ergibt. Für die meisten internen Systeme reicht Stufe eins, für personenbezogene Daten kommt Stufe zwei dazu. Die Stufen drei und vier braucht ihr seltener, als die Diskussion vermuten lässt, aber wenn ihr sie braucht, dann kompromisslos.

Tutorial

Von der geforderten Stufe zum geprüften Angebot

Ein Rechenzentrum in Frankfurt macht eine Cloud nicht souverän, entscheidend sind vier getrennte Stufen von der Datenhaltung bis zur Gesellschaftsstruktur des Betreibers. Wer weiß, welche Stufe er braucht, spart sich die halbe Anbieterrecherche, deshalb steht die Einordnung am Anfang. Danach werden die verfügbaren Angebote und die Rolle von Gaia-X eingeordnet, der Datenstandort technisch erzwungen, die Schlüsselhoheit geprüft und zum Schluss die Frage beantwortet, wann eine eigene Plattform die ehrlichere Antwort ist.

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Schritt 1: Die vier Stufen sauber trennen

Ohne diese Trennung reden Anbieter und Einkauf aneinander vorbei. Mit ihr wird aus einer Grundsatzdiskussion eine Anforderungsliste.

Was auf welcher Stufe gefordert und geprüft wird

StufeKonkrete ForderungWoran du sie prüfst
DatensouveränitätDaten, Sicherungen und Protokolle bleiben in einer definierten RegionRegionsangabe im Vertrag, technisch erzwungene Richtlinie, Nachweis für Supportdaten
BetriebssouveränitätZugriff nur durch überprüftes Personal am definierten StandortProtokollierte und freigabepflichtige Zugriffe, Nachweis über die Herkunft des Betriebspersonals
Technologische SouveränitätWeiterbetrieb ohne den ursprünglichen Anbieter möglichOffener Quelltext, offene Schnittstellen, Verfügbarkeit von Fachkräften außerhalb des Anbieters
Rechtliche SouveränitätBetreiber und Eigentümer unterliegen ausschließlich EU-RechtGesellschaftsstruktur, Sitz der Muttergesellschaft, Regelungen zu Anordnungen aus Drittstaaten
SchlüsselhoheitNur ihr könnt Daten entschlüsseln, der Anbieter nichtExterner Schlüsselspeicher oder eigenes HSM, geprüft durch bewussten Entzug des Schlüssels

Die fünfte Zeile ist die einzige, die sich vollständig technisch beweisen lässt. Alle anderen beruhen auf Verträgen, Zertifikaten und Organisationsstrukturen. Deshalb lohnt es sich, die Schlüsselhoheit als Rückfallebene ernst zu nehmen: Wenn der Anbieter Daten technisch nicht lesen kann, verlieren die Stufen zwei bis vier einen Teil ihrer Schärfe. Umgekehrt gilt: Wenn der Anbieter eure Schlüssel verwaltet, ist jede Souveränitätszusage eine organisatorische Zusage und keine technische.

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Schritt 2: Die Angebote einordnen

Der Markt lässt sich in drei Gruppen sortieren. Jede erfüllt andere Stufen, und keine erfüllt alle vier.

Drei Gruppen, drei sehr verschiedene Zusagen

  • Souveräne Angebote der großen Anbieter. Getrennte Regionen, eigene Betreibergesellschaften und zugesagte Datengrenzen innerhalb der EU. Sie erfüllen Datensouveränität sehr gut und Betriebssouveränität je nach Modell. Technologisch bleibt ihr an der Plattform des Herstellers, rechtlich hängt viel an der Eigentümerstruktur der betreibenden Gesellschaft.
  • Betriebspartnerschaften mit europäischen Unternehmen. Die Technologie stammt von einem großen Anbieter, betrieben wird sie von einem europäischen Partner, der auch die Schlüssel verwaltet. Für die öffentliche Verwaltung ist das derzeit das gängigste Modell. Stufe eins und zwei sind damit stark, Stufe drei bleibt unerfüllt.
  • Europäische Anbieter mit eigener Plattform. Anbieter wie STACKIT, IONOS, plusserver, die Open Telekom Cloud oder Anbieter aus Frankreich und der Schweiz betreiben eigene Infrastruktur unter EU-Recht, häufig auf OpenStack oder Kubernetes. Sie erreichen alle vier Stufen am ehesten, der Dienstekatalog ist dafür deutlich schmaler als bei den Hyperscalern.

Der Markt bewegt sich hier schneller als jede Übersicht. Neue souveräne Regionen werden angekündigt, verschieben sich, starten mit einem eingeschränkten Dienstekatalog und wachsen danach. Prüfe deshalb kurz vor der Entscheidung drei Dinge selbst: Welche Region ist tatsächlich verfügbar, welche Dienste sind dort freigeschaltet, und welche Gesellschaft steht im Vertrag. Ein Anbietervergleich aus dem Vorjahr taugt in diesem Segment nur als Einstieg. Für die vertragliche Seite des Wechsels lohnt zusätzlich der Blick auf die Pflichten aus dem EU Data Act.

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Schritt 3: Den Datenstandort technisch erzwingen

Eine vertragliche Zusage verhindert nicht, dass ein Team versehentlich in Virginia bereitstellt. Diese Leitplanke gehört in die Plattform, nicht in eine Richtlinie.

Azure: nur deutsche Regionen zulassen
SUB=$(az account show --query id -o tsv)

# Welche Regionen stehen ueberhaupt in Deutschland zur Verfuegung?
az account list-locations \
  --query "[?contains(name,'germany')].{Name:name, Anzeige:displayName}" -o table

# Eingebaute Richtlinie 'Allowed locations' zuweisen
az policy assignment create \
  --name nur-deutsche-regionen \
  --display-name "Ressourcen nur in deutschen Regionen" \
  --scope "/subscriptions/$SUB" \
  --policy e56962a6-4747-49cd-b67b-bf8b01975c4c \
  --params '{"listOfAllowedLocations":{"value":["germanywestcentral","germanynorth"]}}'

Die Richtlinie wirkt beim Anlegen neuer Ressourcen und nicht rückwirkend. Führe deshalb einmal eine Bestandsaufnahme durch, bevor du sie zuweist, sonst hältst du eine saubere Umgebung für gegeben, die es nicht ist. Beachte außerdem, dass einige Dienste global registriert werden und deshalb ausgenommen werden müssen.

AWS: Region über eine Dienststeuerungsrichtlinie begrenzen
{
  "Version": "2012-10-17",
  "Statement": [
    {
      "Sid": "NurEuropaeischeRegionen",
      "Effect": "Deny",
      "NotAction": [
        "iam:*", "sts:*", "organizations:*", "account:*",
        "support:*", "health:*", "budgets:*", "ce:*", "cur:*",
        "cloudfront:*", "route53:*", "waf:*", "shield:*"
      ],
      "Resource": "*",
      "Condition": {
        "StringNotEquals": {
          "aws:RequestedRegion": ["eu-central-1", "eu-west-1"]
        }
      }
    }
  ]
}

Die Ausnahmen in NotAction sind kein Nachlassen, sondern notwendig: Diese Dienste sind global und würden sich sonst selbst sperren, inklusive der Anmeldung. Hinterlege die Richtlinie auf der Ebene der Organisationseinheit, damit sie auch für neu angelegte Konten sofort greift. Wichtig: Auch Abrechnung und Kostenanalyse melden sich in us-east-1 an. Wer budgets und ce in der Ausnahmeliste vergisst, verliert nach dem Ausrollen den Blick auf die eigene Rechnung.

Ergänze beide Leitplanken um eine Prüfung der Nebenwege. Sicherungen, Protokollweiterleitung, Verwaltungswerkzeuge und Überwachungsdienste haben eigene Zielregionen, die häufig unabhängig von der Ressource konfiguriert werden. Wer nur die Rechenleistung prüft, findet später Protokolldaten in einer Region, die niemand ausgewählt hat. Diese Prüfung gehört in dieselbe Bestandsaufnahme, die ohnehin für ein C5-Testat nötig ist.

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Schritt 4: Schlüsselhoheit prüfen statt behaupten

Die einzige Stufe, die sich technisch beweisen lässt. Der Beweis besteht darin, den Schlüssel bewusst zu entziehen und zu prüfen, was danach noch lesbar ist.

Azure: verwaltetes HSM und eigener Schlüssel
# Verwaltetes HSM in einer deutschen Region anlegen
az keyvault create \
  --hsm-name cmt-hsm-de \
  --resource-group rg-souveraen \
  --location germanywestcentral \
  --retention-days 7 \
  --administrators "$(az ad signed-in-user show --query id -o tsv)"

# Schluessel erzeugen, der das HSM nie verlaesst
az keyvault key create \
  --hsm-name cmt-hsm-de \
  --name daten-kek \
  --kty RSA-HSM --size 3072 \
  --ops wrapKey unwrapKey

Ein im HSM erzeugter Schlüssel kann nicht exportiert werden. Damit ist technisch belegbar, dass nur eure Anwendung Daten entschlüsseln kann. Plane den Wiederherstellungsfall mit: Ein verlorener Schlüssel bedeutet verlorene Daten, und genau das ist der Preis echter Schlüsselhoheit.

AWS: Schlüssel außerhalb der Cloud halten
# Externer Schluesselspeicher: das Schluesselmaterial bleibt im eigenen HSM
aws kms create-custom-key-store \
  --custom-key-store-name souveraen-de \
  --custom-key-store-type EXTERNAL_KEY_STORE \
  --xks-proxy-connectivity PUBLIC_ENDPOINT \
  --xks-proxy-uri-endpoint https://xks.beispiel.de \
  --xks-proxy-uri-path /kms/xks/v1

# Zustand pruefen: ohne erreichbaren Proxy ist der Speicher nicht nutzbar
aws kms describe-custom-key-stores \
  --query 'CustomKeyStores[].{Name:CustomKeyStoreName,Status:ConnectionState}'

Der zweite Befehl zeigt zugleich das Betriebsrisiko: Ist euer Proxy nicht erreichbar, kann AWS nichts mehr entschlüsseln. Das ist der gewünschte Effekt und gleichzeitig ein Einzelfehlerpunkt, der Hochverfügbarkeit und einen geübten Wiederanlauf braucht.

Bevor die Souveränitätszusage in den Vertrag geht

  • Für jede Arbeitslast die geforderte Stufe schriftlich festlegen und begründen.Ohne diese Zuordnung kauft ihr überall die teuerste Stufe oder überall die billigste. Beides ist falsch und lässt sich im Nachhinein kaum korrigieren.
  • Den Verbleib von Protokolldaten, Telemetrie, Sicherungen und Supportfällen einzeln klären.Diese vier verlassen die Region in der Voreinstellung am häufigsten und enthalten regelmäßig personenbezogene Daten. Sie tauchen in keiner Regionsangabe auf.
  • Den Dienstekatalog der souveränen Region gegen euren Architekturentwurf halten.Souveräne Regionen starten kleiner und bekommen Funktionen später. Ein Entwurf, der auf einem dort fehlenden Dienst aufbaut, scheitert erst mitten in der Migration.
  • Die Schlüsselhoheit einmal aktiv testen, indem der Zugriff auf den Schlüssel entzogen wird.Erst wenn die Daten danach unlesbar sind, ist die Zusage belegt. Bleiben sie lesbar, war die Schlüsselverwaltung nie wirklich bei euch.
  • Den Ausstieg aus dem souveränen Angebot genauso planen wie den Einstieg.Souveräne Angebote sind jung und ihre Roadmap ist politisch beeinflusst. Wer nicht wechseln kann, hat Abhängigkeit nur verschoben statt verringert.
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Schritt 5: Wann die eigene Plattform die ehrlichere Antwort ist

Wenn technologische und rechtliche Souveränität wirklich gefordert sind, führt der kürzeste Weg an den großen Anbietern vorbei.

Eine eigene Plattform auf OpenStack oder Kubernetes erfüllt alle vier Stufen, weil Technologie, Betrieb, Standort und Rechtsraum vollständig bei euch liegen. Der Preis dafür ist Betriebsverantwortung: Kapazitätsplanung, Hardwarebeschaffung, Speicher, Netz, Aktualisierungen und Bereitschaft gehören dann euch. Diese Rechnung geht ab einer bestimmten Größe auf und darunter nicht. Ehrlich ist sie nur, wenn ihr die Personalkosten über drei Jahre und den Aufbau von Fachwissen mit einrechnet, nicht nur die Hardware.

OpenStack: nachsehen, was die Plattform tatsächlich liefert
# Welche Dienste sind im Katalog freigeschaltet?
openstack catalog list

# Verfuegbarkeitszonen und ihre Trennung
openstack availability zone list --compute --volume

# Was steht an Rechenprofilen und Abbildern bereit?
openstack flavor list
openstack image list --status active

# Quoten des Projekts, damit die Kapazitaetsplanung stimmt
openstack quota show --detail

Der Dienstekatalog ist der schnellste Realitätsabgleich, auch bei einem Anbieter, der OpenStack betreibt. Was dort nicht steht, gibt es nicht, unabhängig davon, was auf der Produktseite beschrieben ist.

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Gut zu wissen

Häufige Fragen zu souveränen Cloud-Plattformen

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Was bedeutet souveräne Cloud überhaupt?
Der Begriff ist nicht geschützt und wird deshalb sehr unterschiedlich verwendet. Sinnvoll ist die Aufteilung in vier Stufen: wo die Daten liegen, wer betrieblich auf sie zugreifen darf, wem die eingesetzte Technologie gehört und welchem Recht der Betreiber und seine Eigentümer unterliegen. Die meisten Angebote erfüllen die ersten beiden Stufen überzeugend. Technologische und rechtliche Souveränität erreichen vor allem europäische Anbieter mit eigener Plattform sowie Umgebungen, die ihr selbst betreibt. Formuliere Anforderungen deshalb immer entlang dieser Stufen und nicht mit dem Wort souverän allein.
Ist Gaia-X eine Alternative zu AWS oder Azure?
Nein. Gaia-X ist ein Rahmenwerk für Standards, Vertrauensregeln und Kennzeichnungen, mit dem sich Angebote vergleichbar beschreiben lassen. Es betreibt selbst keine Rechenzentren und verkauft keine Rechenleistung, deshalb lässt sich dort nichts buchen. Nützlich ist Gaia-X vor allem in Ausschreibungen, weil es Begriffe vereinheitlicht, die sonst jeder Anbieter anders auslegt. Wer eine Plattform sucht, muss trotzdem einen Anbieter auswählen, entweder eine souveräne Region eines großen Anbieters, einen europäischen Anbieter mit eigener Infrastruktur oder eine Plattform in eigener Hand.
Reicht ein Rechenzentrum in Deutschland für die DSGVO aus?
Nicht automatisch. Die DSGVO fragt nicht allein nach dem Speicherort, sondern nach den technischen und organisatorischen Maßnahmen und nach der Frage, ob personenbezogene Daten in Drittstaaten übermittelt oder von dort zugänglich gemacht werden. Ein Zugriff durch Support-Personal außerhalb der EU ist bereits eine relevante Konstellation, ebenso Telemetrie und Protokolldaten. Prüfe deshalb den Auftragsverarbeitungsvertrag, die Unterauftragnehmer, den Standort des Betriebspersonals und den Verbleib von Nebendaten. Der Standort ist eine notwendige Bedingung, aber keine hinreichende.
Was kostet Souveränität an Funktionsumfang?
Spürbar. Souveräne Umgebungen starten mit einem kleineren Dienstekatalog, erhalten neue Funktionen später als die großen Standardregionen und bieten weniger Auswahl bei Rechenprofilen, Datenbanken und verwalteten Diensten. Besonders betroffen sind neuere Bereiche wie KI-Plattformen und einzelne Analysedienste. Für die Planung heißt das: Der Architekturentwurf muss gegen den tatsächlich verfügbaren Katalog der Zielregion geprüft werden, nicht gegen die allgemeine Produktübersicht des Anbieters. Rechne außerdem mit höheren Preisen, weil kleinere Regionen weniger Größenvorteile haben.
Wann lohnt sich eine eigene Private Cloud auf OpenStack?
Wenn technologische und rechtliche Souveränität wirklich gefordert sind, wenn eure Grundlast planbar und ausreichend groß ist und wenn ihr bereit seid, Betriebsverantwortung zu übernehmen. OpenStack liefert Rechenleistung, Speicher, Netz und Identitätsverwaltung auf offener Grundlage, damit lässt sich eine Plattform auch ohne den ursprünglichen Lieferanten weiterbetreiben. Der Aufwand liegt im Betrieb: Kapazitätsplanung, Aktualisierungen, Speicherarchitektur und Bereitschaftsdienst. Für stark schwankende Lasten oder kleine Umgebungen ist der Weg selten wirtschaftlich, für einen stabilen Sockel mit hohen Anforderungen dagegen häufig.

Zuletzt geprüft am 26. Juli 2026.

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