Mehr als eine Tabelle

Power Pivot oder normale Pivot: ab wann lohnt das Modell?

Von außen sehen beide gleich aus. Der Unterschied liegt darunter, bei Beziehungen zwischen Tabellen und bei Kennzahlen, die in jeder Auswertung gleich rechnen.

KI-generiertDieses Bild wurde mit KI erzeugt · Yves Hoppe / KI / cmt
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Worum es geht

Der SVERWEIS vor jeder Auswertung ist das eigentliche Signal

Der typische Ablauf sieht so aus: Die Umsatzliste kommt aus dem Vorsystem, dann werden Region, Kundengruppe und Produktgruppe per SVERWEIS oder XVERWEIS danebengeschrieben, damit die Pivot danach etwas zu gruppieren hat. Das funktioniert, kostet aber jeden Monat dieselbe halbe Stunde und macht die Datei mit jeder Hilfsspalte langsamer.

Teurer als die Zeit sind die Abweichungen. Wenn dieselbe Kennzahl in fünf Dateien fünfmal nachgebaut wird, unterscheiden sich die Definitionen früher oder später. Einer rechnet den Deckungsbeitrag mit Skonto, einer ohne, und in der Sitzung diskutiert dann niemand mehr über das Geschäft, sondern über die Zahl.

Dazu kommen Fragen, für die die klassische Pivot schlicht keine Berechnungsart hat. Die Zahl der Kunden ohne Mehrfachzählung gehört dazu, ebenso jeder Vergleich gegen das Vorjahr, der über das reine Gruppieren nach Jahr hinausgeht. Wer das mit Hilfsspalten nachbaut, pflegt am Ende eine zweite Logik neben der Auswertung.

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Der direkte Vergleich

Der direkte Vergleich

Klassische Pivot-Tabelle

die Auswertung einer einzelnen Liste, die im Arbeitsblatt liegt

Power Pivot mit Datenmodell

mehrere Tabellen über Beziehungen verbunden, Kennzahlen in DAX

Wie kommen Region und Produktgruppe an die Bewegungsdaten?

Klassische Pivot-Tabelle

Nur über Hilfsspalten mit SVERWEIS oder XVERWEIS, die bei jeder Lieferung neu gezogen und geprüft werden müssen.

Power Pivot mit Datenmodell

Über eine Beziehung zwischen Schlüsselspalten, die du einmal in der Diagrammsicht ziehst und danach nicht mehr anfasst.

Wie zählst du Kunden ohne Mehrfachzählung?

Klassische Pivot-Tabelle

Die Berechnungsart Anzahl zählt jede Bestellzeile mit, für eindeutige Kunden brauchst du eine Hilfskonstruktion in der Quelle.

Power Pivot mit Datenmodell

Die Berechnungsart Diskrete Anzahl steht in den Wertfeldeinstellungen bereit, sobald die Pivot auf dem Modell sitzt.

Was passiert, wenn die Quelle mehr Zeilen hat, als ein Blatt fasst?

Klassische Pivot-Tabelle

Die Auswertung endet an der Grenze des Arbeitsblattes, und schon davor wird die Datei durch die Rohdaten im Blatt spürbar träge.

Power Pivot mit Datenmodell

Das Modell hält die Daten spaltenweise komprimiert im Arbeitsspeicher, ohne dass eine einzige Zeile im Blatt stehen muss.

Wie schnell steht eine Auswertung, wenn nur eine Liste vorliegt?

Klassische Pivot-Tabelle

Markieren, Einfügen > PivotTable, Felder ziehen. Für eine einzelne Liste ist das der kürzeste Weg zum Ergebnis.

Power Pivot mit Datenmodell

Der erste Aufbau dauert länger, weil du in Faktentabelle und Stammdatentabellen trennst, auch wenn die Auswertung danach schneller geht.

Wer kann die Datei später warten?

Klassische Pivot-Tabelle

Feldliste und Wertfeldeinstellungen kennt fast jeder, der regelmäßig mit Excel auswertet.

Power Pivot mit Datenmodell

Measures und Beziehungen versteht nur, wer DAX zumindest lesen kann, sonst hängt die Auswertung an einer einzigen Person.

Läuft das auf jedem Arbeitsplatz?

Klassische Pivot-Tabelle

Die klassische Pivot funktioniert in jeder Excel-Version und auch auf dem Mac ohne zusätzliche Einrichtung.

Power Pivot mit Datenmodell

Das Add-In gibt es nur in Excel für Windows, und in älteren Einzelplatzversionen war es nicht in jeder Edition enthalten.

Was passt wann

Wenn deine Auswertung auf einer einzigen Liste steht und Summen und Mittelwerte reichen
bleib bei der klassischen Pivot-Tabelle und spar dir die zusätzliche Schicht.
Wenn du vor jeder Auswertung Stammdaten per SVERWEIS an die Bewegungsdaten heftest
leg ein Datenmodell an und verbinde die Tabellen über ihre Schlüsselspalten.
Wenn dieselbe Kennzahl in mehreren Dateien unterschiedlich gerechnet wird
schreib sie einmal als Measure in DAX und nutz sie in jeder Auswertung des Modells.

Sechs Signale für den Wechsel ins Datenmodell

  1. 01 Du heftest vor jeder Auswertung Stammdaten per SVERWEIS an die Bewegungsdaten.
  2. 02 Du brauchst eine Kennzahl, für die die Pivot keine Berechnungsart anbietet.
  3. 03 Dieselbe Kennzahl steht in mehreren Dateien unterschiedlich gerechnet.
  4. 04 Die Quelle hat mehr Zeilen, als in ein Arbeitsblatt hineinpassen.
  5. 05 Die Merkmale zum Schneiden liegen in eigenen Stammdatentabellen statt in der Bewegungsliste.
  6. 06 Plandaten und Istdaten sollen über einen gemeinsamen Kalender nebeneinanderstehen.
Was du mitnimmst

Danach entscheidest du bewusst, worauf eine Auswertung aufsetzt

Der Wechsel ins Datenmodell ist keine neue Oberfläche, sondern eine andere Bauweise. Statt einer breiten Tabelle stehen Bewegungsdaten in der Mitte und Stammdaten drumherum, verbunden über Schlüsselspalten. Wer die Signale kennt, erkennt früh, ob sich der zusätzliche Aufbau lohnt oder ob eine Liste weiterhin reicht.

Beziehungen statt Hilfsspalten

Du verbindest Umsatzliste, Kundentabelle und Artikeltabelle über die Schlüsselspalten, statt Stammdaten hineinzukopieren. Ändert sich eine Zuordnung, korrigierst du sie an genau einer Stelle.

Kennzahlen als Measure

Eine Kennzahl schreibst du einmal in DAX und nutzt sie in jeder Auswertung desselben Modells. Damit endet der Streit darüber, welche Datei die richtige Definition enthält.

Diskrete Anzahl nutzen

Die Zahl der Kunden ohne Mehrfachzählung gibt es nur bei Pivots auf dem Datenmodell. Der Haken beim Anlegen genügt dafür, ein Add-In brauchst du für diesen Fall nicht.

Kalendertabelle anlegen

Für Vergleiche gegen Vorjahr oder Vormonat baust du eine eigene Tabelle mit lückenlosen Datumswerten und kennzeichnest sie über Als Datumstabelle markieren.

Die Grenze der Blattzeilen umgehen

Das Modell speichert spaltenweise komprimiert im Arbeitsspeicher. Damit lassen sich Datenmengen auswerten, die in kein Arbeitsblatt passen, ohne dass die Datei träge wird.

Erkennen, wann es sich nicht lohnt

Bei einer einzelnen Liste, die einmal im Quartal ausgewertet wird und mit Summen auskommt, bringt das Modell nur eine zusätzliche Schicht, die gepflegt werden muss.

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Was in beiden Fällen gleich bleibt

Die Oberfläche ändert sich nicht. Auch eine Pivot auf dem Datenmodell hat die vier Bereiche Filter, Spalten, Zeilen und Werte, du ziehst dieselben Felder hinein, Datenschnitte und Zeitachsen funktionieren wie gewohnt, und Pivot-Diagramme ebenso. Von außen sieht man einer Auswertung nicht an, worauf sie aufsetzt. Aktualisiert wird in beiden Fällen über Daten > Alle aktualisieren.

Wichtig für die Entscheidung: Du musst Power Pivot nicht einschalten, um das Datenmodell zu nutzen. Beim Anlegen einer Pivot gibt es im Dialog den Haken "Diese Daten dem Datenmodell hinzufügen", und Beziehungen lassen sich auch ohne Add-In über Daten > Datentools > Beziehungen anlegen. Das Power Pivot-Fenster brauchst du erst, wenn du Measures schreiben, das Modell in der Diagrammsicht ordnen oder Spalten für den Anwender ausblenden willst.

Was Power Pivot zusätzlich kann

Der erste und größte Unterschied sind Beziehungen. Statt Kundenname, Region und Produktgruppe per SVERWEIS oder XVERWEIS in die Umsatzliste zu kopieren, legst du die Kundentabelle und die Artikeltabelle daneben und verbindest sie über die Schlüsselspalten. Im Power Pivot-Fenster geht das in der Diagrammsicht per Ziehen. Die Umsatzliste bleibt schmal, die Stammdaten stehen genau einmal, und ändert sich eine Regionszuordnung, korrigierst du sie an einer Stelle.

Der zweite Unterschied sind Measures. Über Power Pivot > Measures > Neues Measure schreibst du eine Kennzahl einmal in DAX, zum Beispiel als Summe des Umsatzes oder als Anteil am Vorjahr, und sie steht danach in jeder Auswertung desselben Modells zur Verfügung. Ein Measure rechnet immer im jeweiligen Filterkontext, also je Zeile, Spalte und gesetztem Datenschnitt neu. Damit hört es auf, dass dieselbe Kennzahl in fünf Dateien fünf leicht unterschiedliche Definitionen hat. Die DAX-Funktionsnamen bleiben übrigens auch in der deutschen Oberfläche englisch, du schreibst CALCULATE, DIVIDE und SUMX.

Dazu kommen Dinge, die die klassische Pivot schlicht nicht anbietet. Die Berechnungsart "Diskrete Anzahl", also die Zahl der Kunden ohne Mehrfachzählung, erscheint nur bei Modell-Pivots. Zeitvergleiche gegen Vorjahr oder gegen den Vormonat brauchen eine eigene Kalendertabelle, die du über Als Datumstabelle markieren kennzeichnest, danach rechnet DAX damit. Und die Datenmenge: Das Modell speichert spaltenweise komprimiert im Arbeitsspeicher, Millionen Zeilen sind normal, ohne dass eine einzige davon in einem Blatt stehen muss.

Die Signale für den Wechsel

Sechs Punkte reichen als Checkliste, und schon zwei davon rechtfertigen den Aufwand. Erstens: Du baust vor jeder Auswertung Hilfsspalten mit SVERWEIS oder XVERWEIS, um Stammdaten an die Bewegungsdaten zu heften. Zweitens: Du brauchst eine Kennzahl wie die Zahl der aktiven Kunden, für die die normale Pivot keine Berechnungsart hat. Drittens: Dieselbe Kennzahl steht in mehreren Dateien unterschiedlich berechnet, und niemand weiß mehr, welche Version stimmt.

Viertens: Die Quelle hat mehr Zeilen, als in ein Arbeitsblatt passen, oder die Datei öffnet spürbar langsam, weil die Rohdaten mit im Blatt liegen. Fünftens: Du willst dieselbe Auswertung nach Kunde, Region, Produkt und Vertriebsweg schneiden, ohne die Quelltabelle immer weiter zu verbreitern. Sechstens: Es kommen regelmäßig neue Quellen dazu, etwa Plandaten neben Istdaten, die sich nur über einen gemeinsamen Kalender und gemeinsame Stammdaten sinnvoll nebeneinanderstellen lassen.

Kein Wechselgrund ist dagegen eine einzelne Liste, die einmal im Quartal ausgewertet wird. Wenn eine Tabelle reicht und die Kennzahlen Summen und Mittelwerte sind, bringt das Modell nichts außer einer zusätzlichen Schicht, die jemand pflegen muss.

Was der Umstieg kostet

Technisch wenig. Power Pivot ist ein COM-Add-In und wird über Datei > Optionen > Add-Ins aktiviert, dort unten bei Verwalten auf COM-Add-Ins wechseln, auf Los klicken und Microsoft Power Pivot für Excel anhaken. Danach erscheint die Registerkarte Power Pivot mit der Schaltfläche Verwalten. Zwei Einschränkungen solltest du vorher kennen: Es gibt Power Pivot nur in Excel für Windows, nicht in Excel für Mac, und in älteren Einzelplatzversionen war es nicht in jeder Edition enthalten.

Der eigentliche Aufwand liegt im Denken. Du hörst auf, eine breite Tabelle zu bauen, und fängst an, in Faktentabelle und Stammdatentabellen zu trennen: die Bewegungsdaten in der Mitte, Kunde, Artikel, Kalender und Vertriebsweg drumherum, jeweils über einen Schlüssel verbunden. Wer das einmal verstanden hat, baut Auswertungen deutlich schneller, aber der erste Aufbau dauert länger als die vertraute Pivot auf einer Liste.

Zwei Stolpersteine tauchen bei fast jedem ersten Modell auf. Eine Beziehung braucht auf der Stammdatenseite eindeutige Schlüssel, doppelte Kundennummern in der Kundentabelle lässt Excel nicht zu, und die Fehlermeldung nennt nicht die betroffene Zeile. Und Zeitvergleiche funktionieren erst mit einer eigenen Kalendertabelle, die jeden Tag des Zeitraums lückenlos enthält, das automatische Gruppieren nach Jahr und Monat ersetzt sie nicht.

Dazu passende Kurse

Der Sprung vom breiten Tabellenblatt zum Modell aus mehreren Tabellen fällt leichter mit Anleitung, deshalb kannst du Power Pivot im Seminar von Grund auf lernen und dabei ein eigenes Beispiel aufbauen.

Wer schon einmal mit relationalen Datenbanken gearbeitet hat, erkennt das Modell sofort wieder, allen anderen helfen Grundlagen zu Tabellen, Schlüsseln und Beziehungen beim Einstieg in dieses Denken.

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Häufige Fragen

Brauche ich Power Pivot noch, wenn wir Power BI einsetzen?
Beide arbeiten mit demselben Datenmodell und derselben Sprache DAX, insofern lernst du nichts doppelt. Power Pivot bleibt sinnvoll, wenn das Ergebnis eine Arbeitsmappe sein soll, die jemand weiterbearbeitet oder in der neben der Auswertung noch gerechnet und geplant wird. Sobald derselbe Bericht regelmäßig an viele Empfänger geht und automatisch aktualisiert werden soll, ist Power BI der passendere Ort.
Kann ich ein bestehendes Excel-Modell nach Power BI übernehmen?
Ja, Power BI Desktop kann ein Excel-Datenmodell importieren, Abfragen, Beziehungen und Measures kommen dabei mit. Was nicht mitkommt, sind Formeln, Formatierungen und Layouts aus dem Arbeitsblatt, denn die gehören zur Excel-Oberfläche und nicht zum Modell. Plan also ein, dass die Darstellung in Power BI neu gebaut wird.
Verliere ich etwas, wenn die Pivot auf dem Datenmodell sitzt?
Ein paar Bequemlichkeiten. Die Detailanzeige per Doppelklick auf eine Zahl liefert nicht mehr zwingend alle Ursprungszeilen, und einige Gruppierungen aus der klassischen Pivot fehlen, weil ihre Aufgabe im Modell von Kalender- und Stammdatentabellen übernommen wird. Dafür bekommst du Kennzahlen, die überall gleich rechnen, und eine Datei, die trotz großer Datenmengen schnell bleibt.

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Falls dir bei Kennzahlen und Verknüpfungen die Begriffe fehlen, liefert die Kurzdefinition von Datenmodell, Beziehungen und DAX die Grundlage in wenigen Sätzen.

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