Produktbasierte Planung

Was ist eine Product Description in PRINCE2?

Eine Product Description beschreibt in PRINCE2 ein Produkt, bevor es entsteht: wofür es da ist, woraus es besteht, woraus es abgeleitet wird und woran sich erkennen lässt, dass es gut genug ist. Damit ist sie die Grundlage der produktbasierten Planung und der späteren Abnahme.

Streit bei der Abnahme entsteht fast immer daran, dass niemand vorher aufgeschrieben hat, woran sich erkennen lässt, dass ein Ergebnis fertig und gut genug ist.

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Beschreibt
Zweck, Bestandteile, Herkunft, Qualitätskriterien
Entsteht
Vor dem Produkt, nicht danach
Grundlage für
Produktbasierte Planung und Abnahme
Sonderfall
Projektproduktbeschreibung für das Gesamtergebnis

Was in einer Product Description steht

Zu den Bestandteilen gehören der Zweck des Produkts, seine Zusammensetzung, die Quellen, aus denen es abgeleitet wird, das Format, die für die Erstellung nötigen Fähigkeiten sowie die Qualitätskriterien mit ihren Toleranzen, der Prüfmethode und den Verantwortlichkeiten für die Prüfung.

Der wichtigste Teil sind die Qualitätskriterien, denn an ihnen wird das Produkt später gemessen. Ein Kriterium wie „verständlich“ taugt dafür nicht. Prüfbar wird es erst, wenn dabeisteht, wer die Prüfung vornimmt und woran das Ergebnis festgemacht wird, etwa an einem Review durch zwei benannte Fachleute ohne offene Befunde.

Produktbeschreibung und Projektproduktbeschreibung

Die Projektproduktbeschreibung ist ein Sonderfall: Sie beschreibt das Endergebnis des gesamten Projekts, hält die Qualitätserwartungen des Kunden fest und enthält die Akzeptanzkriterien, an denen die Abnahme hängt. Erstellt wird sie ganz am Anfang, gemeinsam mit der Auftraggeberseite.

Alle weiteren Produktbeschreibungen betreffen einzelne Produkte innerhalb des Projekts. Gemeint sein können Spezialistenprodukte, also das, was das Projekt fachlich liefert, oder Managementprodukte, die zur Steuerung dienen.

Produktbasierte Planung

PRINCE2 plant zuerst Ergebnisse, dann Tätigkeiten. Die Reihenfolge lautet: die Projektproduktbeschreibung schreiben, die Produkte in einer Struktur zerlegen, für die relevanten Produkte Beschreibungen verfassen und zuletzt in einem Flussdiagramm festhalten, welches Produkt welches voraussetzt. Erst danach kommen Aktivitäten, Aufwände und Termine.

Der praktische Nutzen zeigt sich beim Zuschnitt von Arbeitspaketen und beim Umgang mit Änderungen. Wenn klar ist, welches Produkt sich ändert und welche Produkte davon abhängen, wird aus einer diffusen Änderungsdiskussion eine überschaubare Liste betroffener Ergebnisse.

Woran es scheitert

Der häufigste Fehler ist, eine Produktbeschreibung als Aufgabenliste zu schreiben. Beschrieben wird aber das fertige Ergebnis, nicht der Weg dorthin. Der zweite Fehler sind Qualitätskriterien, die niemand messen kann, weil sie im Alleingang am Schreibtisch entstanden sind statt gemeinsam mit denen, die das Produkt erstellen und prüfen.

Der dritte Fehler ist Pflege: Ändert sich der Umfang, ohne dass die Beschreibung nachgezogen wird, prüft die Qualitätssicherung später gegen ein überholtes Dokument. PRINCE2 erlaubt ausdrücklich, den Detailgrad an die Größe des Projekts anzupassen, verlangt aber, dass das Anpassen bewusst geschieht und begründet ist.

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Nicht verwechseln

Product Description und was oft damit gleichgesetzt wird

Product Description gegen Work Package

Ein Arbeitspaket ist der Auftrag an ein Team und enthält die zugehörige Produktbeschreibung zusammen mit Vorgaben zu Berichten, Terminen und Toleranzen. Die Produktbeschreibung sagt, was entstehen soll, das Arbeitspaket regelt die Zusammenarbeit darüber.

Product Description gegen Akzeptanzkriterien

Akzeptanzkriterien betreffen das Endprodukt des Projekts und stehen in der Projektproduktbeschreibung. Qualitätskriterien gelten für ein einzelnes Produkt und werden bei dessen Prüfung angewendet.

Product Description gegen Lastenheft

Ein Lastenheft sammelt Anforderungen aus Auftraggebersicht. Die Produktbeschreibung ist enger geschnitten, gilt je Produkt und enthält zusätzlich, wie und von wem die Qualität geprüft wird.

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In der Praxis

Qualitätskriterien sind der Teil, den alle überspringen

Eine Product Description ohne prüfbare Qualitätskriterien ist eine Überschrift. Prüfbar heißt: Daneben steht, wer prüft, womit geprüft wird und welche Toleranz gilt. „Handbuch vollständig“ ist kein Kriterium. „Jede beschriebene Funktion mit mindestens einem durchgespielten Ablauf, geprüft von zwei Personen aus der Fachabteilung“ ist eines.

Der zweite Nutzen liegt in der Herkunft. Wenn festgehalten ist, woraus ein Produkt abgeleitet wird, fallen Abhängigkeiten auf, bevor sie zum Termindruck werden: Das Schulungskonzept braucht die eingefrorene Konfiguration, die Datenmigration braucht das abgenommene Zielmodell. Aus diesen Beziehungen entsteht der Plan, nicht aus einer Liste von Tätigkeiten, die jemand geschätzt hat.

Woran es scheitert: Die Beschreibungen werden nachträglich verfasst, damit die Ablage vollständig ist. Dann beschreiben sie, was ohnehin schon entstanden ist, und die Abnahme prüft gegen ein Kriterium, das nach dem Ergebnis geformt wurde. Der Aufwand fällt trotzdem an, der Nutzen nicht. Gute Beschreibungen sind kurz, entstehen im Gespräch mit denen, die das Produkt später abnehmen, und passen auf eine Seite.

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Häufige Fragen

Braucht jedes Produkt eine eigene Beschreibung?
PRINCE2 verlangt sie für die Produkte, die geplant, geprüft und abgenommen werden. Der Detailgrad wird an das Projekt angepasst; für einfache Produkte reicht eine knappe Beschreibung, solange die Qualitätskriterien prüfbar bleiben.
Wer schreibt die Produktbeschreibungen?
Verantwortlich ist die Projektleitung, inhaltlich liefern die Fachleute zu, die das Produkt später erstellen oder prüfen. Wer die Qualitätskriterien allein festlegt, bekommt Kriterien, die in der Prüfung nicht standhalten.
Passt produktbasierte Planung zu agiler Arbeitsweise?
Ja, die Denkweise ist dieselbe: Ergebnisse stehen vor Tätigkeiten. Statt eines vollständigen Satzes fertiger Beschreibungen zu Projektbeginn entstehen sie schrittweise, während die Projektproduktbeschreibung mit den Akzeptanzkriterien von Anfang an gebraucht wird.

Passt thematisch dazu

Eine Produktbeschreibung nützt nur, wenn feststeht, wer sie freigibt und wer das fertige Produkt abnimmt, und das hängt an der Aufteilung von Verantwortung im Projekt .

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