Konstruktion in der Serie

Erst entscheidet das Verfahren, dann entsteht die Form

Ein Gussteil, ein Blechteil und ein Frästeil mit derselben Funktion sehen völlig verschieden aus. Wer die Reihenfolge umdreht, konstruiert Teile, die niemand bezahlbar herstellt.

KI-generiertDieses Bild wurde mit KI erzeugt · Yves Hoppe / KI / cmt
Seit 1997 am Markt Kleine Gruppen Präsenz und Live-Online Zertifizierte Trainer
Worum es geht

Die Gestalt wird festgelegt, bevor jemand über die Herstellung gesprochen hat

Der typische Ablauf im Ärgerfall sieht so aus: Eine Funktion ist gefordert, jemand modelliert eine Lösung, und erst danach wird gefragt, wie das Teil hergestellt werden soll. Dann fehlen die Entformungsschrägen, die Wandstärken springen, ein Radius ist kleiner als jedes Werkzeug, das man dafür hat, oder eine Schweißnaht liegt an einer Stelle, an die kein Brenner kommt. Jede dieser Änderungen zieht eine Runde durch Modell, Zeichnung und Stückliste nach sich.

Der zweite Bruch entsteht bei Varianten. Wenn jede Kundenanfrage als Sonderkonstruktion beginnt, wächst die Zahl der Sachnummern schneller als der Umsatz. Nach ein paar Jahren gibt es sieben ähnliche Halter, die sich in Details unterscheiden, die niemand mehr begründen kann, und jeder davon belastet Einkauf, Lager, Prüfung und Dokumentation dauerhaft.

Der dritte Bruch liegt im Änderungsdienst. Eine freigegebene Änderung betrifft nicht nur die Zeichnung, sondern auch Bestände im Lager, laufende Fertigungsaufträge, Ersatzteile beim Kunden und Prüfvorschriften. Wer die Änderung durchzieht, ohne diese Wirkungen zu betrachten, erzeugt Ausschuss an einer Stelle, an der ihn niemand vermutet.

KI-generiertDieses Bild wurde mit KI erzeugt · Yves Hoppe / KI / cmt
Wer entscheidet was

Wer entscheidet, wer setzt um, und wo es im Betrieb hakt

Die Rolle sitzt in der Mitte einer Kette, in der jede Abteilung eigene Ziele hat. Die folgenden Fälle sind die, an denen sich in der Produktentwicklung regelmäßig Streit entzündet.

Auswahl des Fertigungsverfahrens

Wer entscheidet
Entwicklung und Fertigungsplanung gemeinsam, mit Blick auf die Stückzahl
Wer setzt um
Die Konstruktion in der Gestaltung des Bauteils
Stolperfalle
Die Geometrie steht schon, bevor jemand über das Verfahren gesprochen hat, und die Anpassung kostet eine vollständige Änderungsrunde.

Toleranzen über eine Baugruppe hinweg

Wer entscheidet
Die Konstruktion, gegen die geforderte Funktion
Wer setzt um
Fertigung und Qualitätssicherung
Stolperfalle
Jedes Einzelteil wird für sich eng toleriert, die Summe der Abweichungen in der Baugruppe rechnet niemand, und die Montage klemmt im ungünstigen Fall.

Stückliste, Sachnummern und Stammdaten

Wer entscheidet
Die Konstruktion, im Rahmen der Nummernsystematik
Wer setzt um
Die Stammdatenpflege im Warenwirtschaftssystem
Stolperfalle
Für dasselbe Zukaufteil entstehen zwei Sachnummern, weil zwei Personen unterschiedlich gesucht haben, und die Bedarfe werden getrennt geplant.

Umfang des Baukastens und der Varianten

Wer entscheidet
Produktmanagement oder Vertriebsleitung
Wer setzt um
Die Konstruktion über Parameter und Regeln
Stolperfalle
Jede Kundenanfrage wird zur Sonderkonstruktion, weil keine Grenze verabredet ist, ab wann etwas eine Variante und ab wann etwas ein neues Produkt ist.

Freigabe einer Änderung am laufenden Produkt

Wer entscheidet
Ein Änderungsausschuss oder die Entwicklungsleitung
Wer setzt um
Konstruktion, Arbeitsvorbereitung und Disposition
Stolperfalle
Die Änderung wird freigegeben, ohne dass Lagerbestände, laufende Aufträge und Ersatzteilversorgung betrachtet wurden.

Fünf Übergaben, an denen die Konstruktion gemessen wird

  1. 01 An die Fertigung geht eine Unterlage, die ohne Rückfrage eindeutig ist.
  2. 02 An den Einkauf geht eine Stückliste mit belastbaren Mengen und Sachnummern.
  3. 03 An die Qualitätssicherung gehen Bezüge, die tatsächlich messbar sind.
  4. 04 An die Montage geht eine Reihenfolge, die mit vorhandenem Werkzeug funktioniert.
  5. 05 An den Service gehen Ersatzteile, die zum verbauten Änderungsstand passen.
Was du mitnimmst

Was diese Rolle nach ein paar Jahren sicher entscheidet

Die Fähigkeiten, die den Unterschied machen, sind alle an ein Verfahren oder an eine nachgelagerte Abteilung gekoppelt. Deshalb lernt man sie nicht in der Software, sondern im Gespräch mit Fertigung, Einkauf und Qualitätssicherung.

Fertigungsgerecht gestalten statt nachträglich anpassen

Guss braucht Entformungsschrägen und gleichmäßige Wandstärken, Blech braucht Biegeradien und eine saubere Abwicklung, Zerspanung braucht Werkzeugauslauf und erreichbare Innenradien, Schweißen braucht Zugänglichkeit. Wer das Verfahren zuerst festlegt, spart die zweite Runde.

Baugruppen mit belastbaren Abhängigkeiten aufbauen

Bauteile werden referenziert, nicht kopiert, und Abhängigkeiten zeigen auf stabile Bezüge statt auf zufällige Flächen. Nur so bleibt eine Baugruppe nach einer Maßänderung aufbaubar, statt in eine Fehlerliste zu kippen.

Varianten über Parameter und Tabellen steuern

Eine Produktfamilie entsteht aus einem parametrisch aufgebauten Modell mit Regeln, nicht aus zwanzig Kopien. Der Unterschied zeigt sich beim ersten Konstruktionsfehler: Er wird an einer Stelle korrigiert statt an zwanzig.

Toleranzketten rechnen statt Einzelmaße zu tolerieren

Bei einer Baugruppe addieren sich Abweichungen. Wer die Kette über alle beteiligten Teile betrachtet, verteilt die Toleranz dorthin, wo sie günstig ist, und vermeidet gleichzeitig, dass sich Bauteile im ungünstigen Fall nicht mehr fügen lassen.

Die Stückliste als eigentliches Lieferergebnis behandeln

Aus der Stückliste werden Beschaffung, Kalkulation und Montage abgeleitet. Struktur, Benennung und Mengenangaben entscheiden über mehr Abteilungen als die Geometrie, und sie werden trotzdem oft nebenbei erzeugt.

Rechnergestützte Formfindung mit sauberen Randbedingungen nutzen

Verfahren, die aus Lasten und Bauraum Geometrievorschläge erzeugen, sind nur so gut wie die Lastfälle und Fertigungsvorgaben, die man ihnen mitgibt. Ohne die entstehen Formen, die schön aussehen und nicht herstellbar sind.

KI-generiertDieses Bild wurde mit KI erzeugt · Yves Hoppe / KI / cmt

Was den Beruf von der allgemeinen CAD-Arbeit unterscheidet

Die Nähe zur Konstruktion am Rechner ist offensichtlich, der Unterschied liegt im Bezugssystem. Diese Rolle arbeitet an Produkten, die in Stückzahl entstehen, und deshalb sind Wiederholteile, Baukästen, Stücklisten und Änderungsstände keine Nebensache, sondern der Kern. Wer eine Vorrichtung für den Eigenbedarf konstruiert, denkt in einem Exemplar. Wer ein Serienbauteil konstruiert, denkt in Werkzeugkosten, Losgrößen und der Frage, was passiert, wenn in zwei Jahren eine Änderung kommt.

Das zweite Unterscheidungsmerkmal ist die Bindung an ein Verfahren. Ein Bauteil, das gegossen wird, folgt anderen Gestaltungsregeln als eines, das aus Blech gekantet oder aus dem Vollen gefräst wird, und die Unterschiede sind nicht kosmetisch. Sie betreffen Wandstärken, Radien, Trennebenen, Zugänglichkeit und die Frage, wo Material bleiben muss. Diese Regeln sind erlernbar, und sie sind der Teil des Berufs, der sich am wenigsten durch Software ersetzen lässt.

Das dritte Merkmal ist die Fachrichtung. In der Maschinen- und Anlagenkonstruktion liegt der Schwerpunkt auf Baugruppen, Antrieben, Gestellen und Schweißkonstruktionen, oft in kleiner Stückzahl und mit vielen Sonderlösungen. In der Produktgestaltung und -konstruktion geht es stärker um Serienteile, Kunststoff, Werkzeuge und die Abstimmung mit Gestaltung und Ergonomie. Wer sich für die Ausbildung entscheidet, sollte diese Weiche kennen, weil sie die spätere Branche mit vorbestimmt.

Der Alltag zwischen Modell, Stückliste und Änderungsdienst

Ein großer Teil der Arbeit ist Pflege des Bestands. Ein Zulieferer stellt ein Halbzeug ein, ein Normteil wird abgekündigt, eine Reklamation zwingt zu einer Verstärkung, der Vertrieb braucht eine zusätzliche Baugröße. Jede dieser Anforderungen ist klein und berührt trotzdem Modell, Zeichnung, Stückliste, Arbeitsplan und mitunter die Betriebsanleitung. Wer den Zusammenhang kennt, arbeitet Änderungen vollständig ab; wer ihn nicht kennt, hinterlässt eine Lücke, die Monate später auffällt.

Der zweite große Anteil ist Abstimmung mit dem Einkauf. Viele Konstruktionsentscheidungen sind in Wahrheit Beschaffungsentscheidungen: ob ein Profil in dieser Länge lieferbar ist, ob ein Zukaufteil in der benötigten Menge kurzfristig verfügbar ist, ob ein anderer Werkstoff die Lieferzeit halbiert. Wer den Lieferanten früh fragt, spart eine komplette Konstruktionsschleife, und diese Gewohnheit unterscheidet erfahrene von unerfahrenen Konstrukteuren deutlicher als jede Softwarekenntnis.

Der dritte Anteil ist Dokumentation, und sie ist unbeliebt. Trotzdem entscheidet sie über die Nutzbarkeit der eigenen Arbeit: Wer eine Baugruppe in fünf Jahren ändern soll, braucht eine nachvollziehbare Modellstruktur, sprechende Benennungen und einen Änderungsverlauf, dem man ansieht, warum etwas so ist, wie es ist. Diese Sorgfalt zahlt sich erst spät aus und wird genau deshalb zuerst weggelassen.

Der Weg hinein und was danach kommt

Der klassische Einstieg ist die duale Ausbildung im Betrieb mit Berufsschule, mit der Entscheidung für eine der beiden Fachrichtungen. Wer über die Schule kommt, landet häufig zunächst in der Änderungsbearbeitung und übernimmt später eigene Baugruppen. Der zweite Weg führt über eine Weiterbildung zum staatlich geprüften Techniker oder über ein Studium im Maschinenbau, und der dritte über den Quereinstieg aus der Fertigung, der besonders bei Schweiß- und Blechkonstruktionen geschätzt wird.

Bei den Nachweisen zählt eine Sache mehr als alles andere: ein Teil, das du konstruiert hast und das tatsächlich gefertigt wurde, mitsamt der Geschichte, was dabei schiefging. Zertifikate über Softwarekenntnisse sind die Eintrittskarte und werden vorausgesetzt. Gefragt wird im Gespräch nach Verfahren, Werkstoffen, Toleranzen und danach, wie du mit einer Änderung umgegangen bist, die eine ganze Baugruppe betroffen hat.

Zwei Leute mit gleicher Berufsdauer unterscheiden sich meist an der Frage, für wen sie konstruieren. Die eine Person löst die Aufgabe für sich, die andere denkt an den Kollegen, der die Baugruppe in fünf Jahren ändern muss, an den Monteur, der das Werkzeug ansetzen muss, und an den Einkäufer, der eine Position bestellen soll. Wer diesen Blick hat, wird gefragt, bevor entschieden wird, und genau daraus entsteht der Weg in die Konstruktionsleitung, in die Berechnung und Simulation, in die Arbeitsvorbereitung oder ins Produktmanagement.

Dazu passende Kurse

Wer vom Einzelteil zur Baugruppe kommt, braucht Abhängigkeiten und Bewegungsprüfung, und beides üben Kurse, in denen du eine Baugruppe aus Einzelteilen aufbaust und prüfst .

Wenn Gewicht oder Materialeinsatz das Ziel sind, lohnt ein Blick auf Kurse, in denen ein Rechner dir Geometrievorschläge aus Lasten und Bauraum erzeugt .

Was verdient man

Warum es zu dieser Rolle keine amtliche Zahl gibt

Hier steht keine Zahl aus der amtlichen Verdiensterhebung, weil dieser Bereich die IT-Berufsgattungen auswertet und die technische Produktkonstruktion nicht dazugehört. Eine Zahl aus einer benachbarten IT-Gattung würde eine andere Tätigkeit abbilden. Auch eine Spanne nennen wir bewusst nicht: Der Verdienst hängt hier stark an der Branche und an der Tarifbindung, und zwischen einem tarifgebundenen Betrieb der Metall- und Elektroindustrie und einem kleinen Zulieferer ohne Tarifvertrag liegen bei identischer Tätigkeit deutliche Unterschiede. Wer verhandeln will, sollte deshalb zuerst klären, welcher Tarifvertrag im Haus gilt.

Ein sehr gutes, praxisorientiertes und nachhaltiges Seminar. So sollte es immer sein. Vielen Dank.
LimeSurvey - Anwendertraining Teil 1 (Grundlagen)
Ein sehr guter und verständlicher Überblick über die Grundlagen im Umgang mit BricsCAD.
BricsCAD 2D Schulung Grundkurs
Alle meine Erwartungen wurden erfüllt und ich habe mich sehr gut aufgenommen gefühlt, jede Frage wurden Probleme direkt beseitigt.
BricsCAD 3D Schulung - Grundlagen

Häufige Fragen

Was ist der Unterschied zum früheren Technischen Zeichner?
Die Ausbildung wurde neu zugeschnitten und heißt seither Technischer Produktdesigner, mit einer Fachrichtung für Maschinen- und Anlagenkonstruktion und einer für Produktgestaltung und -konstruktion. Inhaltlich verschob sich der Schwerpunkt vom Darstellen einer fertigen Lösung zum Entwickeln am dreidimensionalen Modell mitsamt Stückliste, Simulation und Änderungsdienst. Im Sprachgebrauch der Betriebe hält sich die alte Bezeichnung trotzdem hartnäckig.
Welche Fachrichtung sollte ich wählen?
Die Fachrichtung entscheidet weniger über die Software als über die Branche. Maschinen- und Anlagenkonstruktion führt eher in den Maschinen- und Sondermaschinenbau mit kleinen Stückzahlen, vielen Baugruppen und Schweißkonstruktionen. Produktgestaltung und -konstruktion führt eher in die Serienfertigung mit Kunststoff- und Blechteilen und engerer Abstimmung mit Gestaltung und Werkzeugbau. Wer unsicher ist, sollte sich ansehen, welche Betriebe in der eigenen Region ausbilden.
Brauche ich Kenntnisse in Simulation und Berechnung?
Für den Einstieg nein, für den Aufstieg ja. Wer grob abschätzen kann, welche Belastung ein Bauteil aushält und wo Spannungsspitzen entstehen, konstruiert von vornherein näher am Ziel und braucht weniger Schleifen. Vollständige Nachweise übernimmt in größeren Häusern eine eigene Berechnungsabteilung, aber die Zusammenarbeit mit ihr fällt deutlich leichter, wenn man die Begriffe und die Randbedingungen versteht.
Ist generatives Design im Alltag angekommen?
Als Werkzeug ja, als Ersatz für Konstruktion nein. Es liefert Vorschläge auf Basis von Lasten, Bauraum, Werkstoff und Fertigungsverfahren, und die Qualität dieser Vorschläge hängt vollständig an der Qualität der Vorgaben. In der Praxis dient es vor allem dazu, Gewicht einzusparen und ungewohnte Lösungswege sichtbar zu machen. Die Entscheidung, welche Variante herstellbar und wartbar ist, bleibt beim Menschen.

Passt thematisch dazu

Der Aufbau entscheidet über die spätere Änderbarkeit, deshalb lohnt sich der Blick darauf, wie eine Baugruppe Einzelteile referenziert statt sie zu kopieren .

Bevor du damit anfängst, solltest du wissen, was rechnergestützte Formfindung leistet, wenn die Randbedingungen stimmen .

Persönlich für dich da

Deine Ansprechpartner

Du bist dir nicht sicher, welcher Kurs oder welches Level zu dir passt? Wir beraten dich persönlich und kostenlos.

Yves Hoppe

Yves Hoppe

Weiterbildung & Beratung

Hilft dir, aus dem IT-Berufe-Programm den passenden Kurs für deinen Stand zu finden.

Norbert Jansen

Norbert Jansen

Beratung & Inhouse

Plant mit dir Inhouse-Trainings, die auf eure Abläufe und euren Datenbestand zugeschnitten sind.

Von der Einzelteilzeichnung zur beherrschten Produktfamilie

Baugruppen, Varianten und Schweißkonstruktionen bringen jeweils eigene Regeln mit, und bei cmt arbeitest du sie an Bauteilen durch, die denen aus deinem Betrieb ähneln.