Steuerung statt Modellierung

Wer die Regeln schreibt, entscheidet über die Qualität der Modelle

Die Software ist in zwei Wochen gelernt. Die eigentliche Aufgabe besteht darin, Vorgaben zu formulieren, die auch ein Nachunternehmer im dritten Los noch einhalten kann.

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Worum es geht

Ohne belastbare Vorgaben liefert jeder ein Modell, das nur für ihn selbst stimmt

Der häufigste Ausgangspunkt ist ein Projekt, in dem alle Beteiligten dreidimensional arbeiten und trotzdem niemand die Modelle gemeinsam nutzen kann. Die Architektur modelliert Wände geschossweise, die Tragwerksplanung anders, die Gebäudetechnik legt Bauteile in eigenen Kategorien ab, und die Bezeichnungen stimmen nirgends überein. Geometrisch sieht das Gesamtmodell gut aus. Sobald jemand daraus Mengen zieht, kommen drei verschiedene Ergebnisse heraus.

Der zweite wiederkehrende Fall ist die Ablage. Es gibt ein Projektlaufwerk, daneben einen Cloud-Ordner, daneben einen E-Mail-Verteiler mit Anhängen, und niemand kann sagen, welcher Stand gilt. Ohne einen definierten Status je Datei, also in Bearbeitung, geteilt, freigegeben oder archiviert, ist jede Prüfung eine Momentaufnahme von etwas, das schon wieder überholt ist.

Teuer wird beides erst spät. Die Kollision, die im Modell nicht gefunden wurde, wird auf der Baustelle gefunden, und dort kostet die Korrektur ein Vielfaches. Die Menge, die aus einem uneinheitlich attribuierten Modell stammt, geht in eine Kalkulation ein und wird erst beim Nachtrag bemerkt. Beides sind Folgen einer fehlenden Vereinbarung, nicht Folgen schlechter Software.

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Wer entscheidet was

Wer entscheidet, wer setzt um, und wo Projekte regelmäßig stolpern

In Bauprojekten liegen Entscheidung und Umsetzung fast nie bei derselben Partei. Die Tabelle zeigt die Fälle, in denen das am häufigsten übersehen wird.

Informationsanforderungen an die Planungsbeteiligten

Wer entscheidet
Der Auftraggeber, oft beraten durch das BIM-Management
Wer setzt um
Alle Planungsbeteiligten in ihren Fachmodellen
Stolperfalle
Die Anforderungen werden aus einer Vorlage übernommen, und beim Nachfragen kann niemand sagen, wofür die geforderten Angaben später gebraucht werden.

BIM-Abwicklungsplan für das konkrete Projekt

Wer entscheidet
Projektleitung gemeinsam mit den Beteiligten
Wer setzt um
Das BIM-Management, fortlaufend gepflegt
Stolperfalle
Der Plan wird zur Vergabe geschrieben und danach nie wieder geöffnet, obwohl sich Beteiligte, Software und Abläufe im Projektverlauf ändern.

Ablage, Freigabestatus und Zugriff auf das Modell

Wer entscheidet
Auftraggeber oder Projektsteuerung über die Struktur
Wer setzt um
Das BIM-Management mit allen, die im Modell arbeiten
Stolperfalle
Neben der Plattform läuft weiter ein E-Mail-Verteiler mit Anhängen, und im Gebäudemodell bleiben Elemente dauerhaft ausgeliehen, weil niemand die Freigabe erzwingt.

Modellprüfung und Umgang mit Konflikten

Wer entscheidet
Die Gesamtkoordination, fachlich die Planung
Wer setzt um
Die jeweilige Fachplanung im eigenen Modell
Stolperfalle
Es werden ungefilterte Kollisionslisten verteilt, niemand priorisiert, und nach zwei Runden nimmt keiner die Liste mehr ernst.

Mengen und Auswertungen aus dem Modell

Wer entscheidet
Kalkulation und Vergabestelle
Wer setzt um
Fachplanung und BIM-Koordination
Stolperfalle
Modellmengen werden gegen eine klassische Kalkulation gestellt, ohne dass vorher verabredet wurde, wie Bauteile zu modellieren und zu klassifizieren sind.

Fünf Ergebnisse, an denen man BIM-Management erkennt

  1. 01 Informationsanforderungen, in denen zu jeder Angabe der Verwendungszweck steht.
  2. 02 Ein Abwicklungsplan, der laufend fortgeschrieben wird statt einmal geschrieben.
  3. 03 Eine gemeinsame Ablage, in der jede Datei einen Freigabestatus trägt.
  4. 04 Eine Prüfroutine mit festem Rhythmus und nachvollziehbarem Ergebnis.
  5. 05 Auswertungen, deren Modellierregeln vorher verabredet wurden.
Was du mitnimmst

Was diese Rolle im Projekt tatsächlich bewegt

Wirksam wird die Rolle über Dokumente und Routinen, nicht über Einzelkorrekturen. Vier davon tragen den größten Teil, und sie sind alle unspektakulär.

Informationsanforderungen vom Zweck her schreiben

Zu jeder geforderten Eigenschaft gehört die Angabe, wofür sie gebraucht wird, etwa für die Mengenermittlung, den Brandschutznachweis oder den späteren Betrieb. Anforderungen ohne Zweck erzeugen Daten, die niemand nutzt, und Aufwand, den alle bezahlen.

Den Detailgrad nach Verwendung festlegen

Nicht alles muss fein modelliert sein. Entscheidend ist, welche Information zu welchem Zeitpunkt in welcher Tiefe gebraucht wird. Wer pauschal maximale Tiefe fordert, bekommt langsame Modelle und trotzdem fehlende Attribute.

Eine gemeinsame Ablage mit echtem Status betreiben

Erst der Statuswechsel macht aus einem Ordner eine Zusammenarbeitsumgebung: Wer teilt wann was, wer prüft, was gilt als freigegeben. Ohne diesen Ablauf ist die beste Plattform ein teures Laufwerk.

Modelle regelmäßig und automatisiert prüfen

Kollisionsprüfung ist der bekannte Teil, Attributprüfung der wirksamere: Sind Bauteile richtig klassifiziert, sind Pflichtangaben gefüllt, sind Bauteile dem richtigen Geschoss zugeordnet. Diese Prüfung gehört in einen festen Rhythmus, nicht vor den Abgabetermin.

Kollisionslisten priorisieren statt weiterzuleiten

Eine Liste mit mehreren tausend Treffern wird nicht bearbeitet. Filtern nach Gewerkepaar, Bauabschnitt und Relevanz, und je Konflikt eine benannte Zuständigkeit mit Termin, ist der Unterschied zwischen Bericht und Baufortschritt.

Die Arbeitsteilung am Modell technisch absichern

Wer gleichzeitig an einem Gebäudemodell arbeitet, braucht klare Arbeitsbereiche und Regeln für das Ausleihen und Zurückgeben von Elementen. Sonst blockiert eine Person im Urlaub die Arbeit von fünf anderen.

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Management, Koordination und die Rolle beim Auftraggeber

Die drei Begriffe werden häufig vermischt, obwohl sie verschiedene Aufgaben beschreiben. Das BIM-Management legt die Regeln fest und verantwortet sie über das Projekt hinweg: Vorgaben, Vorlagen, Ablagestruktur, Prüfroutine, Schulung der Beteiligten. Die BIM-Koordination arbeitet innerhalb eines Fachbereichs am Modell, achtet auf die Einhaltung der Regeln und bereitet die Zusammenführung vor. Die Gesamtkoordination führt die Fachmodelle zusammen und moderiert die Konfliktbearbeitung zwischen den Gewerken.

Auf der Seite des Auftraggebers gibt es eine vierte Aufgabe, die oft niemand besetzt: die Formulierung dessen, was der Bauherr überhaupt an Informationen braucht, und zwar über den Bau hinaus für den späteren Betrieb. Wenn diese Seite fehlt, schreibt das Planungsteam die Anforderungen faktisch selbst, und der Bauherr bekommt am Ende ein Modell, das der Planung genügt und dem Facility Management nichts nützt.

Für die Berufswahl ist die Unterscheidung wichtig, weil die Stellenausschreibungen sie selten sauber treffen. Wenn dort BIM-Manager steht, die Aufgaben aber Modellieren, Zusammenführen und Kollisionsprüfung heißen, ist es eine Koordinationsstelle. Frag im Gespräch, wer über die Vorgaben entscheidet und wer den Abwicklungsplan fortschreibt. Die Antwort sagt dir, welche Rolle du tatsächlich bekommst.

Die zwei Dokumente, an denen alles hängt

Die Informationsanforderungen des Auftraggebers beschreiben, welche Informationen zu welchem Zeitpunkt in welcher Form geliefert werden und wofür sie verwendet werden sollen. Sie sind der Ausgangspunkt, und ihre Qualität entscheidet über das ganze Projekt. Werden sie aus einer Vorlage übernommen, ohne dass jemand die Verwendungszwecke prüft, entsteht ein Katalog von Attributen, die niemand befüllen kann und niemand vermisst, wenn sie fehlen.

Der BIM-Abwicklungsplan ist die Antwort des Planungsteams darauf: Wer liefert was, in welcher Software, in welchem Format, in welchem Rhythmus, mit welcher Modellstruktur und welchen Namenskonventionen. Sein häufigster Fehler ist, dass er zur Vergabe entsteht und danach unberührt bleibt. Ein Plan, der nicht mit dem Projekt mitwächst, wird spätestens beim ersten Wechsel eines Beteiligten zur Fiktion.

Dazu kommt die gemeinsame Datenumgebung als Ort, an dem der jeweils geltende Stand liegt. Entscheidend ist nicht die Plattform, sondern der Ablauf dahinter: Ein Modell wandert von der Bearbeitung über das Teilen zur Freigabe und schließlich ins Archiv, und in jedem dieser Zustände darf man Unterschiedliches damit tun. Wo dieser Ablauf gelebt wird, verschwindet die Frage nach dem aktuellen Stand aus den Besprechungen.

Der Weg hinein und was Nachweise wirklich belegen

Fast alle kommen aus dem Bauwesen: Architektur, Bauingenieurwesen, Gebäudetechnik, Vermessung oder Bauleitung. Das ist kein Zufall, sondern Voraussetzung. Wer die Abläufe eines Bauprojekts nicht kennt, kann keine Vorgaben schreiben, die man einhalten kann, und wird in der ersten Besprechung mit den Fachplanern überstimmt. Reine Softwarekenntnis ohne Bauwissen trägt in dieser Rolle nicht.

Der übliche Aufstieg führt über die Modellierung: zwei bis drei Jahre in einem Fachmodell, dann Koordination, dann Management. Diese Reihenfolge hat einen praktischen Grund. Wer selbst modelliert hat, weiß, welche Vorgabe Aufwand erzeugt und welche fast nichts kostet, und genau diese Einschätzung braucht man beim Schreiben der Anforderungen.

In Deutschland kommt eine öffentliche Seite dazu, die man kennen sollte. Bund und Länder haben die modellbasierte Arbeitsweise über den Stufenplan Digitales Planen und Bauen sowie über Masterpläne für Bundesfernstraßen, Schiene, Wasserstraßen und Bundesbauten eingeführt, und BIM Deutschland bündelt dazu Vorgaben und Hilfestellungen. Wer in öffentlichen Projekten arbeiten will, sollte diese Unterlagen gelesen haben, denn sie tauchen in Ausschreibungen als Bezug auf.

Woran du wächst und wohin die Rolle führt

Zwei Leute mit gleicher Berufsdauer unterscheiden sich daran, ob sie prüfen oder ob sie Prüfungen bauen. Die eine Person öffnet jede Woche das Gesamtmodell und sieht nach. Die andere hat Prüfregeln hinterlegt, die automatisch laufen, und beschäftigt sich nur noch mit den Abweichungen. Nach einem Jahr ist der Unterschied nicht der Fleiß, sondern die Zahl der Projekte, die eine Person begleiten kann.

Der zweite Unterschied liegt in der Formulierung. Eine Vorgabe, die im eigenen Büro funktioniert, ist keine Vorgabe für ein Projekt mit zwölf Beteiligten und wechselnden Nachunternehmern. Wer Regeln schreibt, die eindeutig, prüfbar und mit vertretbarem Aufwand einzuhalten sind, wird in Ausschreibungen gesucht. Wer Regeln schreibt, die nur mit gutem Willen funktionieren, verbringt das Projekt mit Nachfassen.

Weiter geht es in mehrere Richtungen. Auf der Auftraggeberseite in das Informationsmanagement, also in die Verantwortung dafür, was ein Bauherr über sein Bauwerk wissen muss. In Bauunternehmen in die Digitalisierung von Kalkulation, Arbeitsvorbereitung und Bauablauf. In den Betrieb, wo aus dem Bauwerksmodell die Datengrundlage für Instandhaltung und Flächenmanagement wird. Und klassisch in die Projektleitung, wo die Modellthemen nur noch ein Teil der Verantwortung sind.

Dazu passende Kurse

Wer die Zusammenführung einmal selbst gemacht hat, schreibt bessere Vorgaben, und dafür gibt es Kurse, in denen du Teilmodelle mehrerer Gewerke zu einem Gesamtmodell zusammenführst .

Sobald mehrere Leute gleichzeitig am selben Gebäudemodell arbeiten, entscheidet die Struktur über den Fortschritt, und darum geht es in Seminare, in denen du die Zusammenarbeit an einem Modell über Arbeitsteilung regelst .

Was verdient man

Warum es zu dieser Rolle keine amtliche Zahl gibt

Für das BIM-Management gibt es keine Zelle in der amtlichen Verdiensterhebung, denn es ist eine Funktion innerhalb von Bau- und Planungsberufen und keine eigene Berufsgattung in der Klassifikation der Berufe. In der Statistik erscheinen diese Menschen unter Architektur, Bauingenieurwesen oder Gebäudetechnik, also unter ihrem Grundberuf, und dieser Bereich wertet die IT-Berufsgattungen aus. Wir nennen deshalb weder eine Zahl noch eine Spanne. Wer den eigenen Verdienst einordnen will, verhandelt gegen den Grundberuf und gegen die Frage, ob die Stelle wirklich Vorgaben verantwortet oder nur Modelle zusammenführt.

Wissen prüfen

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Häufige Fragen

Worin unterscheiden sich BIM-Manager und BIM-Koordinator?
Der Manager legt die Regeln fest und verantwortet sie über das Projekt hinweg, also Anforderungen, Abwicklungsplan, Ablage und Prüfroutine. Der Koordinator arbeitet innerhalb eines Fachbereichs am Modell und sorgt dafür, dass die Regeln dort eingehalten und die Modelle zusammenführbar sind. In Ausschreibungen wird das oft vermischt, deshalb ist die aufschlussreichste Frage im Gespräch, wer den Abwicklungsplan fortschreibt.
Kann ich als Quereinsteiger aus der IT BIM-Manager werden?
Nur mit einem zusätzlichen Zugang zum Bauwesen. Die Rolle besteht zum größten Teil aus Vorgaben für Planungsleistungen, und die kann man ohne Kenntnis von Leistungsphasen, Gewerkegrenzen und Bauabläufen nicht sinnvoll formulieren. Realistisch ist der Weg über die Modellierung in einem Planungsbüro oder über eine bauferne Position wie die Datenverwaltung, aus der heraus man sich das Fachliche aufbaut.
Braucht man ein Zertifikat?
In Ausschreibungen wird häufig ein Nachweis verlangt, weil er die Vorauswahl vereinfacht. Für die Arbeit selbst zählt anderes: ein Projekt, in dem du die Anforderungen mitgeschrieben hast, eine Prüfroutine, die du eingeführt hast, und eine Modellstruktur, die mehrere Beteiligte tatsächlich eingehalten haben. Wer das erzählen kann, braucht das Zertifikat nur noch für das Formular.
Ist BIM nur für Großprojekte sinnvoll?
Der Aufwand für Regeln und Prüfungen rechnet sich mit der Zahl der Beteiligten und der Länge der Nutzungsphase, deshalb ist der Nutzen bei großen und langlebigen Bauwerken am deutlichsten. Kleinere Büros arbeiten trotzdem modellbasiert, weil abgeleitete Pläne, Auswertungen und Änderungssicherheit auch im Einzelprojekt Zeit sparen. Der Unterschied ist, dass dort selten jemand die Rolle in Vollzeit ausfüllt.

Passt thematisch dazu

Wer zuerst die Methode einordnen will, findet an einer Stelle zusammengefasst, was Building Information Modeling als Arbeitsmethode ausmacht .

Ob eine Auswertung später stimmt, hängt daran, wie Bauteilvorlagen mit ihren Parametern und Typen aufgebaut sind .

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Yves Hoppe

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Norbert Jansen

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Vom eigenen Fachmodell zur Steuerung mehrerer Gewerke

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