Reihenfolge vor Tempo

Migration nach Microsoft 365: die Reihenfolge, die trägt

Die Datenmenge ist selten das Problem, teuer werden die Sonderfälle, die vorher niemand aufgeschrieben hat, und eine Belegschaft ohne Vorbereitung.

KI-generiertDieses Bild wurde mit KI erzeugt · Yves Hoppe / KI / cmt
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Worum es geht

Migrationen scheitern an dem, was nicht auf der Liste stand

Auf dem Papier sieht der Plan überschaubar aus: Postfächer umziehen, Dateien kopieren, fertig. Verschätzt wird sich selten bei den Gigabyte, sondern bei allem, was daneben hängt. Das Multifunktionsgerät im Flur, das Scans verschickt, das ERP-System mit den Auftragsbestätigungen, der Raumkalender, den die Assistenz pflegt, die Verteilerliste aus einem Projekt von vor sechs Jahren.

Am Umstellungstag fallen diese Dinge alle gleichzeitig auf, meist zwischen sieben und neun Uhr morgens. Dann entscheidet jemand unter Druck über Sonderfälle, für die es eine Absprache gebraucht hätte, und trifft dabei Festlegungen, die anschließend jahrelang bestehen bleiben, weil niemand sie noch einmal anfasst.

Die zweite Fehlerquelle ist die Erwartung. Wer die Migration als reines Technikprojekt plant, hat am Ende dieselben Dateien an einem neuen Ort und dieselben Arbeitsweisen wie zuvor. Die Umstellung, die tatsächlich etwas bringt, findet in den Abteilungen statt, und die braucht Termine, Ansprechpersonen und Zeit.

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Schritt für Schritt

Schritt für Schritt

  1. 1

    Bestand aufnehmen

    Erfasse Postfächer samt Größe, Stellvertretungen und Freigaben, die Dateiablagen mit ihrem tatsächlichen Alter, Verteilerlisten, Funktionspostfächer, Raum- und Ressourcenkalender. Dazu gehört ausdrücklich alles, was heute Mails verschickt, vom Multifunktionsgerät bis zum ERP-System, jeweils mit der Frage, wer es umkonfigurieren kann.

    Geschafft, wenn: eine Liste, in der zu jedem Eintrag steht, wer ihn braucht und was ein zweitägiger Ausfall bedeutet

  2. 2

    Domänen überprüfen und Anmeldenamen festlegen

    Der Anmeldename in der Cloud sollte der Mailadresse entsprechen, und die zugehörige Domäne muss im Mandanten hinzugefügt und überprüft sein. Wo intern noch eine Endung in Gebrauch ist, die es öffentlich nicht gibt, ergänzt du vorher eine überprüfbare, sonst korrigierst du später bei jeder Person einzeln.

    Geschafft, wenn: jede Person meldet sich mit der Adresse an, die auch auf der Visitenkarte steht

  3. 3

    Identitäten und Anmeldesicherheit einrichten

    Entscheide, ob Konten aus dem lokalen Verzeichnis synchronisiert werden oder ob der Mandant allein führt. Die mehrstufige Anmeldung und die zugehörigen Bedingungen gehören in dieselbe Etappe, ebenso die Zuweisung der Lizenzen über Gruppen statt Person für Person.

    Geschafft, wenn: die neue Anmeldung ist erprobt, bevor sie zusammen mit dem Postfachwechsel auffällt

  4. 4

    Pilotgruppe umziehen und messen

    Nimm eine Gruppe, die den Alltag abbildet, also nicht nur die IT, und miss dabei zwei Dinge: wie lange die Übertragung je Postfach tatsächlich dauert und welche Rückfragen kommen. Beides rechnest du auf die Gesamtzahl hoch, statt einer Faustzahl aus einem Forum zu folgen.

    Geschafft, wenn: eine gemessene Dauer je Postfach und eine Liste der Rückfragen, die wirklich aufgetreten sind

  5. 5

    Postfächer in Wellen übernehmen

    Schneide die Wellen entlang der Zusammenarbeit. Für jeden Sonderfall, also öffentliche Ordner, gemeinsame Postfächer mit vielen Berechtigten, Kalenderstellvertretungen und Regeln, die auf lokale Ordner zeigen, liegt die Entscheidung vor dem Start der Welle fest.

    Geschafft, wenn: nach jeder Welle sind Stellvertretungen, Kalender und Signaturen geprüft, nicht nur der Maileingang

  6. 6

    Dateien sortiert übernehmen

    Trenn drei Töpfe: persönliche Dateien nach OneDrive, Dateien eines Teams in dessen SharePoint-Bibliothek, Altbestand ins Archiv, das gar nicht erst mitkommt. Übertrage zuerst vollständig im Hintergrund und kurz vor dem Wechsel nur noch die Änderungen.

    Geschafft, wenn: OneDrive und die Bibliotheken sind gefüllt, das alte Laufwerk steht nur noch lesend bereit

  7. 7

    Zusammenarbeit ordnen und Altsysteme abschalten

    Leg fest, wer ein Team anlegen darf, wie benannt wird und was in einen Kanal gehört und was weiterhin in eine Mail. Erst danach lohnt sich der Abschalttermin für den alten Server, zusammen mit der Entscheidung, wie lange die Altdaten noch lesbar bleiben.

    Geschafft, wenn: neue Teams entstehen nach vereinbarten Regeln, und für die Altsysteme steht ein Datum im Kalender

Sechs Etappen in fester Reihenfolge

  1. 01 Zuerst steht die Bestandsaufnahme mit Größe, Nutzung und Ausfallfolge.
  2. 02 Dann werden Domänen, Anmeldenamen und Anmeldesicherheit geklärt.
  3. 03 Eine Pilotgruppe liefert die Zahlen für alle weiteren Wellen.
  4. 04 Postfächer ziehen in Wellen entlang der Zusammenarbeit um.
  5. 05 Dateien werden sortiert übernommen, der Altbestand bleibt im Archiv.
  6. 06 Zum Schluss bekommt die Zusammenarbeit in Teams ihre Ordnung.
Was du mitnimmst

Was du danach planen kannst

Das Ziel ist ein Plan, der Sonderfälle vor dem Wechsel sichtbar macht und das Zeitfenster am Umstellungstag klein hält.

Bestand belastbar erheben

Du erfasst Postfächer, Ablagen, Verteiler, Ressourcen und alles, was heute Mails verschickt, jeweils mit Größe, Nutzung und der Folge eines zweitägigen Ausfalls.

Identitäten zuerst

Du klärst Domänen, Anmeldenamen und die Anmeldesicherheit, bevor das erste Postfach umzieht, und ersparst der Belegschaft damit zwei getrennte Umstellungen.

Wellen richtig schneiden

Du bildest Gruppen entlang der Zusammenarbeit statt entlang des Alphabets, damit Stellvertretungen und Frei/Gebucht-Informationen nicht wochenlang halb funktionieren.

Dateien sortieren statt kopieren

Du trennst persönliche Dateien, Teamablagen und Altbestand und entscheidest bewusst, welcher Teil gar nicht erst mit umzieht.

Grenzen vorher testen

Du prüfst Pfadlängen, sehr große Ordner und Sonderzeichen an einem Probelauf mit den ungünstigsten Beispielen, statt sie in der Nacht des Wechsels zu entdecken.

Umstieg begleiten

Du planst kurze Termine vor und nach dem Wechsel und benennst in jeder Abteilung eine Ansprechperson, die Rückfragen einsammelt und weitergibt.

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Eine Bestandsaufnahme, die diesen Namen verdient

Bevor irgendetwas umzieht, brauchst du eine Liste mit vier Spalten: was es gibt, wie groß es ist, wer es benutzt und was passiert, wenn es zwei Tage nicht verfügbar ist. Darunter fallen Postfächer samt Größe, Freigaben und Stellvertretungen, Dateiablagen mit ihrem tatsächlichen Alter, Verteilerlisten, Funktionspostfächer, Raum- und Ressourcenkalender sowie alles, was heute Mails verschickt, vom Multifunktionsgerät bis zum ERP-System.

Genau die letzte Gruppe wird regelmäßig vergessen. Geräte und Anwendungen, die bisher über den alten Server verschickt haben, stehen nach der Umstellung still, und niemand fühlt sich zuständig. Sammle sie früh ein, zusammen mit der Frage, wer sie überhaupt umkonfigurieren kann, denn oft ist das ein externer Dienstleister mit Vorlaufzeit.

Identitäten zuerst, alles andere danach

Der erste technische Schritt betrifft die Anmeldenamen. Der Anmeldename in der Cloud sollte der Mailadresse entsprechen, und die zugehörige Domäne muss im Mandanten nachgewiesen sein. Wo intern noch eine Domänenendung in Gebrauch ist, die es öffentlich nicht gibt, ergänzt du vorher eine nachweisbare. Sonst landen Konten auf einer Adresse bei onmicrosoft.com, und du korrigierst das später bei jeder Person einzeln.

Danach entscheidest du, ob Konten aus dem lokalen Verzeichnis synchronisiert werden oder ob der Mandant allein führt. In beiden Fällen gehört die Anmeldesicherheit in dieselbe Etappe: Mehrstufige Anmeldung und die zugehörigen Bedingungen legst du fest, bevor die ersten Postfächer umziehen, nicht danach. Sonst erklärst du der Belegschaft zweimal etwas Neues, einmal das Postfach und einmal die Anmeldung.

Lizenzen weist du am besten über Gruppen zu und nicht Person für Person. Andernfalls hängt die Zuweisung an demjenigen, der gerade Zeit hatte, und beim nächsten Eintritt fehlt sie.

Postfächer in Wellen, nicht an einem Wochenende

Für Postfächer gibt es mehrere Wege, vom parallelen Betrieb mit dem vorhandenen Exchange-Server bis zu Werkzeugen von Drittanbietern. Welcher passt, hängt an der Zahl der Postfächer, an ihrer Größe und daran, wie viel Stillstand vertretbar ist. Die Entscheidung fällt leichter, wenn du eine kleine Welle misst und hochrechnest, statt einer Faustzahl aus einem Forum zu vertrauen.

Sonderfälle kosten mehr Zeit als die Masse: öffentliche Ordner, gemeinsame Postfächer mit vielen Berechtigten, Kalenderstellvertretungen, Regeln, die auf lokale Ordner zeigen, und Archivdateien auf Einzelplatzrechnern. Für jeden dieser Fälle brauchst du eine Entscheidung, bevor die Welle startet, sonst trifft sie nachts jemand allein und unter Druck.

Schneide die Wellen entlang der Zusammenarbeit, nicht entlang des Alphabets. Wer täglich gemeinsam Termine plant, sollte zusammen umziehen, damit Frei/Gebucht-Informationen und Stellvertretungen nicht wochenlang nur halb funktionieren.

Dateien: das gewachsene Laufwerk ist kein Bauplan

Die größte Versuchung ist, das Netzlaufwerk eins zu eins zu kopieren. Damit nimmst du zwanzig Jahre Ordnerlogik mit, samt Berechtigungen, die niemand mehr begründen kann. Trenn stattdessen drei Töpfe: persönliche Dateien nach OneDrive, Dateien eines Teams in dessen SharePoint-Bibliothek und den Altbestand ins Archiv, das gar nicht erst mit umzieht.

Technisch scheitert eine Übernahme meist an drei Stellen: an zu langen Pfaden, an einzelnen Ordnern mit sehr vielen Elementen und an Altbeständen, die seit Jahren niemand geöffnet hat und die trotzdem mitkopiert werden. Die Gesamtlänge aus Pfad und Dateiname ist in SharePoint und OneDrive begrenzt, und tief verschachtelte Ablagen aus der Laufwerkswelt reißen diese Grenze regelmäßig. Ein Probelauf mit den zehn tiefsten Ordnern zeigt das in einer Stunde.

Rechne außerdem damit, dass die reine Übertragung dauert. Erst eine vollständige Übertragung im Hintergrund, dann kurz vor dem Wechsel nur noch ein Abgleich der Änderungen: Dieses zweistufige Vorgehen hält das Zeitfenster am Umstellungstag klein.

Teams ordnen, statt es entstehen zu lassen

Teams ist der Punkt, an dem eine Migration in ein Organisationsthema kippt. Jedes Team erzeugt eine Microsoft-365-Gruppe und eine SharePoint-Website, und wer das ungeregelt laufen lässt, hat nach einem halben Jahr Dutzende Teams mit drei Mitgliedern und keiner erkennbaren Ablagelogik. Leg vorher fest, wer ein Team anlegen darf, wie benannt wird und was in einen Kanal gehört und was weiterhin in eine Mail.

Für die Belegschaft ist genau das die eigentliche Umstellung. Postfach und Dateien liegen danach woanders, aber die Arbeit ändert sich erst, wenn Dokumente gemeinsam bearbeitet statt herumgeschickt werden. Plane die Begleitung deshalb nicht als Info-Mail am Vorabend, sondern als kurze Termine in den Wochen vor und nach dem Wechsel, mit Ansprechpersonen in den Abteilungen, die Rückfragen einsammeln.

Dazu passende Kurse

Wenn du die Etappen nicht zum ersten Mal allein durchdenken willst, führen Microsoft-365-Schulungen für Administratoren durch Aufbau, Identitäten und Betrieb.

Für die Begleitung der Belegschaft nach dem Wechsel wirken Kurse zum Arbeiten mit Teams, Outlook und OneDrive besser als eine lange Anleitung im Intranet.

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Microsoft Teams Grundkurs
Referent und Inhalt sehr gut und vor allem durch den kleinen Teilnehmerkreis sehr hilfreich.
Microsoft 365 - Effizient zusammenarbeiten in Teams
Gut verständlich erklärt, weitere Möglichkeiten und Optionen aufgezeigt. Die Teilnehmer hatten bereits sehr unterschiedliche Vorkenntnisse, da hat der Veranstalter aber keinen Einfluss.
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Häufige Fragen

Wie lange dauert so ein Projekt?
Das hängt an der Zahl der Postfächer, der Menge der Dateien und vor allem an der Zahl der Sonderfälle. Belastbar wird eine Schätzung erst nach dem Pilotbetrieb: Miss dort die Übertragungsdauer und die Rückfragen je Person und rechne beides hoch. Jede Zahl davor ist geraten.
Können wir alles an einem Wochenende erledigen?
Nur bei kleinen Umgebungen mit wenigen Postfächern und geordneter Ablage. Sobald mehrere Abteilungen, gewachsene Laufwerke und Sonderpostfächer im Spiel sind, kaufst du dir mit dem großen Wochenende genau den Zustand ein, den du vermeiden willst: keine Zeit für Fehler und niemanden, der noch klar denkt.
Was machen wir mit den alten Archivdateien?
Erst zählen, dann entscheiden. Häufig sind das Bestände, die aus Bequemlichkeit entstanden sind und deren Aufbewahrung inzwischen ohnehin anders geregelt gehört. Wenn sie mitmüssen, gehören sie als eigener Arbeitsschritt in den Plan und nicht nebenbei erledigt.
Und wenn Teile bei uns im Haus bleiben?
Ein dauerhafter Mischbetrieb ist machbar, kostet aber Aufmerksamkeit: zwei Orte für Regeln, zwei Orte für die Fehlersuche, doppelte Dokumentation. Wenn er nur eine Übergangsphase sein soll, setz von Anfang an ein Enddatum, sonst bleibt er.

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Yves Hoppe

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