Offener Modellaustausch

IFC-Export aus Revit: warum beim Empfänger Bauteile oder Eigenschaften fehlen

Die Gegenseite meldet fehlende Bauteile, unbekannte Objekttypen oder leere Merkmale, obwohl im Modell alles da ist. Hier steht, welche Exporteinstellung dahintersteckt und wie du sie prüfst.

KI-generiertDieses Bild wurde mit KI erzeugt · Yves Hoppe / KI / cmt
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Kurz gesagt

Beim Export in das offene Austauschformat entsteht keine Kopie des Revit-Modells, sondern eine Übersetzung. Jede Kategorie wird auf eine IFC-Klasse abgebildet, jeder Parameter landet nur dann in der Datei, wenn er einem Eigenschaftssatz zugeordnet ist, und die Fassung des Schemas entscheidet darüber, ob die Prüfsoftware der Gegenseite die Datei überhaupt einliest. Wer weiß, an welcher dieser drei Stellen etwas verloren geht, sucht gezielt im richtigen Teil des Exportdialogs und findet die Ursache in Minuten statt in Tagen.

Stand dieser Seite: 04.10.2026

01 Worum es geht

Das Format ist offen, das heißt aber nicht, dass alle dasselbe erwarten

Der offene Austausch ist in der Theorie einfach: Eine Seite exportiert, die andere liest ein, und weil das Schema von buildingSMART gepflegt und als internationale Norm veröffentlicht wird, sollten beide Seiten dasselbe verstehen. In der Praxis scheitert dieser Austausch selten am Format und fast immer daran, dass Sender und Empfänger unterschiedliche Fassungen, unterschiedliche Ausschnitte und unterschiedliche Erwartungen an die mitgelieferten Merkmale haben.

Die Wurzel liegt darin, dass buildingSMART mehrere Fassungen des Schemas zugleich als offiziell führt, von IFC 2x3 bis IFC 4.3, und dass eine Fassung erst zusammen mit einer Modellansicht, der Model View Definition, festlegt, was in der Datei stehen muss. In Revit wählst du beides in einem einzigen Feld: Die Auswahl „IFC version“ im Exportdialog kombiniert Schema und Ansicht, etwa IFC 2x3 Coordination View 2.0 oder IFC4 Reference View. Wer im Projekt nur „IFC4“ vereinbart, hat deshalb noch nicht vereinbart, was die Gegenseite tatsächlich erwartet.

Dazu kommt, dass die Wahl der Fassung nicht die einzige Weiche ist. Der Exportdialog verteilt seine Einstellungen auf die Registerkarten General, Additional Content, Property Sets, Level of Detail, Advanced und Geographic Reference, so heißen sie in der englischen Revit-Hilfe. Die deutsche Oberfläche übersetzt sie, Additional Content heißt dort etwa Weitere Inhalte; bei den wichtigsten Optionen steht der deutsche Name unten in Klammern. Ob ein Bauteil überhaupt exportiert wird, entscheiden die Kategoriezuordnung und Schalter auf Additional Content und Advanced. Als welche IFC-Klasse es ankommt, entscheiden die Zuordnungstabelle und Parameter an Familie und Typ. Ob die erwarteten Merkmale mitkommen, entscheidet die Registerkarte Property Sets, auf der im Standard nur ein Teil der Optionen aktiv ist. Diese drei Ebenen werden regelmäßig verwechselt, und dann wird an der falschen Stelle gesucht.

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02 Symptom, Ursache, Lösung

Die Rückmeldungen, die in der Praxis kommen

Sechs Beschwerden decken den größten Teil dessen ab, was beim Austausch schiefgeht. Zu jeder steht hier, was dahintersteckt und welche Einstellung sie behebt. In fünf der sechs Fälle liegt die Ursache im Exportdialog und nur in einem im Modell selbst.

Symptom

Die Gegenseite meldet, dass ganze Bauteilgruppen in der Datei fehlen, etwa die Möblierung oder die Beschriftungen, während die Datei ansonsten in Ordnung ist.

Ursache

Der Umfang des Exports wird an mehreren Stellen begrenzt. Die häufigsten drei sind die Option „Export only elements visible in view“ (deutsch „Nur in Ansicht sichtbare Elemente exportieren“) auf der Registerkarte Additional Content, eine Kategorie, die in der Exportzuordnung als nicht zu exportieren markiert ist, und die Liste „Entities to be included/excluded from export“ auf der Registerkarte Advanced. Dazu kommen verknüpfte Modelle, die im Standard nicht mitexportiert werden.

Lösung

Geh die drei Stellen in dieser Reihenfolge durch. Ist „Export only elements visible in view“ aktiv, fallen auch Elemente heraus, die du nur vorübergehend ausgeblendet oder isoliert hast, und Räume kommen aus einer 3D-Ansicht nur mit, wenn zusätzlich „Export rooms in 3D views“ („Räume in 3D-Ansichten exportieren“) gesetzt ist. Öffne danach die Exportzuordnung und prüf die betroffene Kategorie, zuletzt die Ausschlussliste auf Advanced. Für verknüpfte Modelle wählst du unter „Linked Files“, ob sie als eigene Dateien, im selben IfcProject oder auf derselben IfcSite ausgegeben werden.

Symptom

Bauteile kommen an, aber als unspezifisches Objekt ohne erkennbaren Bauteiltyp, sodass die Prüfsoftware sie in keiner Regel erfasst.

Ursache

Revit leitet die IFC-Klasse aus der Revit-Kategorie ab. Für Wände, Decken, Stützen und ähnliche Standardbauteile gibt es dafür eine sinnvolle Entsprechung, und es ist kein Zutun nötig. Alles, was in der Kategorie der allgemeinen Modelle liegt, hat dagegen keine natürliche Entsprechung und landet als allgemeines Objekt. Autodesk führt das am Beispiel einer Rolltreppe vor, die als allgemeines Modell entsteht und erst durch eine Zuordnung zur passenden IFC-Klasse und zum passenden Typ wird.

Lösung

Filter in einem Betrachter zuerst alle Objekte der Klasse IfcBuildingElementProxy heraus, denn so heißt das unspezifische Objekt in der Datei. Stammen sie überwiegend aus einer Kategorie, korrigierst du die Exportzuordnung, sind es einzelne Familien, setzt du „Export to IFC As“ am Typ. Achte beim vordefinierten Typ auf eine Eigenheit: Revit schreibt ihn an das Typobjekt, also etwa an IfcWallType und nicht an die einzelne IfcWall. Prüfregeln, die den Typ an der Instanz erwarten, schlagen dann an, obwohl die Zuordnung stimmt.

Symptom

Die Bauteile sind vollständig und richtig eingeordnet, aber die Merkmale, die zur Prüfung gebraucht werden, fehlen oder heißen anders.

Ursache

Merkmale kommen nicht automatisch mit. Auf der Registerkarte Property Sets steuerst du getrennt, ob die Revit-eigenen Sätze („Export Revit property sets“ (deutsch „Revit-Eigenschaftssätze exportieren“)), die gemeinsamen IFC-Sätze („Export IFC common property sets“ („Gemeinsame IFC-Eigenschaftssätze exportieren“)), die Grundmengen und Bauteillisten als Eigenschaftssätze ausgegeben werden. Selbst wenn alles aktiv ist, tragen die Revit-eigenen Sätze die Revit-Parameternamen, und die stimmen nur zufällig mit dem überein, was eine Prüfregel sucht.

Lösung

Frag die Gegenseite nach der Liste der benötigten Merkmale und leg dafür eine Textdatei mit eigenen Eigenschaftssätzen an. Eine Zeile eröffnet den Eigenschaftssatz mit Namen, der Angabe für Instanz oder Typ und den IFC-Klassen, für die er gelten soll. Jede weitere Zeile trägt drei durch Tabulator getrennte Angaben: den Namen der Eigenschaft in der IFC-Datei, den Datentyp und den Namen des Parameters in Revit. Autodesk stellt dafür eine Beispielvorlage bereit. Aktivier anschließend „Export user defined property sets“ („Benutzerdefinierte Eigenschaftssätze exportieren“) und gib die Datei an.

Symptom

Die Prüfsoftware liest die Datei nicht ein, meldet ein unbekanntes Schema oder öffnet sie nur teilweise.

Ursache

Sender und Empfänger arbeiten mit verschiedenen Schemafassungen. Weil mehrere Fassungen zugleich offiziell sind, ist das kein Ausnahmefall. Viele Prüf- und Koordinationsprogramme sind auf IFC 2x3 Coordination View 2.0 ausgelegt, das Autodesk selbst als die von anderen Systemen am breitesten unterstützte Fassung beschreibt. Eine Datei nach IFC4 kann dort auf eine unvollständige Unterstützung treffen, obwohl beide Fassungen normgerecht sind.

Lösung

Einigt euch auf die Fassung, bevor exportiert wird, und haltet sie schriftlich fest. Im Zweifel ist die genannte IFC-2x3-Fassung der sichere Weg für die Koordination, IFC4 Reference View dort sinnvoll, wo die Gegenseite es ausdrücklich verlangt. Ein Hinweis für die Fehlersuche: Die Option „Allow use of mixed ‚Solid Model‘ representation“ auf Advanced erzeugt kleinere Dateien, bewegt sich laut Autodesk aber nicht mehr streng innerhalb der Modellansichten des Standards, und das kann bei strengen Prüfprogrammen genau der Grund für Probleme sein.

Symptom

Das Modell steht in der Prüfsoftware an einer falschen Stelle, ist verdreht oder liegt in der falschen Höhe.

Ursache

Beim Export legst du über „Coordinate Base“ (deutsch „Koordinatenbasis“) fest, auf welchen Bezug sich die Koordinaten beziehen. Zur Wahl stehen Shared Coordinates, Survey Point, Project Base Point und Internal Origin, die beiden letzten zusätzlich in einer Ausrichtung nach geografisch Nord. Aus dieser Wahl ergeben sich die ausgegebenen Rechts- und Hochwerte, die Höhe und der Winkel zu geografisch Nord. Eine zweite Stellschraube ist die Option „Include IFCSITE elevation in the site local placement origin“, die bestimmt, ob die Höhe des Grundstücks in den Ursprung einbezogen wird.

Lösung

Leg projektweit einen Bezug fest und exportier immer darauf. Wenn ein Koordinatensystem mitgegeben werden soll, gibst du es auf der Registerkarte Geographic Reference über seinen EPSG-Code an, allerdings mit einer wichtigen Einschränkung: Diese Einstellung ist nur verfügbar, wenn nach IFC4 exportiert wird. Wer in IFC 2x3 austauscht und trotzdem eine eindeutige Lage braucht, vereinbart einen gemeinsamen Nullpunkt und dokumentiert ihn, statt sich auf das Format zu verlassen.

Symptom

Bauteile über mehrere Geschosse erscheinen beim Empfänger dem falschen Geschoss zugeordnet, oder Geschosse fehlen ganz.

Ursache

Mit „Split Walls, Columns, Ducts by Level“ (deutsch „Wände, Stützen, Luftkanäle nach Ebene trennen“) auf der Registerkarte General teilt Revit geschossübergreifende Wände, Stützen und Kanäle beim Export je Geschoss. Diese Teilung wirkt nur auf Ebenen, bei denen die Eigenschaft für ein Gebäudegeschoss gesetzt ist. Sind keine Ebenen so gekennzeichnet, exportiert Revit alle Ebenen, die als Basis für Wände, Stützen oder Kanäle dienen. Bauteile, deren Basisebene kein Gebäudegeschoss ist, ordnet Revit der nächsttieferen Gebäudeebene mit passendem Versatz zu.

Lösung

Geh die Ebenen im Projekt durch und setz die Eigenschaft für das Gebäudegeschoss nur bei Ebenen, die tatsächlich Geschosse sind, nicht bei Hilfsebenen für Unterzüge oder abgehängte Decken. Aktivier danach die Teilung nach Geschoss und prüf das Ergebnis in einem Betrachter. Die Geschossstruktur gehört zu den Punkten, die in einem Projekt mit mehreren Beteiligten vorab festgelegt werden, weil sie der Anker für fast jede Auswertung auf der Gegenseite ist.

03 Was du mitnimmst

Die Reihenfolge, in der du einen Export in den Griff bekommst

Ein verlässlicher Export entsteht nicht dadurch, dass alle Schalter aktiviert werden, sondern dadurch, dass die Anforderung der Gegenseite bekannt ist und der Export dazu passend eingerichtet wird. Sechs Schritte führen von der Rückmeldung eines Empfängers zu einer gespeicherten Exporteinstellung, die sich wiederholen lässt.

Die Ebenen, auf denen beim Export Daten verloren gehen

  1. 01 Umfang: Welche Bauteile sind in der Datei, und welche wurden ausgeschlossen?
  2. 02 Klasse: Als welches IFC-Objekt kommt ein Bauteil an, und war das beabsichtigt?
  3. 03 Merkmale: Welche Eigenschaftssätze wurden mitgegeben, und heißen sie wie erwartet?
  4. 04 Fassung: Welche Schemafassung erwartet die Prüfsoftware der Gegenseite?
  5. 05 Lage: Auf welchen Bezugspunkt und welche Höhenlage wurde exportiert?

Zuerst klären, welche Fassung und welcher Ausschnitt erwartet werden

Frag die Gegenseite nicht nach „IFC“, sondern nach Schema und Modellansicht und danach, mit welcher Software sie prüft. Revit bringt neun eingebaute Exporteinstellungen mit, die von IFC 2x2 Coordination View über mehrere Ausprägungen von IFC 2x3 bis zu IFC4 Reference View und IFC4 Design Transfer View reichen. Die Reference View ist für Koordination und Prüfung gedacht und überträgt die Geometrie vereinfacht, die Design Transfer View zielt auf die Übergabe eines Modells zur Weiterbearbeitung. Für die reine Koordination ist also die Reference View die passende IFC4-Wahl.

Eine eigene Einstellung anlegen statt die Sitzungseinstellung zu ändern

Im Exportdialog unter Datei > Exportieren > IFC arbeitest du entweder mit der Sitzungseinstellung „<In-Session Setup>“ oder legst über „Modify setup“ eine benannte Einstellung an, wahlweise als Kopie einer bestehenden. Die Sitzungseinstellung geht beim Schließen verloren, benannte Einstellungen werden im Projekt gespeichert und stehen beim nächsten Export wieder zur Verfügung. Die eingebauten Einstellungen lassen sich weder ändern noch löschen noch umbenennen, wohl aber duplizieren.

Die Kategoriezuordnung prüfen, bevor du an Familien arbeitest

Revit überführt Bauteile anhand ihrer Kategorien und Unterkategorien in IFC-Klassen. In der Exportzuordnung, die die Hilfe „IFC Export Classes“ nennt, legst du je Kategorie fest, ob sie exportiert wird und welche IFC-Klasse und welcher vordefinierte Typ verwendet werden. Fang hier an, weil eine Korrektur an der Kategorie sofort für alle Familien darin gilt. Die fertige Zuordnung speicherst du als Vorlage oder exportierst sie als Textdatei, damit alle Projekte im Büro dieselbe verwenden.

Einzelfälle über die Familie statt über die Kategorie lösen

Was sich nicht über die Kategorie regeln lässt, regelst du am Bauteil. In der Eigenschaftenpalette stehen dafür die Parameter „Export to IFC As“ und „IFC Predefined Type“, je an der Instanz und am Typ, dazu „Export to IFC“ mit den Werten By Type, Yes und No. Steht die Instanz auf By Type, gelten die Typwerte und die Instanzwerte werden ignoriert. In Bestandsprojekten aus älteren Revit-Versionen findest du dieselbe Steuerung oft noch als gemeinsamen Parameter.

Die Merkmalsanforderung als Datei verlangen

Eine Merkmalsliste als Tabelle oder PDF lässt Raum für Auslegung. buildingSMART hat dafür im Juni 2024 die Information Delivery Specification, kurz IDS, in der Fassung 1.0 als Standard verabschiedet: eine maschinenlesbare Datei, die festhält, welche IFC-Klassen welche Eigenschaften mit welchen Werten tragen müssen. Wenn der Auftraggeber eine IDS-Datei liefert, prüfst du deinen Export vor dem Versand selbst dagegen, statt auf die Fehlerliste der Gegenseite zu warten.

Log-Datei und Gegenprobe zum festen Bestandteil machen

Revit legt neben der IFC-Datei eine Protokolldatei mit der Endung .ifc.log.html im selben Zielordner ab, in der Fehler, Warnungen und Hinweise des Exportvorgangs stehen. Sie ist die erste Anlaufstelle, wenn etwas fehlt. Die zweite ist die Gegenprobe: Öffne die erzeugte Datei in einem freien Betrachter oder einer Prüfsoftware und sieh nach, ob Bauteile und Merkmale dort stehen. Beides zusammen kostet zehn Minuten, ersetzt eine ganze Runde Rückfragen und gehört deshalb vor jeden Versand, nicht erst hinter die erste Beschwerde.

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Mehrere offizielle Fassungen nebeneinander, und das ist der Kern

buildingSMART führt die Fassungen des Schemas in einer öffentlichen Übersicht mit Status. Dort haben derzeit drei Einträge den Status offiziell: IFC 2x3 TC1, veröffentlicht im Juli 2007 und als ISO/PAS 16739:2005 normiert, IFC 4 ADD2 TC1, veröffentlicht im Oktober 2017 und als ISO 16739-1:2018 normiert, sowie IFC 4.3 ADD2, veröffentlicht im April 2024 und als ISO 16739-1:2024 normiert. Die Zwischenfassungen IFC 4.1 und IFC 4.2 stehen ausdrücklich auf zurückgezogen, ältere Fassungen bis zurück zu IFC 2.0 auf ausgemustert.

Diese Übersicht erklärt einen guten Teil der Reibung im Alltag. Wenn drei Fassungen gleichzeitig gültig sind, ist die IFC-Fassung eines Projekts keine Formalie, sondern eine Festlegung. Die Bezeichnung folgt einem festen Aufbau aus Haupt- und Nebenversion, Ergänzung (ADD) und Berichtigung (TC), wobei Nebenversionen Funktionen ergänzen und die Verträglichkeit nur für den Kern des Schemas zusichern. Zwei Fassungen mit derselben Hauptnummer leisten also nicht zwingend dasselbe. IFC 4.3 etwa erweitert das Schema vor allem um Infrastruktur wie Straße, Schiene, Brücke und Wasserbau, für ein reines Hochbauprojekt ist es deshalb selten der Grund für einen Wechsel.

Über die offiziellen Fassungen hinaus arbeitet buildingSMART an zwei weiteren Strängen: an einer Erweiterung der 4.3er Linie und an einer neuen Generation, die den Inhalt der 4er Reihe grundlegend neu ordnet. Beide sind in Entwicklung und für den produktiven Austausch heute nicht maßgeblich. Für die Planung im Büro heißt das: Die Fassung, die ihr im Projekt vereinbart, bleibt für die Projektlaufzeit gültig, und ein Wechsel ist ein Vorgang mit Aufwand und keine Nebensache.

Was Revit anbietet und wie der Exporter gepflegt wird

Autodesk beschreibt den Import und Export als vollständig zertifiziert auf Grundlage der Austauschstandards von buildingSMART. Öffnen und verknüpfen lassen sich Dateien nach IFC 2x3, IFC 2x2 und IFC 2x, verknüpfen zusätzlich Dateien nach IFC4. Für den Export nennt die Dokumentation IFC4, IFC 2x3 und IFC 2x2. Auch die Revit-Hilfe zur Version 2027 führt im Exportdialog als neueste Auswahl IFC4 Reference View und IFC4 Design Transfer View. IFC 4.3 gehört nicht zu den eingebauten Einstellungen, der offene Exporter ergänzt Funktionen dafür aber laufend, wie seine Versionshinweise zeigen.

Die eingebauten Einstellungen sind mehr als eine Versionsauswahl, denn mehrere davon sind auf einen bestimmten Empfängerkreis zugeschnitten. Neben den allgemeinen Koordinationsansichten gibt es Einstellungen für die Übergabe an die US-Bundesbauverwaltung GSA, für die Planprüfung der Bauaufsicht in Singapur (BCA e-Plan Check), für die Übergabe von Daten an das Gebäudemanagement (Basic FM Handover View, laut Autodesk überwiegend in Bayern verwendet) sowie für das britische Übergabeformat COBie. Wer eine dieser Einstellungen wählt, ohne dass der Empfänger sie verlangt, exportiert Eigenschaftssätze, die niemand braucht.

Wichtig für die Fehlersuche ist ein zweiter Punkt: Der Exporter wird unabhängig von der Revit-Version weiterentwickelt und muss manuell aktualisiert werden. Autodesk stellt den Quelltext offen auf GitHub bereit, die offene Fassung überschreibt die mit Revit ausgelieferte, und laut Projektbeschreibung werden die aktuelle Jahresversion und die zwei vorhergehenden mit Korrekturen versorgt. Wenn ein Verhalten nicht zur Dokumentation passt, lohnt sich vor jeder weiteren Suche der Blick darauf, welche Fassung des Exporters installiert ist und was die Versionshinweise der neueren Fassungen behoben haben.

Eigenschaften kommen nicht von selbst mit

Die Registerkarte Property Sets ist die Stelle, an der die meisten Austauschprobleme entstehen, weil sie mehrere getrennte Wege nebeneinander anbietet. Die Revit-eigenen Eigenschaftssätze geben die Parameter so aus, wie sie in Revit heißen, gruppiert nach ihren Parametergruppen. Die gemeinsamen IFC-Eigenschaftssätze, etwa Pset_WallCommon für Wände, folgen dagegen den im Schema definierten Namen und sind das, was eine Prüfsoftware üblicherweise erwartet. Beides zugleich zu aktivieren ist möglich und führt zu einer größeren Datei mit doppelt vorhandenen Angaben.

Ein eigener Weg sind die Grundmengen über „Export base quantities“. Sie werden aus der Modellgeometrie erzeugt und geben die tatsächlichen physikalischen Größen wieder, unabhängig von Messregeln oder Berechnungsverfahren. Für die Gegenseite ist das oft die wichtigste Lieferung überhaupt, weil sie die Grundlage für eine eigene Mengenermittlung bildet. Die Option ist nicht in jeder Einstellung aktiv, und wer sie vergisst, liefert ein Modell ohne Mengen.

Der dritte Weg führt über Bauteillisten. Mit „Export schedules as property sets“ wird der Name der Liste zum Namen des Eigenschaftssatzes und die Spaltenüberschriften werden zu den Namen der Eigenschaften. Weil in einem Projekt viele Listen existieren, die außerhalb niemanden interessieren, lässt sich das mit „Export only schedules containing IFC, Pset, or Common in the title“ einschränken. Wer eine dieser Kennzeichnungen in die Listennamen aufnimmt, steuert den Export damit einfach und wirksam.

Welcher Weg passt, hängt am Empfänger. Prüft er gegen Standardmerkmale, reichen die gemeinsamen IFC-Sätze. Erwartet er eigene Namen oder Merkmale aus Vorgaben des Auftraggebers, führt kein Weg an der Textdatei mit eigenen Eigenschaftssätzen vorbei, deren Aufbau oben bei den Fehlerbildern steht. Die Revit-eigenen Sätze lohnen sich nur, wenn die Gegenseite ausdrücklich die Revit-Bezeichnungen braucht, etwa um ein Bauteil im Ausgangsmodell wiederzufinden.

Was vor dem ersten Austausch vereinbart gehört

Fast alle in diesem Text beschriebenen Fehlerbilder lassen sich vermeiden, wenn vier Angaben vor dem ersten Export feststehen: die Schemafassung und der Ausschnitt, die Zuordnung von Kategorien zu IFC-Klassen, die Liste der erwarteten Merkmale und der gemeinsame Bezugspunkt für die Lage. Diese vier Angaben sind kein technisches Detail, sondern eine Projektvereinbarung, und in Deutschland ist ihr Ort der BIM-Abwicklungsplan, der die Datenaustauschformate und Schnittstellen ausdrücklich als Bestandteil führt.

Für die Erwartung an die Merkmale gibt es dabei eine eigene Begriffswelt. Das Informationsbedarfsniveau beschreibt, welche Informationen in welcher Qualität, zu welchem Zeitpunkt und für welchen Zweck bereitgestellt werden müssen, und wird üblicherweise in den Auftraggeber-Informationsanforderungen festgelegt, auf die der Abwicklungsplan antwortet. Wer diese Kette kennt, führt die Diskussion über fehlende Merkmale nicht nach der Lieferung, sondern davor.

Bewährt hat sich, die vereinbarten Festlegungen nicht nur zu beschreiben, sondern als Datei weiterzugeben: die Zuordnungstabelle für Kategorien als Textdatei, die eigenen Eigenschaftssätze als Textdatei, dazu eine benannte Exporteinstellung im Projekt und, wenn vorhanden, die IDS-Datei des Auftraggebers als Prüfgrundlage. Damit exportieren alle Beteiligten im Büro gleich, und ein Wechsel der bearbeitenden Person ändert nichts am Ergebnis. Das ist der Unterschied zwischen einem Export, der einmal funktioniert hat, und einem, auf den sich ein Projekt verlassen kann.

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Stimmen aus den Kursen

Was Teilnehmende über die Kurse in diesem Bereich sagen

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05 Fragen

Häufige Fragen

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Welche IFC-Fassung soll ich im Projekt vereinbaren?
Die, die die Prüf- und Koordinationssoftware der Gegenseite sicher verarbeitet, und nicht automatisch die neueste. Für die Koordination im Hochbau ist IFC 2x3 Coordination View 2.0 die verbreitete Wahl, IFC4 Reference View die neuere Alternative, wenn beide Seiten sie unterstützen. IFC 4.3 bringt vor allem Erweiterungen für Infrastruktur und ist im Hochbau selten nötig. Wenn die Anforderungen des Auftraggebers eine Fassung nennen, gilt diese, und sie gehört schriftlich in den Abwicklungsplan.
Warum fehlen die Räume in der IFC-Datei?
Meist, weil aus einer 3D-Ansicht mit „Export only elements visible in view“ exportiert wurde. Räume sind in 3D-Ansichten nicht sichtbar und kommen dann nur mit, wenn zusätzlich „Export rooms in 3D views“ aktiv ist; Revit exportiert dann alle Räume innerhalb des Schnittbereichs der Ansicht. Wenn die Gegenseite außerdem Raumbegrenzungen für Energie- oder Flächenberechnungen braucht, stellst du unter „Space boundaries“ die erste oder zweite Ebene ein.
Wie finde ich ein Bauteil aus einer Prüfmeldung im Modell wieder?
Über die IFC-Kennung, die GUID, die jede Prüfmeldung mitliefert. Aktivier auf der Registerkarte Advanced die Option „Store the IFC GUID in an element parameter after export“ (deutsch „IFC-GUID nach Export in Elementparameter speichern“). Revit schreibt die vergebenen Kennungen dann nach dem Export in den Parameter „IFC GUID“ an Bauteilen und Typen sowie in die Projektinformationen. Über diesen Parameter findest du das gemeldete Bauteil, etwa mit einem Filter oder einer Bauteilliste.
Kommen Mengen automatisch mit?
Nein, dafür muss auf der Registerkarte Property Sets die Option „Export base quantities“ (deutsch „Basismengen exportieren“) aktiv sein. In der Datei erscheinen die Werte dann in eigenen Mengensätzen, deren Namen mit Qto_ beginnen, etwa Qto_WallBaseQuantities für Wände. Wenn die Gegenseite ihre Mengen automatisch auslesen will, frag nach, ob sie genau diese Sätze erwartet oder eigene Merkmale, denn dann gehört die Menge zusätzlich in einen benutzerdefinierten Eigenschaftssatz.
Wie prüfe ich vor dem Versand, ob die Datei stimmt?
Mit zwei Schritten. Sieh zuerst in die Protokolldatei mit der Endung .ifc.log.html, die Revit im selben Zielordner ablegt. Öffne die Datei danach in einem Betrachter oder einer Prüfsoftware und prüf drei Dinge: ob die Bauteilzahl plausibel ist, ob die Objekttypen stimmen und ob die vereinbarten Merkmale vorhanden sind. Liegt eine IDS-Datei vor, lässt sich der dritte Schritt automatisch gegen diese Datei prüfen.
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