Mengen aus dem Revit-Modell ziehen: von der Bauteilliste bis zur Kalkulation
Bauteillisten sind schnell angelegt und ebenso schnell falsch. Diese Seite geht durch, wie eine Liste zu ihren Zahlen kommt, wo Revit von sich aus rechnet, wo du selbst rechnen musst, und wie die Werte so herauskommen, dass die Kalkulation ohne Nacharbeit damit weiterarbeiten kann.
KI-generiertDieses Bild wurde mit KI erzeugt · Yves Hoppe / KI / cmt
Die Zahlen sind da, nur stimmen sie nicht mit dem überein, was die Kalkulation erwartet
Der Reiz der Mengenermittlung am Modell liegt auf der Hand. Statt Flächen aus Plänen abzugreifen und in eine Tabelle zu übertragen, liest eine Bauteilliste die Werte direkt aus den Bauteilen und schreibt sich bei jeder Modelländerung selbst fort. Wer eine Wand verschiebt, sieht die geänderte Fläche in der Raumliste, ohne irgendetwas anzustoßen. In dem Moment, in dem eine Zahl aus dieser Liste in ein Angebot oder eine Ausschreibung wandert, ändert sich allerdings der Maßstab: Sie muss dann nicht plausibel sein, sondern belastbar.
An dieser Stelle treten drei Arten von Abweichungen auf, die verschiedene Ursachen haben und deshalb auch verschieden behandelt werden müssen. Die erste ist eine Frage der Darstellung: Mehrere Bauteile werden in einer Zeile zusammengefasst, und was in den Spalten steht, ist nicht mehr der Wert eines einzelnen Bauteils. Die zweite ist eine Frage des Umfangs: Ein Filter greift nicht wie erwartet, Bauteile aus verknüpften Modellen fehlen, oder eine ganze Kategorie taucht gar nicht erst auf. Die dritte ist eine Frage der Rechenregel: Revit ermittelt eine Menge nach einer anderen Vorschrift als die Kalkulation.
Der dritte Punkt ist der unangenehmste, weil er auf beiden Seiten korrekt aussieht. Autodesk weist etwa ausdrücklich darauf hin, dass bei der Berechnung der Materialvolumen einzelner Wandschichten Näherungen vorgenommen werden, um die Leistung zu erhalten, und dass es dadurch zu kleinen Abweichungen zwischen dem sichtbaren Modell und dem Material-Auszug kommen kann, besonders bei angesetzten Profilen, Aussparungsprofilen oder bestimmten Verbindungen. Wer diesen Hinweis nicht kennt, sucht den Fehler an der falschen Stelle.
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Die fünf Stellschrauben einer Bauteilliste
Jede Bauteilliste entsteht aus derselben Kette von Entscheidungen, und jede Stelle in dieser Kette hat ein eigenes typisches Fehlerbild. Wer die Kette kennt, muss bei einer abweichenden Zahl nicht die ganze Liste neu bauen, sondern kann von hinten nach vorn prüfen, an welcher Stelle die Abweichung entstanden ist.
Der Aufbau
Kategorie wählen + Felder samt berechneter Parameter + Filter (höchstens acht) + Sortierung mit oder ohne Einzelnachweis + Summen in der Formatierung = Liste, aus der die Kalkulation direkt weiterrechnet - 01 Der Umfang entsteht vor der ersten Spalte
Kategorie wählenBeim Anlegen wählst du die Kategorie und legst fest, dass Bauteile und nicht Schlüssel aufgelistet werden sollen, dazu die Phase. Die Kategorie bestimmt, welche Parameter überhaupt als Felder zur Verfügung stehen, und die Phase bestimmt, welcher Zustand des Projekts gemeint ist. Beides später zu ändern ist möglich, führt aber regelmäßig dazu, dass Spalten leer bleiben, weil der zugehörige Parameter in der neuen Kategorie nicht existiert.
- 02 Was das Modell liefert und was die Liste selbst rechnet
Felder samt berechneter ParameterAuf der Registerkarte Fields wandern Parameter in die Liste. Neben Modellparametern lassen sich Projektparameter und gemeinsame Parameter anlegen, mehrere Parameter zu einer Spalte kombinieren und berechnete Parameter mit Formel oder Prozentbezug erzeugen. Über die Option für Elemente in Verknüpfungen nimmst du Bauteile aus verknüpften Modellen mit auf, und über die Auswahl der Quelle lassen sich Raumparameter in eine Liste holen, die selbst keine Raumliste ist.
- 03 Die dokumentierte Obergrenze und ihre Ausnahmen
Filter (höchstens acht)Bis zu acht Filter sind möglich, und sie wirken zusammen, das heißt jede Bedingung muss erfüllt sein. Filterbar sind unter anderem Text, Zahl, Ganzzahl, Länge, Fläche, Volumen, Ja/Nein, Geschoss und Schlüsselparameter. Nicht filterbar sind Materialparameter und der Flächentyp in Flächenlisten. Zusätzlich lässt sich nach Plan filtern, wobei geteilte Listen davon ausgenommen sind und die Liste Felder mit tatsächlich sichtbaren Bauteilen enthalten muss.
- 04 Die Entscheidung, die Summen unbrauchbar machen kann
Sortierung mit oder ohne EinzelnachweisSortiert wird nach jedem Feld außer der Anzahl, mit bis zu mehreren Ebenen und wahlweise mit Kopfzeile, Fußzeile und Leerzeile je Gruppe. Der eigentliche Schalter ist der Einzelnachweis: Ist er aktiv, steht jedes Bauteil in einer eigenen Zeile, ist er aus, fallen Bauteile nach dem Sortierkriterium zusammen. Für eine Liste auf dem Plan ist das Zusammenfassen richtig, für eine Liste, die jemand als Datenbasis weiterverarbeitet, meistens nicht.
- 05 Erst hier entsteht eine Zahl unter der Spalte
Summen in der FormatierungAuf der Registerkarte Formatting bestimmst du je Spalte Überschrift, Ausrichtung, Einheitendarstellung, Sichtbarkeit und ob die Werte aufsummiert werden. Ohne diese Einstellung bleiben Fußzeilen und Gesamtsumme leer, auch wenn sie in der Sortierung angefordert wurden. Ebenfalls hier liegt die bedingte Formatierung, mit der sich Zellen einfärben lassen, die eine Vorgabe verletzen. Für eine Mengenliste ist das der einfachste Weg, fehlende Werte sichtbar zu machen, bevor die Datei das Haus verlässt.
Wenn es nicht funktioniert
Das siehst du
Die Anzahl in der Liste ist deutlich kleiner als die Zahl der Bauteile im Modell, obwohl kein Filter gesetzt ist.
Warum
Der Einzelnachweis ist ausgeschaltet, und mehrere Bauteile fallen nach dem Sortierkriterium in eine Zeile zusammen. Ist gar kein Sortierkriterium gesetzt, landet alles in einer einzigen Zeile. Die Spalten zeigen dann nicht mehr die Werte eines Bauteils, sondern werden für unterschiedliche Werte nach den Einstellungen für mehrdeutige Werte dargestellt.
Was hilft
Schalt den Einzelnachweis auf der Registerkarte Sorting/Grouping ein und prüf die Zahl der Zeilen gegen eine Auswahl im Modell. Wenn die zusammengefasste Darstellung gewünscht ist, ergänz eine Fußzeile mit Anzahl und Summe je Gruppe, damit die Menge sichtbar bleibt. Für die Übergabe an die Kalkulation ist die Fassung mit Einzelnachweis die verlässlichere Grundlage, weil sich daraus jede Zusammenfassung wieder herstellen lässt, umgekehrt aber nicht.
Das siehst du
Ein Filter auf ein Textfeld liefert keine Treffer, obwohl der Wert im Modell erkennbar vorhanden ist.
Warum
Filter unterscheiden Groß- und Kleinschreibung. Häufig weicht auch nur ein Leerzeichen oder eine Schreibweise ab, weil der Wert von Hand eingetragen wurde. Ein zweiter Fall betrifft die Feldart: Für Materialparameter und für den Flächentyp in Flächenlisten ist das Filtern nicht vorgesehen, dort läuft die Einschränkung ins Leere.
Was hilft
Zeig das Feld testweise als Spalte an und lies den tatsächlichen Wert ab, statt ihn aus dem Gedächtnis einzutippen. Für Werte, nach denen regelmäßig gefiltert wird, ist ein Schlüsselparameter oder eine Auswahlliste die dauerhafte Antwort, weil sie freie Eingabe verhindert. Wo Materialien das Kriterium sind, führt der Weg über einen Material Takeoff statt über einen Filter in der Bauteilliste.
Das siehst du
Bauteile aus verknüpften Modellen fehlen vollständig, obwohl sie in der Ansicht sichtbar sind.
Warum
Eine Bauteilliste betrachtet standardmäßig nur das eigene Modell. Bauteile aus verknüpften Dateien kommen erst dazu, wenn die entsprechende Option bei der Feldauswahl gesetzt ist. Das betrifft in der Praxis fast jedes Projekt, in dem Architektur und Gebäudetechnik in getrennten Dateien liegen.
Was hilft
Aktivier bei der Feldauswahl die Option für Elemente in Verknüpfungen. Prüf danach, ob die gewünschten Parameter in beiden Modellen gleich heißen, denn nur dann landen sie in derselben Spalte. Wenn die verknüpfte Datei aus einem anderen Büro kommt, gehört diese Benennung in die Vereinbarung, die im BIM-Abwicklungsplan festgehalten wird, und nicht in eine Nachbesserung von Hand.
Das siehst du
Eine Spalte mit einem gemeinsamen Parameter bleibt in einer Liste über mehrere Kategorien leer, oder eine Kategorie taucht gar nicht auf.
Warum
Ein gemeinsamer Parameter wirkt nur in den Kategorien, denen er zugewiesen wurde. Autodesk formuliert das eindeutig: Kategorien, die den ausgewählten gemeinsamen Parameter nicht haben, erscheinen in der Liste nicht. Wenn der Parameter in einer Familie zwar gleich heißt, aber als eigener Familienparameter angelegt wurde, ist er für die Liste ein anderer Parameter.
Was hilft
Prüf in den Projektparametern, welchen Kategorien der gemeinsame Parameter zugewiesen ist, und ergänz die fehlenden. In den betroffenen Familien tausch den gleichnamigen Familienparameter gegen den gemeinsamen aus. Das ist der Punkt, an dem sich eine gepflegte Datei mit gemeinsamen Parametern auszahlt, weil sonst jede Familie ihre eigene Sprache spricht.
Das siehst du
Die Materialvolumen aus dem Material Takeoff weichen leicht von den Werten ab, die sich aus der Geometrie ergeben.
Warum
Autodesk weist ausdrücklich darauf hin, dass Revit bei der Berechnung der Volumen einzelner Schichten innerhalb einer Wand Näherungen vornimmt, um die Leistung zu erhalten. Kleine Abweichungen zwischen dem im Modell sichtbaren Volumen und dem Wert im Material-Auszug sind dabei möglich und treten besonders dort auf, wo an einer Wand ein Profil angesetzt oder ein Aussparungsprofil geführt ist oder wo bestimmte Verbindungen vorliegen.
Was hilft
Behandle diese Abweichung als bekannte Eigenschaft und nicht als Fehler. Für die Ausschreibung heißt das: Halte fest, nach welcher Regel eine Menge ermittelt wurde, und stell die Vergleichsrechnung nicht gegen eine Nachkommastelle, sondern gegen eine vereinbarte Toleranz. Wo Schichtvolumen die maßgebliche Größe sind, lohnt es sich, die betroffenen Wandaufbauten zu vereinfachen, statt an der Auswertung zu drehen.
Das siehst du
Die exportierte Datei lässt sich in der Tabellenkalkulation nicht sauber in Spalten zerlegen, oder es stehen mehrere Kopfzeilen darin.
Warum
Der Export schreibt eine Textdatei mit Trennzeichen, und die Einstellungen dafür werden im Exportdialog gesetzt. Bleiben sie auf den Vorgaben, kommen gruppierte Spaltenköpfe vollständig mit, ebenso Gruppenkopfzeilen, Fußzeilen und Leerzeilen, und das Textbegrenzungszeichen passt womöglich nicht zu den Werten in den Zellen.
Was hilft
Setz im Dialog das Trennzeichen passend zur Zielumgebung, wähl bei den Spaltenköpfen die einzeilige Ausgabe und schalt Gruppenkopfzeilen, Fußzeilen und Leerzeilen ab, wenn die Datei maschinell weiterverarbeitet wird. Für eine wiederkehrende Übergabe lohnt es sich, diese Einstellungen einmal schriftlich festzuhalten, weil sie bei jedem Export erneut gewählt werden.
Von der Modellinformation zur übergabefähigen Menge
- 01 Steht die gesuchte Information überhaupt als Parameter am Bauteil?
- 02 Bauteilliste oder Material Takeoff, also Bauteil oder Schicht innerhalb des Bauteils?
- 03 Welche Felder kommen aus dem Modell und welche musst du berechnen lassen?
- 04 Jede Instanz einzeln oder zusammengefasst, und nach welchem Kriterium?
- 05 Wie verlässt die Liste das Modell: Plan, Textdatei mit Trennzeichen, Datenbank oder IFC?
Wie du zu einer Liste kommst, mit der jemand weiterrechnet
Der Weg von der leeren Liste zur übergabefähigen Menge führt immer über dieselben Entscheidungen. Sechs davon bestimmen, ob die Zahlen am Ende nachvollziehbar sind oder ob jemand sie in der Tabellenkalkulation noch einmal von Hand nachbaut.
Die richtige Listenart wählen
Über die Registerkarte Ansicht, Gruppe Erstellen, Auswahl Bauteillisten stehen mehrere Arten nebeneinander: Schedule/Quantities für Bauteile und ihre Eigenschaften, Material Takeoff für die Materialien und Unterbestandteile innerhalb dieser Bauteile, dazu Sheet List, Note Block, View List und Graphical Column Schedule. Für Mengen sind die ersten beiden entscheidend. Wer Wandflächen braucht, nimmt die Bauteilliste, wer Dämmstoffvolumen je Schicht braucht, den Material Takeoff.
Felder auswählen und dort rechnen, wo es hingehört
Auf der Registerkarte Fields der Listeneigenschaften stellst du zusammen, welche Parameter als Spalten erscheinen. Neben den vorhandenen Parametern lassen sich hier Projekt- und gemeinsame Parameter anlegen sowie berechnete Parameter, die ihren Wert per Formel aus anderen Spalten beziehen, etwa eine Belegungszahl aus der Raumfläche. Auch ein prozentualer Anteil ist ein Fall für den berechneten Parameter, wahlweise bezogen auf die Gesamtliste oder auf eine der Gruppierungsebenen.
Beim Filter die dokumentierten Grenzen kennen
Auf der Registerkarte Filter lassen sich bis zu acht Filter setzen, und alle müssen zutreffen, damit ein Bauteil in der Liste erscheint. Die Filter unterscheiden Groß- und Kleinschreibung. Für Materialparameter und für den Flächentyp in Flächenlisten ist Filtern nicht vorgesehen. Wenn du nach einem Feld filtern willst, das in der Liste selbst nicht auftauchen soll, nimmst du es trotzdem in die Spalten auf und blendest es auf der Registerkarte Formatting aus.
Die Zusammenfassung bewusst steuern
Auf der Registerkarte Sorting/Grouping entscheidet die Option Itemize every instance darüber, ob jedes Bauteil eine eigene Zeile bekommt oder ob mehrere Bauteile anhand der Sortierkriterien zusammenfallen. Ohne diese Option und ohne Sortierkriterium landet alles in einer einzigen Zeile. Beim Zusammenfassen werden Parameter mit unterschiedlichen Werten nach den Einstellungen für mehrdeutige Werte dargestellt, und genau dort entstehen die Spalten, die auf den ersten Blick nach einem Wert aussehen, aber keiner sind.
Summen und Zwischensummen an der richtigen Stelle bilden
Die Fußzeile einer Sortiergruppe kann Titel, Anzahl und Summe zeigen, wahlweise einzeln oder in Kombination. Welche Spalten überhaupt summierbar sind, legst du auf der Registerkarte Formatting fest, dort schaltest du die Berechnung der Gesamtsumme je Spalte ein. Dazu kommt die Gesamtsumme über die ganze Liste. Wer diese Einstellungen bewusst setzt, bekommt eine Liste, die sich auf einem Plan genauso lesen lässt wie in der Tabellenkalkulation.
Den Export als Format und nicht als Notlösung behandeln
Über Datei, Export, Reports, Schedule schreibt Revit die Liste als Textdatei mit Trennzeichen. Im Dialog wählst du das Trennzeichen zwischen Tabulator, Leerzeichen, Komma und Semikolon, dazu das Textbegrenzungszeichen und die Frage, ob Spaltenköpfe als eine Zeile oder vollständig mit gruppierten Kopfzellen ausgegeben werden und ob Gruppenkopfzeilen, Fußzeilen und Leerzeilen mitgehen. Für eine Datei, die jemand automatisiert weiterverarbeitet, ist die Antwort meist: eine Kopfzeile, keine Gruppenzeilen.
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Eine Bauteilliste ist eine Sicht auf das Modell, keine Tabelle daneben
Autodesk beschreibt eine Bauteilliste ausdrücklich als weitere Ansicht des Modells, und diese Formulierung ist mehr als eine Metapher. Die Liste zieht ihre Werte aus den Eigenschaften der Bauteile und schreibt sich fort, sobald sich das Modell ändert. Wer eine Wand verschiebt, sieht die neue Fläche in der Raumliste, ohne etwas anzustoßen. Wer die Eigenschaft eines Bauteils ändert, etwa den Hersteller einer Tür, sieht die Änderung in der Türliste. Die Liste ist damit auch ein Werkzeug zur Modellprüfung, nicht nur zur Auswertung.
Diese Kopplung wirkt in beide Richtungen. Ein Wert lässt sich in vielen Fällen direkt in der Liste ändern und wirkt damit auf das Bauteil im Modell. Und eine Zelle in der Liste führt umgekehrt zum Bauteil: Über die Funktion zum Hervorheben im Modell zeigt Revit das zugehörige Element in einer Ansicht an und öffnet dafür bei Bedarf eine weitere Ansicht. Damit wird aus der Liste ein Prüfwerkzeug, mit dem sich fehlende oder unplausible Werte an ihrem Ursprung korrigieren lassen, statt in einer Kopie.
Der praktische Nutzen daraus ist eine Arbeitsweise, die viele Büros zu spät entdecken. Statt die Vollständigkeit von Modelldaten an einem festen Termin zu prüfen, legt man dafür eine eigene Liste an, filtert auf die Bauteile ohne den benötigten Wert und lässt diese Liste dauerhaft offen. Mit der bedingten Formatierung lässt sich zusätzlich einfärben, was eine Vorgabe verletzt. Diese Liste ist keine Lieferung, sondern ein Arbeitsmittel, und sie verhindert genau die Situation, in der zwei Tage vor der Abgabe dreihundert Bauteile eine Angabe brauchen.
Was Revit von sich aus rechnet und was du selbst festlegen musst
Ein Teil der Mengen ergibt sich unmittelbar aus der Geometrie. Flächen, Volumen, Längen und Stückzahlen stehen als Parameter an den Bauteilen bereit und lassen sich unverändert in eine Liste übernehmen. Für die Materialien innerhalb eines Bauteils gibt es dafür den Material Takeoff, der die Unterbestandteile eines Bauteils auflistet und dabei alle Möglichkeiten anderer Listen mitbringt. Jedes Material, das in Revit an einem Bauteil hängt, ist damit auswertbar.
Ein anderer Teil ergibt sich nicht von selbst, weil er von einer Rechenregel abhängt, die im Bauwesen und nicht in der Software steht. Ob ein Fenster von der Wandfläche abgezogen wird, ab welcher Größe eine Öffnung abzugsrelevant ist und ob ein Abzug für eine Rohbaufläche oder eine Fertigfläche gilt, sind Fragen der Abrechnungsvorschrift. Revit liefert dafür die Ausgangsgrößen, die Regel gibst du über berechnete Parameter und über die Struktur der Liste vor. Genau dieser Schritt ist es, der aus einer Modellauswertung eine Mengenermittlung macht.
Für den berechneten Parameter stehen dieselben mathematischen Funktionen zur Verfügung wie im Familieneditor, und er kann auch als Prozentwert angelegt werden, wahlweise bezogen auf die ganze Liste oder auf eine Gruppierungsebene. Wer eine Wandfläche je Geschoss ins Verhältnis zur Gesamtfläche setzen möchte, gruppiert also zuerst nach Geschoss und wählt dieses Feld dann im prozentualen Parameter aus. Diese Kombination ersetzt in vielen Fällen eine nachgelagerte Tabelle vollständig.
Der Übergang aus dem Modell in die Kalkulation
Für die Übergabe gibt es mehrere Wege, und die Entscheidung dazwischen hängt weniger an der Technik als an der Frage, wie oft der Weg beschritten wird. Der direkte Export schreibt die geöffnete Liste als Textdatei mit Trennzeichen, die sich in jeder Tabellenkalkulation öffnen lässt. Für eine einmalige Übergabe ist das der kürzeste Weg. Für eine Liste, die monatlich in dieselbe Zielstruktur soll, lohnt es sich, Trennzeichen, Textbegrenzung und den Umgang mit Kopf- und Gruppenzeilen einmal festzulegen und diese Festlegung schriftlich zu hinterlegen.
Wenn die Zahlen in ein anderes System sollen und nicht in eine Tabelle, kommen zwei weitere Wege in Frage. Revit kann Modelldaten in eine Datenbank über die offene Datenbankschnittstelle schreiben, und mit dem zugehörigen Zusatzwerkzeug lassen sich Daten sogar geändert wieder zurück in das Projekt bringen. Das ist deutlich mehr Einrichtungsaufwand, dafür ist der Weg wiederholbar und maschinell auslesbar. Für Häuser mit eigener Kalkulationssoftware ist das oft die tragfähigere Lösung als eine Kette aus Exportdateien.
Der dritte Weg führt über das offene Austauschformat. Beim IFC-Export lassen sich Grundmengen mitschreiben, die Revit aus der Modellgeometrie erzeugt, und Bauteillisten lassen sich als eigene Eigenschaftssätze mitgeben, wobei der Name der Liste zum Namen des Eigenschaftssatzes wird und die Spaltenüberschriften zu den Namen der Eigenschaften. Damit landen dieselben Werte, die im Modell in einer Liste stehen, auch bei einer Gegenstelle, die kein Revit einsetzt. Welche Voraussetzungen dafür beim Export einzustellen sind, steht auf der Seite zum IFC-Export.
Unabhängig vom Weg gilt eine Regel: Was übergeben wird, braucht einen Stand. Eine Menge ohne Angabe, aus welchem Modellstand sie stammt, ist im Streitfall wertlos. Der Dateiname und ein Datum in der Kopfzeile der Liste kosten nichts und beantworten die häufigste Rückfrage, bevor sie gestellt wird.
Belastbar werden Mengen erst mit den Modellierungsregeln
Die häufigste Ursache für Mengen, denen niemand traut, liegt nicht in der Auswertung, sondern im Modell. Wenn eine Wand in einem Geschoss als ein Bauteil und im nächsten als drei modelliert ist, wenn tragende und nichttragende Wände denselben Typ verwenden oder wenn dieselbe Information einmal im Kommentarfeld und einmal in einem eigenen Parameter steht, kann keine Liste das reparieren. Sie kann es nur sichtbar machen.
Deshalb gehören die Regeln, nach denen modelliert wird, vor die Auswertung. Dazu zählen die Benennung von Typen, die Frage, welche Attribute an einem Bauteil zwingend gefüllt sein müssen, der Detaillierungsgrad je Projektphase und die Festlegung, wer welche Information einträgt. In einem Projekt mit mehreren Beteiligten sind das genau die Punkte, die schriftlich im BIM-Abwicklungsplan stehen, weil sonst jedes Gewerk sie anders auslegt.
Für ein einzelnes Büro genügt oft ein kleinerer Rahmen: eine Projektvorlage mit den benötigten gemeinsamen Parametern, ein Satz vorbereiteter Listen darin und eine Prüfliste, die vor jeder Abgabe die Bauteile ohne Pflichtangabe zeigt. Diese drei Bausteine sind in einem Tag eingerichtet und ersparen über die Projektlaufzeit erheblich mehr Zeit, als sie kosten. Wer sie hat, kann die Frage nach der Menge beantworten, ohne vorher aufzuräumen.
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