Parametrische Bauteile in Revit

Eigene Revit-Familie erstellen: vom Referenzrahmen bis zum Typenkatalog

Der Familieneditor verzeiht am Anfang fast alles und rächt sich später auf einen Schlag. Diese Seite geht die Reihenfolge durch, in der ein parametrisches Bauteil entsteht, und zeigt, woran es liegt, wenn eine fertige Familie im Projekt plötzlich nicht mehr das tut, was sie im Editor getan hat.

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Worum es geht

Im Editor sieht alles richtig aus, im Projekt zerfällt das Bauteil

Der Einstieg in den Familieneditor ist täuschend einfach. Eine Vorlage öffnen, eine Extrusion zeichnen, speichern, ins Projekt laden, fertig. Solange niemand ein Maß ändert, funktioniert dieses Bauteil auch tadellos. Die Schwierigkeiten beginnen in dem Moment, in dem aus dem einen Bauteil eine Familie mit mehreren Typen werden soll. Dann muss die Geometrie sich verlässlich mitbewegen, wenn eine Länge oder eine Höhe einen anderen Wert bekommt, und dafür braucht sie etwas, woran sie sich festhalten kann.

Was dann passiert, kennt jedes Planungsbüro. Beim Anlegen eines zweiten Typs verschiebt sich eine Fläche nicht mit, eine Aussparung wandert aus dem Bauteil heraus, oder Revit meldet beim Platzieren im Projekt schlicht, dass sich der Typ nicht erzeugen lässt. Diese Warnung nennt den Namen der Familie und des Typs und sonst nichts. Sie sagt vor allem nicht, welche der möglichen Ursachen zutrifft, und die Autodesk-Dokumentation führt allein für diesen einen Fall sieben verschiedene auf, von unmöglichen Abhängigkeiten über Formeln mit negativem Ergebnis bis zu Arrays und Gruppen, die sich im Projekt anders verhalten als im Editor.

Die dritte Schwierigkeit ist organisatorisch und fällt erst auf, wenn andere mit der Familie arbeiten sollen. Ob sich ein Bauteil im Projekt überhaupt bemaßen lässt, hängt daran, welche Referenzebenen im Editor als Bezug gekennzeichnet wurden. Ob eine Maßkette beim Austausch eines Bauteils gegen ein anderes stehen bleibt, entscheidet sich ebenfalls dort. Und ob eine Familie mit vierzig Typen im Projekt eine Hilfe oder eine Zumutung ist, hängt davon ab, ob ihre Typen in der Datei stecken oder in einem Typenkatalog daneben liegen.

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Der Aufbau im Detail

Die fünf Bestandteile, aus denen eine belastbare Familie besteht

Eine Familie, die das Flexen übersteht, setzt sich immer aus denselben fünf Bausteinen zusammen. Jeder davon beantwortet eine eigene Frage, und wenn einer fehlt, lässt sich am Symptom meist ablesen, welcher es war. Darunter stehen die Fehlerbilder, die in der Praxis am häufigsten auftreten, mit der Ursache und dem Weg zurück.

Der Aufbau

Familienvorlage (RFT) + Referenzebenen mit Is Reference + beschriftete Maße + Geometrie an die Ebenen gesperrt + Familientypen mit Formeln = Bauteil, das neue Maße verträgt
  1. 01 Die Vorlage legt Kategorie und Hostverhalten fest Familienvorlage (RFT)

    Ladbare Familien entstehen in externen RFA-Dateien und werden ins Projekt geladen, im Unterschied zu Systemfamilien wie Wänden, Decken und Geschossen, die im Projekt vordefiniert sind. Welche Vorlage du wählst, entscheidet über die Kategorie des Bauteils und darüber, ob es einen Host braucht. Beides wirkt sich später auf Sichtbarkeit, Beschriftung, Auswertung und den IFC-Export aus, weil Revit Elemente anhand ihrer Kategorie in IFC-Klassen überführt.

  2. 02 Der Rahmen, an dem im Projekt gemessen wird Referenzebenen mit Is Reference

    Referenzebenen sind der eigentliche Bauplan der Familie. Über die Eigenschaft Is Reference legst du je Ebene fest, ob sie im Projekt bemaßbar und einrastbar ist. Die vergebenen Werte wirken außerdem über die einzelne Familie hinaus: Wenn zwei Familien dieselbe Bezugsseite gleich benennen, bleibt eine Maßkette beim Austausch des einen Bauteils gegen das andere erhalten. Das ist der Unterschied zwischen einem Bauteilkatalog, mit dem sich planen lässt, und einer Sammlung von Einzelstücken.

  3. 03 Aus einer Bemaßung wird ein steuerbarer Wert beschriftete Maße

    Ein Maß zwischen zwei Referenzebenen ist zunächst nur eine Angabe. Erst die Beschriftung macht daraus einen Parameter, der sich im Dialog der Familientypen einstellen und später im Projekt über die Typeneigenschaften oder die Eigenschaftenpalette ändern lässt. Existiert der passende Parameter noch nicht, legst du ihn beim Beschriften an und entscheidest dabei zugleich über Typ oder Instanz. Wer die Geometrie stattdessen direkt bemaßt, bekommt Werte, die sich nicht steuern lassen.

  4. 04 Die Form folgt dem Rahmen, nicht umgekehrt Geometrie an die Ebenen gesperrt

    Die Volumenkörper entstehen als Extrusion, Blend, Revolve, Sweep oder Swept Blend, Aussparungen als Void-Formen, die andere Körper schneiden. Entscheidend ist nicht, welche Form du wählst, sondern dass ihre Kanten und Flächen an die Referenzebenen ausgerichtet und dort gesperrt sind. Eine gesperrte Fläche wandert mit, wenn sich die Ebene bewegt. Eine ungesperrte bleibt liegen, und genau daraus entstehen die Bauteile, die beim zweiten Typ auseinanderlaufen.

  5. 05 Feste Wertesätze und die Beziehungen dazwischen Familientypen mit Formeln

    Ein Familientyp ist ein gespeicherter Satz von Parameterwerten. In der Formelspalte des Dialogs lassen sich Parameter voneinander abhängig machen, etwa eine Blechstärke aus einer Spannweite oder eine Anzahl aus einer Länge. Formeln sind der wirksamste Hebel gegen unsinnige Kombinationen, aber auch die häufigste Ursache für Bauteile, die sich nicht erzeugen lassen, weil ein Ergebnis negativ wird. Prüf deshalb bei jeder Formel, die Geometrie steuert, was am unteren und oberen Rand des Wertebereichs herauskommt.

Wenn es nicht funktioniert

Das siehst du

Beim Platzieren im Projekt erscheint die Warnung, dass sich der Typ nicht erzeugen lässt. Im Familieneditor sah dieselbe Familie unauffällig aus.

Warum

Die Geometrie lässt sich für diese Wertekombination nicht bilden. Autodesk nennt dafür mehrere typische Auslöser: Abhängigkeiten, die eine bestimmte Form unmöglich machen, Formeln, deren Ergebnis negativ wird und die dabei Geometrie steuern, Formen, die sich beim Flexen selbst durchdringen oder deren Fläche zu klein wird, Void-Körper, die nur noch einen hauchdünnen Rest stehen lassen, sowie abweichende Hostbedingungen zwischen Editor und Projekt.

Was hilft

Öffne die Familie im Editor und geh die Liste der Reihe nach durch, statt zu raten. Nimm zuerst die Abhängigkeiten testweise heraus und flexe erneut, dann die Formeln, dann die Void-Körper. Wenn die Familie einen Host braucht, stell die Hostbedingung im Editor so ein, wie sie im Projekt tatsächlich vorliegt, und prüf dort noch einmal. Danach zurück ins Projekt laden und das Verhalten bestätigen, bevor der nächste Umbau folgt.

Das siehst du

Ein Maß im Projekt lässt sich nicht an die Kante des Bauteils setzen, sondern springt immer auf die Wandachse oder auf eine Stelle mitten im Bauteil.

Warum

Die Referenzebene an dieser Kante hat keine oder eine zu schwache Bezugspriorität. Der Standardwert für neu gezeichnete Referenzebenen und Referenzlinien ist Weak Reference, und eine Weak Reference wird beim Bemaßen erst nach allen Strong References angeboten. Steht die Eigenschaft auf not a reference, ist die Stelle im Projekt überhaupt nicht ansprechbar.

Was hilft

Setz im Editor die Eigenschaft Is Reference der betreffenden Ebene auf Strong Reference und lade die Familie neu ins Projekt. Für die Seiten, an denen üblicherweise gemessen wird, lohnt es sich, die vorgegebenen Bezeichnungen zu verwenden, weil Maßketten dann auch beim Tausch gegen eine andere Familie mit denselben Bezeichnungen stehen bleiben. Auf eine Weak Reference kommst du im Projekt weiterhin über die Tabulatortaste.

Das siehst du

Ein Array oder eine Gruppe innerhalb der Familie verhält sich im Projekt anders als im Editor, einzelne Elemente fehlen oder sitzen falsch.

Warum

Autodesk führt beides ausdrücklich als Ursache für Bauteile auf, die sich nicht erzeugen lassen. Arrays, deren Elemente nicht abhängig gemacht wurden, verlieren beim Ändern der Parameter ihren Bezug. Gruppierte Geometrie erzeugt im Projekt nicht zuverlässig dasselbe Ergebnis wie im Editor, weil die Gruppe eine eigene Verwaltungsebene mitbringt.

Was hilft

Ersetz gruppierte Geometrie durch eine geschachtelte Familie, also durch ein eigenes Bauteil, das in die größere Familie geladen wird. Autodesk nennt das für Arrays ebenfalls als verlässlicheren Weg. Prüf beim Array außerdem, ob die Anzahl über einen Parameter gesteuert wird und ob das erste und das letzte Element an Referenzebenen hängen.

Das siehst du

Ein selbst angelegter Parameter erscheint im Projekt nicht in der Bauteilliste oder lässt sich nicht mit einer Beschriftung ausgeben.

Warum

Der Parameter wurde als reiner Familienparameter angelegt. Solche Parameter steuern die Geometrie innerhalb der Familie, sind außerhalb davon aber unsichtbar. Für Werte, die über die Familie hinaus gebraucht werden, sieht Revit gemeinsame Parameter vor, die in einer eigenen Datei definiert sind und dadurch in mehreren Familien und im Projekt denselben Parameter bezeichnen.

Was hilft

Leg den Parameter als gemeinsamen Parameter an und füg ihn den Familien zu, die ihn tragen sollen. Achte darauf, dass wirklich alle beteiligten Familien denselben gemeinsamen Parameter benutzen und nicht einen gleichnamigen eigenen, denn in einer Bauteilliste tauchen nur die Kategorien auf, in denen der gewählte gemeinsame Parameter auch vorhanden ist.

Das siehst du

Der Typenkatalog erscheint beim Laden gar nicht oder zeigt Typen ohne Werte an.

Warum

Der Katalog wird nur angeboten, wenn die Textdatei denselben Namen trägt wie die Familie und im selben Verzeichnis liegt. Fehlen Werte, hängt das meist an zwei dokumentierten Eigenheiten: Parameternamen im Katalog unterscheiden Groß- und Kleinschreibung, und für Systemparameter muss in der Familie bereits ein Wert hinterlegt sein, damit der Wert aus dem Katalog überhaupt übernommen wird.

Was hilft

Erzeug den Katalog nicht von Hand, sondern über den Export der Familientypen aus der geöffneten Familie. Dabei entsteht eine Textdatei mit korrektem Namen im richtigen Verzeichnis, deren erste Zeile die Parameterdeklaration samt Datentyp und Einheit enthält. Diese Datei erweiterst du im Texteditor um weitere Zeilen je Typ. Beachte, dass nur Parameter exportiert werden, die in der Familie einen Wert haben.

Die Reihenfolge, in der eine belastbare Familie entsteht

  1. 01 Welche Vorlage passt zur Kategorie und zum Hostverhalten des Bauteils?
  2. 02 Wo liegt der Ursprung, und welche Referenzebenen bilden den Rahmen?
  3. 03 Welche dieser Ebenen sollen im Projekt bemaßbar sein, brauchen also eine Strong Reference?
  4. 04 Welche Maße werden zu Parametern, und gelten sie für den Typ oder für die Instanz?
  5. 05 Ab welcher Zahl von Typen wandern die Werte in einen Typenkatalog statt in die Datei?
Was du mitnimmst

Die Reihenfolge, die den Unterschied macht

Autodesk beschreibt den Weg zu einer ladbaren Familie als abgestuften Ablauf, und diese Abstufung ist keine Formsache. Jeder Schritt legt fest, woran der nächste sich festmachen kann. Sieben Entscheidungen tragen dabei den größten Teil des Ergebnisses.

Erst die Vorlage wählen, dann alles andere

Eine ladbare Familie entsteht aus einer Familienvorlage, einer Datei mit der Endung RFT. Diese Vorlage legt fest, zu welcher Kategorie das Bauteil gehört und wie es sich zu seinem Host verhält, also ob es in einer Wand sitzt, auf einer Fläche, an einer Decke oder frei im Raum. Das lässt sich später nur mit erheblichem Aufwand korrigieren. Zehn Minuten Überlegung an dieser Stelle ersparen den Umbau der halben Familie.

Den Ursprung bewusst setzen

Der Ursprung bestimmt, wo das Bauteil landet, wenn es ins Modell geladen und platziert wird. Autodesk empfiehlt, ihn am Schnittpunkt der beiden Hauptreferenzebenen zu definieren. Wer diesen Punkt später verschiebt, verschiebt alle bereits platzierten Instanzen im Projekt mit, und genau daraus entstehen die Rückfragen, warum sich nach einem Familientausch plötzlich hunderte Bauteile bewegt haben.

Den Referenzrahmen vor der Geometrie aufbauen

Bevor die erste Extrusion entsteht, gehören die Referenzebenen an ihre Stelle, an denen sich später etwas ändern soll: an die Außenkanten, an die Achsen, an die Anschlusspunkte. Die Geometrie wird anschließend an diese Ebenen ausgerichtet und gesperrt. Nur so bewegt sich die Form mit, wenn ein Parameter einen neuen Wert bekommt. Umgekehrt betrachtet: Eine Fläche, die an keiner Referenzebene hängt, bleibt beim Ändern eines Maßes stehen.

Bezugspriorität vergeben, bevor jemand im Projekt bemaßt

Jede Referenzebene hat die Eigenschaft Is Reference. Sie entscheidet darüber, ob sich im Projekt an diese Stelle bemaßen und einrasten lässt. Eine Strong Reference wird beim Bemaßen zuerst angeboten und hat Vorrang selbst vor der Wandachse, eine Weak Reference erreichst du erst über die Tabulatortaste, und was auf not a reference steht, ist im Projekt gar nicht ansprechbar. Der Standardwert für neu gezeichnete Ebenen und Linien ist Weak Reference, das heißt: Ohne bewusste Vergabe bekommt niemand eine brauchbare Maßkette.

Maße beschriften, statt Parameter hinterher zu suchen

Aus einem Maß wird ein Parameter, indem du es beschriftest. Beim Beschriften entscheidest du zugleich, ob der Parameter für den Typ oder für die einzelne Instanz gilt, und diese Entscheidung ist die folgenreichste der ganzen Familie. Ein Typparameter gilt für alle Bauteile desselben Typs und lässt sich später bequem in einer Bauteilliste auswerten, ein Instanzparameter erlaubt jedem einzelnen Bauteil einen eigenen Wert und erzeugt im Projekt einen Ziehgriff, sofern die zugehörige Referenzebene als Bezug gekennzeichnet ist.

Nach jeder Änderung flexen, nicht erst am Ende

Flexen heißt, im Dialog der Familientypen die Werte durchzuspielen, und zwar bis an die Ränder dessen, was jemand später eingeben könnte. Autodesk nennt das ausdrücklich als bewährtes Vorgehen und rät, sowohl im Editor als auch im Projekt zu prüfen. Der Grund dafür ist unangenehm einfach: Ein Fehler, den du nach drei Änderungen findest, hat drei Verdächtige. Ein Fehler, den du nach dreißig Änderungen findest, hat dreißig.

Ab sechs Typen gehört der Typenkatalog dazu

Autodesk empfiehlt einen Typenkatalog für Familien mit sechs oder mehr Typen. Der Katalog ist eine Textdatei mit demselben Namen wie die Familie, die im selben Verzeichnis liegt. Beim Laden erscheint dann eine Auswahl, aus der nur die tatsächlich benötigten Typen ins Projekt wandern. Das hält die Projektdatei klein und den Typenselektor übersichtlich. Den Grundstock dafür musst du nicht abtippen, sondern kannst ihn über den Export der Familientypen aus der fertigen Familie erzeugen lassen.

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Drei Arten von Familien, und nur eine davon baust du selbst

Revit kennt Systemfamilien, ladbare Familien und Familien vor Ort. Systemfamilien erzeugen die Bauteile, die auf der Baustelle zusammengefügt werden, also Wände, Dächer, Decken, Kanäle und Rohre, und dazu die Einstellungen, die die Projektumgebung ausmachen, etwa Geschosse, Achsen, Pläne und Ansichtsfenster. Sie sind im Projekt vordefiniert, werden nicht aus externen Dateien geladen und lassen sich auch nicht außerhalb des Projekts ablegen. Was du an ihnen einstellst, sind Typen, nicht die Familie selbst.

Ladbare Familien sind die, um die es hier geht. Sie bilden Bauteile ab, die üblicherweise gekauft, geliefert und eingebaut werden: Fenster, Türen, Einbaumöbel, Sanitärobjekte, Möblierung, Bepflanzung, ebenso technische Komponenten wie Kessel, Warmwasserbereiter und Lüftungsgeräte, und schließlich einen Teil der Beschriftungselemente wie Symbole und Plankopfvorlagen. Sie entstehen in externen RFA-Dateien und werden ins Projekt geladen. Weil sie so weitgehend anpassbar sind, sind sie auch die Familien, die in der Praxis am häufigsten selbst erstellt und verändert werden.

Familien vor Ort sind der Sonderfall für ein einzelnes, nur in diesem Projekt vorkommendes Bauteil. Revit legt dafür intern ebenfalls eine Familie an, allerdings mit genau einem Typ, und die Bearbeitung nutzt weitgehend dieselben Werkzeuge wie der Familieneditor. Der Preis ist, dass sich diese Geometrie nicht wiederverwenden lässt und im Projekt bleibt. Als Faustregel gilt: Alles, was mehr als einmal vorkommt oder in einem zweiten Projekt gebraucht wird, gehört in eine ladbare Familie.

Was die Bezugspriorität im Projekt tatsächlich bewirkt

Is Reference wird gern für eine Feinheit gehalten und ist tatsächlich der Punkt, an dem sich entscheidet, ob mit einer Familie gearbeitet werden kann. Die Eigenschaft steuert drei Dinge zugleich: ob sich im Projekt an diese Stelle bemaßen lässt, ob temporäre Maße und das Einrasten dort andocken, und ob ein Instanzparameter, der an dieser Ebene hängt, im Projekt einen Ziehgriff bekommt. Ziehgriffe entstehen laut Dokumentation nur an Instanzparametern, die an Referenzebenen mit starker oder schwacher Priorität hängen.

Der Unterschied zwischen den drei Stufen ist im Alltag deutlich spürbar. Eine Strong Reference wird beim Bemaßen zuerst hervorgehoben und hat Vorrang selbst vor dem Bezugspunkt der Wand, an der ein Bauteil sitzt. Eine Weak Reference ist erreichbar, aber erst nachdem alle starken Bezüge durchgeschaltet sind, was in der Praxis bedeutet: mehrfach die Tabulatortaste drücken und dabei genau hinsehen. Und was auf not a reference steht, existiert für die Bemaßung im Projekt schlicht nicht.

Der interessanteste Effekt betrifft den Austausch von Bauteilen. Revit stellt neben den frei benennbaren Stufen auch feste Bezeichnungen für die Seiten eines Bauteils bereit, also für links, rechts, vorn, hinten, oben, unten und die jeweiligen Mitten. Wenn zwei Familien dieselbe Seite mit derselben Bezeichnung führen, bleibt eine Maßkette erhalten, wenn im Projekt die eine Familie gegen die andere getauscht wird. Autodesk führt das am Beispiel von Tisch und Stuhl sowie von WC und Waschbecken vor. Für einen Bauteilkatalog, der im Büro über Jahre wächst, ist das die eigentlich wichtige Vereinbarung.

Typ, Instanz oder Typenkatalog

Die Entscheidung zwischen Typ- und Instanzparameter fällt beim Beschriften eines Maßes und wird danach selten noch einmal angefasst. Ein Typparameter beschreibt eine Eigenschaft, die alle Bauteile desselben Typs teilen, etwa das Türblattmaß eines bestimmten Türtyps. Ein Instanzparameter erlaubt jedem einzelnen Bauteil einen eigenen Wert, etwa die Brüstungshöhe eines Fensters. Als Prüffrage taugt: Würde ein Katalog des Herstellers diesen Wert als eigene Artikelnummer führen? Dann ist es ein Typ.

Sobald eine Familie viele Typen bekommt, kippt der Nutzen ins Gegenteil. Autodesk beschreibt den Effekt am Beispiel eines Stahlprofils: Wer die gesamte Profilfamilie lädt, muss im Typenselektor durch dutzende Einträge scrollen, um einen einzigen zu finden, und trägt die Datenmenge aller übrigen im Projekt mit. Der Typenkatalog löst genau das, indem er die Auswahl vor das Laden zieht. Empfohlen wird er ab sechs Typen, was in der Praxis heißt: Jede ernsthafte Profil-, Beschlag- oder Leuchtenfamilie braucht einen.

Der Aufbau des Katalogs ist schlicht. Die erste Zeile ist die Parameterdeklaration und beginnt mit dem Trennzeichen, danach folgt je Parameter der Name, der Parametertyp und die Einheit. Jede weitere Zeile beschreibt einen Typ, beginnend mit dem Typnamen und gefolgt von den Werten in derselben Reihenfolge. Weil sich die Grundfassung über den Export der Familientypen erzeugen lässt, ist der Aufwand überschaubar. Beim Laden erscheint dann eine Auswahl, in der sich mehrere Typen gleichzeitig markieren und über die Spalten filtern lassen.

Was eine Familie zur Teamfamilie macht

Eine Familie, die nur ihr Autor bedienen kann, ist im Büro wenig wert. Der erste Schritt zu einer, mit der andere arbeiten können, ist die Benennung: Parameter tragen Namen, die im Projekt in Bauteillisten und Beschriftungen auftauchen, und die dortige Lesbarkeit entscheidet, ob jemand die Familie verwendet oder eine eigene baut. Der zweite Schritt sind gemeinsame Parameter für alles, was ausgewertet oder beschriftet werden soll, denn nur sie bezeichnen über Familien und Projekte hinweg dasselbe Merkmal.

Der dritte Schritt ist die Prüfung im Projekt und nicht nur im Editor. Autodesk empfiehlt ausdrücklich, eine Familie in beiden Umgebungen häufig zu testen und zu flexen, während sie entsteht. Der Grund ist, dass sich einige Fehlerbilder überhaupt erst im Projekt zeigen, etwa abweichende Hostbedingungen oder das Verhalten von Aussparungen, die nicht nur die Familie, sondern auch den Host schneiden. Ein kurzer Testlauf in einer leeren Datei mit einer Wand, einer Decke und einem Geschoss reicht dafür meistens aus.

Der vierte Schritt ist die Ablage. Familien, die im Netzwerkordner in fünf Fassungen mit angehängten Datumsangaben liegen, erzeugen genau die Uneindeutigkeit, die eine parametrische Familie eigentlich verhindern sollte. Eine benannte Ablage mit einer gültigen Fassung je Bauteil, und dazu die Vereinbarung, wer sie ändern darf, kostet nichts und ist wirksamer als jede Verbesserung an einer einzelnen Familie. Welche Vorgaben dafür in einem größeren Projekt ohnehin schriftlich festgehalten werden müssen, steht im BIM-Abwicklungsplan.

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Häufige Fragen

Kann ich die Kategorie einer fertigen Familie nachträglich ändern?
Technisch lässt sich die Familienkategorie im Editor umstellen, praktisch ist das selten der ganze Weg. Die Vorlage bestimmt neben der Kategorie auch das Hostverhalten, also ob ein Bauteil eine Wand, eine Fläche oder einen anderen Träger braucht, und dieser Teil hängt an der Vorlage und nicht an der Kategorieeinstellung. Wenn Kategorie und Hostverhalten beide nicht passen, ist der Neuaufbau aus der richtigen Vorlage meist schneller als die Reparatur.
Woran erkenne ich, ob ein Parameter besser Typ oder Instanz ist?
Frag dich, ob zwei nebeneinander eingebaute Bauteile desselben Typs bei diesem Wert unterschiedlich sein dürfen. Dürfen sie es, ist es ein Instanzparameter, sonst ein Typparameter. Ein Nebeneffekt ist, dass Instanzparameter im Projekt einen Ziehgriff erzeugen können, allerdings nur, wenn die zugehörige Referenzebene eine starke oder schwache Bezugspriorität hat. Wo ein Bauteil sich beim Ziehen verformen soll, brauchst du also beides.
Warum bricht die Familie erst bei bestimmten Maßen?
Weil die Geometrie sich nur für diese Wertekombination nicht mehr bilden lässt. Typisch sind Formeln, deren Ergebnis in einem Randbereich negativ wird, Formen, die sich bei kleinen Werten selbst durchdringen, und Aussparungen, die vom Restquerschnitt nur noch einen sehr dünnen Streifen übrig lassen. Deshalb ist es wichtig, beim Flexen nicht nur plausible Werte zu testen, sondern ausdrücklich die Ränder des Wertebereichs.
Brauche ich Dynamo, um Familien parametrisch zu machen?
Nein. Der Familieneditor deckt Abhängigkeiten, beschriftete Maße, Formeln und Typen vollständig ab, und für ein einzelnes Bauteil ist das der direkte Weg. Dynamo lohnt sich dort, wo dieselbe Änderung an vielen Familien oder vielen Objekten im Projekt gleichzeitig anfällt, etwa beim Umbenennen von Parametern über einen ganzen Bestand hinweg. Als Ersatz für einen sauberen Referenzrahmen taugt es nicht.
Lohnt es sich, Herstellerfamilien zu verwenden oder selbst zu bauen?
Beides hat seinen Platz. Herstellerdateien sparen den Aufbau, bringen aber oft eine Detaillierung mit, die im Modell unnötig Leistung kostet, und selten die Parameter, die im eigenen Büro ausgewertet werden. Die häufigste tragfähige Antwort ist eine eigene, schlanke Familie mit den eigenen gemeinsamen Parametern, die im Bedarfsfall die Herstellergeometrie als geschachtelte Familie aufnimmt.
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