Nach dem Harvard-Konzept verhandeln: Interessen statt Positionen

Du sitzt in Gehalts-, Preis- oder Projektverhandlungen und willst nicht mehr zwischen faulen Kompromissen und offenem Konflikt wählen. Im Verhandlungstraining nach dem Harvard-Konzept lernst du, hart in der Sache und fair zum Menschen zu verhandeln, damit am Ende ein Ergebnis steht, das trägt.

Führungskräfte im Gespräch, Symbolbild zum Bereich Verhandeln & Durchsetzen
KI-generiertDieses Bild wurde mit KI erzeugt · Yves Hoppe / KI / cmt
Seit 1997 am Markt Präsenz & Live-Online 4,9 aus 503 Google-Bewertungen Auch Inhouse für dein Team

Warum viele Verhandlungen unter Wert enden

Als Führungskraft verhandelst du ständig, mit Kunden über Preise, mit dem Einkauf über Konditionen, mit deinem Team über Ziele und Ressourcen. Oft läuft es nach dem gleichen Muster ab: Beide Seiten beziehen Positionen, pochen darauf und feilschen sich irgendwann zu einem Kompromiss, mit dem am Ende niemand wirklich zufrieden ist. Du gibst nach, um die Beziehung nicht zu belasten, oder du setzt dich durch und zahlst dafür später einen Preis.

Genau hier zeigt sich die Schwäche des klassischen Feilschens. Wer nur um Positionen ringt, verliert den Blick für die eigentlichen Interessen dahinter und lässt Lösungen liegen, von denen beide Seiten profitieren könnten. Besonders unangenehm wird es, wenn dein Gegenüber mit Druck, Tricks oder emotionalen Ausbrüchen arbeitet und du nicht weißt, wie du sachlich bleibst, ohne dich über den Tisch ziehen zu lassen.

Das Harvard-Konzept, bekannt aus dem Standardwerk „Getting to Yes“, dreht diese Logik um. Statt über Positionen zu streiten, verhandelst du über Interessen und nach fairen Kriterien. Das klingt einfach, will aber trainiert sein, gerade wenn es hart auf hart kommt und du unter Zeitdruck stehst.

Grafik: Feilschen um Positionen im Vergleich zum Verhandeln über Interessen. Links: Jede Seite nennt eine Zahl, man trifft sich in der Mitte, niemand ist wirklich zufrieden, die Beziehung leidet. Rechts: Beide sagen, worauf es ihnen ankommt, der Spielraum wird größer als die Mitte, beide tragen das Ergebnis mit, ihr könnt morgen weiter zusammenarbeiten
KI-generiertDieses Bild wurde mit KI erzeugt · Yves Hoppe / KI / cmt

So bereitest du deine nächste Verhandlung nach Harvard vor

Die meisten Verhandlungen werden vor dem Termin gewonnen. Wer seine Interessen, die des Gegenübers und seine eigene Alternative kennt, muss am Tisch nicht mehr pokern, sondern kann gezielt nach einer Lösung suchen.

Grafik: Die Prinzipien, auf denen das Harvard-Konzept steht: Mensch und Sache trennen, Interessen statt Positionen, Optionen für beide Seiten, objektive Kriterien anlegen, deine BATNA kennen
KI-generiertDieses Bild wurde mit KI erzeugt · Yves Hoppe / KI / cmt
  1. 1

    Beziehung und Sache getrennt planen

    Notiere vorab zwei Dinge getrennt: worum es in der Sache geht und wie du mit deinem Gegenüber auch nach der Verhandlung zusammenarbeiten willst. Wenn es hitzig wird, weißt du dann, dass du in der Sache fest bleiben kannst, ohne die Person anzugreifen.

  2. 2

    Hinter jede Position ein Warum schreiben

    Schreib deine Forderung auf und darunter, warum sie dir wichtig ist. Mach dasselbe für die andere Seite, so gut du es einschätzen kannst. Im Gespräch prüfst du deine Vermutungen mit Fragen, statt sie als Tatsache zu behandeln.

  3. 3

    Mehrere Optionen mitbringen

    Geh nicht mit einer einzigen Lösung in den Termin. Überlege dir drei Varianten, die verschiedene Interessen bedienen, etwa bei Laufzeit, Umfang, Zeitpunkt oder Zusatzleistungen. Je mehr Stellschrauben auf dem Tisch liegen, desto seltener landet ihr beim Kompromiss in der Mitte.

  4. 4

    Faire Maßstäbe vorbereiten

    Such dir nachvollziehbare Kriterien, an denen sich ein Ergebnis messen lässt: Marktpreise, interne Richtlinien, vergleichbare Abschlüsse, Aufwandsschätzungen. Wer sich auf einen Maßstab beruft, muss nicht mehr über Macht verhandeln.

  5. 5

    Deine BATNA klären und eine Grenze setzen

    Kläre, was du tust, wenn ihr euch nicht einigt, und mach diese Alternative so konkret wie möglich. Daraus ergibt sich deine Untergrenze. Ein Angebot, das schlechter ist als deine Alternative, lehnst du ab, auch wenn der Druck im Raum hoch ist.

Was du besser lässt

  • Zu früh die eigene Zahl nennen Wer sofort ein Angebot auf den Tisch legt, verhandelt nur noch über diese Zahl. Frag erst nach den Interessen und lege dann eine begründete Option vor.
  • Nachgeben, um die Beziehung zu retten Ein Zugeständnis in der Sache kauft keine gute Beziehung. Bleib freundlich zum Menschen und klar in der Sache, beides geht zusammen.
  • Ohne Alternative verhandeln Wer nicht weiß, was er ohne Einigung tut, akzeptiert am Ende fast alles. Kläre deine BATNA, bevor du in den Termin gehst.
Formulierungen

Sätze, die du so sagen kannst

Nimm sie als Startpunkt und sag sie in deinen eigenen Worten. Wichtig ist der Gedanke dahinter, nicht der genaue Wortlaut.

Wenn das Gegenüber nur eine Zahl nennt
„Bevor wir über die Zahl reden: Was ist dir bei dieser Lösung am wichtigsten? Dann verstehe ich besser, wo wir Spielraum haben.“
Wenn die Positionen festgefahren sind
„Wir drehen uns gerade im Kreis. Lass uns kurz sammeln, welche Möglichkeiten es gibt, ohne sie gleich zu bewerten.“
Wenn du einen fairen Maßstab ins Spiel bringst
„Woran können wir beide festmachen, ob das ein fairer Preis ist? Ich schlage vor, wir schauen auf die Konditionen aus dem letzten Rahmenvertrag.“
Wenn Druck aufgebaut wird
„Ich merke, dass es jetzt schnell gehen soll. Ich entscheide nicht unter Zeitdruck, aber ich melde mich bis morgen Mittag mit einer Antwort.“
Wenn du ein Angebot ablehnst
„Das liegt unter dem, was ich anderweitig erreichen kann. Wenn wir beim Umfang flexibel werden, können wir aber weiterreden.“

Was du im Training konkret lernst

Im cmt-Seminar „Gute Verhandlungs-Techniken“ übst du die vier Prinzipien des Harvard-Konzepts und die BATNA an echten Verhandlungssituationen aus deinem Alltag, bis sie auch unter Druck sitzen. Am Ende hast du einen klaren Fahrplan für deine nächste schwierige Verhandlung.

Mensch und Sache trennen

Du lernst, hart in der Sache zu bleiben und trotzdem wertschätzend mit deinem Gegenüber umzugehen, damit die Beziehung auch nach einer harten Verhandlung Bestand hat.

Interessen statt Positionen verhandeln

Du erkennst, was dein Gegenüber wirklich braucht, und findest Lösungen, die mehr Spielraum eröffnen als reines Feilschen um Zahlen je könnte.

Optionen zum beiderseitigen Vorteil entwickeln

Du trainierst, den Kuchen erst zu vergrößern, bevor er verteilt wird, und so tragfähige Win-win-Ergebnisse statt fauler Kompromisse zu erzielen.

Objektive Kriterien nutzen

Du stützt deine Forderungen auf nachvollziehbare Maßstäbe wie Marktpreise oder Standards, statt in einen reinen Machtkampf zu geraten.

Deine beste Alternative kennen (BATNA)

Du bestimmst vor jeder Verhandlung deine beste Alternative und verhandelst dadurch souveräner, weil du weißt, wann ein Nein für dich besser ist als ein schlechtes Ja.

Harte Taktiken souverän kontern

Du übst, mit Druck, Tricks und emotionalen Angriffen umzugehen und das Gespräch immer wieder zurück auf die sachliche Ebene zu führen.

Wissen prüfen

Wie sicher bist du beim Thema wirklich?

Lesen fühlt sich schnell nach Können an. Ein kurzer Test zeigt dir, was davon schon sitzt und wo sich ein Kurs lohnt. Kostenlos, ohne Anmeldung, mit einer Erklärung zu jeder Antwort.

Häufige Fragen

Noch etwas offen? Wir sind ohne Warteschleife für dich da.

Frag uns direkt
Was ist das Harvard-Konzept einfach erklärt?
Das Harvard-Konzept ist eine Methode für sachbezogenes Verhandeln, die im Harvard Negotiation Project entwickelt und von Roger Fisher und William Ury im Buch „Getting to Yes“ beschrieben wurde. Die Grundidee lautet: hart in der Sache, fair zum Menschen. Statt um starre Positionen zu feilschen, verhandelst du über die dahinterliegenden Interessen und suchst nach Lösungen, von denen beide Seiten profitieren.
Für wen eignet sich ein Verhandlungstraining nach dem Harvard-Konzept?
Das Training richtet sich an Führungskräfte, Team- und Projektleiter sowie alle, die regelmäßig verhandeln, etwa im Vertrieb, Einkauf oder in HR. Vorkenntnisse brauchst du keine. Du solltest lediglich bereit sein, an eigenen Verhandlungssituationen zu arbeiten und Neues auszuprobieren.
Was bedeutet BATNA?
BATNA steht für Best Alternative to a Negotiated Agreement, also deine beste Alternative, falls die Verhandlung scheitert. Wer seine BATNA kennt, verhandelt selbstbewusster, weil klar ist, ab welchem Punkt ein Abbruch besser ist als ein schlechter Abschluss. Im Seminar lernst du, deine BATNA vor jeder Verhandlung zu bestimmen.
Kann ich mit dem Harvard-Konzept auch harte Verhandlungen führen?
Ja. Das Harvard-Konzept ist kein Weichspüler. Du bleibst konsequent in der Sache und vertrittst deine Interessen klar, führst das Gespräch aber immer wieder auf eine sachliche Ebene zurück. Genau der Umgang mit Druck, Tricks und harten Taktiken ist ein Schwerpunkt im Training.
Findet das Verhandlungstraining auch Live-Online statt?
Viele cmt-Seminare bieten wir sowohl als Präsenzveranstaltung als auch im Live-Online-Format an. So kannst du wählen, was besser in deinen Alltag passt. Die aktuellen Termine und Formate findest du direkt beim Seminar „Gute Verhandlungs-Techniken“.
Norbert Jansen, Leiter Management-Trainings bei cmt
Nächster Schritt

Verhandeln, damit das Ergebnis trägt

Im Seminar „Gute Verhandlungs-Techniken“ übst du das Harvard-Konzept an deinen echten Verhandlungssituationen. Wenn du dir unsicher bist, welches Format zu dir passt, beraten wir dich gern persönlich und finden gemeinsam das passende Training für dich und dein Team.

Norbert Jansen Leiter Management-Trainings bei cmt