Dual Stack einführen

IPv6 Schritt für Schritt ins Firmennetz bringen

Erst Adressplan und Firewall, dann Dienste, zuletzt die Clients: Mit dieser Reihenfolge entsteht keine ungeschützte zweite Tür ins Netz.

KI-generiertDieses Bild wurde mit KI erzeugt · Yves Hoppe / KI / cmt
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Kurz gesagt

IPv6 führst du im Unternehmen in vier Etappen ein. Zuerst kommen Präfix und Adressplan, dann Kern, Routing und eine Firewall mit Regeln, die denen für IPv4 gleichwertig sind. Danach folgen DNS, Dienste und Monitoring, und erst zum Schluss die Clients mit SLAAC oder DHCPv6 und RA Guard an den Access Ports. Jede Etappe ist fertig, wenn ein festgelegter Prüfpunkt erfüllt ist, etwa eine erfolgreiche Verbindung über IPv6 zu jedem Kerndienst oder eine Firewall, die für IPv6 dieselben Treffer protokolliert wie für IPv4. Dual Stack ist dabei der Normalfall, IPv6 only der Ausnahmefall für einzelne Segmente.

Stand dieser Seite: 25.10.2026

01 Worum es geht

IPv6 ist längst da, auch wenn es niemand eingeführt hat

Das BSI weist darauf hin, dass IPv6 in allen aktuellen Betriebssystemen standardmäßig aktiviert ist und dass auch reine IPv4-Netze davon betroffen sind. Jeder Windows-Client, jeder Linux-Server und jedes Smartphone hat eine Link-Local-Adresse und hört auf Router Advertisements. Wer IPv6 nicht plant, hat es trotzdem im Netz, nur ohne Regeln und ohne Überwachung.

Das Risiko ist konkret: Ein Gerät, das sich als Router ausgibt und Router Advertisements verschickt, kann Clients ein eigenes Präfix und sich selbst als Gateway zuweisen. Weil Betriebssysteme IPv6 nach RFC 6724 in der Regel bevorzugen, läuft Verkehr dann über dieses Gerät, an der IPv4-Firewall vorbei. Ein Netz, das IPv6 ignoriert, hat eine Tür, die niemand abschließt.

Der umgekehrte Fehler ist genauso verbreitet: IPv6 wird an einem Freitag am Kernrouter eingeschaltet, die Clients bekommen Adressen, aber die Firewall hat für IPv6 nur eine Regel, nämlich alles erlauben. Oder sie hat gar keine, und dank Happy Eyeballs fällt das niemandem auf, weil die Clients nach einer Viertelsekunde auf IPv4 ausweichen. Ein kaputtes IPv6 produziert so keine Tickets, sondern nur Verzögerungen, die niemand zuordnet.

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02 Schritt für Schritt

Der Ablauf vom Präfix bis zum Client

Die Schritte bauen aufeinander auf. Jeder nennt ein Ergebnis, das vorliegen muss, bevor der nächste beginnt, und an dem du den Projektstand jederzeit ablesen kannst.

  1. 1

    Bestand aufnehmen und Ziel festlegen

    Erfasse, welche Geräte, Betriebssysteme und Anwendungen IPv6 unterstützen, welche Firewalls und Load Balancer es filtern können und wo IPv6 heute schon unkontrolliert läuft. Ein Mitschnitt an einem Access Port zeigt in wenigen Minuten, ob Router Advertisements oder Tunnelprotokolle unterwegs sind. Lege dann das Ziel fest: Dual Stack für welche Bereiche, IPv6 only für welche einzelnen Segmente, und in welcher Reihenfolge die Standorte folgen.

    Ergebnis: Eine Liste der Systeme mit IPv6-Fähigkeit, eine Liste der Blocker und ein schriftliches Zielbild mit Reihenfolge der Bereiche.

  2. 2

    Präfix beschaffen und Adressplan schreiben

    Kläre mit dem Provider die Präfixgröße je Standort und ob sie beständig ist; RIPE-690 nennt /48 für Geschäftskunden als gängige Option und empfiehlt persistente Präfixe. Für viele Standorte oder Provider-Unabhängigkeit kommt eigener PI-Adressraum über eine LIR in Frage. Verteile das Präfix nach einem Schema, das Standort und Funktion aus dem IPv4-Plan in der Subnetz-ID wiederholt, und trage es ins IPAM ein.

    Ergebnis: Ein Präfix je Standort im IPAM, ein /64 je VLAN zugewiesen, Transfernetze und Loopbacks reserviert.

  3. 3

    Kern und Routing aktivieren

    Schalte IPv6-Routing auf Core und Distribution ein, vergib Adressen auf Transfernetzen und Loopbacks und aktiviere das Routingprotokoll, bei OSPF zum Beispiel OSPFv3. Die Access-VLANs bleiben noch ohne IPv6-Adresse am Gateway, so dass kein Client ein Router Advertisement aus dem Produktivnetz bekommt.

    Ergebnis: Alle Kernrouter sehen die Präfixe aller Standorte in der Routingtabelle, und ein Ping zwischen den Loopbacks gelingt über IPv6.

  4. 4

    Firewall und Perimeter gleichwertig zu IPv4 absichern

    Übertrage jede IPv4-Regel in eine IPv6-Regel, ergänze die nach RFC 4890 notwendigen ICMPv6-Typen, insbesondere Packet Too Big, und sperre Tunnelprotokolle wie 6in4 und Teredo, die du nicht bewusst nutzt. Prüfe auch hostbasierte Firewalls auf Servern, denn unter Linux hat eine Regel für iptables keine Wirkung auf IPv6, solange kein ip6tables- oder nftables-Gegenstück existiert.

    Ergebnis: Eine Regelbasis, in der jede IPv4-Regel ein IPv6-Gegenstück hat, und ein Test von außen, der nur die freigegebenen Dienste erreicht.

  5. 5

    DNS, Dienste und Monitoring umstellen

    Gib Servern feste IPv6-Adressen aus dem Plan, lass Dienste auf beiden Protokollen lauschen und lege AAAA-Einträge erst an, wenn der Dienst über IPv6 getestet ist. Ergänze Reverse-Zonen für die IPv6-Präfixe. Richte im Monitoring für jeden Dienst je eine Prüfung über IPv4 und über IPv6 ein, damit ein Ausfall auf einer Seite sichtbar wird.

    Ergebnis: Jeder Kerndienst hat einen AAAA-Eintrag, antwortet über IPv6 und wird über beide Protokolle getrennt überwacht.

  6. 6

    Clients freischalten, mit RA Guard zuerst

    Aktiviere RA Guard an allen Access Ports, bevor das erste Client-VLAN ein Präfix bekommt. Lege fest, ob Clients ihre Adressen per SLAAC oder per DHCPv6 erhalten, und setze die Flags im Router Advertisement passend. Beginne mit einem Pilot-VLAN, beobachte Logs, Helpdesk und Monitoring eine Woche lang und rolle dann VLAN für VLAN aus.

    Ergebnis: Clients im Pilot-VLAN erreichen interne und externe Dienste über IPv6, RA Guard verwirft Router Advertisements von Access Ports nachweisbar.

  7. 7

    Betrieb übergeben und IPv4-only-Ausnahmen verwalten

    Dokumentiere, welche Systeme dauerhaft nur IPv4 sprechen, mit Begründung und Ansprechpartner. Nimm IPv6 in Betriebshandbücher, Fehlersuchanleitungen und das Onboarding neuer Kolleginnen und Kollegen auf. Prüfe nach einigen Monaten, welche Segmente sich für IPv6 only eignen, etwa Management-Netze oder neue Container-Umgebungen.

    Ergebnis: Eine gepflegte Ausnahmeliste, aktualisierte Betriebsunterlagen und eine Entscheidung über erste IPv6-only-Segmente.

03 Was du mitnimmst

Was die Einführung in Etappen dir bringt

Die Reihenfolge folgt einem einfachen Prinzip: Nichts wird für Clients sichtbar, bevor es abgesichert und überwacht ist. So bleibt jede Etappe einzeln testbar und notfalls zurücknehmbar.

Vier Etappen zum Dual Stack

  1. 01 Präfix und Adressplan
  2. 02 Kern, Routing, Firewall
  3. 03 DNS, Dienste, Monitoring
  4. 04 Clients mit SLAAC oder DHCPv6
  5. 05 RA Guard an Access Ports
  6. 06 Abnahme je Etappe

Ein Adressplan, der mit IPv4 zusammenpasst

Du weißt, welches Präfix der Provider liefert, wie groß es ist und ob es beständig bleibt, und du verteilst es nach demselben Schema wie dein IPv4-Netz. Standort und VLAN lassen sich an der Adresse ablesen.

Firewall-Regeln, die für beide Protokolle gelten

Jede Regel, die für IPv4 existiert, hat ein IPv6-Gegenstück, und die notwendigen ICMPv6-Typen sind gezielt erlaubt statt pauschal geblockt. Verbindungen über IPv6 tauchen im selben Log auf wie die über IPv4.

Dienste, die über beide Protokolle erreichbar sind

DNS liefert AAAA-Einträge erst für Dienste, die wirklich über IPv6 antworten. Monitoring prüft jeden Dienst getrennt über IPv4 und IPv6, so dass ein Ausfall auf einer Seite nicht von Happy Eyeballs verdeckt wird.

Clients mit kontrollierter Adressvergabe

Du entscheidest bewusst zwischen SLAAC und DHCPv6, setzt die Flags im Router Advertisement passend und verhinderst mit RA Guard, dass Geräte an Access Ports sich als Router ausgeben.

Klare Prüfpunkte statt Bauchgefühl

Jede Etappe endet mit einem messbaren Kriterium. Erst wenn es erfüllt ist, beginnt die nächste, und das Projekt kann jederzeit sagen, wo es steht.

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Ausgangslage: Dual Stack als Normalfall

Dual Stack heißt, dass Geräte gleichzeitig eine IPv4- und eine IPv6-Adresse haben und beide Protokolle parallel nutzen. Welche Verbindung tatsächlich aufgebaut wird, entscheiden Betriebssystem und Anwendung. Nach der Standardrichtlinie aus RFC 6724 bevorzugen Hosts IPv6, wenn für ein Ziel beide Adressen vorliegen.

Happy Eyeballs nach RFC 8305 sorgt dafür, dass Anwendungen nicht hängen, wenn IPv6 gestört ist. Der Client startet zuerst eine IPv6-Verbindung und versucht es nach einer kurzen Verzögerung parallel über IPv4; das RFC empfiehlt 250 Millisekunden als Standardwert. Für Nutzer ist das bequem, für den Betrieb tückisch, denn ein defektes IPv6 erzeugt keine Fehlermeldung, sondern nur leicht verzögerte Verbindungen.

IPv6 only ist ein Sonderfall für Segmente, in denen alle Systeme und Ziele IPv6 beherrschen, oder in denen ein Übersetzungsmechanismus wie NAT64 mit DNS64 IPv4-Ziele erreichbar macht. Für die Einführung im ganzen Unternehmen ist Dual Stack der Weg, weil er Altanwendungen nicht blockiert.

IPv6 abzuschalten ist keine Abkürzung. Microsoft rät davon ab, IPv6 unter Windows zu deaktivieren, weil Windows mit aktiviertem IPv6 getestet wird und Komponenten davon abhängen; wer IPv4 bevorzugen will, soll stattdessen die Präfixrichtlinie ändern.

Was du vom Provider klären musst, bevor der Plan entsteht

Der Adressplan hängt an Antworten des Providers. Viele Probleme späterer Etappen entstehen, weil diese Fragen nicht gestellt wurden und das Präfix kleiner oder unbeständiger ist als angenommen.

Frage an den ProviderWarum sie zähltGute Antwort
Welche Präfixgröße bekommen wir je Anschluss?Bestimmt, wie viele /64-Subnetze möglich sind/48, wie RIPE-690 es für Geschäftskunden als Option nennt
Ist das Präfix beständig?Firewall-Regeln, DNS und Adressplan setzen feste Präfixe vorausStatisch für die Vertragslaufzeit, schriftlich zugesichert
Wie wird das Präfix geroutet?Statische Route oder BGP beeinflusst Redundanz und FailoverStatische Route auf eine feste Transferadresse oder BGP-Session
Gibt es Reverse-DNS-Delegation?Mailserver und Logauswertung brauchen PTR-EinträgeDelegation der ip6.arpa-Zone an eure Nameserver
Wie läuft der Wechsel zu einem anderen Provider?Provider-Präfixe gehen beim Wechsel verlorenKlarheit über Fristen oder Entscheidung für eigenen PI-Raum

Kern und Routing: die ersten Zeilen Konfiguration

Auf Cisco IOS XE ist IPv6-Routing ein eigener globaler Schalter. Ohne ipv6 unicast-routing hat ein Router zwar Adressen auf den Interfaces, leitet aber keine IPv6-Pakete weiter und verschickt keine Router Advertisements.

Für Transfernetze zwischen Routern empfiehlt RFC 6164 ein /127. Plane dafür trotzdem ein /64 je Strecke im Adressplan ein, damit die Struktur einheitlich bleibt. Loopbacks bekommen /128 aus einem eigenen Block, OSPFv3 nutzt dabei weiterhin eine 32-Bit-Router-ID, die du am einfachsten von der IPv4-Loopback übernimmst.

Cisco IOS XE: Kernrouter mit OSPFv3
ipv6 unicast-routing
!
interface Loopback0
 ipv6 address 2001:db8:4ac:ff00::1/128
 ospfv3 1 ipv6 area 0
!
interface TenGigabitEthernet1/1/1
 description Transfer zu CORE-02
 ipv6 address 2001:db8:4ac:f001::2/127
 ospfv3 1 ipv6 area 0
!
router ospfv3 1
 router-id 10.255.0.1
 address-family ipv6 unicast
 exit-address-family
!
! Prüfen
show ipv6 route ospf
show ospfv3 neighbor

Die Firewall gleichwertig zu IPv4 machen

Der häufigste Sicherheitsfehler bei der IPv6-Einführung ist eine Firewall, die IPv6 anders behandelt als IPv4. Manche Regelwerke erlauben IPv6 komplett, weil es niemand konfiguriert hat, andere blocken ICMPv6 pauschal, weil man es bei IPv4 auch so gemacht hat. Beides ist falsch.

ICMPv6 ist für IPv6 unverzichtbar. Neighbor Discovery, also das Gegenstück zu ARP, läuft darüber, und ohne Packet Too Big funktioniert die Path-MTU-Discovery nicht, weil Router IPv6-Pakete nicht fragmentieren. RFC 4890 gibt Empfehlungen, welche ICMPv6-Typen eine Firewall durchlassen sollte. Wer Packet Too Big blockt, erlebt Verbindungen, die bei kleinen Paketen funktionieren und bei großen hängen, etwa ein TLS-Handshake, der nie fertig wird.

Unter Linux lohnt sich die Tabellenfamilie inet in nftables, weil eine einzige Regelbasis dann für IPv4 und IPv6 gilt. Das verhindert die klassische Lücke, dass iptables gepflegt ist und ip6tables leer bleibt.

nftables: eine Regelbasis für IPv4 und IPv6
table inet filter {
  chain input {
    type filter hook input priority 0; policy drop;
    ct state established,related accept
    ct state invalid drop
    iif lo accept

    # ICMPv6, ohne das IPv6 nicht funktioniert
    icmpv6 type { destination-unreachable, packet-too-big, time-exceeded,
                  parameter-problem, echo-request, nd-router-advert,
                  nd-neighbor-solicit, nd-neighbor-advert } accept
    icmp type { destination-unreachable, time-exceeded, echo-request } accept

    # SSH nur aus dem Management-Netz, für beide Protokolle
    ip  saddr 10.12.10.0/24          tcp dport 22 accept
    ip6 saddr 2001:db8:4ac:f010::/64 tcp dport 22 accept
  }
}

Clients: SLAAC oder DHCPv6

Bei IPv6 kommt das Default-Gateway immer aus dem Router Advertisement, auch wenn Adressen per DHCPv6 vergeben werden. RFC 8415 sieht für DHCPv6 keine Option für den Standardrouter vor. Die Flags im Router Advertisement steuern, was Clients tun. Ist das M-Flag gesetzt, holen sie Adressen per DHCPv6. Ist nur das O-Flag gesetzt, bilden sie die Adresse per SLAAC nach RFC 4862 und holen weitere Informationen wie DNS-Server per DHCPv6.

SLAAC ist einfach und wird von allen Betriebssystemen unterstützt. DNS-Server kann das Router Advertisement nach RFC 8106 direkt mitliefern. Der Nachteil ist die Nachvollziehbarkeit: Clients bilden zusätzlich temporäre Adressen nach RFC 8981, die regelmäßig wechseln, und keine zentrale Stelle führt Buch darüber.

Zustandsbehaftetes DHCPv6 liefert ein Protokoll der Vergaben, ähnlich wie bei IPv4, wird aber nicht von jedem Betriebssystem für die Adressvergabe unterstützt. RFC 7934 empfiehlt außerdem, Hosts nicht auf eine einzige Adresse zu beschränken. Prüfe deshalb, welche Plattformen in deinem Netz hängen, bevor du dich festlegst.

KriteriumSLAAC mit RDNSSSLAAC plus zustandsloses DHCPv6Zustandsbehaftetes DHCPv6
Flags im Router AdvertisementA-Flag gesetzt, M und O ausA-Flag und O-Flag gesetztM-Flag gesetzt, A-Flag meist aus
Default-GatewayAus dem Router AdvertisementAus dem Router AdvertisementAus dem Router Advertisement
DNS-ServerRDNSS-Option nach RFC 8106Per DHCPv6Per DHCPv6
Protokoll der AdressenNur über Neighbor-Cache und Switch-TabellenNur über Neighbor-Cache und Switch-TabellenDHCPv6-Server führt Leases
Unterstützung durch ClientsBreitBreitNicht auf allen Plattformen

RA Guard an jedem Access Port

RA Guard filtert Router Advertisements auf dem Switch. Nach RFC 6105 dürfen Ports, an denen Router hängen, Router Advertisements weiterleiten, Ports zu Endgeräten verwerfen sie. Das RFC nennt auch die Grenzen: RA Guard schützt nur, wenn aller Verkehr über kontrollierte Switches läuft, und bietet keinen Schutz für getunnelten Verkehr.

Auf Cisco IOS XE legst du dafür zwei Richtlinien an, eine mit der Rolle host für Access Ports und eine mit der Rolle router für Uplinks. Aktiviere RA Guard, bevor das erste Client-VLAN ein Präfix bekommt. Dann kann ein falsch konfigurierter Router oder ein Notebook mit aktivierter Internetfreigabe keine Clients umleiten.

Cisco IOS XE: RA Guard und Gateway mit O-Flag
ipv6 nd raguard policy ACCESS
 device-role host
!
ipv6 nd raguard policy UPLINK
 device-role router
!
interface range GigabitEthernet1/0/1 - 46
 ipv6 nd raguard attach-policy ACCESS
!
interface range TenGigabitEthernet1/1/1 - 2
 ipv6 nd raguard attach-policy UPLINK
!
! Gateway des Client-VLANs am Distribution-Switch
interface Vlan20
 ipv6 address 2001:db8:4ac:1020::1/64
 ipv6 nd other-config-flag
 ipv6 dhcp relay destination 2001:db8:4ac:f100::53

Prüfpunkte, an denen du eine Etappe abnimmst

Ein Prüfpunkt muss sich mit einem Befehl oder einem Blick ins Monitoring beantworten lassen. Die folgenden Prüfungen decken die häufigsten Lücken ab: kein Default-Gateway über IPv6, fehlende AAAA-Einträge, Dienste, die nur über IPv4 lauschen, und eine Firewall, die IPv6 still verwirft.

Teste immer ausdrücklich mit dem Protokoll, das du prüfen willst. Ein Aufruf ohne Option -6 kann über IPv4 erfolgreich sein und damit ein Problem verdecken. Unter Windows liefern Get-NetIPAddress und Test-NetConnection dieselben Informationen.

Linux: Prüfungen je Etappe
# Adressen und Gateway vom Router Advertisement
ip -6 addr show dev eth0
ip -6 route show default
rdisc6 eth0                      # aus dem Paket ndisc6

# DNS liefert AAAA?
dig AAAA intranet.example.internal +short

# Dienst über IPv6 erreichbar?
curl -6 -sI https://intranet.example.internal/ | head -n 1
ss -tlnp | grep ':443'           # lauscht der Dienst auf [::]:443?

# Pfad und MTU
tracepath -6 2001:db8:4ac:ff00::1

Häufige Fallen bei der Einführung

Die meisten Probleme nach einer IPv6-Einführung sind keine Protokollfehler, sondern Lücken in Betrieb und Sicherheit. Diese vier tauchen am häufigsten auf.

  • Die vergessene IPv6-Firewall

    Hostfirewalls auf Servern, Regeln auf Load Balancern oder ACLs auf Switches existieren nur für IPv4. Ein Dienst, der über IPv4 auf das Management-Netz beschränkt ist, steht über IPv6 offen. Prüfe jede Regelbasis ausdrücklich auf IPv6-Gegenstücke.

  • Temporäre Adressen in Logs

    Clients nutzen für ausgehende Verbindungen temporäre Adressen nach RFC 8981, die regelmäßig wechseln. In Proxy- oder Firewall-Logs lässt sich ein Gerät dann nur über den Neighbor-Cache der Router oder die Tabellen der Switches zuordnen. Sammle diese Daten, bevor du sie für eine Untersuchung brauchst.

  • AAAA-Einträge vor funktionierendem Dienst

    Ein AAAA-Eintrag für einen Dienst, der über IPv6 nicht antwortet, verzögert jede Verbindung, weil Clients es zuerst über IPv6 versuchen. Lege AAAA-Einträge erst an, wenn der Dienst über IPv6 getestet ist.

  • Unbemerkte Tunnel und Rogue-RAs

    Tunnelprotokolle und Router Advertisements von falsch konfigurierten Geräten öffnen Wege am Perimeter vorbei. Sperre ungenutzte Tunnelprotokolle an der Firewall und aktiviere RA Guard, bevor IPv6 offiziell eingeführt ist.

Dazu passende Kurse

Für das Team, das den Dual Stack betreiben soll, bündeln die Weiterbildungen zu IPv6, TCP/IP und Netzsicherheit die Grundlagen und die Fehlersuche.

Läuft dein Kern auf Cisco, findest du in den Cisco-Kursen mit IOS XE, OSPFv3 und First Hop Security die herstellerspezifische Vertiefung.

Stimmen aus den Kursen

Was Teilnehmende über die Kurse in diesem Bereich sagen

Hervorragender Referent, der kurzweilig und sehr strukturiert durch den Kurs geführt hat und keine Fragen offen gelassen hat.
TCP/IP Grundkurs
Durch den 1 zu 1 Kurs konnten meine Fragen und Ziele optimal bearbeitet werden.
Hardware Grundkurs: Installieren und Konfigurieren
Vielen Dank, Seminar war informationsreich, verständlich, persönlich sehr angenehm.
Netzwerktechnik Grundkurs

05 Fragen

Häufige Fragen

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Kann ich IPv6 einfach deaktivieren, solange es nicht eingeführt ist?
Microsoft rät davon ab, weil Windows mit aktiviertem IPv6 getestet wird und manche Komponenten sonst nicht funktionieren; empfohlen wird stattdessen, IPv4 über die Präfixrichtlinie zu bevorzugen. Ganz abschalten lässt sich IPv6 unter Windows ohnehin nicht. Das BSI betont, dass IPv6 in aktuellen Betriebssystemen standardmäßig aktiv ist und auch reine IPv4-Netze betrifft. Sicherer ist es, IPv6 zu kontrollieren, etwa mit RA Guard und Firewall-Regeln.
Brauchen wir für IPv6 noch NAT?
Für den Zugang ins Internet in der Regel nicht, weil jedes Gerät eine global eindeutige Adresse bekommt. Die Schutzwirkung, die viele NAT zuschreiben, leistet eine zustandsbehaftete Firewall, die eingehende Verbindungen nur für freigegebene Dienste erlaubt. NAT64 bleibt ein Werkzeug für IPv6-only-Segmente, die IPv4-Ziele erreichen müssen.
Welche Präfixgröße brauchen wir je Standort?
Eine gängige Größe ist /48 je Standort, was 65.536 Subnetze der Größe /64 ergibt. RIPE-690 nennt /48 für Geschäftskunden als Option, RFC 6177 hält fest, dass ein einzelnes /64 für einen Standort nicht ausreicht. Jedes VLAN bekommt ein /64, weil SLAAC genau diese Länge voraussetzt.
SLAAC oder DHCPv6, was ist besser?
Das hängt von deinen Anforderungen ab. SLAAC wird überall unterstützt und kann DNS-Server direkt im Router Advertisement verteilen. Zustandsbehaftetes DHCPv6 liefert ein Protokoll der Vergaben, wird aber nicht von allen Plattformen für die Adressvergabe unterstützt. Viele Netze nutzen SLAAC und ergänzen DNS per RDNSS oder zustandslosem DHCPv6.
Woran merke ich, dass IPv6 im Netz kaputt ist, obwohl sich niemand beschwert?
Happy Eyeballs nach RFC 8305 weicht nach kurzer Verzögerung auf IPv4 aus, deshalb fallen IPv6-Fehler im Alltag kaum auf. Sichtbar werden sie nur, wenn das Monitoring jeden Dienst getrennt über IPv4 und IPv6 prüft und Tests ausdrücklich mit der Option -6 laufen.
Was ist mit IPv6 auf Servern, die nur intern erreichbar sind?
Auch interne Server sollten in den Dual Stack, sobald Clients IPv6 nutzen, weil Clients sonst für interne Ziele weiter IPv4 brauchen. Wichtig ist, dass hostbasierte Firewalls auf diesen Servern IPv6-Regeln haben. Unter Linux bietet nftables mit der Tabellenfamilie inet eine gemeinsame Regelbasis für beide Protokolle.
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Dual Stack verstehen, bevor er ins Netz geht

In der IPv6-Schulung bei cmt planst du Präfixe, konfigurierst SLAAC, DHCPv6 und RA Guard und testest die Firewall für beide Protokolle. Für Cisco-Umgebungen geht Cisco IPv6 Grundlagen, Design und Implementierung tiefer in OSPFv3 und First Hop Security, und der TCP/IP Grundkurs legt die Basis.