Sprache vor Daten

Wie Sprachpakete an der Warteschlange vorbeikommen

Markieren, klassifizieren, priorisieren: QoS wirkt nur am Engpass und nur bei Stau. Hier steht, welche Zeile dort was bewirkt.

KI-generiertDieses Bild wurde mit KI erzeugt · Yves Hoppe / KI / cmt
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Kurz gesagt

QoS für VoIP besteht aus drei Schritten. Sprachpakete werden möglichst nah an der Quelle mit DSCP EF markiert, also mit dem Wert 46. An jedem Engpass werden sie in eine Klasse sortiert und dort in eine Priority Queue gelegt, die vor allem anderen gesendet wird. Auf Cisco-Geräten erledigst du das mit dem Modular QoS CLI. Eine class-map erkennt die Pakete, zum Beispiel mit match dscp ef. Eine policy-map ordnet der Klasse mit priority percent einen garantierten Anteil zu, und service-policy output hängt die Policy an das Interface zum Engpass. Wirksam ist QoS nur dort, wo sich eine Warteschlange bildet, typischerweise am Übergang vom schnellen LAN in die langsamere WAN- oder Internetleitung.

Stand dieser Seite: 25.10.2026

01 Worum es geht

Telefonate knacken genau dann, wenn alle arbeiten

Das Muster ist immer ähnlich. Morgens um acht klingen die Gespräche gut, gegen zehn beginnt es zu knacken, Silben fallen weg, und manchmal bricht ein Anruf ganz ab. Zur gleichen Zeit laufen Synchronisierungen von Cloud-Speichern, große Mailanhänge und Software-Updates über dieselbe Leitung. Die Bandbreite reicht im Durchschnitt, aber in den Sekunden, in denen ein großer Upload die Leitung füllt, stehen die Sprachpakete in derselben Warteschlange wie alles andere.

Sprache ist dabei weniger empfindlich gegen fehlende Bandbreite als gegen Wartezeit. Ein Gespräch mit G.711 braucht pro Richtung weniger als 100 kbit/s. Was stört, sind Verzögerung, Schwankungen der Verzögerung, also Jitter, und verlorene Pakete. Die Empfehlung ITU-T G.114 hält fest, dass die meisten Anwendungen bei einer Einweg-Verzögerung unter 150 Millisekunden nicht spürbar beeinträchtigt werden, und nennt 400 Millisekunden als Grenze, die bei der Netzplanung nicht überschritten werden sollte.

Mehr Bandbreite hilft oft nur kurzfristig, weil Uploads jede Leitung füllen, die man ihnen gibt. QoS löst das Problem gezielter: Es sorgt dafür, dass Sprachpakete im Moment des Staus zuerst gesendet werden. Dafür muss es aber an der richtigen Stelle konfiguriert sein, und genau daran scheitern viele Einrichtungen.

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02 Der Aufbau im Detail

Die MQC-Konfiguration Zeile für Zeile

Die Kette zeigt die Bausteine einer Policy für eine WAN-Leitung, in der Reihenfolge, in der du sie anlegst. Zuerst kommt die class-map, dann die policy-map mit den Klassen, und zuletzt bindest du die Policy an das Interface.

Der Aufbau

class-map match-any VOICE -> match dscp ef -> policy-map WAN-EDGE -> class VOICE -> priority percent 20 -> class class-default -> fair-queue -> service-policy output WAN-EDGE
  1. 01 Klasse anlegen class-map match-any VOICE

    Eine class-map ist ein Filter mit Namen. match-any heißt, ein Paket gehört zur Klasse, wenn mindestens eine match-Zeile passt; match-all verlangt, dass alle passen. Der Name ist frei wählbar und wird in der policy-map referenziert. Groß- und Kleinschreibung zählt, VOICE und Voice sind zwei verschiedene Klassen.

  2. 02 Kriterium der Klasse match dscp ef

    Die Zeile prüft das DSCP-Feld im IP-Header auf den Wert EF, dezimal 46. Statt des Namens kannst du die Zahl schreiben, mehrere Werte in einer Zeile sind erlaubt. Andere Kriterien wären match access-group name für eine ACL, match protocol für die Anwendungserkennung per NBAR oder match cos für Layer-2-Markierungen auf Trunks.

  3. 03 Regelwerk anlegen policy-map WAN-EDGE

    Die policy-map ordnet Klassen Aktionen zu. Innerhalb der Policy werden die Klassen in der Reihenfolge geprüft, in der sie stehen; ein Paket landet in der ersten passenden Klasse. Eine Policy kann markieren, policen, shapen oder Warteschlangen zuweisen, aber nicht jede Kombination ist auf jeder Plattform erlaubt.

  4. 04 Klasse in die Policy holen class VOICE

    Unter policy-map verweist class auf eine vorher angelegte class-map. Alles, was unter dieser Zeile eingerückt folgt, gilt nur für Pakete dieser Klasse. Lege die class-map deshalb immer vor der policy-map an und prüfe den Namen doppelt, denn ein Tippfehler erzeugt eine Klasse, die nie trifft.

  5. 05 Strikte Priorität mit Obergrenze priority percent 20

    Pakete dieser Klasse kommen in die Low Latency Queue und werden vor allen anderen gesendet. Der Prozentwert bezieht sich auf die Bandbreite des Interfaces oder, in einer verschachtelten Policy, auf die Rate des übergeordneten Shapers. Bei Stau begrenzt ein eingebauter Policer die Klasse auf diesen Wert und verwirft den Überschuss, damit Sprache den Rest nicht aushungert. Zu klein bemessen, verliert also gerade die Sprache Pakete.

  6. 06 Alles Übrige class class-default

    class-default existiert in jeder Policy automatisch und fängt alle Pakete, die keine andere Klasse getroffen haben. Ohne eigene Aktion teilen sie sich, was übrig bleibt, in einer gemeinsamen Warteschlange.

  7. 07 Faire Verteilung innerhalb der Klasse fair-queue

    fair-queue verteilt die Bandbreite der Klasse gerecht auf die einzelnen Datenströme. So kann ein einzelner großer Upload nicht alle anderen Verbindungen in class-default ausbremsen. Auf Switch-Plattformen wie Catalyst 9000 arbeiten stattdessen Hardware-Warteschlangen, deren Befehle sich von der Router-Syntax unterscheiden.

  8. 08 Policy an das Interface binden service-policy output WAN-EDGE

    Erst diese Zeile im Interface-Modus macht die Policy wirksam. output wirkt auf Pakete, die das Interface verlassen, und nur dort gibt es eine Warteschlange, die QoS ordnen kann. input erlaubt nur Klassifizierung, Markierung und Policing. Pro Interface und Richtung ist genau eine Policy möglich.

Wenn es nicht funktioniert

Das siehst du

Die Policy ist aktiv, show policy-map interface zeigt Treffer in VOICE, aber die Gespräche knacken weiter.

Warum

Die Leitung zum Provider ist langsamer als das Interface. Ein 1-Gbit-Port an einem Glasfaser- oder Kabelmodem mit 100 Mbit/s Upload staut nie, die Warteschlange bildet sich im Modem, und dort gibt es keine Priorisierung.

Was hilft

Setze einen Shaper knapp unter der vertraglichen Rate davor, zum Beispiel shape average 95000000 für 100 Mbit/s, und hänge die Sprach-Policy als Kind-Policy darunter. Dann staut sich der Verkehr im Router, wo die Priority Queue greift.

Das siehst du

In der Klasse VOICE steigen die Drops, obwohl die Leitung nicht voll ist.

Warum

Der Policer der Priority Queue verwirft alles über dem konfigurierten Anteil, sobald Stau herrscht. Entweder ist der Anteil zu klein für die Zahl gleichzeitiger Gespräche, oder es landet mehr in der Klasse als Sprache, weil Endgeräte unkontrolliert EF markieren.

Was hilft

Rechne die Bandbreite je Gespräch mal die Zahl gleichzeitiger Gespräche und passe den Anteil an. Prüfe mit einem Mitschnitt, welche Quellen EF senden, und ziehe am Access-Port die Trust Boundary enger.

Das siehst du

Die Markierung EF ist am Telefon gesetzt, kommt am Router aber als 0 an.

Warum

Ein Gerät auf dem Weg setzt die Markierung zurück, etwa ein Access-Switch mit einer Policy, die alles auf default setzt, ein älterer Switch ohne Trust oder ein WLAN-Controller mit abweichender QoS-Einstellung.

Was hilft

Schneide an mehreren Punkten mit dem Wireshark-Filter ip.dsfield.dscp == 46 mit und finde den Abschnitt, in dem die Markierung verschwindet. Korrigiere dort Trust oder Policy.

Das siehst du

Nach dem Anlegen der Policy meldet IOS beim service-policy-Befehl einen Fehler und übernimmt die Policy nicht.

Warum

Die Plattform unterstützt die Kombination nicht, zum Beispiel priority und bandwidth in derselben Klasse, bandwidth und shape in einer Klasse oder eine Queuing-Policy in Eingangsrichtung.

Was hilft

Lies die Fehlermeldung, sie nennt die nicht erlaubte Aktion. Queuing-Aktionen gehören in eine output-Policy, Markierung und Policing können in die input-Policy. Für Catalyst-Switches gilt das plattformeigene QoS-Handbuch, weil die Hardware-Warteschlangen anders arbeiten als auf Routern.

03 Was du mitnimmst

Die Glieder der QoS-Kette

QoS ist eine Kette: Jedes Glied muss stimmen, sonst bleibt die Wirkung aus.

Die QoS-Kette von Telefon bis Leitung

  1. 01 Endgerät markiert EF
  2. 02 Access-Port prüft Vertrauen
  3. 03 LAN transportiert Markierung
  4. 04 WAN-Edge klassifiziert
  5. 05 Priority Queue sendet zuerst
  6. 06 Shaper hält Leitung unter Vertragsrate

Den Engpass finden

Du erkennst, an welchem Interface sich bei Last eine Warteschlange bildet, und weißt, warum eine Policy auf einem 10-Gbit-Uplink im LAN kaum etwas bewirkt.

Die MQC-Syntax lesen und schreiben

Du baust class-map, policy-map und service-policy so zusammen, dass Sprache in die Priority Queue kommt und der Rest fair verteilt wird.

DSCP-Werte richtig zuordnen

Du kennst EF, CS5, AF41 und Default mit ihren Zahlenwerten und weißt, wo RFC 4594, Cisco und Microsoft Teams sich unterscheiden.

Die Trust Boundary setzen

Du legst fest, welchen Markierungen am Access-Port vertraut wird, damit nicht jeder PC seinen Download als Sprache ausgibt.

Die Wirkung belegen

Du liest show policy-map interface, erkennst Drops in der richtigen und der falschen Klasse und prüfst Markierungen mit Wireshark.

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Wo QoS wirkt: nur am Engpass und nur bei Stau

QoS verändert die Reihenfolge, in der Pakete aus einer Warteschlange gesendet werden. Gibt es keine Warteschlange, gibt es nichts zu ordnen. Ein Paket, das auf einen freien Port trifft, wird sofort gesendet, ganz gleich, wie es markiert ist. Deshalb bewirkt eine Priorisierung auf einem kaum ausgelasteten 10-Gbit-Uplink im Campus fast nichts, während dieselbe Policy auf einer 50-Mbit-Leitung zum Provider den Unterschied zwischen klarem Gespräch und Aussetzern macht.

Engpässe entstehen dort, wo schnelle Verbindungen in langsamere übergehen: vom LAN ins WAN, vom Access-Switch zum WLAN-Access-Point, vom Standortrouter in die Internetleitung. Auch im LAN gibt es Momente, in denen viele Ports gleichzeitig auf einen Uplink senden und kurzzeitig Warteschlangen entstehen. Auf Catalyst-Switches sind deshalb Hardware-Warteschlangen mit Priorität für Sprache sinnvoll, entscheidend ist aber meist die WAN-Edge.

Ein Sonderfall ist die Download-Richtung einer Internetleitung. Die Warteschlange für den Download liegt beim Provider, und der wertet deine Markierungen in der Regel nicht aus. Du kannst nur deinen eigenen Upload ordnen. Für den Download helfen Priorisierung beim Provider, wenn der Vertrag sie enthält, eine eigene Leitung für Sprache oder ein SD-WAN, das Sprache auf die weniger belastete Leitung legt.

Wie viel Bandbreite ein Gespräch braucht

Die Priority Queue muss groß genug für alle gleichzeitigen Gespräche sein, sonst verwirft ihr eigener Policer bei Stau Sprachpakete. Die Rechnung ist einfach. Bei G.711 mit 20 Millisekunden pro Paket trägt jedes Paket 160 Byte Sprache, dazu kommen 40 Byte für IP-, UDP- und RTP-Header. Das sind 200 Byte pro Paket bei 50 Paketen pro Sekunde, also 80 kbit/s auf IP-Ebene. Mit Ethernet-Header und Prüfsumme von 18 Byte kommen 87,2 kbit/s heraus.

Bei G.729 sind es nur 20 Byte Sprache pro Paket. Mit denselben 40 Byte Headern ergibt das 24 kbit/s auf IP-Ebene. Hier ist der Header doppelt so groß wie der Inhalt, und genau deshalb lohnt sich bei schmalen Leitungen die Header-Kompression. Moderne Codecs in Webex oder Teams arbeiten mit variabler Rate, für die Planung rechnest du mit dem Wert, den der Hersteller als Obergrenze angibt.

RechnungG.711, 20 msG.729, 20 ms
Sprachdaten je Paket160 Byte20 Byte
IP, UDP, RTP40 Byte40 Byte
Pakete pro Sekunde5050
Bandbreite auf IP-Ebene80 kbit/s24 kbit/s
mit Ethernet (18 Byte)87,2 kbit/s31,2 kbit/s
20 gleichzeitige Gespräche (Ethernet)1.744 kbit/s624 kbit/s

DSCP-Tabelle: EF, CS5, AF41, CS3, Default

DSCP ist ein 6-Bit-Feld im IP-Header, definiert in RFC 2474. Expedited Forwarding, kurz EF, ist in RFC 3246 beschrieben und steht für Verkehr mit geringer Verzögerung, geringem Jitter und geringem Verlust. RFC 4594 ordnet den Werten Dienstklassen zu und empfiehlt EF für die Sprache selbst und CS5 für die Signalisierung. Cisco hat in älteren Designempfehlungen CS3 für die Signalisierung verwendet, deshalb findest du in gewachsenen Netzen oft beide Werte.

Microsoft Teams nutzt laut Microsoft Learn EF 46 für Audio, AF41 34 für Video, AF21 18 für Bildschirmfreigabe und CS5 40 für die Signalisierung. Mac- und Mobilclients setzen für Audio fest EF und für Video und Bildschirmfreigabe fest AF41. Eine class-map für Signalisierung sollte daher CS5 und CS3 gemeinsam erfassen, wenn im Netz verschiedene Systeme laufen.

Für Verkehr mit niedriger Priorität, etwa Backups, empfahl RFC 4594 ursprünglich CS1. RFC 8622 hat das durch Lower Effort mit dem Wert 1 ersetzt. Wer heute eine Klasse für Massenverkehr unterhalb von Default anlegt, sollte beide Werte erfassen.

NameDezimalBinärTypische Verwendung
EF46101110Sprache, RTP-Audio (RFC 3246, RFC 4594 Telephony)
CS540101000Signalisierung nach RFC 4594, Teams-Signalisierung
AF4134100010Videokonferenzen
CS324011000Broadcast Video nach RFC 4594, Signalisierung in älteren Cisco-Designs
AF2118010010Interaktive Daten, Teams-Bildschirmfreigabe
CS648110000Routing-Protokolle und Netzsteuerung
Default (CS0)0000000Alles ohne besondere Behandlung
LE1000001Massenverkehr unterhalb Default (RFC 8622)

Die WAN-Edge mit Shaper und Kind-Policy

In den meisten Standorten ist das Interface zum Provider schneller als die bestellte Leitung. Damit die Warteschlange im eigenen Router entsteht und nicht im Modem, gehört ein Shaper auf die vertragliche Rate davor. Er wird in einer übergeordneten Policy konfiguriert, und die eigentliche Sprach-Policy hängt als Kind darunter. Die Prozentwerte der Kind-Policy beziehen sich dann auf die geshapte Rate, nicht auf das physische Interface.

Das Beispiel gilt für eine Leitung mit 100 Mbit/s Upload. Der Shaper liegt bei 95 Mbit/s, damit Overhead und Schwankungen auf der Provider-Seite keinen Stau im Modem erzeugen. Sprache bekommt bis zu 20 Prozent in der Priority Queue, Video und Signalisierung bekommen garantierte Anteile, der Rest teilt sich fair, was übrig bleibt.

Cisco IOS XE: hierarchische Policy für eine 100-Mbit/s-Leitung
class-map match-any VOICE
 match dscp ef
class-map match-any SIGNALING
 match dscp cs5 cs3
class-map match-any VIDEO
 match dscp af41
!
policy-map WAN-EDGE
 class VOICE
  priority percent 20
 class SIGNALING
  bandwidth percent 5
 class VIDEO
  bandwidth percent 30
 class class-default
  fair-queue
!
policy-map WAN-SHAPER
 class class-default
  shape average 95000000
  service-policy WAN-EDGE
!
interface GigabitEthernet0/0/0
 description Internet 100/100
 service-policy output WAN-SHAPER

Trust Boundary am Access-Port

Eine Markierung ist nur so viel wert wie das Vertrauen in die Quelle. Wenn jeder PC EF setzen darf und das Netz der Markierung folgt, kann jede Anwendung ihre Pakete in die Priority Queue schieben, und der Policer verwirft dann echte Sprache. Die Trust Boundary legt fest, ab welchem Punkt das Netz Markierungen glaubt. Sinnvoll ist sie so nah an der Quelle wie möglich, also am Access-Port.

Catalyst-9000-Switches vertrauen laut Cisco standardmäßig der DSCP-Markierung eingehender Pakete. Das ist bequem, aber für Ports mit beliebigen PCs zu großzügig. Für Ports mit Cisco-IP-Telefonen gibt es trust device cisco-phone, das nur vertraut, solange per CDP ein Telefon erkannt wird. Für PC-Ports mit Softphones bewährt sich eine Eingangspolicy, die nur Pakete aus den bekannten Quellports der Sprachanwendung als EF markiert und alles andere auf Default setzt.

Catalyst 9000: Teams-Audio nach Quellport markieren, Rest zurücksetzen
ip access-list extended ACL-TEAMS-AUDIO
 10 permit udp any range 50000 50019 any
!
class-map match-all TEAMS-AUDIO
 match access-group name ACL-TEAMS-AUDIO
!
policy-map ACCESS-MARKING-IN
 class TEAMS-AUDIO
  set dscp ef
 class class-default
  set dscp default
!
interface GigabitEthernet1/0/10
 description Arbeitsplatz mit Softphone
 service-policy input ACCESS-MARKING-IN

QoS über Internet und SD-WAN: was ankommt

Im Internet ist DSCP eine Bitte, keine Zusage. Provider dürfen die Markierung ignorieren, zurücksetzen oder für eigene Zwecke verwenden, und die meisten tun eines davon. Microsoft schreibt in der Teams-Dokumentation entsprechend, dass QoS nur auf Verbindungen wirkt, die du selbst verwaltest, und rät davon ab, Echtzeitverkehr durch ein VPN zu leiten, weil der Tunnel zusätzlichen Overhead und Verzögerung bringt.

Wirksam bleibt deine Policy an der eigenen Upload-Kante, und das ist oft schon die halbe Lösung. Bei IPsec-Tunneln kopiert der Router die DSCP-Markierung in den äußeren Header, sonst könnten Geräte auf dem Weg die verschlüsselten Pakete nicht unterscheiden. In einem SD-WAN kommt die Wegewahl dazu: Cisco Catalyst SD-WAN misst Verlust, Latenz und Jitter auf jedem Tunnel und kann Sprache per Application-Aware Routing auf den Weg legen, der gerade die Grenzwerte einhält. QoS ordnet die Warteschlange, das SD-WAN wählt die Leitung, und beides ergänzt sich.

Kontrolle mit show policy-map interface

show policy-map interface zeigt je Klasse, wie viele Pakete getroffen wurden, wie viele in der Warteschlange stehen und wie viele verworfen wurden. Drops in class-default bei Last sind normal und gewollt, Drops in VOICE sind ein Alarmzeichen. Steigen sie, ist entweder die Priority Queue zu klein oder es landet Verkehr darin, der dort nicht hingehört.

Für den Gegenbeweis eignet sich ein Mitschnitt. Mit dem Wireshark-Anzeigefilter ip.dsfield.dscp == 46 siehst du alle Pakete mit EF, mit rtp und dem RTP-Stream-Analyzer unter Telephony die Laufzeiten, Jitter und Verluste eines Gesprächs. Ein Mitschnitt vor und hinter dem Router zeigt, ob die Markierung erhalten bleibt.

Policy-Statistik lesen (Ausgabe gekürzt)
R1# show policy-map interface GigabitEthernet0/0/0 output
 GigabitEthernet0/0/0
  Service-policy output: WAN-SHAPER
    Class-map: class-default (match-any)
       shape (average) cir 95000000
      Service-policy : WAN-EDGE
        Class-map: VOICE (match-any)
          184211 packets, 36842200 bytes
          Match: dscp ef (46)
          Priority: 20% (19000 kbps), burst bytes 475000, b/w exceed drops: 0
        Class-map: class-default (match-any)
          Queueing
          (total drops) 1842

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05 Fragen

Häufige Fragen

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Welcher DSCP-Wert ist richtig für VoIP?
Für die Sprachpakete selbst EF, dezimal 46, nach RFC 3246 und RFC 4594. Für die Signalisierung empfiehlt RFC 4594 CS5 mit dem Wert 40, ältere Cisco-Designs nutzen CS3 mit 24. Microsoft Teams markiert Audio mit 46 und Signalisierung mit 40.
Bringt QoS etwas, wenn die Leitung nicht ausgelastet ist?
Nein. QoS ordnet nur Warteschlangen, und ohne Stau gibt es keine Warteschlange. Allerdings sind Leitungen selten gleichmäßig ausgelastet. Schon wenige Sekunden mit einem großen Upload reichen, um Sprache hörbar zu stören, und genau diese Spitzen fängt QoS ab.
Wie groß muss die Priority Queue sein?
Mindestens so groß wie die Zahl gleichzeitiger Gespräche mal der Bandbreite pro Gespräch, bei G.711 mit Ethernet rund 87 kbit/s pro Richtung. Bei 20 Gesprächen sind das etwa 1,75 Mbit/s. Plane Reserve ein, aber gib der Priority Queue nicht mehr als nötig, weil sie bei Stau alles andere verdrängt.
Muss ich QoS im LAN überhaupt konfigurieren?
Auf Access-Switches solltest du zumindest die Trust Boundary setzen, damit Markierungen kontrolliert entstehen. Warteschlangen im LAN spielen nur an Stellen eine Rolle, an denen viele Ports auf einen Uplink treffen. Die wichtigste Policy sitzt an der WAN- oder Internet-Edge.
Funktioniert QoS über das Internet?
Nur auf deiner eigenen Upload-Strecke. Internetprovider werten DSCP in der Regel nicht aus und können Markierungen zurücksetzen. Für den Download und den Weg durch fremde Netze helfen eine zweite Leitung, ein SD-WAN mit Wegewahl nach Messwerten oder ein Vertrag mit Priorisierung.
Warum shape ich auf weniger als die bestellte Bandbreite?
Damit die Warteschlange im eigenen Router entsteht, wo die Priority Queue wirkt, und nicht im Modem oder beim Provider, wo alle Pakete gleich behandelt werden. Ein paar Prozent unter der Vertragsrate gleichen Overhead und Schwankungen aus.
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