Ursachen eingrenzen

Wenn alle über ein langsames Netz klagen

Bandbreite, Latenz und Paketverlust getrennt messen, Engpässe an Uplink, WAN und Firewall finden und belegen, wann es doch die Anwendung ist.

KI-generiertDieses Bild wurde mit KI erzeugt · Yves Hoppe / KI / cmt
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Kurz gesagt

Ein „langsames Netz“ hat fast nie eine einzige Ursache, die man mit mehr Bandbreite löst. Meist ist es eine von fünf: Paketverlust durch Fehler auf Schicht 1 oder einen Duplex-Mismatch, ein überlasteter Uplink oder WAN-Anschluss oder hohe Latenz bei einer Anwendung mit vielen Hin- und Rückwegen. Dazu kommen MTU-Probleme auf dem Pfad und Dienste wie DNS, die verzögert antworten. Welche es ist, zeigen Interface-Zähler, eine Lastmessung mit iperf3 und ein kurzer Mitschnitt. Erst mit diesen Zahlen lohnt sich eine Investition.

Stand dieser Seite: 25.10.2026

01 Worum es geht

„Das Netz ist langsam“ ist eine Beschwerde, keine Diagnose

Die Beschwerde kommt aus verschiedenen Richtungen: Die Buchhaltung wartet beim Öffnen von Belegen, der Außenstandort klagt über zähe Dateikopien, im Videocall stockt das Bild, und morgens dauert die Anmeldung an Windows minutenlang. Alle sagen dasselbe Wort, aber dahinter stecken unterschiedliche Messgrößen. Eine Dateikopie hängt von Durchsatz und Fenstergröße ab, ein Videocall von Jitter und Verlust, eine Anwendung mit vielen kleinen Abfragen von der Latenz.

Die naheliegende Reaktion ist ein größerer Internetanschluss oder ein schnellerer Switch. Das hilft nur, wenn die Bandbreite tatsächlich der Engpass ist. Bei einem Duplex-Mismatch bleibt der neue Anschluss genauso langsam, bei einer Anwendung, die über eine Leitung mit 30 Millisekunden Laufzeit tausend Abfragen nacheinander stellt, ebenfalls. Das Geld ist ausgegeben, die Beschwerde bleibt.

Dazu kommt ein Messproblem. Monitoring-Systeme zeigen Auslastung meist als Durchschnitt über fünf Minuten. Ein Uplink, der in diesem Mittel bei 40 Prozent liegt, kann in Sekunden-Spitzen voll sein und Pakete verwerfen. Wer nur die Kurve ansieht, schließt den Engpass aus, der eigentlich die Ursache ist.

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02 Symptom, Ursache, Lösung

Acht Fehlerbilder und ihre Ursache

Die Fälle sind nach Häufigkeit in kabelgebundenen Firmennetzen geordnet. Jeder nennt das Symptom so, wie es gemeldet wird, die Ursache, die du belegen kannst, und die Maßnahme. Wo ein Befehl steht, ist er für Cisco IOS oder Linux formuliert.

Symptom

Ein einzelner Arbeitsplatz oder Server ist extrem langsam, Kopien brechen ab, Verbindungen hängen sporadisch. Andere Geräte am selben Switch arbeiten normal.

Ursache

Duplex-Mismatch oder ein defektes Kabel. Cisco beschreibt das Muster so: Auf der Seite mit Vollduplex steigen FCS-, CRC-, Alignment- und Runt-Zähler, auf der Seite mit Halbduplex treten Late Collisions auf. Typischer Auslöser ist eine Seite mit fest eingestellter Geschwindigkeit und die andere auf Autonegotiation.

Lösung

Mit show interfaces Gi1/0/14 status prüfst du Geschwindigkeit und Duplex; ein a- vor dem Wert zeigt, dass ausgehandelt wurde. Stelle beide Seiten auf Autonegotiation oder beide fest auf denselben Wert. Steigen danach die CRC-Fehler weiter, tausche Patchkabel und prüfe die Dose.

Symptom

Morgens und bei Backups wird es für ganze Etagen zäh, die Auslastungskurve des Uplinks liegt aber im Mittel deutlich unter 100 Prozent.

Ursache

Microbursts auf einem überbuchten Uplink. Viele Access Ports teilen sich wenige Uplinks; 48 Ports mit 1 Gbit/s auf zwei Uplinks mit 10 Gbit/s sind 2,4 zu 1 überbucht. In Spitzen läuft der Ausgangspuffer voll, und der Switch verwirft Pakete, ohne dass ein Fünf-Minuten-Mittel das zeigt.

Lösung

Lies Total output drops am Uplink mit show interfaces und vergleiche den Wert über einige Minuten. Stelle mit load-interval 30 auf dem Interface kürzere Mittelwerte ein. Steigen die Drops, hilft ein zusätzlicher oder schnellerer Uplink, eine Verteilung über einen Port-Channel oder QoS, die Backups in eine niedrigere Klasse legt.

Symptom

Am Außenstandort dauert das Öffnen eines Vorgangs in der Fachanwendung zehn Sekunden, in der Zentrale eine. Die Leitung ist laut Monitoring kaum ausgelastet.

Ursache

Latenz multipliziert mit der Zahl der Hin- und Rückwege. Stellt die Anwendung für einen Vorgang 400 Datenbankabfragen nacheinander, kosten diese bei 25 Millisekunden Laufzeit allein 10 Sekunden Wartezeit, egal wie breit die Leitung ist. Im LAN mit unter einer Millisekunde fällt das nicht auf.

Lösung

Ein Mitschnitt mit der Statistik Conversations zeigt die Zahl der Anfragen je Vorgang. Abhilfe schafft nicht mehr Bandbreite, sondern weniger Hin- und Rückwege: die Anwendung über Terminalserver oder eine Weboberfläche nahe an der Datenbank betreiben oder das Abfrageverhalten ändern lassen.

Symptom

Eine einzelne große Dateikopie zum entfernten Standort erreicht nur einen Bruchteil der gebuchten Bandbreite. Mehrere Kopien parallel sind zusammen deutlich schneller.

Ursache

Das TCP-Fenster ist kleiner als das Bandbreiten-Verzögerungs-Produkt. RFC 6349 beschreibt, dass die Puffer mindestens so groß sein sollen wie dieses Produkt. Bei 100 Mbit/s und 25 Millisekunden Laufzeit sind das 312.500 Byte. Mit einem Fenster von 64 KiB ohne Window Scaling schafft eine Verbindung höchstens rund 21 Mbit/s.

Lösung

Prüfe im Mitschnitt, ob beide Seiten im SYN die Option Window Scale nach RFC 7323 senden und ob Firewalls oder WAN-Optimierer sie entfernen. Miss mit iperf3 einmal mit einem Stream und einmal mit -P 4. Ist der Unterschied groß, liegt die Grenze in TCP und nicht in der Leitung.

Symptom

Webseiten und Dateifreigaben über VPN oder einen Tunnel laden den Anfang und bleiben dann hängen. Ping funktioniert, kleine Abfragen auch.

Ursache

MTU-Problem auf dem Pfad. Große Pakete mit gesetztem DF-Bit passen nicht durch den Tunnel, und die ICMP-Meldung Fragmentation needed wird von einer Firewall gefiltert. Der Sender erfährt nie, dass er kleinere Pakete schicken muss, und die großen gehen still verloren.

Lösung

Teste mit ping und gesetztem DF-Bit in steigender Größe, bis Pakete nicht mehr durchkommen. Lass ICMP Typ 3, Code 4 auf dem Pfad zu. Wo das nicht geht, setzt du auf dem Tunnel-Interface ip tcp adjust-mss; Cisco empfiehlt für GRE mit IPsec ip mtu 1400, daraus ergibt sich eine MSS von 1360.

Symptom

Jede neue Verbindung, jeder Seitenaufruf und die Anmeldung dauern einige Sekunden länger als früher, danach läuft alles flüssig.

Ursache

Ein verzögerter DNS-Server. Ist der erste eingetragene Server nicht erreichbar, wartet der Client bis zur Zeitüberschreitung, bevor er den zweiten fragt. Unter Linux liegt die Voreinstellung dafür laut Manpage resolv.conf bei fünf Sekunden.

Lösung

Filtere im Mitschnitt mit dns.time > 0.2 auf langsame Antworten und prüfe, welcher Server nicht antwortet. Korrigiere die DNS-Serverliste in DHCP oder auf dem Server, und entferne Server, die es nicht mehr gibt.

Symptom

Im WLAN ist es langsam, am Kabel im selben Raum nicht. Besonders in Besprechungsräumen mit vielen Geräten.

Ursache

Funkzeit ist geteilt. Viele Clients, niedrige Datenraten einzelner weit entfernter Geräte, Wiederholungen durch Störungen und Kanalüberlappung mit Nachbarnetzen senken den Durchsatz für alle in der Zelle.

Lösung

Lies am Controller Kanalauslastung, Wiederholungsrate und Datenraten der Clients. Abhilfe schaffen eine Ausleuchtung mit passender Zellgröße, das Abschalten sehr niedriger Datenraten und mehr Access Points mit kleinerer Sendeleistung statt weniger mit großer.

Symptom

Seit Einführung von TLS-Inspektion oder IPS auf der Firewall ist der Internetzugang zu Stoßzeiten langsam, nachts dagegen schnell.

Ursache

Die Firewall arbeitet an ihrer Leistungsgrenze. Hersteller geben getrennte Werte für reinen Firewall-Durchsatz und für Durchsatz mit Bedrohungsschutz oder Entschlüsselung an, und der zweite liegt oft weit unter dem ersten.

Lösung

Vergleiche CPU-Last, Sitzungszahl und Durchsatz der Firewall zu Stoßzeiten mit dem Datenblatt für die tatsächlich aktiven Funktionen. Nimm vertrauenswürdige Ziele mit hohem Volumen, etwa Updates, aus der Inspektion oder plane eine größere Plattform.

03 Was du mitnimmst

Wie du aus einer Beschwerde eine messbare Ursache machst

Die Reihenfolge folgt dem Aufwand: erst präzisieren, dann Zähler lesen, dann gezielt messen. Für die meisten Fälle reichen eine Stunde und die Werkzeuge, die auf jedem Switch und Server ohnehin vorhanden sind.

Vier Größen hinter „langsam“

  1. 01 Bandbreite: wie viel pro Sekunde
  2. 02 Latenz: wie lange hin und zurück
  3. 03 Paketverlust: wie viel kommt nicht an
  4. 04 Jitter: wie stark schwankt die Laufzeit
  5. 05 Antwortzeit des Dienstes

„Langsam“ in eine Messgröße übersetzen

Du klärst, welche Anwendung, welcher Ort und welche Uhrzeit betroffen sind. Dann ordnest du das Symptom einer Größe zu: Durchsatz bei großen Kopien, Latenz bei interaktiven Anwendungen, Jitter und Verlust bei Sprache und Video, Antwortzeit bei Anmeldungen und Webseiten.

Zähler auf dem Pfad lesen, bevor du misst

Fehlerzähler und Drops an den Switchports zwischen Client und Server zeigen in Minuten, ob Pakete verloren gehen und wo. Ein steigender CRC-Zähler oder Output Drops an einem Uplink sind konkrete Befunde, die keine Lastmessung ersetzen kann.

Durchsatz und Latenz getrennt messen

Mit iperf3 misst du, was ein Pfad an TCP-Durchsatz hergibt, mit ping und mtr die Laufzeit und den Verlust. Erst die Kombination zeigt, ob eine Leitung zu klein ist oder ob TCP auf einer langen Strecke mit einem zu kleinen Fenster arbeitet.

Den Engpass benennen, nicht vermuten

Uplink, WAN-Anschluss, Firewall mit Inspektion und WLAN sind die üblichen Engstellen. Für jede gibt es eine Messung, die sie belegt oder ausschließt, von den Output Drops am Uplink bis zur Sitzungstabelle der Firewall.

Die Anwendung entlasten oder belasten, mit Beleg

Zeigt der Mitschnitt, dass das Netz in Millisekunden liefert und der Server Sekunden für die Antwort braucht, ist die Diskussion beendet. Umgekehrt zeigst du dem Anwendungsteam, wie viele Hin- und Rückwege ein Vorgang braucht und warum er über das WAN langsam wird.

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Erst präzisieren: welche Anwendung, welcher Ort, welche Uhrzeit

Die drei Fragen nach Anwendung, Ort und Uhrzeit schneiden den Suchraum stärker zusammen als jede Messung. Sind alle Anwendungen an allen Orten langsam, liegt die Ursache nahe am Kern, etwa an DNS, an der Firewall oder am Internetanschluss. Ist nur eine Anwendung langsam, liegt sie bei dieser Anwendung oder auf ihrem Pfad. Ist nur ein Ort betroffen, prüfst du dessen Anbindung.

Die Uhrzeit verrät Lastmuster. Langsam um 8 Uhr und zur Mittagszeit spricht für Anmeldungen, Updates und Profilsynchronisation, langsam nachts für Backups und Replikation. Lass dir zwei bis drei konkrete Zeitpunkte nennen, damit du sie im Monitoring wiederfindest.

Gemeldet wirdWahrscheinliche MessgrößeErste Prüfung
Große Kopien dauern ewigDurchsatz, TCP-Fensteriperf3 auf derselben Strecke, ein Stream und vier Streams
Anwendung reagiert zähLatenz und Zahl der Hin- und RückwegeMitschnitt eines Vorgangs, Zahl der Anfragen zählen
Videocall stockt, Ton bricht abJitter und PaketverlustVerlauf von Verlust und Jitter, QoS-Markierung prüfen
Erster Aufruf dauert, dann geht esAntwortzeit von DNS oder AnmeldungDNS-Antwortzeiten im Mitschnitt
Nur in einem Raum oder an einem PlatzSchicht 1 oder WLAN-ZelleFehlerzähler am Port, Daten des Access Points

Bandbreite, Latenz und Paketverlust: drei Größen, drei Messungen

Bandbreite ist die Kapazität eines Links in Bit pro Sekunde, Latenz die Zeit für Hin- und Rückweg, Paketverlust der Anteil, der nicht ankommt. Für TCP hängen die drei zusammen. Der Durchsatz einer einzelnen Verbindung ist durch das Fenster geteilt durch die Laufzeit begrenzt, und jeder Verlust lässt TCP seine Senderate senken. Schon ein Verlust im Bereich von einem Prozent drückt den Durchsatz einer Verbindung auf langen Strecken deutlich.

Für die Rechnung brauchst du das Bandbreiten-Verzögerungs-Produkt. RFC 6349 definiert es als Produkt aus der Kapazität des engsten Links und der Laufzeit. Es gibt an, wie viele Daten unterwegs sein müssen, damit die Leitung voll ausgelastet ist. Ist das Fenster kleiner, wartet der Sender auf Bestätigungen, und die Leitung bleibt teilweise leer.

Rechenweg: Bandbreiten-Verzögerungs-Produkt und Fenstergrenze
Bandbreiten-Verzögerungs-Produkt
  100 Mbit/s x 0,025 s = 2.500.000 bit = 312.500 Byte

Höchster Durchsatz mit 64-KiB-Fenster (65.535 Byte) bei 25 ms RTT
  65.535 Byte x 8 / 0,025 s = 20.971.200 bit/s, also rund 21 Mbit/s

Gleiches Fenster im LAN mit 0,5 ms RTT
  65.535 Byte x 8 / 0,0005 s = rund 1,05 Gbit/s

Interface-Zähler lesen: CRC, Drops und Duplex

Die Zähler an den Switchports sind die billigste Messung und werden am häufigsten übersprungen. Cisco ordnet sie so ein: CRC-Fehler entstehen, wenn die Prüfsumme nicht zu den Daten passt, meist durch Kabel, Störungen, einen defekten Port oder einen Duplex-Mismatch. Output Drops zeigen, dass die Ausgangswarteschlange voll war, typisch bei Geschwindigkeitsunterschieden und Überlast. Late Collisions dürfen auf Vollduplex-Ports gar nicht vorkommen.

Ein absoluter Zählerstand sagt wenig, weil er seit dem letzten Neustart läuft. Setze die Zähler mit clear counters für den Port zurück oder notiere den Stand, erzeuge Last und lies erneut. Steigende Werte unter Last sind der Befund. Prüfe immer beide Enden eines Links, denn bei einem Duplex-Mismatch zeigen die beiden Seiten unterschiedliche Fehler.

Cisco IOS: Zähler an Access Port und Uplink
show interfaces Gi1/0/14 status
show interfaces Gi1/0/14 counters errors
show interfaces Gi1/0/14 | include duplex|CRC|collisions|drops|rate

! Kürzere Mittelwerte für Lastspitzen
configure terminal
interface TenGigabitEthernet1/1/1
 load-interval 30
end
show interfaces Te1/1/1 | include rate|output drops

! Zähler für einen Port zurücksetzen und unter Last neu lesen
clear counters Gi1/0/14

Engpässe an Uplink, WAN, Firewall und WLAN

Ein Engpass ist die Stelle auf dem Pfad mit der kleinsten verfügbaren Kapazität. Im Firmennetz sind es selten die Access Ports, sondern die Stellen, an denen sich Verkehr bündelt: der Uplink vom Etagenswitch, der WAN-Anschluss eines Standorts, die Firewall am Internetübergang und die Funkzelle im WLAN. Für jede gibt es einen eigenen Nachweis.

Beim WAN lohnt ein Blick auf die Richtung. Viele Anschlüsse sind asymmetrisch, und an Standorten, die Daten in die Zentrale oder in die Cloud hochladen, ist der Upload der Engpass. Bei Firewalls zählt nicht der größte Wert im Datenblatt, sondern der für die Funktionen, die tatsächlich aktiv sind: IPS, Anwendungserkennung und TLS-Inspektion kosten jeweils Leistung.

  • Uplink: Output Drops und Auslastung mit kurzem load-interval, Überbuchung aus Portzahl und Uplink-Kapazität berechnen

  • WAN: Auslastung je Richtung, Latenz und Verlust über den Tag, Vergleich mit der gebuchten Bandbreite

  • Firewall: CPU-Last, Sitzungszahl und Durchsatz zur Stoßzeit gegen den Datenblattwert der aktiven Funktionen

  • WLAN: Kanalauslastung, Wiederholungsrate, Datenraten und Zahl der Clients je Access Point

  • Server-Anbindung: Fehler und Drops am Serverport, Auslastung von Teaming oder Port-Channel

MTU und Fragmentierung als Sonderfall

MTU-Probleme verhalten sich wie kein anderer Fehler: Kleine Pakete gehen durch, große verschwinden. Path MTU Discovery nach RFC 1191 setzt darauf, dass ein Router ein zu großes Paket mit DF-Bit verwirft und eine ICMP-Meldung zurückschickt. Filtert eine Firewall diese Meldung, verliert der Sender große Pakete still. Cisco nennt das gezielte Freigeben dieser ICMP-Meldungen als ersten Lösungsweg und das Anpassen der MSS am Tunnel als zweiten.

Die Größe, die du beim Ping angibst, ist unter Linux und Windows die Nutzlast. Für eine IPv4-MTU von 1500 Byte kommen 20 Byte IP-Header und 8 Byte ICMP-Header hinzu, die größte Nutzlast ist also 1472 Byte. Auf Cisco IOS gibst du dagegen die Größe des gesamten Pakets an, dort testest du direkt mit 1500.

MTU auf dem Pfad testen und MSS am Tunnel setzen
# Linux: 1472 Byte Nutzlast + 28 Byte Header = 1500, DF-Bit gesetzt
ping -M do -s 1472 -c 3 10.50.1.10
ping -M do -s 1372 -c 3 10.50.1.10
tracepath -n 10.50.1.10

# Windows
ping -f -l 1472 10.50.1.10

! Cisco IOS: Tunnel-Interface mit GRE und IPsec
interface Tunnel10
 ip mtu 1400
 ip tcp adjust-mss 1360

Messen mit iperf3, Monitoring-Verläufen und Mitschnitt

iperf3 misst den TCP- oder UDP-Durchsatz zwischen zwei Endpunkten. Laut Dokumentation lauscht der Server auf Port 5201 und ein Test dauert ohne Angabe zehn Sekunden. Miss in beide Richtungen, denn mit -R sendet der Server zum Client, und vergleiche einen Stream mit mehreren parallelen. Bei UDP begrenzt iperf3 ohne Angabe auf 1 Mbit/s, mit -b setzt du die Zielrate. Die Option -O blendet die ersten Sekunden aus, in denen TCP noch hochfährt.

Monitoring liefert den Verlauf, den eine einzelne Messung nicht hat. Wichtig sind 64-Bit-Zähler, also ifHCInOctets und ifHCOutOctets aus der IF-MIB nach RFC 2863, weil 32-Bit-Zähler auf schnellen Links zwischen zwei Abfragen überlaufen können. Ergänze Auslastung um Fehler- und Drop-Zähler und um Latenzmessungen zu festen Zielen. Ein Mitschnitt schließlich zeigt Retransmissions, Fenstergrößen und Antwortzeiten einer konkreten Verbindung.

iperf3: Durchsatz einer Strecke messen
# Auf dem Server in der Zentrale
iperf3 -s

# Am Standort: 30 Sekunden, erste 3 Sekunden ausblenden
iperf3 -c 10.50.1.10 -t 30 -O 3

# Gegenrichtung und vier parallele Streams
iperf3 -c 10.50.1.10 -t 30 -O 3 -R
iperf3 -c 10.50.1.10 -t 30 -O 3 -P 4

# UDP mit 50 Mbit/s für Verlust und Jitter
iperf3 -c 10.50.1.10 -u -b 50M -t 30

Wenn es doch die Anwendung ist

Am Ende einer sauberen Messreihe steht häufig die Erkenntnis, dass das Netz liefert. Der Mitschnitt zeigt dann ein Muster: Die Anfrage des Clients kommt beim Server an, das TCP-ACK folgt nach einer Millisekunde, die eigentliche Antwort aber erst nach zwei Sekunden. Diese Lücke zwischen ACK und Daten ist Rechenzeit des Servers oder Wartezeit auf eine Datenbank, keine Netzzeit.

Mit diesem Beleg ist das Gespräch mit dem Anwendungsteam sachlich. Nenne die Zeitstempel der Anfrage, der Bestätigung und der Antwort, die Laufzeit im Netz und die Zahl der Anfragen je Vorgang. Zeigt sich, dass die Anwendung für einen Vorgang Hunderte von Anfragen nacheinander stellt, ist die Lösung eine Architekturfrage und keine Leitungsfrage.

Dazu passende Kurse

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Stimmen aus den Kursen

Was Teilnehmende über die Kurse in diesem Bereich sagen

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05 Fragen

Häufige Fragen

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Wie erkenne ich einen Duplex-Mismatch?
Auf der Seite mit Vollduplex steigen CRC-, FCS- und Runt-Zähler, auf der Seite mit Halbduplex treten Late Collisions auf. Mit show interfaces und dem Zusatz status siehst du die eingestellten Werte; ein vorangestelltes a- zeigt, dass ausgehandelt wurde. Ursache ist fast immer, dass eine Seite fest konfiguriert ist und die andere auf Autonegotiation steht.
Reicht ein Speedtest im Browser, um das Netz zu messen?
Für den Internetanschluss gibt er einen groben Eindruck, für das interne Netz nicht. Er misst gegen einen fremden Server über einen unbekannten Pfad. Für interne Strecken misst du mit iperf3 zwischen zwei eigenen Endpunkten, in beide Richtungen und mit einem sowie mehreren Streams.
Wie hoch darf die Latenz im LAN sein?
In einem kabelgebundenen LAN innerhalb eines Gebäudes liegen Ping-Zeiten üblicherweise unter einer Millisekunde. Deutlich höhere Werte innerhalb des LANs deuten auf Überlast, Puffer an einem Engpass oder auf ein ausgelastetes Endgerät hin. Über WAN und Internet hängt die Laufzeit vor allem von der Entfernung und dem Pfad ab.
Was sind Output Drops und wann sind sie ein Problem?
Output Drops zählen Pakete, die ein Port verworfen hat, weil seine Ausgangswarteschlange voll war. Einzelne Drops kommen vor. Steigen sie unter Last regelmäßig, besonders an Uplinks oder an Ports zu Servern, gehen Pakete verloren, und TCP bremst. Dann prüfst du Überbuchung, Lastspitzen und QoS.
Hilft mehr Bandbreite, wenn die Anwendung am Standort langsam ist?
Nur, wenn die Leitung tatsächlich ausgelastet ist. Ist sie es nicht und die Laufzeit hoch, bremsen die vielen Hin- und Rückwege der Anwendung oder ein zu kleines TCP-Fenster. Dann bringen kürzere Wege, eine Bereitstellung nahe an der Datenbank oder eine angepasste Anwendung mehr als ein größerer Anschluss.
Wie finde ich Paketverlust auf einer Strecke?
Ein längerer Ping mit einigen hundert Paketen oder mtr zeigt Verlust je Hop. Verlust, der an einem Hop beginnt und bis zum Ziel bestehen bleibt, ist echt; Verlust nur an einem Zwischenhop ist meist gedrosselte ICMP-Antwort. Ergänze die Messung um die Fehler- und Drop-Zähler der Interfaces auf dem Pfad.
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