Belastung und Erholung

Was ist Resilienz?

psychische Widerstandsfähigkeit

Resilienz bezeichnet die Fähigkeit, mit Belastungen, Rückschlägen und Unsicherheit umzugehen und danach wieder handlungsfähig zu werden. Sie ist keine feste Eigenschaft, sondern verändert sich mit Erfahrung, Umfeld und der aktuellen Lebenssituation.

Nach einer Umstrukturierung arbeiten manche Teams einfach weiter und andere zerfallen, und der Unterschied liegt selten nur an der Belastbarkeit einzelner Personen.

KI-generiertDieses Bild wurde mit KI erzeugt · Yves Hoppe / KI / cmt
Kommt aus
Entwicklungspsychologie und Stressforschung
Typisch bei
Umbau, Dauerbelastung, Personalengpässen
Verwechselt mit
Robustheit und reiner Stressresistenz
Wichtige Grenze
Ersetzt keine tragfähigen Arbeitsbedingungen

Die gängigen Resilienzfaktoren

Die Aufzählungen unterscheiden sich je nach Modell, einige Faktoren tauchen aber in fast allen auf: Selbstwirksamkeit, also das Zutrauen, etwas bewirken zu können, ein realistischer Optimismus, die Akzeptanz dessen, was sich nicht ändern lässt, Lösungsorientierung, tragfähige Beziehungen, geplante Erholung und die Bereitschaft, Verantwortung für das eigene Handeln zu übernehmen.

Der entscheidende Punkt an dieser Liste ist, dass fast alles darin erlernbar ist. Selbstwirksamkeit wächst durch Aufgaben, die man bewältigt hat, nicht durch Zuspruch. Deshalb bringt es mehr, kleine Situationen bewusst durchzuarbeiten, als sich eine andere Einstellung vorzunehmen.

Was das im Arbeitsalltag heißt

Vier Ansatzpunkte sind konkret genug für den Alltag. Erstens die eigenen Frühzeichen kennen, also die Signale, die zuerst kommen, wenn es zu viel wird. Zweitens den Einflussbereich sortieren und Energie nicht in das stecken, was ohnehin feststeht. Drittens Erholung terminieren statt hoffen, dass sie sich ergibt. Viertens Kontakte pflegen, bevor man sie braucht.

Dazu kommt die Bewertung einer Situation, die mit darüber entscheidet, wie stark die Stressreaktion ausfällt. Dieselbe Frist kann als Herausforderung oder als Bedrohung eingeordnet werden, je nachdem, ob jemand die eigenen Mittel für ausreichend hält. Genau an dieser Einordnung setzen die meisten Übungen an.

Grenzen des Begriffs

Resilienz wird häufig dort angeboten, wo die Ursache in der Arbeitsorganisation liegt. Wenn dauerhaft zu wenige Leute zu viel Arbeit haben, ist das kein Resilienzproblem, sondern ein Kapazitätsproblem. Angebote, die darüber hinweggehen, erreichen die Belegschaft nicht und werden zu Recht als Verschiebung der Verantwortung gelesen.

Das Arbeitsschutzgesetz verlangt vom Arbeitgeber ohnehin, psychische Belastungen bei der Arbeit in die Gefährdungsbeurteilung einzubeziehen, so steht es in § 5 Absatz 3 Nummer 6 ArbSchG. Wer beides zusammenbringt, also die Bedingungen prüft und zusätzlich das persönliche Repertoire stärkt, kommt weiter als mit einem Einzeltraining.

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Nicht verwechseln

Resilienz und was oft damit gleichgesetzt wird

Resilienz gegen Stressbewältigung

Stressbewältigung setzt an der akuten Reaktion an, etwa Pausen, Atmung oder Priorisierung im Moment. Resilienz beschreibt die längerfristige Verarbeitungsfähigkeit über viele solcher Situationen hinweg.

Resilienz gegen Burnout-Prävention

Burnout-Prävention zielt auf ein konkretes Gesundheitsrisiko und umfasst auch Arbeitsmenge, Führung und Arbeitsgestaltung. Resilienzarbeit ist ein Baustein davon, deckt das Thema aber nicht ab.

Resilienz gegen Robustheit

Robustheit meint, dass etwas unter Belastung unverändert bleibt. Resilienz schließt ausdrücklich ein, dass jemand einknickt und sich danach wieder aufrichtet.

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In der Praxis

Resilienztraining wird oft dort eingekauft, wo die Ursache in der Organisation liegt

Der übliche Ablauf sieht so aus: Die Krankenstände steigen, die Belegschaft klagt über Überlastung, und die Antwort ist ein Tagesworkshop zu Achtsamkeit und Selbstfürsorge. Danach kennen alle die Atemübung, aber die Ursache, etwa eine seit Monaten unbesetzte Stelle oder ein Freigabeprozess, der jede Woche Überstunden erzwingt, bleibt unverändert.

In Teams zeigt sich Resilienz weniger daran, wie viel Druck einzelne aushalten, als daran, wie schnell nach einem Rückschlag wieder gearbeitet wird. Ein verlorener Großauftrag oder ein abgebrochener Rollout kostet das eine Team zwei Tage und das andere zwei Monate. Den Unterschied macht meist ein Termin, in dem Ursachen und nächste Schritte benannt werden, statt die Sache über Wochen in Flurgesprächen weiterlaufen zu lassen.

Achte auf die Erholung zwischen den Belastungen und nicht nur auf die Belastung selbst. Zwei anstrengende Projekte hintereinander sind unproblematisch, wenn dazwischen eine ruhige Woche liegt. Fällt diese Pause dauerhaft weg, summiert sich die Anspannung, und die betroffene Person merkt es meist zuletzt.

Resilienz lernen

Wie du diese Ansätze auf deinen Arbeitsalltag überträgst, behandeln die Seminare zu Stress und Belastung .

Für die betriebliche Seite, also Bedingungen statt Bewältigung, sind die Kurse zur Gefährdungsbeurteilung und Fürsorgepflicht zuständig.

Häufige Fragen

Kann man Resilienz lernen?
In Teilen ja. Die zugrunde liegenden Muster stammen aus Erfahrung und lassen sich verändern, vor allem die Bewertung von Situationen, der Umgang mit Erholung und der Aufbau tragfähiger Kontakte. Was sich damit nicht ändert, ist die Belastung selbst.
Ist Resilienz Sache der Beschäftigten oder des Betriebs?
Beides, aber in dieser Reihenfolge: zuerst die Arbeitsbedingungen, dann das persönliche Repertoire. Ein Angebot zur Stärkung der Widerstandskraft, das dauerhafte Überlastung ausgleichen soll, wird zu Recht abgelehnt.
Woran merke ich, dass meine Reserven knapp werden?
Meist an Zeichen außerhalb der Arbeit: Schlaf, Reizbarkeit, der Verzicht auf Dinge, die sonst Kraft geben. Wer diese Signale einmal für sich aufschreibt, erkennt sie beim nächsten Mal deutlich früher.
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