Zuständigkeit für Daten

Eine Kennzahl, eine Definition, eine zuständige Person

Die Rolle hat kein Weisungsrecht und trotzdem eine klare Aufgabe: dafür zu sorgen, dass jede wichtige Zahl einen Besitzer und eine nachlesbare Bedeutung hat.

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Worum es geht

Zwei Berichte, zwei Zahlen, und beide sind richtig gerechnet

Der Vertrieb meldet einen Umsatz, das Controlling einen anderen, und in der Sitzung stellt sich heraus, dass beide sauber gerechnet haben. Der eine zählt ab Auftragseingang, der andere ab Rechnungsstellung, Stornos werden unterschiedlich behandelt. Ab diesem Moment geht die Sitzung nicht mehr um die Entscheidung, sondern um die Zahl, und die eigentliche Frage wird vertagt.

Das ist kein Rechenfehler, sondern eine fehlende Zuständigkeit. Solange niemand benannt ist, der über die Bedeutung einer Kennzahl entscheidet, entstehen so viele Definitionen, wie es Abteilungen gibt. Der Schaden ist selten ein einzelner falscher Bericht. Der Schaden ist, dass Auswertungen nach einigen solchen Sitzungen niemand mehr als Grundlage benutzt.

Die zweite Sorte Vorfall ist stiller. Ein Quellsystem benennt ein Feld um oder ändert seine Bedeutung, weil es dort gute Gründe dafür gab. Drei Auswertungen weiter unten rechnen ab sofort Unsinn, und weil niemand eine Zusage über Vorlauf und Benachrichtigung getroffen hatte, fällt es erst Wochen später auf, oft an einem Wert, der zu schön aussieht.

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Wer entscheidet was

Wer entscheidet, wer setzt um, und wo es regelmäßig hakt

Der häufigste Fehler bei der Einführung ist, dass diese Rolle Entscheidungen an sich zieht, die im Fachbereich gehören. Sie wird dann zur Zahlenpolizei und verliert genau die Mitarbeit, von der sie lebt.

Bedeutung einer Kennzahl

Wer entscheidet
Der Fachbereich, dem die Kennzahl gehört
Wer setzt um
Data Governance Manager, gemeinsam mit BI
Stolperfalle
Die Definition wird zentral geschrieben, ohne dass der Fachbereich sie unterschreibt. Dann gilt sie im Katalog und nirgends sonst.

Schwellen und Regeln für Datenqualität

Wer entscheidet
Fachbereich mit dem Data Governance Manager
Wer setzt um
Das Team, das die Ladestrecke betreibt
Stolperfalle
Es wird alles gemessen, was messbar ist. Nach vier Wochen sieht niemand mehr hin, weil ständig etwas rot ist, das niemanden stört.

Änderung an einem Quellsystem

Wer entscheidet
Der Betreiber des Quellsystems
Wer setzt um
Der Betreiber, mit Vorlauf laut Lieferzusage
Stolperfalle
Eine Änderung wird als rein technisch eingestuft und ohne Ankündigung ausgerollt, obwohl sie die Bedeutung eines Feldes verschiebt.

Zugriff auf einen Datenbestand

Wer entscheidet
Die zuständige Person im Fachbereich
Wer setzt um
IT oder Plattformteam über Rollen
Stolperfalle
Zugriff wird einzeln und dauerhaft vergeben. Nach zwei Jahren weiß niemand mehr, warum eine bestimmte Abteilung Personaldaten sehen kann.

Aufnahme eines Bestands in den Katalog

Wer entscheidet
Data Governance Manager
Wer setzt um
Fachbereich und Datenteam gemeinsam
Stolperfalle
Der Katalog wird einmalig vollautomatisch befüllt und danach nicht gepflegt. Ein Katalog mit veralteten Einträgen ist schlechter als keiner.

Fünf Bausteine, ohne die Datenverantwortung nicht greift

  1. 01 Jeder wichtige Datenbestand hat eine namentlich zuständige Person.
  2. 02 Jede Kennzahl hat genau eine Definition, und die steht an der Zahl.
  3. 03 Zwischen Quelle und Auswertung gibt es eine schriftliche Lieferzusage.
  4. 04 Vier Qualitätsmerkmale werden gemessen und nicht behauptet.
  5. 05 Ein Katalog macht Suchen schneller als Nachfragen beim Kollegen.
  6. 06 Zugriffsrechte hängen an der Aufgabe und nicht an einzelnen Personen.
Was du mitnimmst

Was du einführst, damit Zahlen wieder tragen

Datenverantwortung ist kein Werkzeugprojekt. Die Bausteine sind organisatorisch, sie lassen sich einzeln einführen, und jeder von ihnen wirkt schon für sich. Wichtig ist die Reihenfolge: erst Zuständigkeit, dann Bedeutung, dann Messung.

Für jeden wichtigen Bestand eine Person benennen

Die Zuständigkeit gehört in den Fachbereich, dem die Daten gehören, nicht in die IT. Die IT betreibt das System, sie kann aber nicht entscheiden, ob ein gekündigter Vertrag noch als Kunde zählt. Ohne diesen Schritt bleibt jeder weitere folgenlos.

Kennzahlen definieren und die Definition dorthin schreiben, wo die Zahl steht

Eine Definition in einem Dokument, das niemand öffnet, wirkt nicht. Sie gehört an den Bericht, in das Feld daneben oder in den Katalogeintrag, den man beim Draufklicken sieht. Der Aufwand steckt nicht im Formulieren, sondern im Einigen zwischen zwei Abteilungen.

Lieferzusagen zwischen Quelle und Auswertung festhalten

Ein solcher Vertrag hält fest, welche Felder mit welcher Bedeutung geliefert werden, wie aktuell sie sind und wie viel Vorlauf eine Änderung bekommt. Das ist der wirksamste einzelne Baustein gegen die stillen Brüche, weil er aus einer Überraschung eine Ankündigung macht.

Datenqualität messen statt behaupten

Vollständigkeit, Gültigkeit gegen eine Wertemenge, Eindeutigkeit und Aktualität lassen sich als Prüfungen schreiben, die täglich laufen. Eine Zahl, die sich verschlechtert, überzeugt eine Leitungsrunde weit schneller als der Satz, dass die Datenqualität schlecht sei.

Einen Katalog bauen, der schneller ist als die Rückfrage beim Kollegen

Ein Katalog wird genau dann benutzt, wenn Suchen weniger Zeit kostet als Fragen. Das entscheidet sich an Suchbarkeit, an Beispielen für echte Werte und daran, dass zu jedem Eintrag ein Mensch mit Namen dabeisteht, nicht ein Postfach.

Zugriff nach Rolle regeln und die Aufbewahrung mitdenken

Wer welche Daten sehen darf, hängt an der Aufgabe und nicht an der Person. Wie lange etwas aufbewahrt wird, ist eine Entscheidung, die früh zu treffen ist, weil sie sich rückwirkend nur schwer herstellen lässt. Die datenschutzrechtliche Seite hat dabei ihre eigenen Anforderungen.

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Was die Rolle tatsächlich tut, und was Leute erwarten

Erwartet wird häufig ein Werkzeugprojekt: ein Katalog wird eingeführt, automatisch befüllt, und danach ist Ordnung. Tatsächlich besteht der Alltag aus Abstimmung. Zwei Abteilungen sollen sich auf eine Definition einigen, ein Fachbereich soll eine Zuständigkeit übernehmen, die er nicht wollte, und ein Quellsystem soll Vorlauf bei Änderungen zusagen, obwohl es dafür keinen Vorteil hat.

Der zweite Block ist Handwerk: Prüfungen für Datenqualität schreiben oder schreiben lassen, Kennzahlen dokumentieren, Zugriffsrollen ordnen, Änderungen begleiten. Das ist die Arbeit, die den Ruf der Rolle bestimmt, weil sie sichtbare Ergebnisse liefert, an denen man die Abstimmung später aufhängen kann.

Nicht zur Rolle gehört die fachliche Entscheidung selbst. Wer beginnt, Definitionen im Alleingang festzulegen, weil es schneller geht, hat nach einem halben Jahr einen Katalog, den niemand benutzt, und einen Ruf als Zahlenpolizei. Ebenso wenig gehört die datenschutzrechtliche Bewertung hierher, die hat eigene Zuständigkeiten und eigene Anforderungen.

Der Weg hinein führt selten geradeaus

Am häufigsten kommen Leute aus dem Controlling oder aus der Business-Intelligence-Arbeit. Sie kennen die Zahlen des Hauses und wissen aus eigener Erfahrung, an welchen Stellen sie sich widersprechen. Was fehlt, ist meist die Erfahrung mit Abstimmung über Abteilungsgrenzen und ein sicherer Umgang mit den technischen Begriffen rund um Schema, Ladestrecke und Rechteverwaltung.

Der zweite Weg führt aus der IT, oft aus Datenbank- oder Datenplattformarbeit. Dort ist die technische Seite selbstverständlich, und die Umstellung besteht darin, nicht mehr über Systeme, sondern über Bedeutung zu sprechen. Wer diesen Weg geht, muss lernen, im Fachbereich zu fragen statt zu erklären, sonst bleibt die Rolle in der IT hängen und wirkt nicht.

Ein Zertifikat wie Data+ ordnet die Begriffe und hilft, wenn du aus einer angrenzenden Rolle kommst und die Sprache noch nicht sicher sprichst. Was in Gesprächen zählt, ist etwas anderes: ein Beispiel, in dem du eine strittige Definition zu einer Einigung gebracht hast, samt der Angabe, wer am Ende unterschrieben hat. Das ist der Nachweis, den diese Rolle braucht.

Durchsetzung ohne Weisungsrecht ist der eigentliche Beruf

Zwei Leute mit gleicher Berufsdauer unterscheiden sich fast immer an dieser Stelle. Die eine schreibt Richtlinien und wundert sich, dass niemand sie liest. Die andere sucht sich einen Fall, der jemandem weh tut, etwa den Bericht, über den in jeder Leitungsrunde gestritten wird, löst genau den und hat danach eine Referenz, mit der sich der nächste Fall leichter besetzen lässt.

Der zweite Unterschied ist die Wahl der Kennzahlen für die eigene Arbeit. Wer misst, wie viele Einträge im Katalog stehen, misst Fleiß. Wer misst, wie oft der Katalog gesucht wird, wie lange eine Rückfrage zu einer Definition dauert und wie viele Auswertungen nach einer Schemaänderung gebrochen sind, misst Wirkung und kann Budget begründen.

Der dritte Unterschied ist die Bereitschaft, Ausnahmen zuzulassen. Eine Regel, die für jeden Bestand gleich streng gilt, erzeugt Umgehungen. Wer nach Bedeutung abstuft, also für die zwanzig wichtigsten Bestände streng und für den Rest leicht, bekommt Mitarbeit statt Widerstand.

Wohin die Rolle führt

Nach oben führt der Weg in die Verantwortung für das gesamte Datenmanagement eines Hauses, in größeren Organisationen bis zur Leitung des Datenbereichs. Dort geht es dann um Zielbilder, Budgets und darum, welche Vorhaben nicht gemacht werden, und die einzelne Definition taucht nur noch als Beispiel auf.

Seitwärts liegen zwei Anschlüsse. Der eine ist die Regelseite, also Datenschutz, Informationssicherheit und die Nachweispflichten, die sich rund um KI-Einsatz gerade verdichten. Der andere ist die Produktseite: Datenbestände so zuschneiden und betreiben, dass andere Teams sie wie ein Produkt beziehen können, mit Zusagen zu Aktualität und Bedeutung.

Zurück in die Fachlichkeit geht es ebenfalls, und das ist keine Rückstufung. Wer aus dem Controlling kam und dort zurückkehrt, bringt ein Verständnis für Zuständigkeiten und für die Herkunft von Zahlen mit, das in Leitungsrunden ungewöhnlich wertvoll ist.

Warum auf dieser Seite keine Gehaltszahl steht

Für Datenverantwortung gibt es in der amtlichen Berufsklassifikation keine eigene Gattung. Das liegt in diesem Fall nicht nur am Alter der Systematik, sondern daran, dass die Rolle organisatorisch überall sitzen kann: in der IT, im Controlling, in der Unternehmensentwicklung oder direkt bei der Geschäftsführung. Je nachdem wird sie ganz anders gemeldet, und ein Wert aus einer einzelnen Zelle wäre irreführend.

Der Verdienst folgt in dieser Rolle stärker der Verankerung als dem Titel. Eine Stelle mit Budget, eigenem Team und Zugang zur Leitungsebene ist etwas anderes als eine Stabsstelle, die Definitionen sammelt, auch wenn auf beiden Visitenkarten dasselbe steht. Genau danach solltest du im Gespräch fragen.

Belegbar ist die Branchenebene. Das Statistische Bundesamt weist den durchschnittlichen Bruttojahresverdienst Vollzeitbeschäftigter je Wirtschaftszweig aus, einschließlich Sonderzahlungen. Weil diese Rolle besonders häufig außerhalb der IT-Branche sitzt, etwa bei Versicherungen, Banken oder in der Industrie, ist selbst diese Größe nur ein grober Anhaltspunkt und keine Aussage über die Stelle.

Dazu passende Kurse

Wie du von der strittigen Kennzahl zur unterschriebenen Definition kommst, üben Kurse, in denen du Verantwortlichkeiten für einzelne Datenbestände festlegst .

Wer den Umbau breiter aufziehen will als nur bei den Daten, sollte sich das Angebot rund um digitale Arbeitsweisen ansehen.

Was verdient man

Warum es zu dieser Rolle keine amtliche Zahl gibt

Für Datenverantwortung gibt es keine eigene Berufsgattung in der amtlichen Erhebung, denn die Rolle sitzt je nach Haus in der IT, im Controlling oder im Fachbereich und wird entsprechend unterschiedlich gemeldet. Eine einzelne Zelle herauszugreifen wäre unsere Entscheidung und keine Statistik. Hinzu kommt, dass der Verdienst hier stärker an der Verankerung hängt als am Titel: eine Stelle mit Budget und eigenem Team ist etwas anderes als eine Stabsstelle mit derselben Bezeichnung. Belegbar ist nur die Branchenebene, also der durchschnittliche Bruttojahresverdienst Vollzeitbeschäftigter einschließlich Sonderzahlungen, und weil diese Rolle oft außerhalb der IT-Branche sitzt, ist selbst das nur ein grober Anhaltspunkt.

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Häufige Fragen

Was unterscheidet die Rolle vom Datenschutzbeauftragten?
Der Datenschutz fragt, ob eine Verarbeitung personenbezogener Daten zulässig ist, und stützt sich dabei auf gesetzliche Vorgaben. Datenverantwortung fragt, ob Daten brauchbar sind, wem sie gehören und ob man den Zahlen trauen kann, und zwar für alle Daten, auch für solche ohne Personenbezug. Die beiden überschneiden sich bei Zugriff und Aufbewahrung und ersetzen einander nicht.
Brauche ich dafür ein Werkzeug wie einen Datenkatalog?
Nicht am Anfang. Die ersten Schritte, also Zuständigkeiten benennen und strittige Definitionen klären, funktionieren mit einer Tabelle. Ein Katalog lohnt sich, sobald mehrere Teams suchen, statt zu fragen. Wer mit dem Werkzeug beginnt, hat meist ein gut gefülltes System ohne Zuständigkeiten dahinter.
Ist das eine technische oder eine kaufmännische Rolle?
Sie liegt dazwischen, und das ist der Grund für ihren Wert. Du musst mit dem Datenteam über Schema, Ladestrecke und Rechte reden können und mit dem Fachbereich über Bedeutung und Verantwortung. Reine Technik oder reine Fachlichkeit reichen beide nicht, weil die Rolle genau die Übersetzung leistet.
Womit fange ich an, wenn nichts vorhanden ist?
Mit den zwanzig Kennzahlen, über die tatsächlich gestritten wird, und mit der Frage, wer über jede von ihnen entscheidet. Diese Liste bekommst du in wenigen Gesprächen zusammen, und sie erzeugt sofort Diskussionen, die vorher unter der Oberfläche liefen. Alles Weitere ordnet sich daran.

Passt thematisch dazu

Wo Personenbezug im Spiel ist, greift daneben der Datenschutz mit eigenen Anforderungen, und dort ist das Verzeichnis von Verarbeitungstätigkeiten die Unterlage, an der sich vieles ausrichtet.

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Yves Hoppe

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Norbert Jansen

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