KI-Anwendungen absichern

Prompt Injection verhindern: die Kontrollen an jeder Schicht einer LLM-Anwendung

Ein Modell liest jeden Text als mögliche Anweisung, ob er vom Nutzer kommt oder aus einem fremden Dokument. Sicherheit entsteht deshalb außerhalb des Modells.

KI-generiertDieses Bild wurde mit KI erzeugt · Yves Hoppe / KI / cmt
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Kurz gesagt

Prompt Injection lässt sich nicht im Modell verhindern, sondern nur um das Modell herum begrenzen. Ein Sprachmodell unterscheidet nicht zuverlässig zwischen Anweisungen des Betreibers und Text aus einer E-Mail, einem PDF oder einer Webseite. Die wirksamen Kontrollen sitzen deshalb an den Übergängen: Eingabefilter vor dem Modell, Kennzeichnung fremder Inhalte, Ausgabefilter, Mindestrechte für jeden Werkzeugaufruf, eine Freigabe durch Menschen vor Aktionen mit Folgen und ein Protokoll. OWASP führt Prompt Injection in der Ausgabe 2025 seiner Top 10 für LLM-Anwendungen als Risiko Nummer eins.

Stand dieser Seite: 04.10.2026

01 Worum es geht

Das Modell gehorcht dem Text, nicht dem Betreiber

Im Betrieb sieht es so aus: Ein Assistent fasst E-Mails zusammen, beantwortet Fragen aus dem Wiki, legt Tickets an oder verschickt Antworten. Eine E-Mail mit einer Anweisung in weißer Schrift, ein PDF mit einem versteckten Absatz, eine Wiki-Seite, die ein Angreifer bearbeiten konnte: Jeder dieser Texte landet im Kontext des Modells und wird dort wie eine Anweisung behandelt. Der Preis ist ein Datenabfluss, den kein Nutzer ausgelöst hat.

Das Grundproblem ist technisch. Ein Sprachmodell verarbeitet System-Prompt, Nutzereingabe, Dokumente und Werkzeugergebnisse als eine einzige Folge von Token. Es gibt im Modell keine Grenze, die sagt, dieser Teil darf befehlen und jener ist nur Inhalt. OWASP beschreibt in der Ausgabe 2025 seiner Top 10 für LLM-Anwendungen die Prompt Injection als Risiko LLM01 und unterscheidet direkte Angriffe über die Nutzereingabe von indirekten über externe Inhalte. Beide lassen sich mit heutigen Modellen nicht ausschließen, nur begrenzen.

Mit Agenten wächst die Angriffsfläche. Sobald ein Modell Werkzeuge aufrufen darf, ist eine eingeschleuste Anweisung nicht mehr nur ein falscher Text, sondern eine Handlung mit den Rechten des Agenten. OWASP hat dafür im Dezember 2025 eine eigene Top 10 für agentenbasierte Anwendungen veröffentlicht; an erster Stelle steht das Kapern des Agentenziels, gefolgt vom Missbrauch von Werkzeugen und dem Missbrauch von Identitäten und Rechten. Diese Risiken werden in der Architektur beantwortet, nicht im Prompt.

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02 Der Aufbau im Detail

Der Aufbau einer abgesicherten LLM-Anwendung in einer Zeile

Die Zeile zeigt, welchen Weg ein Text von der Eingabe bis zur Handlung nimmt und an welchen Übergängen eine Kontrolle sitzt. Jeder Bestandteil beantwortet eine eigene Frage.

Der Aufbau

Nutzer -> Eingabefilter -> System-Prompt + Kontext (RAG, Tools) -> LLM -> Ausgabefilter -> Tool-Aufruf mit Mindestrechten -> Freigabe durch Menschen -> Protokoll
  1. 01 Die erste Prüfung, bevor Text das Modell erreicht Eingabefilter

    Der Eingabefilter sieht sich die Nutzereingabe und jedes Dokument an, das in den Kontext wandert, und sucht nach Mustern bekannter Angriffe: Aufforderungen, Regeln zu ignorieren, eingebettete Scheindialoge, Rollenwechsel, Kodierungstricks. Prompt Shields in Azure AI Content Safety unterscheidet Angriffe über die Nutzereingabe von Angriffen über Dokumente und meldet je Prüfobjekt, ob ein Angriff erkannt wurde. Der Filter liefert eine Einschätzung, keine Gewissheit.

  2. 02 Die Anweisung des Betreibers und alles, was dazukommt System-Prompt + Kontext (RAG, Tools)

    Der System-Prompt legt Rolle, Aufgabe und Grenzen fest. Der Kontext enthält, was die Anwendung dazulädt: Dokumente aus der Wissensbasis, Suchergebnisse, Werkzeugergebnisse, bei Agenten auch die Beschreibungen der Werkzeuge selbst, etwa über das Model Context Protocol. Alles davon kann Anweisungen eines Angreifers enthalten, deshalb gelten zwei Regeln: Der System-Prompt ist keine Sicherheitsgrenze und enthält keine Geheimnisse, und fremde Inhalte werden gekennzeichnet, damit das Modell sie als Daten behandelt.

  3. 03 Das Modell, das nicht zwischen Befehl und Inhalt unterscheidet LLM

    Das Modell erzeugt aus der gesamten Tokenfolge eine Antwort oder einen Werkzeugaufruf. Es wendet keine Rechte an, prüft keine Herkunft und weiß nicht, welcher Teil des Kontexts von wem stammt. OWASP stellt klar, dass Prompt Injection mit heutigen Modellen nicht vollständig verhindert werden kann. Daraus folgt: Das Modell ist eine nicht vertrauenswürdige Komponente, deren Ausgaben geprüft werden, nicht die Instanz, die über Sicherheit entscheidet.

  4. 04 Die Prüfung, bevor eine Antwort etwas bewirkt Ausgabefilter

    Der Ausgabefilter prüft, ob die Antwort dem erwarteten Format entspricht, ob sie Daten enthält, die nicht zur Anfrage gehören, und ob sie Links zu fremden Zielen enthält, über die Inhalte abfließen könnten. Antworten, die an andere Systeme gehen, behandelt die Anwendung wie fremde Eingaben. Bei Anwendungen, die Quellen zusammenfassen, prüft der Filter zusätzlich, ob die Antwort durch die Quellen gedeckt ist; Amazon Bedrock Guardrails nennt das Contextual Grounding. Diese Kontrolle fehlt am häufigsten.

  5. 05 Die Handlung, begrenzt durch Rechte statt durch Vertrauen Tool-Aufruf mit Mindestrechten

    Ruft das Modell ein Werkzeug auf, läuft der Aufruf mit eigener Identität und den geringsten Rechten, die die Aufgabe braucht, mit kurzlebigen Zugangsdaten und einem festen Satz erlaubter Parameter. Der Agent erbt nicht pauschal die Rechte des Nutzers. Die Top 10 für agentenbasierte Anwendungen führt Missbrauch von Werkzeugen und Missbrauch von Identitäten und Rechten als zweites und drittes Risiko; beide werden an dieser Stelle begrenzt. Wer hier spart, macht jede Injektion zu einer Handlung mit vollen Rechten.

  6. 06 Die Bestätigung vor Folgen und die Spur danach Freigabe durch Menschen -> Protokoll

    Vor jeder Handlung, die sich nicht leicht zurücknehmen lässt, zeigt die Anwendung einer Person, was der Agent tun will, mit Empfänger, Inhalt und Umfang, und wartet auf die Bestätigung. Das BSI nennt diese Nutzerbestätigung als Basisschutzmaßnahme. Danach landet alles im Protokoll: Eingabe, geladene Inhalte, Antwort, Werkzeugaufruf mit Parametern, Freigabe mit Nutzerkennung und Zeit. Nur damit lässt sich nach einem Vorfall sagen, welcher Text welche Handlung ausgelöst hat.

Wenn es nicht funktioniert

Das siehst du

Der Assistent fasst ein hochgeladenes Dokument zusammen und ruft danach ein Werkzeug auf, das niemand angefordert hat, etwa das Versenden einer Mail oder das Abrufen einer fremden Adresse.

Warum

Im Dokument steckte eine indirekte Prompt Injection, und die Anwendung erlaubt dem Modell, Werkzeuge ohne Bestätigung aufzurufen. Der Dokumentinhalt wurde nicht als Daten gekennzeichnet, so dass das Modell die Anweisung als Teil seines Auftrags gelesen hat.

Was hilft

Werkzeugaufrufe mit Folgen erst nach einer Freigabe ausführen, die den Inhalt des Aufrufs zeigt. Dokumentinhalte im Kontext als Daten kennzeichnen, etwa über Spotlighting, und einen Dokumentfilter vor das Modell setzen. Die Rechte des Werkzeugs so begrenzen, dass ein Mailversand ohne Freigabe technisch nicht möglich ist.

Das siehst du

Der Eingabefilter blockiert regelmäßig legitime Anfragen, Beschwerden häufen sich, und das Team schaltet den Filter ab.

Warum

Der Filter läuft im Blockiermodus für alle Eingaben und Quellen, ohne dass vorher gemessen wurde, wie viele Fehlalarme er erzeugt. Mustererkennung an natürlicher Sprache trifft auch harmlose Formulierungen, etwa Rollenspiele im Kundenservice oder technische Anfragen mit Kodierungen.

Was hilft

Den Filter zuerst im Modus betreiben, der Treffer nur markiert und protokolliert, und die Fehlalarme einige Wochen auswerten. Danach blockieren, wo die Trefferquote stimmt, und markieren, wo nicht. Vertrauenswürdige Quellen von der Dokumentprüfung ausnehmen. Stehen Rechte, Freigabe und Ausgabeprüfung, ist ein durchgerutschter Angriff ein begrenzter Schaden.

Das siehst du

Nutzer bringen das Modell dazu, den System-Prompt wörtlich auszugeben oder sich über dessen Regeln hinwegzusetzen, und in dem Prompt stehen Zugangsdaten oder interne Adressen.

Warum

Der System-Prompt wurde als Sicherheitsgrenze behandelt und mit Geheimnissen gefüllt. Ein Sprachmodell kann seinen Kontext wiedergeben, und keine Formulierung im Prompt verhindert das zuverlässig. OWASP ordnet die Preisgabe des System-Prompts den Folgen einer Prompt Injection zu.

Was hilft

Alle Geheimnisse aus dem Prompt entfernen; Zugangsdaten gehören in die Konfiguration des Werkzeugs, das sie braucht. Regeln, die gelten müssen, außerhalb des Modells durchsetzen: in Rechten, Filtern und Formatprüfungen. Den Prompt so schreiben, dass seine Offenlegung keinen Schaden anrichtet. Das BSI empfiehlt präzise System-Prompts als Basisschutz, aber als eine Maßnahme unter mehreren.

Das siehst du

Ein Agent ruft Werkzeuge in Schleife auf, erzeugt hohe Kosten oder handelt plötzlich in einem Kontext, der nicht zu seiner Aufgabe gehört, etwa im Postfach eines anderen Nutzers.

Warum

Dem Agenten fehlen Grenzen für Schrittzahl, Budget und Wirkungsbereich, und seine Identität ist nicht an den auslösenden Nutzer gebunden. Ein gekapertes Ziel, das erste Risiko der Top 10 für agentenbasierte Anwendungen, führt dann zu Handlungen, die technisch erlaubt und fachlich falsch sind.

Was hilft

Je Lauf eine Obergrenze für Schritte, Werkzeugaufrufe und Kosten setzen und den Agenten bei Überschreitung anhalten. Jeden Agenten mit eigener Identität ausstatten, deren Rechte an die Sitzung des auslösenden Nutzers gebunden sind. Einen Abbruchschalter vorsehen, den der Betrieb ohne Entwickler bedienen kann.

03 Was du mitnimmst

Sechs Kontrollen, die zusammen wirken und einzeln nicht reichen

Keine dieser Maßnahmen stoppt jede Prompt Injection. Zusammen sorgen sie dafür, dass eine gelungene Injektion wenig Schaden anrichtet und bemerkt wird.

Der Weg eines Textes durch die Anwendung

  1. 01 Eingabe wird geprüft
  2. 02 Fremde Inhalte markiert
  3. 03 Modell antwortet
  4. 04 Ausgabe wird geprüft
  5. 05 Werkzeug mit Mindestrechten
  6. 06 Mensch gibt frei

Rechte an das Werkzeug binden, nicht an den Nutzer oder das Modell

Jeder Werkzeugaufruf läuft mit den geringsten Rechten, die seine Aufgabe braucht: Lesen statt Schreiben, ein Postfach statt aller, ein kurzlebiges Token statt eines Dienstkontos mit Dauerrechten. OWASP nennt Mindestrechte als eigene Maßnahme gegen Prompt Injection, die Top 10 für agentenbasierte Anwendungen setzt mit dem Missbrauch von Identitäten und Rechten denselben Schwerpunkt. Ein Agent, der nur lesen kann, löscht auch mit gekapertem Ziel nichts.

Fremde Inhalte markieren und vom Auftrag trennen

Dokumente, Mails, Suchergebnisse und Werkzeugausgaben werden im Kontext als Daten gekennzeichnet, nicht als Teil der Anweisung. OWASP empfiehlt, externe Inhalte zu trennen und zu kennzeichnen. Microsoft bietet das in Azure AI Content Safety als Spotlighting an: Dokumentinhalte werden so umgeformt, dass das Modell sie als weniger vertrauenswürdig behandelt. Das senkt die Trefferquote eingeschleuster Anweisungen, hebt sie aber nicht auf null.

Eingaben und fremde Dokumente vor dem Modell prüfen

Ein Eingabefilter erkennt bekannte Angriffsmuster: Systemregeln ändern, eine Rolle erzwingen, Anweisungen in Kodierungen verstecken. Prompt Shields in Azure AI Content Safety prüft Nutzereingaben und Dokumente getrennt, Amazon Bedrock Guardrails führt Prompt Attack als eigene Kategorie im Inhaltsfilter. Solche Filter sind Mustererkennung mit Fehlalarmen in beide Richtungen, also ein Netz, keine Mauer.

Ausgabeformat erzwingen und die Ausgabe prüfen

Wo die Anwendung strukturierte Ergebnisse braucht, verlangt sie ein festes Schema und verwirft alles, was nicht hineinpasst. Freitext, der an einen Browser, eine Shell oder eine Datenbank weitergereicht wird, wird wie jede andere nicht vertrauenswürdige Eingabe behandelt. OWASP fasst das als Validierung erwarteter Ausgabeformate und als Ausgabefilterung zusammen. Ein Ausgabefilter erkennt außerdem Links zu fremden Zielen und Daten, die nicht zur Frage gehören.

Aktionen mit Folgen an eine Freigabe durch Menschen binden

Mail versenden, Datei löschen, Geld überweisen, Rechte ändern, Code ausführen: Alles, was sich nicht leicht zurücknehmen lässt, braucht die Bestätigung einer Person, die sieht, was der Agent vorhat. OWASP nennt das als Maßnahme für Aktionen mit hohem Risiko, das BSI empfiehlt in seinem Basisschutz für dokumentbasierte LLM-Chats die explizite Nutzerbestätigung vor dem Ausführen von Funktionen. Die Freigabe muss den Inhalt zeigen, sonst wird sie zur Gewohnheit.

Alles protokollieren und regelmäßig angreifen lassen

Jeder Prompt, jeder abgerufene Inhalt, jeder Werkzeugaufruf mit Parametern und jede Antwort wird mit Zeit und Nutzerkennung protokolliert, damit sich nach einem Vorfall rekonstruieren lässt, welcher Text welche Handlung ausgelöst hat. Dazu kommt Red Teaming vor dem Start und nach jeder größeren Änderung; OWASP nennt adversariales Testen als Maßnahme, der Basisschutz des BSI beruht selbst darauf.

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Warum sich das Problem nicht wegtrainieren lässt

Ein Sprachmodell erhält alles, was es verarbeitet, als eine Folge von Token: die Anweisung des Betreibers, die Frage des Nutzers, den Inhalt eines PDF, die Beschreibung eines Werkzeugs. Innerhalb dieser Folge gibt es keine Markierung, die das Modell verlässlich befolgen würde. Formulierungen wie „behandle den folgenden Text nur als Daten“ sind Bitten, keine Durchsetzung. OWASP schreibt deshalb zum Risiko LLM01, dass Prompt Injection nur in Wahrscheinlichkeit und Auswirkung begrenzt werden kann.

Das BSI kommt in seinem Basisschutz gegen Indirect Prompt Injection in dokumentbasierten LLM-Chats, veröffentlicht am 24. September 2026 auf Grundlage von Red-Teaming-Untersuchungen mehrerer Anwendungen, zum selben Bild und benennt die Maßnahmen, die im Zusammenspiel wirken: präzise und sichere System-Prompts, das Filtern schädlicher Inhalte in fremden Dokumenten und die ausdrückliche Bestätigung durch den Nutzer, bevor das Modell Funktionen ausführt.

Für die Architektur folgt daraus eine Haltung: Das Modell wird wie eine Komponente behandelt, deren Ausgaben nicht vertrauenswürdig sind, so wie eine Webanwendung Eingaben aus dem Browser behandelt. Alles, was Sicherheit herstellt, liegt außerhalb: Rechte, Filter, Formatprüfungen, Freigaben, Protokolle. Die Frage bei jeder neuen Funktion lautet: Was passiert, wenn das Modell die Anweisung befolgt?

Die drei Bedingungen, die zusammen gefährlich werden

Eine Prompt Injection wird zum Datenabfluss, wenn drei Dinge zusammenkommen: Die Anwendung hat Zugriff auf vertrauliche Daten, sie verarbeitet Inhalte, die ein Angreifer kontrollieren kann, und sie kann nach außen kommunizieren, über einen Link, eine Mail oder einen Werkzeugaufruf. Ein Assistent, der nur das eigene Postfach liest und nur dem Nutzer antwortet, erfüllt zwei Bedingungen; sobald er Links schreibt oder Mails verschicken darf, alle drei.

Die wirksamste Architekturentscheidung ist, mindestens eine der drei Bedingungen zu brechen. Ein Agent, der fremde Dokumente verarbeitet, bekommt keine Rechte auf Daten außerhalb seines Auftrags. Ein Agent mit Zugriff auf vertrauliche Daten verarbeitet keine Inhalte aus unkontrollierten Quellen. Ein Agent, der beides braucht, kommuniziert nicht nach außen, ohne dass ein Mensch den Inhalt freigibt. Das begrenzt den Nutzen, hängt aber nicht von der Zuverlässigkeit eines Filters ab.

Dieselbe Logik gilt für das Gedächtnis eines Agenten. Ein Agent, der sich Dinge merkt, lernt auch die Anweisungen eines Angreifers und trägt sie in spätere Sitzungen. Zu jeder Form von Speicher gehört deshalb eine Prüfung dessen, was hineingeschrieben wird, eine Trennung nach Nutzern und Mandanten und eine Möglichkeit, ihn zu leeren. OWASP führt die Vergiftung von Speicher und Kontext in der Top 10 für agentenbasierte Anwendungen eigens auf.

Was die KI-Verordnung verlangt und ab wann

Die KI-Verordnung der EU verlangt in Art. 15 für Hochrisiko-KI-Systeme ein angemessenes Maß an Genauigkeit, Robustheit und Cybersicherheit und nennt dabei Angriffe, die das Verhalten des Systems durch manipulierte Eingaben verändern. Der ursprünglich für den 2. August 2026 vorgesehene Anwendungsbeginn dieser Pflichten wurde kurz vorher verschoben. Die Verordnung (EU) 2026/1744, der Digital Omnibus on AI, wurde am 24. Juli 2026 im Amtsblatt veröffentlicht und ist seit dem 27. Juli 2026 in Kraft.

Danach gelten die Pflichten für eigenständige Hochrisiko-Systeme nach Anhang III ab dem 2. Dezember 2027 und für Hochrisiko-Systeme in regulierten Produkten nach Anhang I ab dem 2. August 2028. Das ist ein Aufschub, kein Erlass: Die Anforderungen bleiben, und ihr Nachweis wird genau die Kontrollen dieser Seite verlangen. Ob eine Anwendung überhaupt als Hochrisiko-System gilt, ist eine eigene Prüfung, für die ein Jurist an den Tisch gehört.

Unabhängig davon gelten die Pflichten, die ohnehin bestehen: Verarbeitet die Anwendung personenbezogene Daten, verlangt die Datenschutz-Grundverordnung Maßnahmen nach dem Stand der Technik, und ein Datenabfluss durch eine Prompt Injection ist eine meldepflichtige Verletzung wie jede andere. Fällt das Haus unter das BSI-Gesetz, gehört die KI-Anwendung in dasselbe Risikomanagement wie jedes andere System.

Werkzeuge und Agenten: wo die Angriffsfläche heute wächst

Mit jedem Werkzeug, das ein Agent aufrufen darf, kommen zwei neue Textquellen in den Kontext: die Beschreibung des Werkzeugs, mit der das Modell entscheidet, wann es aufgerufen wird, und das Ergebnis des Aufrufs. Beide können Anweisungen enthalten. Ein Werkzeug eines Drittanbieters, angebunden über das Model Context Protocol, bringt seine Beschreibung selbst mit, und eine Webseite aus einem Suchwerkzeug ist Text eines Fremden.

Und der Betrieb braucht einen Abbruchschalter, den er ohne Entwickler bedienen kann. Der Fall des Agenten in der Schleife weiter oben zeigt, warum: Grenzen für Schritte und Kosten je Lauf, ein Schalter, der alle Werkzeugaufrufe stoppt, und eine Überwachung des Protokolls gelten unabhängig davon, ob dem Verhalten des Systems zu trauen ist. OWASP führt Rogue Agents, also Agenten, die sich ihrem Auftrag entziehen, als zehntes Risiko seiner Liste; die Gegenmaßnahme sind genau solche Grenzen.

Dazu passende Kurse

Wer verstehen will, warum ein Filter allein nicht reicht, erlebt das in eigenen Angriffen auf eine Übungsanwendung; Kurse zu Angriffen auf Sprachmodelle und ihren Gegenmaßnahmen bieten genau das.

Für Teams, die eine KI-Anwendung in den Betrieb nehmen, vermitteln Trainings zu Prompt Injection, Guardrails und Agenten-Überwachung die Kontrollen von der Eingabe bis zum Protokoll.

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Stimmen aus den Kursen

Was Teilnehmende über die Kurse in diesem Bereich sagen

Sehr intensiver Lehrgang, hat mich für meine Arbeit ein gutes Stück voran gebracht.
Monitoring mit Prometheus und Grafana - Grundkurs
Sehr guter Dozent, spannend erklärt und mit vielen Praxisbeispielen!
Business Continuity Management gemäß BSI-Standard 200-4 & ISO 27001
Der Trainer konnte die Inhalte sehr gut vermitteln. Ich habe dabei viel gelernt.
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05 Fragen

Häufige Fragen

Deine Frage ist nicht dabei? Stell sie uns direkt, wir antworten dir persönlich.

Reicht ein guter System-Prompt gegen Prompt Injection?
Nein. Der System-Prompt legt fest, was das Modell tun soll, aber er kann nicht durchsetzen, dass fremder Text es nicht umstimmt. Der Prompt ist eine von mehreren Maßnahmen; Rechte, Filter, Formatprüfung, Freigabe und Protokoll liegen außerhalb des Modells und wirken auch, wenn der Prompt umgangen wird.
Was ist der Unterschied zwischen direkter und indirekter Prompt Injection?
Bei der direkten Injection gibt der Nutzer selbst Text ein, der das Verhalten des Modells ändern soll, etwa um Regeln zu umgehen oder den System-Prompt zu erfahren. Bei der indirekten steckt die Anweisung in Inhalten, die die Anwendung verarbeitet: eine E-Mail, ein PDF, eine Webseite, ein Suchergebnis. OWASP beschreibt beide Formen unter dem Risiko LLM01; die indirekte ist für Anwendungen mit Werkzeugen die gefährlichere.
Welche Produkte helfen, und was leisten sie nicht?
Die Filter der großen Plattformen, Prompt Shields in Azure AI Content Safety und die Guardrails in Amazon Bedrock, erkennen Angriffsmuster in Eingaben und Dokumenten, kennzeichnen fremde Inhalte und prüfen bei Bedrock mit Contextual Grounding, ob Antworten durch Quellen gedeckt sind. Sie liefern Einschätzungen mit Fehlalarmen in beide Richtungen und ersetzen weder Mindestrechte noch die Freigabe durch Menschen noch das Protokoll.
Wann braucht eine Aktion die Freigabe durch einen Menschen?
Immer, wenn sie sich nicht leicht rückgängig machen lässt oder Wirkung nach außen hat, also beim Versenden, Löschen, Teilen, Überweisen, Ändern von Rechten und Ausführen von Code. Entscheidend ist, dass die Person den konkreten Inhalt sieht, etwa Empfänger und Text einer Mail, und nicht nur einen Knopf zum Bestätigen; eine Freigabe ohne Inhalt wird schnell zur Gewohnheit und blind bestätigt.
Gilt die KI-Verordnung für unseren internen Assistenten?
Die Pflichten nach Art. 15 gelten für Hochrisiko-KI-Systeme, und ob eure Anwendung dazu zählt, ist eine eigene Prüfung mit juristischer Beteiligung. Für eigenständige Hochrisiko-Systeme nach Anhang III gelten sie nach dem Digital Omnibus ab dem 2. Dezember 2027, für eingebettete Systeme nach Anhang I ab dem 2. August 2028. Unabhängig davon gelten DSGVO und, bei betroffenen Einrichtungen, das BSI-Gesetz.
Wie testen wir unsere Anwendung auf Prompt Injection?
Mit Red Teaming vor dem Start und nach jeder größeren Änderung: eigene oder beauftragte Angriffe über Nutzereingabe, Dokumente, Suchergebnisse und Werkzeugausgaben, mit dem Ziel, Daten abfließen zu lassen oder ungewollte Aktionen auszulösen. Das BSI hat seinen Basisschutz auf solchen Untersuchungen aufgebaut. Halte die gefundenen Fälle als Testfälle fest und lass sie gegen jede neue Version laufen.
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