Agenten im Verbund

Agenten beauftragen Agenten

Sobald ein zweiter Agent dazukommt, entscheidet nicht mehr das Modell über den Erfolg, sondern die Frage, wie beide voneinander erfahren und wie ein Auftrag sauber übergeben wird.

KI-generiertDieses Bild wurde mit KI erzeugt · Yves Hoppe / KI / cmt
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Worum es geht

Die zweite Integration kostet mehr als die erste

Der erste Agent entsteht meist in einem Team, mit direktem Zugriff auf seine Werkzeuge, und funktioniert. Der zweite entsteht woanders, mit anderer Bibliothek, anderem Modell und einer anderen Auffassung davon, was ein Auftrag überhaupt ist. Wer beide verbinden will, schreibt einen Adapter. Beim dritten Agenten schreibt er zwei weitere, und ab dem vierten pflegt jemand hauptberuflich Verbindungen.

Der Preis dieser Bauweise fällt nicht beim Bauen an, sondern beim Ändern. Sobald ein Team sein Modell tauscht oder seinen Agenten umbaut, brechen alle Verbindungen, die auf Interna gesetzt haben. Weil niemand weiß, wer alles angebunden ist, merkt man es an den Fehlermeldungen der anderen.

Dazu kommt eine zweite Bruchstelle, die nichts mit Anzahl zu tun hat. Ein Agent, der einen Vertrag prüft oder eine Recherche fährt, braucht Minuten und hat manchmal eine Rückfrage. Ein gewöhnlicher Aufruf kennt dafür keinen Zustand: Er liefert eine Antwort oder läuft in eine Zeitüberschreitung. Genau diese Lücke schließt ein Protokoll, das den Auftrag als eigenes Objekt mit Lebenslauf behandelt.

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Der Aufbau im Detail

Der Aufbau im Detail

Der Aufbau

AgentCard(Fähigkeiten; Endpunkt; Anmeldung) -> Task(id) -> Message(Rolle; Parts) -> Status -> Artifact
  1. 01 Die Visitenkarte AgentCard(Fähigkeiten; Endpunkt; Anmeldung)

    Eine maschinenlesbare Beschreibung dessen, was der Agent kann, wo er erreichbar ist und wie man sich bei ihm anmeldet. Sie liegt unter einer festen Adresse, damit ein anderer Agent sie finden kann, ohne dass jemand die Verbindung von Hand einträgt.

  2. 02 Der Auftrag Task(id)

    Jeder Auftrag bekommt eine eigene Kennung und lebt länger als ein einzelner Aufruf. Beide Seiten können sich später auf dieselbe Kennung beziehen, um nachzufragen, abzubrechen oder das Ergebnis abzuholen.

  3. 03 Der Inhalt Message(Rolle; Parts)

    Inhalte reisen in typisierten Teilen, also Text, Datei und strukturierte Daten nebeneinander. Damit lässt sich ein Ergebnis übergeben, das mehr ist als Fließtext, etwa eine Tabelle mit einem erklärenden Satz davor.

  4. 04 Der Zustand Status

    Ein Auftrag ist angenommen, in Arbeit, wartet auf eine Rückfrage oder ist abgeschlossen. Der Zustand, in dem der Agent auf eine Rückfrage wartet, ist der eigentlich wertvolle: Er erlaubt nachzufragen, statt zu raten oder abzubrechen.

  5. 05 Das Ergebnis Artifact

    Das Arbeitsergebnis wird getrennt vom Gesprächsverlauf zurückgegeben. Ein aufrufendes System kann es weiterverarbeiten, ohne aus einer Unterhaltung herauslesen zu müssen, welcher Satz jetzt das Resultat ist.

Wenn es nicht funktioniert

Das siehst du

Der aufrufende Agent läuft in eine Zeitüberschreitung, obwohl der andere noch arbeitet.

Warum

Der Aufruf wurde wie ein gewöhnlicher Funktionsaufruf behandelt, die Aufgabe dauert aber Minuten

Was hilft

Auf den Auftragszustand hören, statt auf die Antwort des ersten Aufrufs zu warten, und die Auftragskennung als Anker für alle weiteren Nachfragen verwenden

Das siehst du

Der andere Agent wird nicht gefunden, obwohl er nachweislich läuft

Warum

Die Adresse der Fähigkeitsbeschreibung unterscheidet sich zwischen Protokollfassungen und Implementierungen

Was hilft

Die Adresse im eigenen Verzeichnis festhalten statt sie zu erraten und die Protokollfassung beim Verbindungsaufbau prüfen

Das siehst du

Jemand sieht über den Umweg eines Agenten Daten, die er selbst nicht öffnen darf

Warum

Der beauftragte Agent arbeitet mit einer technischen Kennung, die mehr Rechte hat als der Mensch hinter dem Auftrag

Was hilft

Die Rechte des Auftraggebers durchreichen und im Zielsystem prüfen lassen, nicht im Agenten selbst entscheiden

Das siehst du

Zwei Agenten schicken sich gegenseitig Aufträge, bis die Rechnung auffällt

Warum

Es gibt keine Begrenzung der Kette und kein Budget je Auftrag

Was hilft

Sprungtiefe und Kosten je Auftrag begrenzen und jeden Auftrag mit der Kette protokollieren, aus der er hervorgegangen ist

Das siehst du

Niemand kann nachvollziehen, welcher Agent eine bestimmte Aussage erzeugt hat

Warum

Die Auftragskennung wird beim Weiterreichen nicht mitgeführt

Was hilft

Eine durchgehende Kennung über alle Sprünge mitgeben, zusammen mit Name und Version des jeweils beteiligten Agenten

Sechs Fragen, die zwei Agenten klären müssen

  1. 01 Was kann der andere Agent, und woher weiß ich das?
  2. 02 Unter welcher Kennung läuft genau dieser eine Auftrag?
  3. 03 In welcher Form kommen Text, Datei und Daten zurück?
  4. 04 Was passiert, wenn der beauftragte Agent eine Rückfrage hat?
  5. 05 Mit wessen Rechten arbeitet der beauftragte Agent eigentlich?
  6. 06 Woran erkennt man später, wer welches Ergebnis erzeugt hat?
Was du mitnimmst

Was du danach entscheiden kannst

Ein Protokoll ist kein Selbstzweck, es kostet Aufwand und lohnt sich ab einem bestimmten Punkt. Diese Seite gibt dir die Kriterien für diesen Punkt und die Fragen, die vor der ersten Verbindung geklärt sein müssen.

Protokoll oder Schnittstelle

Du erkennst, wann ein Auftrag wirklich eine Aufgabe mit Lebenslauf ist. Bei allem, was ein Wert auf einen Aufruf ist, bleibt die gewöhnliche Schnittstelle die bessere Antwort.

Fähigkeiten beschreiben

Du weißt, was in die Beschreibung eines Agenten gehört, damit ein anderer ihn ohne Rückfrage nutzen kann. Diese Beschreibung ist der Vertrag, alles andere darf sich ändern.

Rechte durchreichen

Du legst fest, ob ein Agent mit eigener Kennung oder mit den Rechten des Auftraggebers arbeitet. Diese eine Entscheidung verhindert den häufigsten Datenabfluss in Agentenketten.

Lange Aufgaben behandeln

Du planst von Anfang an für Aufträge, die Minuten dauern und Rückfragen stellen. Zustände und Abbruchmöglichkeit gehören in die erste Fassung, nicht in die zweite.

Ketten begrenzen

Du setzt Sprungtiefe und Budget je Auftrag, bevor der erste Kreis entsteht. Ohne diese Grenze fällt eine Endlosschleife erst über die Kosten auf.

Verzeichnis statt Zufall

Du führst eine Liste der Agenten im Haus mit Verantwortung, Datenzugriff und Protokollfassung. Ohne sie ist nach einem Jahr niemand mehr zuständig.

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Warum ein gemeinsames Protokoll überhaupt etwas spart

Bei Punkt-zu-Punkt-Verbindungen wächst der Aufwand mit dem Quadrat der Beteiligten: Jeder Agent braucht einen Adapter für jeden anderen. Einigen sich alle auf dasselbe Vorgehen, sinkt das auf eine Schnittstelle je Agent. Das ist derselbe Effekt, den Unternehmen bei Schnittstellen zwischen Fachsystemen längst kennen, nur dass er hier innerhalb weniger Monate eintritt, weil Agenten schnell gebaut sind.

Der zweite Gewinn ist die Unabhängigkeit vom Innenleben. Ein Agent, der über ein Protokoll angesprochen wird, darf sein Modell wechseln, sein Werkzeug austauschen oder komplett neu geschrieben werden, solange die Beschreibung seiner Fähigkeiten gleich bleibt. Das ist der eigentliche Grund, warum sich der Umweg lohnt, sobald zwei Teams unabhängig voneinander arbeiten.

Fähigkeiten müssen auffindbar sein

Damit ein Agent einen anderen beauftragen kann, muss er wissen, was der andere kann. Dafür veröffentlicht jeder Agent eine maschinenlesbare Beschreibung mit Name, Zweck, Endpunkt, Anmeldeverfahren und einer Liste seiner Fähigkeiten. Diese Karte liegt unter einer festen, vorab bekannten Adresse, damit die Verbindung nicht von Hand eingetragen werden muss.

Die genaue Adresse dieser Beschreibung hat sich zwischen Fassungen der Spezifikation bereits geändert. Verlass dich deshalb nicht auf den Pfad, sondern führe im eigenen Haus ein Verzeichnis, in dem für jeden Agenten steht, wo seine Beschreibung liegt und welche Protokollfassung er spricht.

Im Unternehmen ist dieses Verzeichnis ohnehin wichtiger als das automatische Auffinden im offenen Netz. Interessant ist dort nicht nur, welche Agenten es gibt, sondern auch, wer sie verantwortet, welche Daten sie sehen dürfen und wen man anruft, wenn einer Unsinn liefert.

Abgrenzung zu MCP und zum gewöhnlichen Schnittstellenaufruf

MCP und A2A werden oft verwechselt, obwohl sie auf verschiedenen Ebenen sitzen. MCP verbindet einen Agenten mit Werkzeugen und Datenquellen, also nach innen. A2A verbindet Agenten untereinander, also nach außen. Beides zusammen ist der Normalfall: Ein Agent nutzt intern seine MCP-Server und spricht nach außen mit anderen Agenten.

Gegen den klassischen Schnittstellenaufruf grenzt sich das Protokoll durch drei Eigenschaften ab: Der Auftrag lebt länger als der Aufruf, Inhalte reisen gemischt als Text, Datei und strukturierte Daten, und der beauftragte Agent darf zurückfragen, statt zu raten.

Daraus folgt eine nützliche Faustregel. Wenn dein Fall lautet, eine Funktion aufzurufen und einen Wert zurückzubekommen, bleibt eine gewöhnliche Schnittstelle die einfachere und robustere Antwort. Erst wenn Aufgaben dauern, Rückfragen entstehen und das Ergebnis mehr ist als ein Wert, zahlt sich der Aufwand aus.

Was im Betrieb tatsächlich wehtut

Die schwierigste Frage ist die nach der Identität. Mit wessen Rechten arbeitet der beauftragte Agent? Nimmt er seine eigene technische Kennung, sieht er im Zweifel mehr als die Person, für die er arbeitet, und liefert Daten zurück, die diese Person nie hätte öffnen dürfen. Diese Lücke fällt in der Entwicklung nicht auf, weil dort alle alles dürfen.

Die zweite Frage ist die Nachvollziehbarkeit. Wenn drei Agenten an einem Ergebnis beteiligt waren, muss die Auftragskennung über alle Sprünge hinweg mitreisen, zusammen mit Name und Version des jeweiligen Agenten. Sonst steht am Ende eine Aussage im Raum, und niemand kann sagen, woher sie stammt.

Und schließlich die Begrenzung. Agenten, die sich gegenseitig beauftragen dürfen, können Kreise bilden. Eine maximale Sprungtiefe je Auftrag, ein Budget je Auftrag und die Möglichkeit, einen laufenden Auftrag abzubrechen, sind keine Feinheiten für später, sondern gehören in die erste Fassung.

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Häufige Fragen

Brauchen wir das, wenn wir nur einen Agenten haben?
Nein. Solange ein Team einen Agenten baut und betreibt, ist der Aufwand reiner Überbau. Der Punkt kippt, sobald ein zweites Team einen zweiten Agenten baut oder ein externer Agent angebunden werden soll. Was du trotzdem früh tun solltest: dem Agenten eine saubere Schnittstelle und eine geschriebene Beschreibung seiner Fähigkeiten geben. Dann ist der Wechsel später eine Übung von Tagen statt von Wochen.
Ersetzt das MCP?
Nein, die beiden lösen verschiedene Probleme. MCP verbindet einen Agenten mit Werkzeugen und Datenquellen, ein Agentenprotokoll verbindet Agenten untereinander. In gewachsenen Aufbauten kommt beides zusammen vor: Nach innen spricht der Agent mit seinen Werkzeugen, nach außen mit anderen Agenten.
Wie verhindern wir Endlosschleifen zwischen Agenten?
Über drei Dinge, die zusammengehören: eine maximale Sprungtiefe je Auftrag, ein Budget je Auftrag und die Möglichkeit, einen laufenden Auftrag abzubrechen. Dazu gehört, dass jeder Agent die Kette kennt, aus der sein Auftrag stammt. Ohne diese Information kann er nicht erkennen, dass er sich gerade selbst beauftragt hat.
Was passiert, wenn ein Agent seine Fähigkeiten ändert?
Dann ändert sich der Vertrag, und alle Aufrufer sind betroffen. Behandle die Fähigkeitsbeschreibung deshalb wie eine Schnittstellenversion: Neue Fähigkeiten dürfen dazukommen, bestehende verschwinden erst nach Ankündigung. Im Verzeichnis sollte stehen, wer den Agenten nutzt, sonst kannst du gar nicht ankündigen.
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Yves Hoppe

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