Nicht am KI-Anbieter hängenbleiben
Die Bindung steckt nicht im Vertrag, sondern in verstreuten Anweisungen, fest eingebauten Schnittstellen und Einbettungen, die niemand neu aufbauen kann.
KI-generiertDieses Bild wurde mit KI erzeugt · Yves Hoppe / KI / cmt
Die Abhängigkeit entsteht in Wochen, das Lösen dauert Quartale
Am Anfang steht meist ein Versuch, der schnell funktionieren soll. Also spricht die erste Anwendung direkt gegen das Entwicklungspaket des Anbieters, die Anweisungen wandern in den Quelltext, die Dokumente werden in den verwalteten Dienst geladen. Alles davon ist zu diesem Zeitpunkt vernünftig, weil Geschwindigkeit den Ausschlag gibt.
Ein Jahr später hängen zwölf Abläufe daran, und die Frage nach einer Alternative löst keine Antwort aus, sondern eine Erhebung. Der Preis erscheint nicht als Rechnung, sondern als fehlende Verhandlungsposition, denn wer nicht wechseln kann, verhandelt über nichts.
Der zweite Preis ist technischer Stillstand. Wenn jeder Modellwechsel ein eigenes Vorhaben ist, wird er verschoben, und ihr arbeitet mit einer Version weiter, die andere längst hinter sich gelassen haben.
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Symptom, Ursache, Lösung
Symptom
Ein Vergleichstest mit einem anderen Modell wird angesetzt und versandet nach zwei Wochen.
Ursache
Jede Anwendung spricht direkt gegen das Entwicklungspaket des Anbieters. Ein Test bedeutet damit Änderungen am Quelltext, Freigaben und eine Auslieferung in mehreren Teams.
Lösung
Zieht ein Gateway mit einheitlicher Schnittstelle ein und macht das Modell zur Konfiguration. Danach ist ein Vergleich eine Umschaltung und kein Vorhaben mit eigenem Termin.
Symptom
Niemand kann sagen, wie viele Anweisungen produktiv im Einsatz sind.
Ursache
Sie wurden dort abgelegt, wo sie gebraucht wurden, ohne Verzeichnis und ohne benannte Verantwortung.
Lösung
Legt ein Verzeichnis der produktiven Anweisungen an, mit Zweck, Modell, verantwortlicher Person und Prüfdatum, und pflegt es beim Anlegen statt im Nachhinein.
Symptom
Der Wechsel des Einbettungsmodells wird verworfen, weil der Wiederaufbau des Bestands unkalkulierbar erscheint.
Ursache
Die Quelldokumente liegen nur noch im verwalteten Dienst, und die Zerlegungsregeln stecken in einem Notizbuch, das einmal ausgeführt wurde.
Lösung
Haltet Quellen, Zerlegung und Metadaten im eigenen Haus und macht den Neuaufbau zu einem Lauf, der regelmäßig durchläuft, damit er im Ernstfall nichts Neues ist.
Symptom
Bei der Vertragsverlängerung liegt kein Vergleichsangebot auf dem Tisch.
Ursache
Es gibt keine Messung eines zweiten Modells, also auch kein Argument jenseits des Preises.
Lösung
Lasst eine kleine Testmenge regelmäßig gegen ein zweites Modell laufen und haltet das Ergebnis fest. Das kostet wenig und verändert die Verhandlung spürbar.
Symptom
Ein feinabgestimmtes Modell liefert gute Ergebnisse, lässt sich aber nicht auf eine andere Plattform bringen.
Ursache
Die Feinabstimmung hängt an Plattform und Modellversion, und der Trainingsdatensatz liegt im Konto des Anbieters.
Lösung
Versioniert Trainingsdaten, Aufbereitung und Bewertungsmenge im eigenen Haus, dann ist die Feinabstimmung an anderer Stelle wiederholbar.
Vier Stellen, an denen die Bindung wirklich entsteht
- 01 Der Quelltext spricht direkt mit dem Paket eines einzelnen Anbieters.
- 02 Produktive Anweisungen liegen verstreut und sind nirgends verzeichnet.
- 03 Die Einbettungen gehören zum Modell und lassen sich nicht übersetzen.
- 04 Die Einbettungen und die Quelldokumente liegen nur im verwalteten Dienst des Anbieters.
- 05 Die Feinabstimmung hängt an Plattform und Modellversion.
Was du mitnimmst
Nach dieser Seite kennst du die vier Stellen, an denen die Bindung tatsächlich entsteht, und du weißt, welche davon sich mit wenig Aufwand entkoppeln lässt.
Anweisungen inventarisieren
Du führst ein Verzeichnis der produktiv genutzten Anweisungen mit Zweck, Modell und Verantwortung und weißt damit jederzeit, was ein Wechsel berührt.
Über eine Schicht sprechen
Du lässt Anwendungen gegen eine einheitliche Schnittstelle laufen, sodass das Modell eine Konfiguration ist und kein Bestandteil des Quelltexts.
Quellen behalten
Du hältst Dokumente, Zerlegungsregeln und Metadaten im eigenen Haus und behandelst den Vektorbestand als jederzeit neu erzeugbares Zwischenergebnis.
Trainingsdaten sichern
Du versionierst Trainingsdatensatz und Bewertungsmenge selbst, damit eine Feinabstimmung auch an anderer Stelle wiederholbar bleibt.
Ein Zweitmodell mitlaufen lassen
Du misst regelmäßig eine Alternative an derselben Testmenge und gehst mit Zahlen statt mit Vermutungen in die Vertragsverlängerung.
Den Ausstieg vertraglich klären
Du lässt Exportformate, Löschfristen und den Vorlauf bei der Abkündigung einer Modellversion schriftlich festhalten.
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Der Vertrag ist selten das Problem
Eine Kündigungsfrist lässt sich einhalten, ein Preisaufschlag lässt sich verhandeln. Was den Wechsel verhindert, ist der Aufwand danach: Jede produktive Anwendung muss neu erprobt, jede Ausgabe neu geprüft und jede Abweichung im Verhalten neu ausgeglichen werden. Dieser Aufwand steht in keinem Vertrag und wird deshalb bei der Auswahl fast nie geschätzt.
Ein brauchbarer Prüfstein: Frag dein Team, wie lange eine Umstellung auf ein anderes Modell dauern würde und woran diese Schätzung hängt. Wenn die Antwort mehrere Monate lautet und niemand die Liste der betroffenen Stellen kennt, ist die Bindung bereits eingetreten.
Anweisungen sind Betriebsvermögen und werden wie Notizen behandelt
In den meisten Häusern liegen die produktiv genutzten Anweisungen verstreut: fest im Quelltext, in Automatisierungen, in Konfigurationsdateien und in den gespeicherten Vorlagen einzelner Personen. Niemand kann sagen, wie viele es sind. Beim Modellwechsel ist genau diese Liste der Arbeitsplan, und sie existiert nicht.
Der Aufwand dagegen ist gering. Führt ein Verzeichnis der produktiven Anweisungen mit Zweck, verantwortlicher Person, Modell und Datum der letzten Prüfung. Damit wird aus einer diffusen Sorge eine Liste mit Aufwänden, und ihr seht nebenbei, wie viele Anweisungen doppelt gepflegt werden.
Einbettungen gehören zum Modell, eure Dokumente nicht
Vektoren aus einem Einbettungsmodell lassen sich nicht in den Raum eines anderen Modells übersetzen. Wer das Einbettungsmodell wechselt, baut den Bestand neu auf, und das gelingt nur, wenn Quelldokumente, Zerlegungsregeln und Metadaten im eigenen Haus liegen. Wer die Rohdaten nur in der verwalteten Datenbank des Anbieters hat, verliert beim Wechsel die Grundlage.
Behandelt den Vektorbestand deshalb als ableitbares Zwischenergebnis und nicht als Datenbestand. Der Wiederaufbau aus den Quellen gehört als planmäßiger Lauf eingerichtet. Wird er einmal von Hand gemacht und danach nie wieder angefasst, ist er im Ernstfall keine Option.
Eine Schicht dazwischen kostet Tage und spart Quartale
Wenn jede Anwendung direkt gegen ein herstellereigenes Entwicklungspaket spricht, ist der Anbieter über den gesamten Quelltext verteilt. Ein vorgeschaltetes Gateway mit einheitlicher Schnittstelle dreht das um: Die Anwendungen kennen nur eine Adresse, welches Modell antwortet, steht in der Konfiguration, und Protokollierung, Kostenzuordnung und Ausfallumschaltung liegen an einer Stelle.
Der Nebeneffekt ist der eigentliche Gewinn. Sobald ein zweites Modell nur eine Konfigurationszeile entfernt ist, wird der Vergleich zur Routine statt zum Vorhaben, und ihr geht mit einer gemessenen Alternative in die nächste Vertragsverhandlung statt mit einem Argument.
Feinabstimmung ist die stärkste Bindung
Ein feinabgestimmtes Modell liegt auf der Plattform, auf der es entstanden ist, und hängt an einer Modellversion. Wird diese Version abgelöst, ist die Feinabstimmung zu wiederholen, und zwar dort, wo die Trainingsdaten liegen. Wer die Daten nur im Anbieterkonto hat, kann diese Arbeit nicht mitnehmen.
Der Ausweg ist unspektakulär: Trainingsdatensatz, Aufbereitungsschritte und Bewertungsmenge gehören versioniert ins eigene Haus, unabhängig davon, wo trainiert wird. Dann ist die Feinabstimmung ein wiederholbarer Vorgang und keine einmalige Investition an fremdem Ort.
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Häufige Fragen
Ist ein Gateway nicht selbst eine neue Abhängigkeit?
Reicht es, ein Modell mit offenen Gewichten zu nutzen?
Wie oft sollten wir den Wechselfall üben?
Was gehört zum Thema Ausstieg in den Vertrag?
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