Synthetische Medien

Wann ein Deepfake offengelegt werden muss

Vom Avatar im Schulungsvideo bis zur synthetischen Ansagestimme: Diese Seite ordnet die betrieblichen Anlässe und benennt, wer die Offenlegung tatsächlich schuldet.

KI-generiertDieses Bild wurde mit KI erzeugt · Yves Hoppe / KI / cmt
Seit 1997 am Markt Kleine Gruppen Präsenz und Live-Online Zertifizierte Trainer
Worum es geht

Der Begriff klingt nach Kriminalfall und meint den eigenen Betrieb

Solange Deepfake nach Wahlkampf und Betrug klingt, fühlt sich in der Unternehmenskommunikation niemand angesprochen. Gleichzeitig wächst der Bestand an Avataren in Schulungsvideos, synthetischen Stimmen in Ansagen und generierten Gesichtern in Kampagnen, weil die Produktion damit schneller und billiger wird.

Die Offenlegungspflicht knüpft aber nicht an die Absicht an, sondern daran, ob der Inhalt für echt gehalten werden kann. Genau das ist bei einer gelungenen Produktion der Fall, und je besser das Ergebnis, desto sicherer greift die Pflicht.

Der Schaden entsteht selten durch eine Behörde. Er entsteht, wenn jemand nachträglich merkt, dass die Person im Video nie existiert oder nie gesprochen hat. Vertrauen, das so verloren geht, kommt mit keiner Klarstellung zurück.

KI-generiertDieses Bild wurde mit KI erzeugt · Yves Hoppe / KI / cmt
Wer entscheidet was

Wer entscheidet was

Einsatz eines Avatars in der Kommunikation

Wer entscheidet
Die Leitung des einsetzenden Bereichs, mit Votum von Recht und Datenschutz
Wer setzt um
Die Produktion oder die beauftragte Agentur, mit der Offenlegung im Bild
Stolperfalle
Der Hinweis wird im Abspann untergebracht, wo ihn kaum jemand erreicht.

Nachbildung einer realen Stimme oder eines Gesichts

Wer entscheidet
Die betroffene Person selbst, über eine schriftliche Einwilligung
Wer setzt um
Die Personalabteilung gemeinsam mit Recht
Stolperfalle
Die Einwilligung regelt die Produktion, aber nicht, was nach dem Ausscheiden mit dem Modell geschieht.

Auftragsproduktion durch eine Agentur

Wer entscheidet
Einkauf gemeinsam mit dem Fachbereich
Wer setzt um
Die Agentur, sofern es im Leistungsverzeichnis steht
Stolperfalle
Die Offenlegung ist nicht Teil der Lieferung und fällt nach der Abnahme intern an.

Schutz vor Fälschungen von außen

Wer entscheidet
Die Geschäftsführung, für die Freigabe von Zahlungen
Wer setzt um
Buchhaltung und IT-Sicherheit, über einen zweiten Kanal
Stolperfalle
Die Regel gilt für Überweisungen, aber nicht für Änderungen an hinterlegten Bankverbindungen.

Aufklärung der Belegschaft

Wer entscheidet
Interne Kommunikation gemeinsam mit der Leitung
Wer setzt um
Die Führungskräfte, in der eigenen Bereichsrunde
Stolperfalle
Es wird vor Deepfakes gewarnt, aber nicht gesagt, wo im Haus welche eingesetzt werden.

Vom Anlass zur Offenlegung in fünf Schritten

  1. 01 Ein Inhalt bildet eine reale Person, einen Ort oder ein Ereignis nach.
  2. 02 Er wirkt auf das Publikum wie eine echte Aufnahme.
  3. 03 Die betroffene Person hat der Nachbildung schriftlich zugestimmt.
  4. 04 Die Offenlegung steht im Bild und nicht erst im Abspann.
  5. 05 Der Hinweis bleibt erhalten, wenn ein Ausschnitt weiterwandert.
Was du mitnimmst

Was du danach im eigenen Haus regeln kannst

Die Pflicht selbst ist überschaubar. Aufwendig ist die Vorarbeit, die sie auslöst, und die lässt sich in wenigen Punkten fassen.

Fälle im Haus erkennen

Du findest die Stellen, an denen bereits synthetische Personen, Stimmen oder Szenen im Einsatz sind, auch dort, wo niemand von Deepfakes gesprochen hätte.

Echtheitswirkung beurteilen

Du entscheidest anhand des Eindrucks beim Publikum und nicht anhand der eingesetzten Technik oder der guten Absicht.

Einwilligung sauber holen

Du klärst Zweck, Kanäle, Dauer und den Fall des Ausscheidens, bevor eine reale Stimme oder ein reales Gesicht nachgebildet wird.

Agenturvertrag ergänzen

Du machst die Offenlegung zum Bestandteil der Lieferung, statt sie nach der Abnahme intern nachzuziehen.

Hinweis sichtbar platzieren

Du setzt die Offenlegung ins Bild oder unmittelbar daneben, weil ein Vermerk im Abspann die Wahrnehmung nicht erreicht.

Zweiten Kanal einführen

Du sicherst Zahlungsfreigaben und Änderungen an Bankverbindungen über einen zweiten, getrennten Rückweg ab, gleichgültig wie echt eine Stimme klingt.

KI-generiertDieses Bild wurde mit KI erzeugt · Yves Hoppe / KI / cmt

Der Begriff trifft mehr betriebliche Fälle als erwartet

Die meisten denken bei Deepfakes an gefälschte Videos von Politikern. Betrieblich sieht der Regelfall harmloser aus: ein Schulungsvideo, in dem ein Avatar die Rolle einer Führungskraft übernimmt, eine synthetische Stimme für eine Telefonansage, ein Erklärvideo mit einer generierten Person, die wie eine Mitarbeiterin auftritt.

Entscheidend ist die Ähnlichkeit mit etwas Realem und der Eindruck von Echtheit, nicht die Absicht. Wer ein Video mit dem generierten Abbild des eigenen Geschäftsführers produziert, um Drehtage zu sparen, erzeugt denselben Eindruck wie jemand mit schlechten Absichten, und die Offenlegung hängt am Eindruck.

Umgekehrt fällt vieles heraus. Ein erkennbar gezeichneter Avatar ohne Anspruch auf Echtheit, eine offensichtlich maschinell klingende Ansagestimme, die niemandem nachempfunden ist, eine Animation ohne reale Vorlage. Die Einordnung hängt daran, ob jemand den Inhalt für eine Aufnahme aus der Wirklichkeit halten könnte.

Wer die Offenlegung schuldet

Die Pflicht trifft den Betreiber, also das Unternehmen, das den Inhalt einsetzt, nicht die Agentur, die ihn produziert hat, und nicht den Anbieter des Werkzeugs. Der Anbieter schuldet die maschinenlesbare Markierung der Ausgabe, ihr schuldet den wahrnehmbaren Hinweis.

Bei Auftragsproduktionen ist das der Punkt, an dem Verträge unvollständig sind. Die Agentur liefert ein fertiges Video, die Offenlegung bleibt bei euch hängen, und niemand hat festgelegt, ob der Hinweis Teil der Lieferung ist. Ein Satz im Leistungsverzeichnis erspart die Diskussion nach der Abnahme.

Für ausdrücklich künstlerische, kreative oder satirische Arbeiten sieht die Verordnung eine zurückhaltendere Form der Offenlegung vor, die die Darstellung nicht beeinträchtigt. Für Unternehmenskommunikation ist das keine gangbare Auslegung.

Zwei Rechtsfragen daneben, die den Ausschlag geben

Wer das Gesicht oder die Stimme einer realen Person nachbildet, braucht deren Einwilligung. Das folgt nicht aus der KI-Verordnung, sondern beim Bild aus Paragraf 22 Kunsturhebergesetz und bei der Stimme aus dem allgemeinen Persönlichkeitsrecht, und es gilt auch dann, wenn die Person im eigenen Haus arbeitet. Eine allgemeine Klausel im Arbeitsvertrag deckt einen digitalen Doppelgänger in aller Regel nicht ab.

Die zweite Frage ist die Reichweite über die Zeit. Ein Avatar, der auf der Stimme einer Beschäftigten beruht, überlebt deren Beschäftigungsverhältnis. Ohne eine Regelung dazu, was nach dem Ausscheiden mit dem Modell und den Aufnahmen geschieht, entsteht ein Konflikt, an den im Produktionsstress niemand gedacht hat.

Beides gehört in dieselbe Einwilligung: Zweck, Kanäle, Dauer, was bei Widerruf passiert und ob das Material für das Training weiterer Modelle verwendet werden darf. Das ist eine halbe Seite Text und spart eine unangenehme Auseinandersetzung.

Die Angriffsseite gehört in dieselbe Runde

Dieselbe Technik kommt von außen zurück. Der bekannte Fall ist der Anruf einer vermeintlichen Führungskraft, die eine dringende Überweisung anweist. Wer intern Avatare und synthetische Stimmen einsetzt, senkt die Hemmschwelle dafür, weil das Ungewöhnliche zum Gewohnten wird.

Die wirksame Gegenmaßnahme ist organisatorisch, nicht technisch: ein zweiter, getrennter Kanal für Zahlungsfreigaben und für Änderungen an Bankverbindungen, und zwar gleichgültig, wie überzeugend eine Stimme klingt. Diese Regel kostet nichts und wirkt gegen jede Qualität der Fälschung.

Wenn ihr Avatare einsetzt, sagt es der Belegschaft ausdrücklich und benennt, in welchen Kanälen das vorkommt und in welchen nie. Ein Team, das weiß, dass Zahlungsanweisungen niemals per Video kommen, ist besser geschützt als eines, das gelernt hat, Videos für glaubwürdig zu halten.

Dazu passende Kurse

Wo die Grenze zwischen wirkungsvoller Produktion und Täuschung verläuft, klären Weiterbildungen zu Verantwortung bei synthetischen Medien an konkreten Beispielen.

Für die Gegenrichtung, also Fälschungen, die euch treffen sollen, gibt es Angebote zur Abwehr synthetischer Angriffe .

Wissen prüfen

Wie sicher bist du beim Thema wirklich?

Lesen fühlt sich schnell nach Können an. Ein kurzer Test zeigt dir, was davon schon sitzt und wo sich ein Kurs lohnt. Kostenlos, ohne Anmeldung, mit einer Erklärung zu jeder Antwort.

Die Inhalte wurden sehr gut vermittelt und Fragen wurden perfekt beantwortet.
LLM Security: Injections erkennen & abwehren
Marco ist ein extrem guter Trainer, der mit seinem Fachwissen zum Thema KI sehr viel Expertise mitbringt.
KI Data Science: Datenanalyse Grundkurs
Seminarleiter war sehr gut vorbereitet, Den Lehrstoff hat er ausführlich und praxisorientiert vorgetragen.
ChatGPT Aufbaukurs: Datenanalyse, Automatisierung und Workflows

Häufige Fragen

Gilt die Offenlegung auch für rein interne Videos?
Die Pflicht zielt auf Inhalte, die verbreitet oder gegenüber Dritten verwendet werden. Ein internes Schulungsvideo ist damit meist nicht erfasst. Praktisch spricht trotzdem alles für den Hinweis, denn wenn die Belegschaft merkt, dass eine Führungskraft im Video nie gesprochen hat, wirkt das Fehlen des Hinweises wie eine Täuschung.
Reicht ein Hinweis im Abspann?
Nein, jedenfalls nicht dort, wo die meisten Zuschauenden ihn nie erreichen. Die Offenlegung soll wahrnehmbar sein, während der Inhalt wirkt. Eine Einblendung zu Beginn oder eine dauerhaft sichtbare Kennzeichnung im Bild erfüllt das, ein Nachspann nach zwei Minuten nicht.
Was ist mit dem Avatar eines Menschen, den es gar nicht gibt?
Eine erfundene Person ohne Vorbild ähnelt keiner realen Person, damit greift der Sonderfall für Deepfakes nicht unmittelbar. Sobald der Auftritt aber als echte Mitarbeiterin, echter Kunde oder echtes Testimonial gerahmt wird, wird eine Wirklichkeit behauptet, die es nicht gibt, und die Offenlegung ist der einzige saubere Weg.
Wir lassen extern produzieren. Ändert das etwas?
An der Pflicht nichts, an der Umsetzung viel. Die Pflicht bleibt bei euch als einsetzendem Unternehmen. Deshalb gehört die Offenlegung in das Leistungsverzeichnis, zusammen mit der Zusicherung, dass für alle nachgebildeten Personen Einwilligungen vorliegen und diese euch übergeben werden.
Persönlich für dich da

Deine Ansprechpartner

Du bist dir nicht sicher, welcher Kurs oder welches Level zu dir passt? Wir beraten dich persönlich und kostenlos.

Yves Hoppe

Yves Hoppe

Weiterbildung & Beratung

Hilft dir, aus dem KI-Programm den passenden Kurs für deinen Stand zu finden.

Norbert Jansen

Norbert Jansen

Beratung & Inhouse

Plant mit dir Inhouse-Trainings, die auf eure Abläufe und euren Datenbestand zugeschnitten sind.

Avatare und Stimmen brauchen vorher eine Linie

Bevor die erste Produktion läuft, lohnt sich eine gemeinsame Runde, in der Ethik, Einwilligung und Offenlegung an den eigenen Vorhaben durchgesprochen werden.