Forecasts mit KI: wo der Nutzen wirklich liegt
Der Zeitgewinn liegt nicht in der Prognosezahl, sondern davor beim Zusammenführen der Daten und danach beim Erklären der Abweichungen.
KI-generiertDieses Bild wurde mit KI erzeugt · Yves Hoppe / KI / cmt
Der Forecast kostet Zeit an Stellen, über die niemand spricht
In den meisten Häusern beginnt der Forecast mit einer Sammelrunde. Zahlen kommen aus dem Vorsystem, aus der Zeiterfassung, aus einer Tabelle des Vertriebs, und jede Quelle hat ihre eigene Vorstellung davon, wann ein Monat zu Ende ist. Bis die Grundlage steht, ist ein erheblicher Teil der verfügbaren Tage vorbei, und die eigentliche Beurteilung passiert unter Zeitdruck.
Wer an dieser Stelle mit einer Prognosefunktion einsteigt, verbessert genau den Schritt, der ohnehin schnell ging. Das Ergebnis ist ein Werkzeug, das beeindruckt und nichts spart. Teurer wird es, wenn die Historie ungeprüft übernommen wird, denn dann trägt eine Sonderbuchung aus dem Vorjahr die Prognose mit, ohne dass es jemandem auffällt.
Der dritte Fehler ist der teuerste: eine Zahl in den Bericht zu nehmen, deren Zustandekommen niemand erklären kann. Spätestens in der Sitzung mit der Geschäftsführung oder bei der Prüfung wird danach gefragt, und wer dann auf ein Werkzeug verweist, verliert das Vertrauen in die ganze Vorlage.
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Schritt für Schritt
- 1
Den Forecast in Teilschritte zerlegen
Schreib einen Durchlauf mit und halte fest, wie lange Sammeln, Abstimmen, Rechnen und Kommentieren jeweils dauern. Ohne diese Aufteilung diskutiert ihr über Werkzeuge, ohne den Engpass zu kennen.
Geschafft, wenn: eine Liste der Teilschritte mit dem jeweiligen Zeitanteil
- 2
Datenstand und Sondereffekte festhalten
Definiere, wann ein Monat als abgeschlossen gilt, und ergänze in der Historie eine Kennzeichnung für Einmaleffekte. Zukäufe, Nachbuchungen und Standortwechsel gehören ausdrücklich dazu.
Geschafft, wenn: eine Historie, in der jeder Ausreißer eine Begründung trägt
- 3
Je Bereich einen Treiber bestimmen
Leg fest, woran die Entwicklung im jeweiligen Bereich tatsächlich hängt, etwa an Auftragseingang, Kopfzahl oder Auslastung. Ein Forecast auf Basis der reinen Vergangenheit ohne Treiber erklärt später nichts.
Geschafft, wenn: für jeden Bereich eine benannte Bezugsgröße
- 4
Mit einer einzigen Reihe anfangen
Wähl einen Bereich mit sauberer Historie und ausreichend Volumen und bau den Ablauf dort einmal vollständig. Der Gesamtplan als Einstieg führt dazu, dass Fehler nicht mehr zuzuordnen sind.
Geschafft, wenn: ein durchgespielter Ablauf, den andere Bereiche übernehmen können
- 5
Gegen abgeschlossene Perioden rückrechnen
Lass das Verfahren die letzten abgeschlossenen Monate prognostizieren und vergleiche mit dem Ist. Erst dieser Rückblick sagt dir, ob das Ergebnis besser ist als die bisherige Schätzung.
Geschafft, wenn: eine Trefferbreite, die du nennen kannst, bevor jemand fragt
- 6
Abweichungen automatisch vorsortieren
Richte eine Auswertung ein, die auffällige Positionen nach Größe und Ungewöhnlichkeit vorschlägt. Die Beurteilung bleibt im Bereich, nur die Suche wird abgenommen.
Geschafft, wenn: eine kurze Liste der Positionen, die eine Erklärung brauchen
- 7
Ergebnis und Verantwortung dokumentieren
Halte Datenstand, Verfahren, Einstellungen und die freigebende Person fest, am besten direkt neben dem Ergebnis. Das ist der Unterschied zwischen einer belastbaren Vorlage und einer Zahl, die man verteidigen muss.
Geschafft, wenn: eine Zahl, deren Zustandekommen auch Monate später erklärbar ist
Fünf Stationen eines Forecasts und ihr KI-Anteil
- 01 Beim Zusammenführen der Daten ist der Zeitgewinn am größten.
- 02 Sondereffekte markieren, sonst lernt das Verfahren den Ausreißer.
- 03 Zeitreihen fortschreiben, das erledigt ein Rechenverfahren.
- 04 Beim Vorsortieren der Abweichungen liegt die eigentliche Stärke.
- 05 Kommentare entwerfen, beurteilt wird weiterhin im Bereich.
Was du nach dieser Seite entscheiden kannst
Am Ende geht es um die Fähigkeit, den eigenen Forecast in Teilschritte zu zerlegen und für jeden Schritt zu begründen, ob ein Verfahren dort etwas beiträgt oder nicht.
Aufwand richtig verorten
Du weißt, welcher Schritt in deinem Ablauf tatsächlich die Zeit frisst. Erst danach lohnt die Frage nach dem Werkzeug.
Sondereffekte kennzeichnen
Du markierst Ausreißer in der Historie, bevor irgendein Verfahren darauf läuft. Damit verhinderst du, dass ein Einmaleffekt zur Regel wird.
Rechnen und Formulieren trennen
Du lässt Zahlen dort entstehen, wo sie reproduzierbar sind, und nutzt das Sprachmodell für Einordnung und Text. Diese Trennung erspart die meisten Diskussionen.
Rückrechnung als Maßstab
Du prüfst jedes Verfahren gegen abgeschlossene Perioden, bevor du es einsetzt. Damit hast du eine belastbare Aussage zur Treffsicherheit statt einer Vermutung.
Abweichungen vorsortieren
Du lässt die auffälligen Positionen automatisch heraussuchen und behältst die Beurteilung. Das ist der Schritt mit dem größten Zeitgewinn.
Nachvollziehbarkeit sichern
Du dokumentierst Datenstand, Verfahren und Freigabe so, dass die Zahl in der Prüfung standhält. Ohne das bleibt jedes Ergebnis angreifbar.
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Wo die Zeit im Forecast tatsächlich hingeht
Wer einmal mitschreibt, wie ein Monatsforecast entsteht, sieht das Missverhältnis sofort. Der weitaus größte Teil geht für das Zusammensuchen aus Vorsystemen drauf, für das Abgleichen von Kontenzuordnungen, für Nachfragen bei Fachbereichen, die ihre Zahlen noch nicht geliefert haben, und am Ende für die Kommentierung. Das eigentliche Rechnen dauert Minuten.
Daraus folgt, wo ein Werkzeug ansetzen sollte. Sprachmodelle sind stark, wo unstrukturierter Text und uneinheitliche Bezeichnungen im Weg stehen, also beim Zuordnen von Positionen, beim Auswerten von Freitextkommentaren und beim Formulieren von Begründungen. An der Stelle, an der eine Zahl entsteht, sind sie das schwächste Glied.
Die Datengrundlage entscheidet über alles Weitere
Ohne eine stabile Kontenzuordnung und einen abgestimmten Kalender liefert jedes Verfahren nur schneller ein falsches Ergebnis. Bevor du überhaupt über Modelle nachdenkst, brauchst du eine Historie, in der klar ist, welcher Zeitraum welche Buchungen enthält und wann ein Monat als abgeschlossen gilt.
Der zweite Punkt wird regelmäßig unterschätzt: Sondereffekte müssen markiert sein. Ein Standortwechsel, ein Zukauf, eine Nachbuchung aus dem Vorjahr, ein Jahr mit außergewöhnlichem Verlauf. Ein Verfahren, das die Historie unbesehen fortschreibt, lernt den Ausreißer als Muster und wiederholt ihn in der Prognose. Eine zusätzliche Spalte, in der solche Effekte gekennzeichnet sind, ist die günstigste Verbesserung im ganzen Vorhaben.
Wichtig ist außerdem, dass die Daten aus einer verantworteten Quelle kommen. Wenn drei Bereiche drei Fassungen desselben Umsatzes pflegen, wird die Diskussion über das Modell zur Stellvertreterdebatte über die Datenhoheit.
Was ein Modell leisten kann und was nicht
Sinnvoll einsetzbar ist der Ansatz beim Fortschreiben von Reihen mit erkennbarer Saison, beim Aufspüren auffälliger Buchungen in großen Mengen, beim Klassifizieren von Freitext und beim Zusammenfassen vieler Einzelbegründungen zu einem lesbaren Kommentar. In all diesen Fällen ist die Aufgabe Muster oder Sprache, nicht Urteil.
Nicht leisten kann das Verfahren die Vorhersage von Strukturbrüchen. Eine neue Preisrunde, der Verlust eines Großkunden, ein geänderter Vertrag: Nichts davon steht in der Historie, also kann es auch niemand daraus ableiten. Genau diese Ereignisse bestimmen aber die Abweichungen, über die im Gespräch mit der Geschäftsführung gesprochen wird.
Und eine Trennung solltest du im Kopf behalten: Ein Sprachmodell schätzt Zahlen, es rechnet sie nicht. Wo ein Assistent zuverlässig rechnet, tut er es nicht selbst, sondern erzeugt dafür Code oder eine Abfrage und führt sie aus. Genau daran hängt der Unterschied: Ein ausgeführter Rechenweg ist wiederholbar und prüfbar, eine geschätzte Zahl im Fließtext nicht. Für den Forecast heißt das, die Zahlen entstehen in der Datenbank, im Tabellenblatt oder im Planungswerkzeug, und wenn ein Assistent beteiligt ist, muss der erzeugte Rechenweg mitgeliefert und abgelegt werden.
Die Abweichungsanalyse ist die eigentliche Stärke
Wenn dreihundert Kostenstellen vorliegen, ist die Frage nicht, ob es Abweichungen gibt, sondern welche zwanzig eine Erklärung brauchen. Genau dieses Vorsortieren nach Auffälligkeit lässt sich zuverlässig automatisieren, und es spart mehr Zeit als jede Verbesserung an der Prognose selbst.
Der zweite Gewinn liegt beim Text. Aus den zugeordneten Ursachen lässt sich ein Kommentarentwurf erzeugen, den das Controlling prüft, korrigiert und verantwortet. Damit verschiebt sich die Arbeit vom Formulieren zum Beurteilen, und der Bericht wird nicht deshalb besser, weil er schneller fertig ist, sondern weil mehr Zeit für die Rückfragen bleibt.
Was dokumentiert sein muss, damit es im Abschluss trägt
Sobald ein Ergebnis in die Berichterstattung wandert, muss nachvollziehbar sein, wie es zustande kam: welcher Datenstand, welches Verfahren, welche Einstellungen, wer geprüft und freigegeben hat. Das ist keine Bürokratie, sondern der Maßstab, an dem die Grundsätze zur ordnungsmäßigen Führung und Aufbewahrung von Büchern, Aufzeichnungen und Unterlagen in elektronischer Form, kurz GoBD, jede maschinell gestützte Auswertung messen: nachvollziehbar, nachprüfbar und in ihrer Entstehung dokumentiert. Wer das mitliefert, sorgt dafür, dass die Revision oder die Wirtschaftsprüfung nicht bei null anfängt.
Ein praktischer Hinweis für den rollierenden Forecast: Wechsle das Verfahren nicht jeden Monat. Sobald sich die Methode ständig ändert, sind Abweichungen zwischen den Ständen nicht mehr interpretierbar, und die eigentliche Aussage des rollierenden Vorgehens geht verloren.
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