Den ROI eines KI-Vorhabens belastbar rechnen
Die Formel ist einfach, die Posten sind es nicht. Was auf die Nutzenseite darf, welche Kosten übersehen werden und warum das Vorher über alles entscheidet.
KI-generiertDieses Bild wurde mit KI erzeugt · Yves Hoppe / KI / cmt
Die meisten ROI-Rechnungen scheitern nicht an der Mathematik
Der erste Grund ist die Zusammensetzung der Posten. Auf der Nutzenseite steht Zeit, die niemand freigesetzt hat, auf der Kostenseite steht nur die Lizenz. Das Ergebnis sieht überzeugend aus, hält aber der ersten Rückfrage aus dem Controlling nicht stand, und ab da ist auch das Vorhaben selbst beschädigt, nicht nur die Rechnung.
Der zweite Grund liegt zeitlich vor dem Projekt. Wenn die Einführung schon läuft und jemand nach den Zahlen fragt, gibt es kein Vorher mehr. Eine Bearbeitungsdauer lässt sich nicht rückwirkend messen, und Erinnerungen an den Aufwand vor der Einführung sind unbrauchbar, weil sie sich am neuen Zustand orientieren.
Der dritte Grund ist die Verwechslung von Lizenzzahl und Nutzung. Kosten entstehen mit der Lizenz, Nutzen erst mit der Anwendung, und zwischen beidem klafft in jeder Einführung eine Lücke, die vorher niemand gern zugibt.
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Schritt für Schritt
- 1
Den Vorgang scharf abgrenzen
Leg fest, wo der betrachtete Vorgang anfängt und wo er endet, und schreib es auf. Diese Abgrenzung muss vor und nach der Einführung identisch sein, sonst vergleichst du zwei verschiedene Dinge.
Geschafft, wenn: zwei Personen aus dem Fachbereich beschreiben den Vorgang gleich
- 2
Den Ausgangswert messen
Erheb über einen festen Zeitraum die Zahl der Fälle, die Bearbeitungsdauer, den Anteil mit Nacharbeit und die beteiligten Rollen. Ohne diese Erhebung bleiben später nur Erinnerungen.
Geschafft, wenn: du hast Zahlen aus der Zeit vor der Einführung, nicht danach
- 3
Nutzen in belegbare Posten zerlegen
Trag eingesparte Zeit, vermiedene externe Ausgaben und reduzierte Fehlerkosten getrennt ein und notier je Posten, auf welchem Weg er zu einem Betrag wird. Alles ohne diesen Weg gehört in einen qualitativen Anhang.
Geschafft, wenn: jeder Euro auf der Nutzenseite hat einen benannten Mechanismus
- 4
Kosten über die ganze Laufzeit sammeln
Nimm Lizenz, verbrauchsabhängige Anteile, Integration, Datenvorbereitung, Einweisung, interne Projektzeit, laufende Pflege und Nachkontrolle auf. Interne Arbeitszeit wird mit demselben Satz bewertet wie auf der Nutzenseite.
Geschafft, wenn: die Kostenseite enthält Posten, die im ersten Entwurf gefehlt haben
- 5
Nutzungsgrad ansetzen
Definier, was aktive Nutzung bedeutet, miss den Anteil und multiplizier den Nutzen damit. Die Kosten bleiben ungekürzt, weil sie für alle vergebenen Lizenzen anfallen.
Geschafft, wenn: die Rechnung unterstellt keine Nutzung, die es nicht gibt
- 6
Rechnen und Annahmen offenlegen
Bilde Nutzen minus Kosten geteilt durch Kosten über den gewählten Zeitraum und bestimme den Zeitpunkt, ab dem die Summe positiv wird. Jede Schätzung bekommt eine Spannweite und eine Herkunft.
Geschafft, wenn: eine Rückfrage zu einer Annahme lässt sich sofort beantworten
- 7
Nach dem Pilotprojekt erneut messen
Erheb dieselben Größen wie am Anfang und vergleich sie gegen die Annahmen. Leg drei Kennzahlen fest, die im Regelbetrieb monatlich ohne Sonderaufwand entstehen.
Geschafft, wenn: die Fortsetzung wird mit gemessenen Zahlen entschieden, nicht mit dem Gefühl aus dem Pilotprojekt
Sechs Posten, die in jede Rechnung gehören
- 01 Eingesparte Zeit, bewertet mit dem Vollkostensatz.
- 02 Wegfallende externe Ausgaben und Fehlerkosten.
- 03 Lizenz- und Verbrauchskosten über den Zeitraum.
- 04 Einführungsaufwand samt interner Projektzeit.
- 05 Laufende Pflege von Prompts, Regeln und Auswertung.
- 06 Prüfaufwand für jede Ausgabe, die kontrolliert wird.
Was du danach vorlegen kannst
Nach dieser Seite kannst du eine Rechnung aufstellen, deren Posten einzeln begründet sind und die eine kritische Prüfung durch das Controlling übersteht.
Ausgangswert erheben
Du misst Fallzahl, Bearbeitungsdauer und Nacharbeitsquote, bevor irgendetwas eingeführt wird, und hältst die Abgrenzung des Vorgangs schriftlich fest.
Zeit in Geld übersetzen
Du bewertest gesparte Stunden mit dem Vollkostensatz aus dem Controlling und benennst, auf welchem Weg diese Zeit tatsächlich zu einem Betrag wird.
Kostenseite vollständig füllen
Neben der Lizenz stehen Verbrauch, Integration, Datenvorbereitung, Einweisung, interne Projektzeit, laufende Pflege und die Nachkontrolle der Ergebnisse.
Nutzungsgrad einrechnen
Du definierst vor dem Start, was aktive Nutzung heißt, misst sie und multiplizierst den Nutzen damit statt mit der Zahl vergebener Lizenzen.
Annahmen offenlegen
Jede Schätzung steht mit Quelle und Spannweite in der Rechnung. Damit lässt sich besprechen, was passiert, wenn eine Annahme nicht hält.
Kennzahlen für danach
Du legst drei Größen fest, die monatlich ohne Sonderaufwand entstehen und zeigen, ob der Nutzen im Regelbetrieb weiter trägt.
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Ohne Ausgangswert gibt es kein Ergebnis
Die häufigste Ursache für eine ROI-Rechnung, die niemand glaubt, ist ein fehlendes Vorher. Wenn niemand gemessen hat, wie lange die Bearbeitung eines Vorgangs vor der Einführung gedauert hat, wie viele Fälle im Monat anfallen und wie viele davon Nacharbeit brauchten, gibt es hinterher nur Schätzungen aus dem Gedächtnis, und die fallen systematisch zugunsten des Projekts aus.
Der Aufwand dafür ist überschaubar: eine Erhebung über wenige Wochen an einem klar abgegrenzten Vorgang, mit Zahl der Fälle, Bearbeitungsdauer, Anteil der Fälle mit Rückfrage oder Korrektur und den beteiligten Rollen. Entscheidend ist, dass die Abgrenzung des Vorgangs vor und nach der Einführung identisch bleibt, sonst vergleichst du zwei verschiedene Dinge.
Wenn die Erhebung aus Zeitgründen nicht möglich ist, halte wenigstens schriftlich fest, welche Annahmen ihr trefft und woher sie stammen. Eine Rechnung mit offengelegten Annahmen ist prüfbar, eine Rechnung mit stillschweigenden Annahmen ist es nicht.
Was auf die Nutzenseite gehört und was nicht
Der erste Posten ist eingesparte Arbeitszeit, bewertet mit einem Vollkostensatz, nicht mit dem Bruttolohn. In den Vollkostensatz gehen Lohnnebenkosten, Arbeitsplatzkosten und Gemeinkosten ein, und dieser Wert kommt aus dem Controlling, nicht aus einer Schätzung des Projektteams.
Der zweite und ehrlichste Filter ist die Frage, was mit der eingesparten Zeit tatsächlich passiert. Zwanzig Minuten, verteilt über zehn Personen und einen Monat, sind keine Einsparung, sondern Entlastung. Ein Betrag entsteht erst, wenn Kapazität so gebündelt wird, dass eine Stelle nicht nachbesetzt wird, eine externe Leistung entfällt, Überstunden zurückgehen oder mehr Vorgänge mit demselben Team bearbeitet werden. Schreib in die Rechnung, welcher dieser Wege gemeint ist.
Daneben stehen Posten, die regelmäßig übersehen werden: vermiedene Fehlerkosten, wenn Nacharbeit und Reklamationen messbar zurückgehen, verkürzte Durchlaufzeit, sofern sie sich in früheren Zahlungseingang oder gewonnene Aufträge übersetzt, und wegfallende externe Ausgaben, etwa für Übersetzungen oder Recherchen. Alles, was du auf keinen dieser Wege zurückführen kannst, gehört in einen qualitativen Anhang, nicht in die Rechnung.
Die Kostenposten, die in den ersten Entwürfen fehlen
Die Lizenz steht immer drin. Regelmäßig fehlen dagegen: der verbrauchsabhängige Anteil, wenn nicht pro Nutzer, sondern pro Verarbeitung abgerechnet wird, die Integration in die vorhandenen Systeme, die Vorarbeit an Daten und Berechtigungen, die Einweisung der Anwender und die Zeit der internen Leute, die das Vorhaben begleiten. Interne Arbeitszeit ist keine kostenlose Ressource, nur weil dafür keine Rechnung eingeht.
Der zweite blinde Fleck ist der laufende Betrieb nach dem Start. Prompts und Regeln müssen gepflegt werden, Modelle werden vom Anbieter aktualisiert und verhalten sich danach anders, Auswertungen wollen gefahren werden, und irgendjemand beantwortet die Fragen der Anwender. Setz dafür einen festen Anteil einer Stelle an und nicht null.
Der dritte Posten ist die Nachkontrolle. Wenn jede Ausgabe von einem Menschen geprüft werden muss, ist dieser Prüfaufwand Teil der Kosten und mindert die Zeitersparnis unmittelbar. Genau hier entscheidet sich häufig, ob ein Vorhaben trägt: Ein Ergebnis, das meistens stimmt, aber trotzdem vollständig nachgelesen werden muss, spart im schlechtesten Fall gar nichts.
Der Nutzungsgrad ist der Faktor, der die Rechnung kippt
Eine Rechnung, die von hundert Lizenzen ausgeht, unterstellt hundert Leute, die das Werkzeug wie geplant einsetzen. Tatsächlich teilt sich jede Einführung in drei Gruppen: Leute, die täglich damit arbeiten, Leute, die es einmal ausprobiert haben, und Leute, die nie angefangen haben. Die Kosten fallen für alle drei Gruppen an, der Nutzen nur für die erste. Multiplizier den Nutzen deshalb mit dem gemessenen Anteil aktiver Nutzung und nicht mit der Zahl der vergebenen Lizenzen.
Aktiv heißt dabei nicht „hat sich angemeldet“. Definier vor dem Start, was sinnvolle Nutzung bedeutet, etwa eine bearbeitete Anfrage pro Arbeitstag, und miss dagegen. Diese eine Größe erklärt später mehr Abweichung zwischen Plan und Wirklichkeit als alle anderen Annahmen zusammen.
Was nach dem Pilotprojekt weiter trägt
Die Pilotrechnung ist eine Momentaufnahme. Für den Regelbetrieb brauchst du Kennzahlen, die monatlich ohne Sonderaufwand entstehen. Drei tragen dabei besonders gut: die Kosten pro abgeschlossenem Vorgang, der Anteil der Vorgänge, die ohne menschlichen Eingriff durchlaufen, und die Bearbeitungsdauer vom Eingang bis zum Abschluss.
Diese drei zusammen zeigen auch, wann ein Vorhaben ausläuft. Steigen die Kosten je Vorgang, ohne dass die Menge steigt, hat sich etwas an den Eingangsdaten oder am Modell verändert. Wächst der Anteil der Eingriffe, verschiebt sich die Arbeit zurück zum Menschen und der Nutzen sinkt still. Beides bemerkst du in einer jährlichen Betrachtung zu spät.
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Häufige Fragen
Welchen Zeitraum soll ich ansetzen?
Zählt Zeitersparnis, die sich auf viele Leute verteilt?
Wie gehe ich mit Nutzen um, der sich nicht beziffern lässt?
Wer sollte die Rechnung aufstellen?
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Damit die Zahlen nach dem Start nicht in einer alten Folie versanden, gehören sie in ein Dokument, das an jedem Entscheidungspunkt neu geprüft wird, und genau das ist der Business Case im Sinne von PRINCE2 .
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