Klassisches Projektvorgehen

Was ist das Wasserfallmodell?

Waterfall

Das Wasserfallmodell ist ein Vorgehensmodell, bei dem ein Projekt in feste Phasen gegliedert wird, die nacheinander durchlaufen werden: Jede Phase endet mit einem abgenommenen Ergebnis, das die nächste Phase als Grundlage nutzt.

Im Anlagenbau, in der Beschaffung und in regulierten Branchen wird weiter nach Phasen geplant, und wer zwischen zwei Welten vermitteln soll, muss das Modell sauber erklären können.

KI-generiertDieses Bild wurde mit KI erzeugt · Yves Hoppe / KI / cmt
Beschrieben von
Winston Royce, 1970, der die reine Form für riskant hielt
Typisch bei
Festem Umfang und klarer Abnahme
Kern
Phasen mit Freigabe am Ende
Verwechselt mit
V-Modell

Die Phasen und ihre Übergänge

Ein klassischer Wasserfall gliedert das Projekt in Analyse, Entwurf, Umsetzung, Test und Einführung. Jede Phase liefert ein Dokument oder ein Produkt, das abgenommen wird: zuerst das Lastenheft mit den Anforderungen des Auftraggebers, dann das Pflichtenheft, in dem der Auftragnehmer beschreibt, wie er diese Anforderungen umsetzen will, danach die Entwurfsunterlagen. Erst wenn eine Phase so abgenommen ist, startet die nächste.

Der Reiz liegt in der Planbarkeit: Weil Umfang, Termine und Kosten am Anfang festgeschrieben werden, lässt sich der Fortschritt an Meilensteinen messen und ein Festpreis kalkulieren. Der Preis dafür ist Starrheit, denn eine Änderung in der Umsetzungsphase wirft die davor abgenommenen Ergebnisse um.

Wo das Modell im Betrieb trägt

Der Wasserfall passt, wenn die Anforderungen zu Beginn wirklich bekannt sind und sich selten ändern: bei Ausschreibungen mit fester Leistungsbeschreibung, bei Bau- und Anlagenprojekten, bei regulierten Vorhaben mit Nachweispflichten und bei Migrationen, deren Zielbild feststeht.

In vielen Häusern läuft deshalb ein hybrides Vorgehen. Der Rahmen aus Budget, Terminen und Abnahmen bleibt sequenziell, innerhalb einer Phase wird iterativ gearbeitet. Wichtig ist, dass beide Seiten wissen, welche Entscheidungen wann verbindlich werden.

Wo der Wasserfall am teuersten wird

Am teuersten wird der Wasserfall, wenn Fehler aus der Analysephase erst im Test auffallen. Bis dahin stecken sie in Entwurf und Code, und die Korrektur zieht alle Zwischenergebnisse nach sich. Wer sequenziell plant, sollte deshalb früh Prototypen, Reviews und Abnahmen mit den späteren Nutzenden einbauen, statt sich auf die Unterschrift unter dem Lastenheft zu verlassen.

Der zweite Klassiker ist ein Projekt ohne geregeltes Änderungsmanagement. Änderungen kommen trotzdem, sie laufen dann aber an der Planung vorbei. Ein einfacher Prozess mit Antrag, Aufwandsschätzung und Entscheidung hält den Plan ehrlich.

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Nicht verwechseln

Wasserfallmodell und was oft damit gleichgesetzt wird

Wasserfallmodell gegen Agiles Vorgehen

Agile Rahmenwerke wie Scrum drehen die Reihenfolge um: Statt alle Anforderungen vorab festzuschreiben, entsteht in kurzen Zyklen ein nutzbares Zwischenergebnis, und die Planung wird danach angepasst. Der Wasserfall optimiert auf Planungssicherheit, Scrum auf Lernfähigkeit.

Wasserfallmodell gegen V-Modell

Das V-Modell ist ein Wasserfall, der jeder Entwicklungsphase eine Teststufe gegenüberstellt, etwa dem Grobentwurf den Integrationstest. Die Reihenfolge bleibt sequenziell, die Qualitätssicherung ist aber von Anfang an mitgeplant.

Wasserfallmodell gegen Hybrides Projektmanagement

Hybrid heißt nicht halb agil, sondern eine bewusste Aufteilung: sequenzieller Rahmen für Verträge, Budget und Abnahmen, iteratives Arbeiten in den Teilbereichen, in denen sich Anforderungen noch bewegen.

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In der Praxis

Teuer wird nicht die Phase, sondern die Änderung nach der Freigabe

Solange der Umfang wirklich feststeht, ist ein Vorgehen in Phasen unschlagbar einfach zu steuern, denn es gibt einen Termin, ein Budget und eine Abnahme. Deshalb hält sich das Modell überall dort, wo ein Vertrag den Liefergegenstand beschreibt und eine Behörde oder ein Prüfer die Nachweise sehen will.

Der wunde Punkt ist der Änderungswunsch nach der Freigabe. Je später er kommt, desto mehr fertige Arbeit hängt daran, und jede Änderung zieht die Dokumentation hinter sich her. Deshalb wird in der Spezifikationsphase alles hineinverhandelt, was irgendwann nützlich sein könnte, und niemand liest das Ergebnis später vollständig.

Der zweite Punkt ist die späte Prüfung. Finden Tests erst am Ende statt, treffen die ersten Erkenntnisse über das echte Verhalten auf ein aufgebrauchtes Budget. Viele Häuser lösen das hybrid, mit einem Phasenplan nach außen für Vertrag und Freigabe und kürzeren Schleifen nach innen, die früher Rückmeldung liefern.

Wasserfallmodell lernen

Wie du Phasen, Abnahmen und Änderungsanträge im eigenen Projekt aufsetzt, üben die Weiterbildungen zur klassischen Projektplanung an durchgerechneten Beispielen.

Wer den fertigen Plan anschließend im Werkzeug abbildet, findet den Einstieg in Kurse zur Terminplanung mit Microsoft Project .

Häufige Fragen

Ist das Wasserfallmodell veraltet?
Nein, es ist nur enger einsetzbar, als es früher genutzt wurde. Wo Umfang und Abnahmen vertraglich feststehen, etwa bei öffentlichen Ausschreibungen, ist ein sequenzieller Plan weiterhin die passende Form. Kritisch wird es erst, wenn sich die Anforderungen während der Laufzeit stark verändern.
Kann ich mitten im Projekt vom Wasserfall auf Scrum wechseln?
Ein harter Wechsel gelingt selten, weil Verträge, Abnahmen und Berichtswege am Phasenmodell hängen. Realistischer ist, in einzelnen Bereichen iterativ zu arbeiten und den Rahmen sequenziell zu lassen, solange alle Beteiligten wissen, welche Zusagen dadurch beweglich werden.
Was ist der Unterschied zwischen Meilenstein und Phasenende?
Ein Meilenstein ist ein Termin ohne Dauer, an dem ein definiertes Ergebnis vorliegt. Ein Phasenende ist zusätzlich ein Entscheidungspunkt: Erst mit der Abnahme der Phasenergebnisse gibt der Auftraggeber die nächste Phase frei.
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