Von ITIL v3 zu ITIL 4: der echte Unterschied
Nicht die Zahl der Bausteine hat sich geändert, sondern die Frage, wer die Reihenfolge bestimmt. Das entscheidet darüber, was von der alten Dokumentation trägt.
KI-generiertDieses Bild wurde mit KI erzeugt · Yves Hoppe / KI / cmt
Umbenannte Begriffe verdecken einen echten Modellwechsel
Die Umstellung beginnt meist harmlos. Jemand bringt aus einer Schulung mit, dass Change Management jetzt Change Enablement heißt, und im Ticketsystem wird die Kategorie umbenannt. Ein halbes Jahr später steht dieselbe Freigaberunde mit denselben Wartezeiten im Kalender, nur mit neuem Namen.
Der Grund ist, dass die Umbenennungen die eigentliche Änderung verdecken. ITIL v3 hat beschrieben, in welcher Phase etwas passiert. ITIL 4 beschreibt, welche Fähigkeiten zusammenwirken müssen, damit etwas einen Wert erzeugt, und lässt die Reihenfolge offen. Wer nur die Vokabelliste übernimmt, führt eine neue Sprache ein, aber keine neue Arbeitsweise.
Teuer wird das an zwei Stellen. Erstens in der Dokumentation, weil Prozessbeschreibungen entstehen, die keiner Practice entsprechen und trotzdem gepflegt werden müssen. Zweitens in der Zertifizierung, weil Leute mit v3-Wissen in eine ITIL-4-Prüfung gehen und an Fragen scheitern, die genau diese Unterscheidung abfragen.
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Der direkte Vergleich
ITIL v3
fünf Lifecycle-Phasen, 26 Prozesse und vier Funktionen
ITIL 4
ein Wertsystem aus Leitprinzipien, Value Chain und 34 Practices
| Entscheidungsfrage | ITIL v3 | ITIL 4 |
|---|---|---|
| Wie stark gibt das Modell die Reihenfolge der Arbeit vor? | Kommt darauf an Die fünf Phasen legen eine Abfolge nahe, was Ordnung schafft, aber schlecht zu Abläufen passt, die mehrfach zwischen Kunde und Betrieb hin und her springen. | Stärke Wertströme setzen sich frei aus sechs Aktivitäten zusammen und dürfen dieselbe Aktivität mehrfach durchlaufen. |
| Wie gut lässt sich das Modell auf agile Teams und DevOps anwenden? | Schwäche Die Phasenlogik unterstellt einen Übergabepunkt zwischen Entwicklung und Betrieb, den es in gemeinsam verantworteten Teams nicht gibt. | Stärke Leitprinzipien wie Progress iteratively with feedback und die Aktivität Design and Transition sind auf kurze Zyklen ausgelegt. |
| Wie eindeutig lässt sich die vorhandene Prozessdokumentation zuordnen? | Stärke Ein Prozess entspricht einem Kapitel, das macht bestehende Handbücher leicht auffindbar. | Kommt darauf an Eine Practice umfasst neben dem Ablauf auch Rollen, Werkzeuge und Lieferanten, deshalb verteilt sich ein altes Kapitel oft auf mehrere Stellen. |
| Kannst du die Zertifizierung heute noch erwerben? | Schwäche Neue v3-Prüfungen werden nicht mehr angeboten, bestehende Zertifikate zählen nur noch als Zugang zur Transition der Version 5. | Kommt darauf an Alle Module sind verfügbar, allerdings nur bis zum 31. Dezember 2027. |
| Wie gut liefert das Modell Sprache für die Geschäftsleitung? | Kommt darauf an Service Strategy adressiert die Führungsebene, bleibt aber ein Kapitel unter fünf. | Stärke Governance ist ein eigener Baustein des Wertsystems, und Wert wird ausdrücklich beim Empfänger gemessen, nicht am Durchsatz der IT. |
Wie stark gibt das Modell die Reihenfolge der Arbeit vor?
Die fünf Phasen legen eine Abfolge nahe, was Ordnung schafft, aber schlecht zu Abläufen passt, die mehrfach zwischen Kunde und Betrieb hin und her springen.
Wertströme setzen sich frei aus sechs Aktivitäten zusammen und dürfen dieselbe Aktivität mehrfach durchlaufen.
Wie gut lässt sich das Modell auf agile Teams und DevOps anwenden?
Die Phasenlogik unterstellt einen Übergabepunkt zwischen Entwicklung und Betrieb, den es in gemeinsam verantworteten Teams nicht gibt.
Leitprinzipien wie Progress iteratively with feedback und die Aktivität Design and Transition sind auf kurze Zyklen ausgelegt.
Wie eindeutig lässt sich die vorhandene Prozessdokumentation zuordnen?
Ein Prozess entspricht einem Kapitel, das macht bestehende Handbücher leicht auffindbar.
Eine Practice umfasst neben dem Ablauf auch Rollen, Werkzeuge und Lieferanten, deshalb verteilt sich ein altes Kapitel oft auf mehrere Stellen.
Kannst du die Zertifizierung heute noch erwerben?
Neue v3-Prüfungen werden nicht mehr angeboten, bestehende Zertifikate zählen nur noch als Zugang zur Transition der Version 5.
Alle Module sind verfügbar, allerdings nur bis zum 31. Dezember 2027.
Wie gut liefert das Modell Sprache für die Geschäftsleitung?
Service Strategy adressiert die Führungsebene, bleibt aber ein Kapitel unter fünf.
Governance ist ein eigener Baustein des Wertsystems, und Wert wird ausdrücklich beim Empfänger gemessen, nicht am Durchsatz der IT.
Was passt wann
- Wenn deine Dokumentation noch entlang der fünf v3-Phasen gegliedert ist
- übersetze zuerst nur die Begriffe und lass die Gliederung stehen, sonst verlierst du die Nachvollziehbarkeit im laufenden Betrieb.
- Wenn du eine ITSM-Einführung neu aufsetzt
- arbeite von Anfang an mit Wertströmen und Practices, ein Zwischenschritt über v3 bringt nichts mehr.
- Wenn du ITIL v3 Expert oder Master bist
- geh über die Managing Professional Transition der Version 5 statt über einen Umweg durch ITIL 4.
Fünf Phasen werden zu einem System
- 01 ITIL v3 ordnet die Arbeit in fünf Lifecycle-Phasen mit 26 Prozessen.
- 02 Vier Funktionen benennen in v3 die zuständigen Organisationseinheiten.
- 03 ITIL 4 fasst alles im Service Value System zusammen.
- 04 Sechs Aktivitäten der Service Value Chain lösen die feste Phasenfolge ab.
- 05 34 Practices ersetzen die Prozesse und schließen Rollen und Werkzeuge ein.
- 06 Sieben Leitprinzipien gelten für jede Entscheidung im ganzen System.
Was du mitnimmst
Du kannst nach dieser Seite die beiden Modelle auseinanderhalten, alte Begriffe sicher übersetzen und einschätzen, welche Teile eurer bestehenden Dokumentation weiterverwendbar sind.
Phasen von Aktivitäten trennen
Du erkennst, dass die fünf v3-Phasen eine Abfolge beschreiben, die sechs Aktivitäten der Service Value Chain dagegen einen Baukasten. Damit hörst du auf, Wertströme in Phasen zu pressen.
Begriffe sicher übersetzen
Du ordnest Change Enablement, Service Request Management, Monitoring and Event Management und Service Configuration Management ihren v3-Vorgängern zu, ohne dabei die Bedeutungsverschiebung zu übersehen.
Practice und Prozess unterscheiden
Du weißt, dass eine Practice auch Rollen, Werkzeuge, Lieferanten und Informationen einschließt, und legst deshalb kein reines Prozessmapping mehr an.
Den Wegfall der Funktionen einordnen
Du kannst erklären, warum Technical Management, Application Management und IT Operations Management keine direkte Entsprechung mehr haben und wo ihre Aufgaben gelandet sind.
Den Wert alter Zertifikate einschätzen
Du weißt, welche v3-Nachweise heute noch einen Zugang eröffnen und ab wann eine neue Foundation unvermeidlich ist.
Den Umstieg zeitlich planen
Du berücksichtigst den Stichtag Ende 2027 für die ITIL-4-Module und entscheidest bewusst, ob dein Weg über ITIL 4 oder direkt in die Version 5 führt.
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Vom Lifecycle zum Service Value System
In ITIL v3 hieß die Gliederung Service Strategy, Service Design, Service Transition, Service Operation und Continual Service Improvement. Weil das fünf Bücher waren, die man in dieser Reihenfolge las, haben viele Organisationen ihre Prozesslandkarte genauso aufgebaut. Das funktionierte, solange ein Vorhaben tatsächlich einmal von der Strategie bis in den Betrieb lief.
ITIL 4 dreht die Perspektive. Im Zentrum steht das Service Value System, in das Nachfrage und Gelegenheit hineinlaufen und aus dem Wert herauskommt. Darin liegen die Leitprinzipien, die Governance, die Service Value Chain mit ihren sechs Aktivitäten, die Practices und die kontinuierliche Verbesserung. Ein Wertstrom nimmt sich aus der Value Chain nur die Aktivitäten, die er braucht, in der Reihenfolge, die zur Arbeit passt, und kehrt zu manchen mehrfach zurück.
Dazu kommen die vier Dimensionen des Service-Managements: Organisationen und Menschen, Information und Technologie, Partner und Lieferanten sowie Wertströme und Prozesse. Sie sind kein Zusatzkapitel, sondern die Prüffrage an jede Entscheidung. Ein Verbesserungsvorhaben, das nur an Prozessen und Werkzeugen arbeitet, scheitert regelmäßig an der dritten Dimension, weil der Lieferantenvertrag die Reaktionszeit vorgibt.
Die umbenannten Begriffe und was dahintersteckt
Aus Change Management wurde in ITIL 4 zunächst Change Control, inzwischen trägt die Practice den Namen Change Enablement. Request Fulfilment heißt jetzt Service Request Management, Event Management wurde zu Monitoring and Event Management, aus Service Asset and Configuration Management wurde Service Configuration Management, und IT Service Continuity Management heißt schlicht Service Continuity Management. Continual Service Improvement war in v3 eine eigene Phase. In ITIL 4 fällt der Zusatz Service weg: Continual Improvement ist dort Practice und zugleich Baustein des Wertsystems, in der Service Value Chain heißt die zugehörige Aktivität Improve.
Die Umbenennungen sind keine Kosmetik. Change Enablement zielt darauf, möglichst viele Änderungen mit vertretbarem Risiko durchzulassen, statt an einer Freigabestelle zu bremsen. ITIL 4 spricht deshalb von einer Change Authority, die zum Risiko der jeweiligen Änderung passt, statt ein einziges Gremium für alles zuständig zu machen. Wer den Prozess im Werkzeug umbenennt und den Freigabeweg unverändert lässt, hat nichts gewonnen.
Bei den Funktionen ist der Bruch am größten. ITIL v3 kannte vier davon: Service Desk, Technical Management, Application Management und IT Operations Management. In ITIL 4 gibt es keine Funktionen mehr. Der Service Desk lebt als Practice weiter, für die anderen drei gibt es keine Eins-zu-eins-Nachfolge, ihre Inhalte verteilen sich auf Practices wie Infrastructure and Platform Management oder Software Development and Management.
Was ein altes v3-Zertifikat heute noch wert ist
Neue Prüfungen nach dem v3-Schema gibt es nicht mehr. Das einmal erworbene Zertifikat bleibt als Nachweis erhalten, es ist aber kein Baustein eines aktuellen Zertifizierungswegs mehr. Für eine Bewerbung sagt es weiterhin, dass jemand ITSM-Grundlagen gelernt hat, für ein Modul im heutigen Schema zählt es nur an einer Stelle.
Diese Stelle ist die Managing Professional Transition der Version 5. Sie steht ITIL v3 Expert und ITIL v3 Master offen, ebenso ITIL 4 Managing Professional und ITIL 4 Master, und dauert fünf Tage. Wer nur v3 Foundation hat, geht den regulären Weg über eine aktuelle Foundation.
Wichtig für die Planung: Die ITIL-4-Module sind bis zum 31. Dezember 2027 erwerbbar. Wer aus der v3-Welt kommt und eine Designation anstrebt, sollte sich deshalb überlegen, ob der Umweg über ITIL 4 überhaupt noch lohnt oder ob der direkte Weg in die Version 5 der kürzere ist.
Woran der Umstieg in echten Projekten scheitert
Der häufigste Fehler ist das Mapping-Denken: Man legt eine Tabelle an, links die 26 v3-Prozesse, rechts die 34 Practices, und hakt Zeile für Zeile ab. Das geht schief, weil eine Practice mehr umfasst als ein Prozess. Sie schließt Rollen, Kompetenzen, Werkzeuge, Lieferanten und Informationen ein, also alles, was die vier Dimensionen abdecken. Eine saubere Prozessbeschreibung ergibt noch keine Practice.
Der zweite Fehler ist, die Phasen still weiterleben zu lassen. Wenn im Werkzeug weiterhin ein Ticket erst nach Design, dann nach Transition und dann in den Betrieb wandert, hat sich nur das Etikett geändert. Der Test ist einfach: Nimm einen echten Ablauf, etwa den Weg eines Serviceantrags vom Eingang bis zur Bereitstellung, und zeichne auf, welche Aktivitäten er tatsächlich in welcher Reihenfolge berührt. Wenn dabei Engage zweimal vorkommt, arbeitest du bereits mit Wertströmen.
Dazu passende Kurse
Wenn du die neuen Begriffe lieber auf Deutsch einordnest, kannst du Deutschsprachige ITIL-4-Kurse ansehen und den Foundation-Termin wählen, der in deinen Kalender passt.
Wenn neben ITSM auch die Projektseite ansteht, hilft der Sammelbereich für Service- und Projektmanagement beim Vergleich der beiden Wege.
Wie sicher bist du beim Thema wirklich?
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Wo du genau das übst
Katharina war eine super Dozentin mit sehr viel Wissen. Sie ist auf alle Fragen eingegangen und konnte alle klären.
Ein sehr anspruchsvolles Training welches von einer sehr kompetente Trainerin geleitet wurde.
Alles in allem bin ich sehr zufrieden, da der Trainer sich viel Mühe gegeben hat und alles sehr gut erklären konnte.
Häufige Fragen
Ist mein ITIL-v3-Zertifikat noch gültig?
Muss ich Foundation nachholen, wenn ich v3 Foundation habe?
Sind die 26 Prozesse aus v3 in ITIL 4 einfach verschwunden?
Passt thematisch dazu
An die Stelle der fünf Lifecycle-Phasen treten die sechs Aktivitäten im Kern des neuen Betriebsmodells .
Deine Ansprechpartner
Du bist dir nicht sicher, welcher Kurs oder welches Level zu dir passt? Wir beraten dich persönlich und kostenlos.
Yves Hoppe
Weiterbildung & Beratung
Hilft dir, aus dem ITIL & PRINCE2-Programm den passenden Kurs für deinen Stand zu finden.
Norbert Jansen
Beratung & Inhouse
Plant mit dir Inhouse-Trainings, die auf eure Abläufe und euren Datenbestand zugeschnitten sind.
Den Modellwechsel einmal sauber nachvollziehen
Wer die beiden Modelle nebeneinander an eigenen Abläufen durchspielt, merkt schnell, welche Stellen der alten Dokumentation tragen und welche neu geschnitten werden müssen.