KI-Governance: Leitplanken, die im Betrieb greifen
Ein KI-gestützter Service kann sein Verhalten ändern, ohne dass jemand etwas geändert hat. Deshalb reicht eine Freigabe am Anfang nicht, es braucht Kontrollpunkte im Betrieb.
KI-generiertDieses Bild wurde mit KI erzeugt · Yves Hoppe / KI / cmt
Ohne Zuständigkeiten bleibt jede KI-Richtlinie ein Dokument
KI kommt selten als Projekt ins Haus. Meist ist sie eine neue Funktion in einem Werkzeug, das ohnehin schon lizenziert ist, und sie ist eingeschaltet, bevor irgendjemand darüber entschieden hat. Wer erst bei der Freigabe eigener Anwendungsfälle ansetzt, steuert einen Bruchteil dessen, was tatsächlich benutzt wird.
Was das kostet, zeigt sich an zwei Stellen. Erstens laufen Daten in Dienste, für die niemand geprüft hat, wer sie verarbeitet und wie lange sie dort bleiben. Zurückholen lässt sich das nicht. Zweitens gewöhnen sich Teams an Ergebnisse, deren Qualität niemand nachverfolgt, und die Korrektur wird mit jeder Woche unangenehmer, in der darauf aufgebaut wurde.
Der umgekehrte Fehler ist genauso teuer. Eine pauschale Sperre verlagert die Nutzung auf private Zugänge und private Geräte, und dann ist gar nichts mehr sichtbar. Governance ist hier deshalb keine Frage von erlauben oder verbieten, sondern von Entscheidungswegen, die schnell genug sind, um benutzt zu werden.
KI-generiertDieses Bild wurde mit KI erzeugt · Yves Hoppe / KI / cmt
Wer entscheidet was
| Thema | Wer entscheidet | Wer setzt um | Stolperfalle |
|---|---|---|---|
| Freigabe eines Anwendungsfalls | Die Person mit der Ergebnisverantwortung für den betroffenen Service, gemeinsam mit Informationssicherheit und Datenschutz | Das Team, das den Anwendungsfall baut oder das eingekaufte Werkzeug einrichtet | Die Funktion steckt längst in einem bestehenden Abonnement und wird benutzt, bevor überhaupt jemand nach einer Freigabe gefragt hat. |
| Datenquellen und ihre Qualität | Die fachlich verantwortliche Stelle für die jeweiligen Daten, nicht die IT | Datenhaltung und Betrieb, die Zugriff, Aktualität und Abgrenzung technisch umsetzen | Der Zugriff wird großzügig erteilt, weil eine Einschränkung Arbeit macht, und danach beantwortet der Dienst Fragen aus Quellen, die die fragende Person selbst nicht öffnen dürfte. |
| Menschliche Kontrolle und Eskalation | Die Fachseite, die für die getroffene Entscheidung geradesteht | Service Desk und Fachteams, die den Prüfschritt im Arbeitsablauf tatsächlich ausführen | Die Prüfung steht in der Richtlinie, ist aber in keiner Bearbeitungszeit eingeplant, also wird sie unter Last zur Formsache. |
| Überwachung im laufenden Betrieb | Die Person mit der Ergebnisverantwortung für den Service, auf Basis vorher vereinbarter Schwellen | Der Betrieb, der die Messreihe erhebt, und die Fachseite, die die Stichprobe bewertet | Gemessen wird nur die Verfügbarkeit, und eine schleichend schlechter werdende Antwortqualität taucht in keiner Kennzahl auf. |
| Nachweise und Prüfung | Die Leitung, die den Geltungsbereich des Managementsystems festlegt | Die Stellen, die Aufzeichnungen führen, interne Prüfungen durchführen und die Managementbewertung vorbereiten | Die Nachweise werden erst zum Prüfungstermin zusammengesucht, obwohl sie im Betrieb ohnehin anfallen, wenn man sie an der richtigen Stelle ablegt. |
Freigabe eines Anwendungsfalls
- Wer entscheidet
- Die Person mit der Ergebnisverantwortung für den betroffenen Service, gemeinsam mit Informationssicherheit und Datenschutz
- Wer setzt um
- Das Team, das den Anwendungsfall baut oder das eingekaufte Werkzeug einrichtet
- Stolperfalle
- Die Funktion steckt längst in einem bestehenden Abonnement und wird benutzt, bevor überhaupt jemand nach einer Freigabe gefragt hat.
Datenquellen und ihre Qualität
- Wer entscheidet
- Die fachlich verantwortliche Stelle für die jeweiligen Daten, nicht die IT
- Wer setzt um
- Datenhaltung und Betrieb, die Zugriff, Aktualität und Abgrenzung technisch umsetzen
- Stolperfalle
- Der Zugriff wird großzügig erteilt, weil eine Einschränkung Arbeit macht, und danach beantwortet der Dienst Fragen aus Quellen, die die fragende Person selbst nicht öffnen dürfte.
Menschliche Kontrolle und Eskalation
- Wer entscheidet
- Die Fachseite, die für die getroffene Entscheidung geradesteht
- Wer setzt um
- Service Desk und Fachteams, die den Prüfschritt im Arbeitsablauf tatsächlich ausführen
- Stolperfalle
- Die Prüfung steht in der Richtlinie, ist aber in keiner Bearbeitungszeit eingeplant, also wird sie unter Last zur Formsache.
Überwachung im laufenden Betrieb
- Wer entscheidet
- Die Person mit der Ergebnisverantwortung für den Service, auf Basis vorher vereinbarter Schwellen
- Wer setzt um
- Der Betrieb, der die Messreihe erhebt, und die Fachseite, die die Stichprobe bewertet
- Stolperfalle
- Gemessen wird nur die Verfügbarkeit, und eine schleichend schlechter werdende Antwortqualität taucht in keiner Kennzahl auf.
Nachweise und Prüfung
- Wer entscheidet
- Die Leitung, die den Geltungsbereich des Managementsystems festlegt
- Wer setzt um
- Die Stellen, die Aufzeichnungen führen, interne Prüfungen durchführen und die Managementbewertung vorbereiten
- Stolperfalle
- Die Nachweise werden erst zum Prüfungstermin zusammengesucht, obwohl sie im Betrieb ohnehin anfallen, wenn man sie an der richtigen Stelle ablegt.
Sechs Kontrollpunkte im Lebenszyklus eines KI-Service
- 01 Der Anwendungsfall wird beschrieben und mit einem erwarteten Nutzen versehen.
- 02 Datenquellen und Zugriffsrechte werden vor dem ersten Einsatz geprüft.
- 03 Freigabekriterien und Abnahme legen fest, was gut genug ist.
- 04 Der Prüfschritt durch einen Menschen ist im Arbeitsablauf eingeplant.
- 05 Eine wiederkehrende Stichprobe zeigt schleichende Veränderungen.
- 06 Nachweise entstehen im Betrieb und nicht erst zum Prüfungstermin.
Was du mitnimmst
Du bekommst die Entscheidungen, die vor dem ersten Anwendungsfall zu treffen sind, und die Kontrollpunkte, die danach im Betrieb greifen müssen, jeweils angedockt an Practices, die bei dir schon laufen.
Entscheidungsrechte festlegen
Du klärst je Thema, wer entscheidet, wer umsetzt und wer den Betrieb stoppen darf, bevor eine Richtlinie geschrieben wird.
Den Einstieg abdecken
Du erfasst auch die KI-Funktionen, die über bestehende Abonnements ins Haus kommen, statt nur eigene Anwendungsfälle zu betrachten.
Modell und Anweisung verwalten
Du führst eingesetztes Modell, Datenquellen und hinterlegte Anweisungen als eigene Configuration Items, weil sie sich unabhängig voneinander ändern.
Qualität messbar halten
Du richtest eine wiederkehrende Stichprobe mit menschlicher Bewertung ein, deren Ergebnisse über die Zeit vergleichbar bleiben.
Kontrolle einplanen, nicht verordnen
Du hinterlegst den Prüfschritt in der Bearbeitungszeit, damit er unter Last nicht als Erstes wegfällt.
An ISO/IEC 42001 andocken
Du hängst Folgenabschätzung, Kontrollen und Nachweise an vorhandene Verfahren, statt ein zweites Managementsystem daneben aufzubauen.
KI-generiertDieses Bild wurde mit KI erzeugt · Yves Hoppe / KI / cmt
Was KI im Servicebetrieb anders macht
Klassische Software liefert bei gleicher Eingabe dasselbe Ergebnis, und wenn sie es nicht mehr tut, gab es eine Änderung, die im Change Record steht. Bei einem KI-gestützten Service kann sich die Antwortqualität verschieben, ohne dass jemand eingegriffen hat: Die Datengrundlage altert, die Art der Nutzung verschiebt sich, oder der Anbieter tauscht ein Modell aus.
Das bricht eine stillschweigende Annahme im Servicebetrieb. Ein Ausfall ist erkennbar, eine schleichend schlechter werdende Antwort ist es nicht. Wer nicht misst, erfährt davon durch Beschwerden, und zwar erst, wenn die Fachseite dem Ergebnis schon nicht mehr traut.
Die zweite Besonderheit ist die Zurechenbarkeit. Wenn ein Modell eine Entscheidung vorbereitet hat, muss nachvollziehbar bleiben, welche Daten dafür herangezogen wurden und wer das Ergebnis bestätigt hat. Ohne diese Spur ist im Nachhinein weder eine Korrektur noch eine Erklärung möglich.
Governance ist die Verteilung von Entscheidungsrechten
Der häufigste Fehlgriff ist eine Richtlinie ohne Zuständigkeiten. Ein Dokument, das den verantwortungsvollen Umgang beschreibt, verändert nichts, solange nicht festgelegt ist, wer einen Anwendungsfall freigibt, wer widersprechen kann und wer den Betrieb stoppen darf.
Nützlich ist stattdessen eine kurze Aufstellung je Thema: wer entscheidet, wer setzt um, was ist die typische Stolperfalle. Diese Aufstellung passt auf eine Seite und ist damit die einzige Fassung, die tatsächlich gelesen wird. Alles Weitere gehört in die Verfahrensbeschreibungen der beteiligten Practices.
Dazu kommt eine Regel für den Einstieg. Werkzeuge mit KI-Funktionen kommen heute meist über bestehende Abonnements ins Haus und nicht über Beschaffungsprojekte. Wer erst bei der Freigabe eines eigenen Anwendungsfalls ansetzt, hat den größten Teil der tatsächlichen Nutzung nie gesehen.
Wo KI die bestehenden Practices berührt
Change Enablement muss klären, ob der Wechsel eines Modells oder eine veränderte Anweisung an das Modell eine Änderung im Sinne des Verfahrens ist. Die naheliegende Antwort ist ja, und dann braucht es dafür ein eigenes Change-Modell, sonst entsteht ein Bereich, in dem sich Verhalten unkontrolliert verschiebt.
Incident Management braucht eine Definition dafür, was eine Störung ist, wenn der Service verfügbar ist und trotzdem falsche Ergebnisse liefert. Ohne diese Definition landet der Fall zwischen Support und Fachseite und wird als Meinungsverschiedenheit behandelt. Problem Management braucht im Gegenzug eine Analysemethode, die mit einem statistischen Fehlerbild umgehen kann und nicht mit einer einzelnen Fehlerursache rechnet.
Service Configuration Management stellt die Frage, was hier eigentlich ein Configuration Item ist. Sinnvoll sind mindestens das eingesetzte Modell samt Version, die verwendeten Datenquellen und die hinterlegten Anweisungen, denn genau diese drei bestimmen das Ergebnis und ändern sich unabhängig voneinander.
Welche Zusagen möglich sind und welche nicht
Eine Zusage über die Richtigkeit einzelner Antworten lässt sich nicht geben, eine Zusage über die Verfügbarkeit des Dienstes dagegen schon. Dazwischen liegt der Bereich, der tatsächlich vereinbart werden kann: dass in einem definierten Umfang geprüft wird, dass Abweichungen gemeldet werden und dass es einen Weg gibt, ein Ergebnis anzufechten.
Für die Überwachung im Betrieb braucht es mindestens eine regelmäßige Stichprobe mit menschlicher Bewertung, deren Ergebnis über die Zeit vergleichbar bleibt. Erst diese Reihe zeigt eine schleichende Verschlechterung. Dazu kommen die Zahlen, die ohnehin anfallen: wie oft Ergebnisse verworfen oder korrigiert werden und wie oft ein Fall an einen Menschen weitergereicht wird.
Der Andockpunkt ISO/IEC 42001
ISO/IEC 42001 beschreibt ein Managementsystem für künstliche Intelligenz. Der Aufbau folgt derselben Struktur wie andere Managementsystemnormen, also Kontext der Organisation, Führung, Planung, Unterstützung, Betrieb, Bewertung der Leistung und Verbesserung. Wer bereits nach ISO/IEC 27001 arbeitet, kennt diesen Rahmen und kann Nachweise, Audits und Termine gemeinsam führen.
Für den Servicebetrieb sind zwei Bestandteile besonders greifbar: die Kontrollmaßnahmen im Anhang der Norm samt den zugehörigen Umsetzungshinweisen und die Folgenabschätzung für KI-Systeme, die vor der Einführung fragt, wen das System betrifft und was schiefgehen kann. Beides lässt sich an vorhandene Verfahren hängen, statt daneben ein zweites System aufzubauen.
Ob eine Zertifizierung sinnvoll ist, hängt davon ab, ob jemand den Nachweis verlangt. Die Struktur der Norm ist auch ohne Zertifikat brauchbar, weil sie eine vollständige Liste der Fragen liefert, die sonst einzeln und verspätet auftauchen. Regulatorische Anforderungen sind eine eigene Baustelle, die Norm liefert aber den Ort, an dem sie sich später einhängen lassen.
Dazu passende Kurse
Wie sich Freigaben, Kontrollpunkte und Kennzahlen zu einem tragfähigen Betriebsmodell verbinden lassen, gehört in die neueren Module, und wer dort einsteigen will, kann sich die Kurse zu Steuerung und Governance ansehen .
Wer die Practices zuerst grundständig aufbauen will, findet die deutschsprachigen ITIL-4-Module von Foundation bis zu den Aufbaustufen.
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Ein sehr anspruchsvolles Training welches von einer sehr kompetente Trainerin geleitet wurde.
Alles in allem bin ich sehr zufrieden, da der Trainer sich viel Mühe gegeben hat und alles sehr gut erklären konnte.
Häufige Fragen
Braucht es eine eigene KI-Richtlinie, wenn es schon eine Sicherheitsrichtlinie gibt?
Wer sollte KI-Governance verantworten?
Zählt der Wechsel eines Sprachmodells als Änderung?
Lohnt sich eine Zertifizierung nach ISO/IEC 42001?
Deine Ansprechpartner
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Yves Hoppe
Weiterbildung & Beratung
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Norbert Jansen
Beratung & Inhouse
Plant mit dir Inhouse-Trainings, die auf eure Abläufe und euren Datenbestand zugeschnitten sind.
Leitplanken wirken nur, wenn sie im Betrieb verankert sind
Wie sich Entscheidungswege, Kontrollpunkte und Nachweise zu einem tragfähigen Betriebsmodell verbinden, wird in den Modulen zu Governance und Steuerung erarbeitet.