Ein SLA, über das niemand streiten muss
Jede Zusage braucht eine Kennzahl, ein Messverfahren und einen Bezugszeitraum. Fehlt eines davon, entscheidet im Ernstfall nicht das Dokument, sondern die lautere Stimme.
KI-generiertDieses Bild wurde mit KI erzeugt · Yves Hoppe / KI / cmt
Die meisten Streitfälle entstehen an Lücken, nicht an Zielwerten
Ein SLA wird selten zerlegt, weil der Zielwert falsch war. Es wird zerlegt, weil zwei Seiten dieselbe Zeile unterschiedlich lesen: Ab wann läuft die Uhr, gilt die Zusage auch am Feiertag, zählt eine Teileinschränkung als Ausfall. Diese Fragen tauchen genau dann auf, wenn gerade etwas kaputt ist und niemand Ruhe für Definitionsarbeit hat.
Der zweite Kostenpunkt ist stiller. Vereinbarungen, die niemand auswerten kann, erzeugen trotzdem Berichte. Es entsteht ein monatlicher Aufwand für Zahlen, die keine Entscheidung auslösen, und gleichzeitig wächst auf der Fachseite das Gefühl, dass dieser Bericht die eigene Erfahrung nicht abbildet.
Beides zusammen führt dazu, dass Vereinbarungen als Formalie behandelt werden. Ab da werden Erwartungen wieder informell verhandelt, und die Abteilung mit dem besten Draht bekommt die beste Leistung.
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Der Aufbau im Detail
Der Aufbau
SLA = Leistungsbeschreibung + Servicezeiten + Zusagen mit Kennzahl + Messverfahren und Bezugszeitraum + Reaktions- und Wiederherstellungszeit + Berichts- und Änderungsregel - 01 In Fachsprache
LeistungsbeschreibungWelcher Geschäftsvorgang unterstützt wird, für wen und wo. Die technische Bauweise gehört bewusst nicht hinein, sie ändert sich schneller als das Dokument.
- 02 Wann es gilt
ServicezeitenDie Zeiträume, in denen die Zusagen greifen, samt der Wartungsfenster, in denen sie ausgesetzt sind. Ohne diese Angabe ist jede Verfügbarkeitszahl mehrdeutig.
- 03 Prüfbar formuliert
Zusagen mit KennzahlJede Zusage braucht eine Zahl, die sich am Monatsende ablesen lässt. Formulierungen wie zeitnah oder in angemessener Frist erzeugen im Streitfall zwei Auslegungen.
- 04 Wie gezählt wird
Messverfahren und BezugszeitraumWomit gemessen wird, an welcher Stelle und über welchen Zeitraum. Dieselbe Verfügbarkeitszusage bedeutet über einen Monat etwas völlig anderes als über ein Jahr.
- 05 Zwei getrennte Uhren
Reaktions- und WiederherstellungszeitBeginn der Bearbeitung und Rückkehr zur Nutzbarkeit, getrennt nach Priorität, mit definiertem Startpunkt und einer Regel für Wartezeiten auf Rückmeldungen.
- 06 Das Dokument lebt
Berichts- und ÄnderungsregelWer wem in welchem Turnus berichtet und wann die Vereinbarung selbst überprüft wird. Ohne Änderungsregel altert das SLA schneller als der Service.
Wenn es nicht funktioniert
Das siehst du
Alle Kennzahlen im Monatsbericht sind erfüllt, die Fachabteilung beschwert sich trotzdem.
Warum
Gemessen wird die Verfügbarkeit einzelner Komponenten, erlebt wird der Geschäftsvorgang darüber.
Was hilft
Je Geschäftsvorgang eine Zusage formulieren und so nah wie möglich an der tatsächlichen Nutzung messen.
Das siehst du
Über die Einhaltung einer Zusage wird gestritten, obwohl beide Seiten dieselbe Auswertung ansehen.
Warum
Der Startpunkt der Uhr ist nicht definiert, also zählt jede Seite ab einem anderen Zeitpunkt.
Was hilft
Den Startpunkt je Zeit ausdrücklich benennen und festlegen, ob die Uhr bei Rückfragen anhält.
Das siehst du
Der Lieferant hält seinen Vertrag ein, das SLA reißt trotzdem.
Warum
Die Zusage nach außen wurde vereinbart, ohne die Zulieferung rückwärts durchzurechnen.
Was hilft
Vom SLA aus die nötigen internen und externen Zusagen ableiten und Lücken vor der Unterschrift schließen.
Das siehst du
Die Verfügbarkeitszusage lässt sich am Monatsende nicht auswerten.
Warum
Es fehlt der Bezugszeitraum, und die Servicezeit ist nicht von der Kalenderzeit getrennt.
Was hilft
Bezugszeitraum und Servicezeit in derselben Zeile festhalten wie den Zielwert.
Das siehst du
Das SLA beschreibt einen Service, den es in dieser Form nicht mehr gibt.
Warum
Der Service wurde weiterentwickelt, die Vereinbarung hat aber keinen Überprüfungstermin.
Was hilft
Eine feste Überprüfung im Dokument verankern und sie an den Turnus des Serviceberichts koppeln.
Sechs Bausteine einer belastbaren Vereinbarung
- 01 Die Leistung steht in der Sprache der Fachseite, nicht in Technik.
- 02 Die Servicezeiten legen fest, wann die Zusagen überhaupt gelten.
- 03 Jede Zusage trägt eine Kennzahl mit Zielwert und Bezugszeitraum.
- 04 Das Messverfahren benennt Werkzeug, Messpunkt und Auswertung.
- 05 Reaktions- und Wiederherstellungszeit haben getrennte Startpunkte.
- 06 Eine Überprüfungsregel hält das Dokument auf dem Stand des Service.
Was du mitnimmst
Du kannst eine Vereinbarung so aufbauen, dass sie sich am Monatsende auswerten lässt und im Streitfall trägt, und du erkennst die Stellen, an denen übliche Formulierungen zwei Auslegungen zulassen.
Jede Zusage prüfbar machen
Du hängst an jede Zusage eine Kennzahl, ein Messverfahren und einen Bezugszeitraum und streichst alles, was sich nicht ablesen lässt.
Zwei Uhren trennen
Du definierst Reaktionszeit und Wiederherstellungszeit getrennt, jeweils mit Startpunkt und einer Regel für Wartezeiten auf Rückmeldungen.
Die Kette rückwärts rechnen
Du leitest interne und externe Zulieferzusagen aus der Kundenzusage ab und findest Lücken, bevor sie im Ernstfall auffallen.
Am Geschäftsvorgang messen
Du formulierst Zusagen entlang dessen, was die Fachseite tut, statt entlang der Komponenten, die zufällig eine Messschnittstelle haben.
Das Dokument am Leben halten
Du verankerst einen Überprüfungstermin und koppelst ihn an den Turnus des Serviceberichts, damit die Vereinbarung mitwächst.
Weniger Kennzahlen wählen
Du beschränkst dich auf Zusagen, die tatsächlich eine Entscheidung auslösen, damit der Bericht gelesen und nicht abgeheftet wird.
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Der Aufbau, der sich bewährt hat
Ein SLA beginnt mit der Leistungsbeschreibung in der Sprache der Fachseite: welcher Geschäftsvorgang unterstützt wird, für welchen Personenkreis und an welchen Standorten. Danach folgen die Servicezeiten, also die Zeiträume, in denen die Zusagen überhaupt gelten, und die Wartungsfenster, in denen sie ausgesetzt sind.
Den Kern bilden die Zusagen selbst, jede mit Kennzahl, Messverfahren, Bezugszeitraum und Zielwert. Dazu kommen Reaktionszeit und Wiederherstellungszeit, aufgeschlüsselt nach Priorität. Den Abschluss bilden der Berichtsweg, die Eskalationswege und eine Regel, wann und wie oft das Dokument selbst überprüft wird.
Was nicht hineingehört, ist eine Beschreibung der Technik. Ein SLA, das die Bauweise eines Clusters festschreibt, bindet beide Seiten an eine Lösung, die in zwei Jahren anders aussieht, und blockiert damit genau die Verbesserungen, die es eigentlich absichern soll.
Reaktionszeit und Wiederherstellungszeit werden regelmäßig verwechselt
Die Reaktionszeit sagt, wann jemand mit der Bearbeitung beginnt, die Wiederherstellungszeit sagt, wann der Service wieder nutzbar ist. Wer nur eine der beiden Zeiten zusagt, erzeugt zuverlässig Streit, denn die Fachseite liest jede Zeitangabe als Lösungszeit.
Beide Zeiten brauchen einen definierten Startpunkt. Zählt die Uhr ab dem Eingang der Meldung, ab der Zuordnung zur richtigen Gruppe oder ab der Bestätigung der Priorität? Diese eine Zeile entscheidet im Streitfall über die Auswertung, und sie fehlt in erstaunlich vielen Vereinbarungen.
Dazu kommt die Frage, was mit der Uhr passiert, während auf eine Rückmeldung der meldenden Person gewartet wird. Ohne eine Regel dafür zählt jede Rückfrage gegen die eigene Zusage, und das führt schnell dazu, dass lieber geraten als nachgefragt wird.
SLA, OLA und Lieferantenvertrag müssen zusammenpassen
Das SLA ist die Zusage an die Kundenseite. Ein Operational Level Agreement regelt, was interne Bereiche einander zuliefern, damit diese Zusage haltbar ist, und der Vertrag mit einem Lieferanten regelt dasselbe nach außen. Diese Kette wird sinnvollerweise rückwärts gerechnet, von der Zusage aus.
Der klassische Fehler ist eine Wiederherstellungszeit im SLA, die kürzer ist als die Reaktionszeit, die der Lieferant zugesagt hat. Solche Zusagen halten genau so lange, wie nichts passiert. Wer die Kette einmal von der Kundenzusage bis zum Lieferantenvertrag durchrechnet, findet diese Lücken vor dem ersten Ernstfall.
Der Wassermelonen-Effekt
Der Bericht ist grün, die Kundenseite ist unzufrieden: außen grün, innen rot. Der Grund ist fast immer, dass die Verfügbarkeit einzelner Komponenten gemessen wird, während die Fachseite den Geschäftsvorgang erlebt. Wenn die Anmeldung funktioniert, die Datenbank läuft und die Suche trotzdem zwei Minuten braucht, sind alle Kennzahlen erfüllt und niemand kann arbeiten.
Die Gegenmaßnahme ist eine Zusage je Geschäftsvorgang statt je Komponente, gemessen so nah wie möglich an der tatsächlichen Nutzung. Dazu passt das Experience Level Agreement, also eine Zusage über das erlebte Ergebnis. ITIL 4 kennt es bereits als besondere Form des Service Level Agreements, in der Version 5 bekommt es mit der Experience-Perspektive mehr Gewicht. Beides zusammen macht die Lücke sichtbar, bevor sie als Beschwerde auftaucht.
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Alles in allem bin ich sehr zufrieden, da der Trainer sich viel Mühe gegeben hat und alles sehr gut erklären konnte.
Häufige Fragen
Braucht jeder Service ein eigenes SLA?
Was passiert, wenn eine Zusage gerissen wird?
Wie viele Kennzahlen sind sinnvoll?
Was unterscheidet ein Experience Level Agreement vom SLA?
Passt thematisch dazu
Wenn du den Begriff erst selbst einordnen willst, bevor es an die Formulierungen im Vertrag geht, findest du im Glossar die knappe Begriffsbestimmung samt typischer Kennzahlen .
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