Zusagen, die halten

Ein SLA, über das niemand streiten muss

Jede Zusage braucht eine Kennzahl, ein Messverfahren und einen Bezugszeitraum. Fehlt eines davon, entscheidet im Ernstfall nicht das Dokument, sondern die lautere Stimme.

KI-generiertDieses Bild wurde mit KI erzeugt · Yves Hoppe / KI / cmt
Seit 1997 am Markt Kleine Gruppen Präsenz und Live-Online Zertifizierte Trainer
Worum es geht

Die meisten Streitfälle entstehen an Lücken, nicht an Zielwerten

Ein SLA wird selten zerlegt, weil der Zielwert falsch war. Es wird zerlegt, weil zwei Seiten dieselbe Zeile unterschiedlich lesen: Ab wann läuft die Uhr, gilt die Zusage auch am Feiertag, zählt eine Teileinschränkung als Ausfall. Diese Fragen tauchen genau dann auf, wenn gerade etwas kaputt ist und niemand Ruhe für Definitionsarbeit hat.

Der zweite Kostenpunkt ist stiller. Vereinbarungen, die niemand auswerten kann, erzeugen trotzdem Berichte. Es entsteht ein monatlicher Aufwand für Zahlen, die keine Entscheidung auslösen, und gleichzeitig wächst auf der Fachseite das Gefühl, dass dieser Bericht die eigene Erfahrung nicht abbildet.

Beides zusammen führt dazu, dass Vereinbarungen als Formalie behandelt werden. Ab da werden Erwartungen wieder informell verhandelt, und die Abteilung mit dem besten Draht bekommt die beste Leistung.

KI-generiertDieses Bild wurde mit KI erzeugt · Yves Hoppe / KI / cmt
Der Aufbau im Detail

Der Aufbau im Detail

Der Aufbau

SLA = Leistungsbeschreibung + Servicezeiten + Zusagen mit Kennzahl + Messverfahren und Bezugszeitraum + Reaktions- und Wiederherstellungszeit + Berichts- und Änderungsregel
  1. 01 In Fachsprache Leistungsbeschreibung

    Welcher Geschäftsvorgang unterstützt wird, für wen und wo. Die technische Bauweise gehört bewusst nicht hinein, sie ändert sich schneller als das Dokument.

  2. 02 Wann es gilt Servicezeiten

    Die Zeiträume, in denen die Zusagen greifen, samt der Wartungsfenster, in denen sie ausgesetzt sind. Ohne diese Angabe ist jede Verfügbarkeitszahl mehrdeutig.

  3. 03 Prüfbar formuliert Zusagen mit Kennzahl

    Jede Zusage braucht eine Zahl, die sich am Monatsende ablesen lässt. Formulierungen wie zeitnah oder in angemessener Frist erzeugen im Streitfall zwei Auslegungen.

  4. 04 Wie gezählt wird Messverfahren und Bezugszeitraum

    Womit gemessen wird, an welcher Stelle und über welchen Zeitraum. Dieselbe Verfügbarkeitszusage bedeutet über einen Monat etwas völlig anderes als über ein Jahr.

  5. 05 Zwei getrennte Uhren Reaktions- und Wiederherstellungszeit

    Beginn der Bearbeitung und Rückkehr zur Nutzbarkeit, getrennt nach Priorität, mit definiertem Startpunkt und einer Regel für Wartezeiten auf Rückmeldungen.

  6. 06 Das Dokument lebt Berichts- und Änderungsregel

    Wer wem in welchem Turnus berichtet und wann die Vereinbarung selbst überprüft wird. Ohne Änderungsregel altert das SLA schneller als der Service.

Wenn es nicht funktioniert

Das siehst du

Alle Kennzahlen im Monatsbericht sind erfüllt, die Fachabteilung beschwert sich trotzdem.

Warum

Gemessen wird die Verfügbarkeit einzelner Komponenten, erlebt wird der Geschäftsvorgang darüber.

Was hilft

Je Geschäftsvorgang eine Zusage formulieren und so nah wie möglich an der tatsächlichen Nutzung messen.

Das siehst du

Über die Einhaltung einer Zusage wird gestritten, obwohl beide Seiten dieselbe Auswertung ansehen.

Warum

Der Startpunkt der Uhr ist nicht definiert, also zählt jede Seite ab einem anderen Zeitpunkt.

Was hilft

Den Startpunkt je Zeit ausdrücklich benennen und festlegen, ob die Uhr bei Rückfragen anhält.

Das siehst du

Der Lieferant hält seinen Vertrag ein, das SLA reißt trotzdem.

Warum

Die Zusage nach außen wurde vereinbart, ohne die Zulieferung rückwärts durchzurechnen.

Was hilft

Vom SLA aus die nötigen internen und externen Zusagen ableiten und Lücken vor der Unterschrift schließen.

Das siehst du

Die Verfügbarkeitszusage lässt sich am Monatsende nicht auswerten.

Warum

Es fehlt der Bezugszeitraum, und die Servicezeit ist nicht von der Kalenderzeit getrennt.

Was hilft

Bezugszeitraum und Servicezeit in derselben Zeile festhalten wie den Zielwert.

Das siehst du

Das SLA beschreibt einen Service, den es in dieser Form nicht mehr gibt.

Warum

Der Service wurde weiterentwickelt, die Vereinbarung hat aber keinen Überprüfungstermin.

Was hilft

Eine feste Überprüfung im Dokument verankern und sie an den Turnus des Serviceberichts koppeln.

Sechs Bausteine einer belastbaren Vereinbarung

  1. 01 Die Leistung steht in der Sprache der Fachseite, nicht in Technik.
  2. 02 Die Servicezeiten legen fest, wann die Zusagen überhaupt gelten.
  3. 03 Jede Zusage trägt eine Kennzahl mit Zielwert und Bezugszeitraum.
  4. 04 Das Messverfahren benennt Werkzeug, Messpunkt und Auswertung.
  5. 05 Reaktions- und Wiederherstellungszeit haben getrennte Startpunkte.
  6. 06 Eine Überprüfungsregel hält das Dokument auf dem Stand des Service.
Was du mitnimmst

Was du mitnimmst

Du kannst eine Vereinbarung so aufbauen, dass sie sich am Monatsende auswerten lässt und im Streitfall trägt, und du erkennst die Stellen, an denen übliche Formulierungen zwei Auslegungen zulassen.

Jede Zusage prüfbar machen

Du hängst an jede Zusage eine Kennzahl, ein Messverfahren und einen Bezugszeitraum und streichst alles, was sich nicht ablesen lässt.

Zwei Uhren trennen

Du definierst Reaktionszeit und Wiederherstellungszeit getrennt, jeweils mit Startpunkt und einer Regel für Wartezeiten auf Rückmeldungen.

Die Kette rückwärts rechnen

Du leitest interne und externe Zulieferzusagen aus der Kundenzusage ab und findest Lücken, bevor sie im Ernstfall auffallen.

Am Geschäftsvorgang messen

Du formulierst Zusagen entlang dessen, was die Fachseite tut, statt entlang der Komponenten, die zufällig eine Messschnittstelle haben.

Das Dokument am Leben halten

Du verankerst einen Überprüfungstermin und koppelst ihn an den Turnus des Serviceberichts, damit die Vereinbarung mitwächst.

Weniger Kennzahlen wählen

Du beschränkst dich auf Zusagen, die tatsächlich eine Entscheidung auslösen, damit der Bericht gelesen und nicht abgeheftet wird.

KI-generiertDieses Bild wurde mit KI erzeugt · Yves Hoppe / KI / cmt

Der Aufbau, der sich bewährt hat

Ein SLA beginnt mit der Leistungsbeschreibung in der Sprache der Fachseite: welcher Geschäftsvorgang unterstützt wird, für welchen Personenkreis und an welchen Standorten. Danach folgen die Servicezeiten, also die Zeiträume, in denen die Zusagen überhaupt gelten, und die Wartungsfenster, in denen sie ausgesetzt sind.

Den Kern bilden die Zusagen selbst, jede mit Kennzahl, Messverfahren, Bezugszeitraum und Zielwert. Dazu kommen Reaktionszeit und Wiederherstellungszeit, aufgeschlüsselt nach Priorität. Den Abschluss bilden der Berichtsweg, die Eskalationswege und eine Regel, wann und wie oft das Dokument selbst überprüft wird.

Was nicht hineingehört, ist eine Beschreibung der Technik. Ein SLA, das die Bauweise eines Clusters festschreibt, bindet beide Seiten an eine Lösung, die in zwei Jahren anders aussieht, und blockiert damit genau die Verbesserungen, die es eigentlich absichern soll.

Reaktionszeit und Wiederherstellungszeit werden regelmäßig verwechselt

Die Reaktionszeit sagt, wann jemand mit der Bearbeitung beginnt, die Wiederherstellungszeit sagt, wann der Service wieder nutzbar ist. Wer nur eine der beiden Zeiten zusagt, erzeugt zuverlässig Streit, denn die Fachseite liest jede Zeitangabe als Lösungszeit.

Beide Zeiten brauchen einen definierten Startpunkt. Zählt die Uhr ab dem Eingang der Meldung, ab der Zuordnung zur richtigen Gruppe oder ab der Bestätigung der Priorität? Diese eine Zeile entscheidet im Streitfall über die Auswertung, und sie fehlt in erstaunlich vielen Vereinbarungen.

Dazu kommt die Frage, was mit der Uhr passiert, während auf eine Rückmeldung der meldenden Person gewartet wird. Ohne eine Regel dafür zählt jede Rückfrage gegen die eigene Zusage, und das führt schnell dazu, dass lieber geraten als nachgefragt wird.

SLA, OLA und Lieferantenvertrag müssen zusammenpassen

Das SLA ist die Zusage an die Kundenseite. Ein Operational Level Agreement regelt, was interne Bereiche einander zuliefern, damit diese Zusage haltbar ist, und der Vertrag mit einem Lieferanten regelt dasselbe nach außen. Diese Kette wird sinnvollerweise rückwärts gerechnet, von der Zusage aus.

Der klassische Fehler ist eine Wiederherstellungszeit im SLA, die kürzer ist als die Reaktionszeit, die der Lieferant zugesagt hat. Solche Zusagen halten genau so lange, wie nichts passiert. Wer die Kette einmal von der Kundenzusage bis zum Lieferantenvertrag durchrechnet, findet diese Lücken vor dem ersten Ernstfall.

Der Wassermelonen-Effekt

Der Bericht ist grün, die Kundenseite ist unzufrieden: außen grün, innen rot. Der Grund ist fast immer, dass die Verfügbarkeit einzelner Komponenten gemessen wird, während die Fachseite den Geschäftsvorgang erlebt. Wenn die Anmeldung funktioniert, die Datenbank läuft und die Suche trotzdem zwei Minuten braucht, sind alle Kennzahlen erfüllt und niemand kann arbeiten.

Die Gegenmaßnahme ist eine Zusage je Geschäftsvorgang statt je Komponente, gemessen so nah wie möglich an der tatsächlichen Nutzung. Dazu passt das Experience Level Agreement, also eine Zusage über das erlebte Ergebnis. ITIL 4 kennt es bereits als besondere Form des Service Level Agreements, in der Version 5 bekommt es mit der Experience-Perspektive mehr Gewicht. Beides zusammen macht die Lücke sichtbar, bevor sie als Beschwerde auftaucht.

Dazu passende Kurse

Service Level Management liegt mit Lieferanten- und Beziehungsmanagement im Modul Collaborate, Assure & Improve, und wer die Kette von der Zusage bis zum Lieferanten aufbauen will, kann sich dazu die Trainings zum Service Level Management ansehen .

Wer die Erlebnismessung gleich mitnehmen möchte, findet die Module rund um Kundenerlebnis und Servicequalität im neueren Zertifizierungsschema.

Wissen prüfen

Wie sicher bist du beim Thema wirklich?

Lesen fühlt sich schnell nach Können an. Ein kurzer Test zeigt dir, was davon schon sitzt und wo sich ein Kurs lohnt. Kostenlos, ohne Anmeldung, mit einer Erklärung zu jeder Antwort.

Katharina war eine super Dozentin mit sehr viel Wissen. Sie ist auf alle Fragen eingegangen und konnte alle klären.
PRINCE2® 7 Kompaktkurs (Foundation & Practitioner)
Ein sehr anspruchsvolles Training welches von einer sehr kompetente Trainerin geleitet wurde.
PRINCE2® 7 Kompaktkurs (Foundation & Practitioner)
Alles in allem bin ich sehr zufrieden, da der Trainer sich viel Mühe gegeben hat und alles sehr gut erklären konnte.
ITIL® 4 Foundation (English)

Häufige Fragen

Braucht jeder Service ein eigenes SLA?
Nein, und zu viele Dokumente sind ein eigenes Problem. Für die meisten Standardleistungen reicht eine gemeinsame Vereinbarung mit gestuften Zusagen. Ein eigenes SLA lohnt sich dort, wo die Fachseite besondere Zeiten braucht oder wo eine Abweichung tatsächlich Konsequenzen auslöst.
Was passiert, wenn eine Zusage gerissen wird?
Fachlich gehört in das Dokument, wie eskaliert und berichtet wird und in welchem Rahmen die Ursache nachgearbeitet wird. Vertragsstrafen und Haftungsfragen sind eine juristische Angelegenheit und gehören in den Vertrag, nicht in die Leistungsbeschreibung.
Wie viele Kennzahlen sind sinnvoll?
So wenige, dass die Fachseite sie im Gespräch aufzählen kann. Eine Vereinbarung mit zwanzig Kennzahlen wird weder gelesen noch gesteuert. Drei bis fünf Zusagen, die tatsächlich eine Entscheidung auslösen, wirken mehr als eine vollständige Liste.
Was unterscheidet ein Experience Level Agreement vom SLA?
Ein SLA misst die erbrachte Leistung, ein Experience Level Agreement misst das erlebte Ergebnis, etwa wie lange ein häufiger Geschäftsvorgang tatsächlich dauert. Es ersetzt die technischen Kennzahlen nicht, sondern zeigt die Lücke zwischen grünem Bericht und unzufriedener Nutzung.

Passt thematisch dazu

Wenn du den Begriff erst selbst einordnen willst, bevor es an die Formulierungen im Vertrag geht, findest du im Glossar die knappe Begriffsbestimmung samt typischer Kennzahlen .

Persönlich für dich da

Deine Ansprechpartner

Du bist dir nicht sicher, welcher Kurs oder welches Level zu dir passt? Wir beraten dich persönlich und kostenlos.

Yves Hoppe

Yves Hoppe

Weiterbildung & Beratung

Hilft dir, aus dem ITIL & PRINCE2-Programm den passenden Kurs für deinen Stand zu finden.

Norbert Jansen

Norbert Jansen

Beratung & Inhouse

Plant mit dir Inhouse-Trainings, die auf eure Abläufe und euren Datenbestand zugeschnitten sind.

Eine Vereinbarung ist so gut wie ihr Messverfahren

Der Aufbau der Kette aus Kundenzusage, interner Zulieferung und Lieferantenvertrag gehört ins Modul Collaborate, Assure and Improve.